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Weiter mit dem Thema Emotionen

Das Bild das ich zu meiner momentanen Tätigkeit im Kopf habe, ist es auf einem Boot stehend auf einem Fluss durch die Unterwelt zu staken. Dabei ist diese Unterwelt in ihrem Aussehen eine Mischung aus Hades und Hölle, an manchen Stellen dunkel und kalt, an anderen Stellen heiß und hell.

Die großen Weiten des Internets helfen mir mein eigenes Interesse auch in einem größeren Kontext ernst zu nehmen und nicht nur als individuelle Marotte zu begreifen. Es erfordert nur wenige Schlagworte und Seitenaufrufe, um zu wissenschaftlich relevanter Lektüre zum Thema Emotionen zu gelangen. Und das ist für mich eine der großartigsten Großartigkeiten des Netzes. Wo ich in der Vergangenheit auf Zufallsfunde schriftlicher Art angewiesen war und zum Austausch nur die Menschen in erreichbarer Umgebung zur Verfügung standen, die mit meinen für sie befremdlichen Interessen häufig so gar nichts anfangen konnten, stehen mir jetzt Gedanken von anderen zur Verfügung, die sich mit meinen Interessen zu decken scheinen. Das macht vieles so sehr viel leichter, denn es fällt mir noch immer schwer die jahrelangen Ablagerungen und Krusten von meiner Haut zu schütteln, die mich in einem engen Panzer gehalten haben, und die Welt als einen Raum der Möglichkeiten zu betrachten, nicht der Unmöglichkeiten, wo für mich nur Nischen zum reinen Überleben zu finden sind.

Ein wichtiger Schritt ist jetzt die Beschäftigung mit den Emotionen. Erneut scheine ich auf ein Thema gestoßen zu sein, bei dem nicht nur für mich noch Klärungsbedarf besteht. Der kleine verlinkte Artikel verweist neben anderem auch gleich auf zwei Gedankengänge, auf die ich bereits beim Nachdenken schon gestoßen bin. Das ist einerseits eine Tradition den Verstand über die Gefühle zu stellen, wobei unterlegenen Bevölkerungsteilen, wie beispielsweise Frauen :-), dann mehr Bezug zum Gefühl statt zum Verstand zugeordnet wurde. Das andere ist die Frage danach, wie weit die reinen Empfindungen, die wir alle haben, von Menschen unterschiedlicher kultureller oder sozioökonomischer Herkunft unterschiedlich interpretiert werden.

Ich verwende zur Zeit die Methoden, dass ich mich selbst beobachte, dass ich andere beobachte, dass ich versuche mich in andere hineinzuversetzen und ihre Gefühle nachzuvollziehen, und dass ich beobachte wie das was ich bei anderen wahrnehme auf meine Gefühle einwirkt. Dann noch Nachdenken, also Reflexion und Assoziationen. Ich bin noch nicht an dem Punkt dass ich andere befragen könnte, dazu benötige ich erst einmal Kenntnisse dazu wonach ich eigentlich fragen will.

Aufgegriffen habe ich auch erneut eine aus dem Buddhismus stammende Technik der systematischen Beobachtung von Körperempfindungen, allerdings mache ich das dieses Mal etwas anders als ich es in der Vergangenheit gelernt hatte. Dieses Mal ist meine Zielsetzung nicht gleichmütig zu bleiben, sondern ich versuche zu verstehen was da eigentlich vor sich geht. Es ist für mich einfach einzelne Körperempfindungen auszumachen, auch den Gesamtüberblick über die Kombination aus Empfindungen zu so etwas wie der Gesamtempfindung zu behalten, das was im Alltag ohne spezielle Konzentration am ehesten aufrecht erhalten werden kann. Der Bereich in dem ich kein Wissen habe, ist wie das Ganze mit meiner Wahrnehmungszentrale im Kopf verbunden ist. Emotionen sind nicht einfach diese Empfindungen im Körper. „…dass der mimische Ausdruck der Grundemotionen universal ist, aber Gefühle kulturell unterschiedlich bewertet und wahrgenommen werden.“[1], dieser kleine Satz weist auf etwas hin, was bei meinen Selbstbeobachtungen ebenfalls als Frage aufgetaucht ist.

Ein weiterer Hinweis findet sich bei Trepp (2002, S.87) wo eine der klassischen Theorien der Psychologie erwähnt wird, die Schacht-Singer-Theorie, die besagt, dass Emotionen durch die „Interpretationen unserer physiologischen Zustände und durch die gleichzeitige Verarbeitung der jeweils erlebten Situation“ entstehen“ (ebenda). Ebenfalls Erwähnung findet die James-Lange-Theorie, nach der „Emotionen […] durch kognitive Interpretationen unseres Verhaltens entstehen.“(ebenda) Diese Variante scheint aber nicht zu dem zu gehören, was im Bereich meines Beobachtungsrahmens lag, genauso wenig wie der integrative Ansatz von Luc Ciompi, nachdem Emotionen als kausaler Zusammenhang und „Wechselwirkungen zwischen Denken, Fühlen und Handeln“ (ebenda) zu betrachten sind, denn bei meiner Selbstbeobachtung waren Verhaltens-und Handlungsaspekt nicht vorhanden. Es sei denn man betrachtet Änderungen im Denken oder der Einstellung als Verhalten oder Handeln.

In dem Text von Trepp findet sich noch ein weiterer Aspekt. „Denn von der fehlenden Verbalisierung läßt sich nicht ohne weiteres auf die Nichtexistenz von Emotionen schließen.“ (Trepp 2002, S.88) Es handelt sich hier um einen den Kulturwissenschaften zuzuordnenden Text, der gleichzeitig darauf verweist, dass die Artikulation und explizite Benennung von Gefühlen zu unterschiedlichen Zeiten, in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und in unterschiedlichen Textarten verschieden gehandhabt wurde. Von der fortwährenden Existenz von Gefühlen und ihrem Einfluss ist allerdings auszugehen, auch wenn niemand darüber schreiben oder sprechen würde.

Ein weiterer Aspekt meiner Selbstbeobachtung wird ebenfalls thematisiert. Gefühle werden in Sprache übersetzt, um sie zu benennen. Das bedeutet es wird kulturell vermittelt gelernt bestimmte Empfindungen mit bestimmten Begriffen zu verbinden. „Sprache formt und prägt Emotionen, ja bildet sie sogar bis zu einem gewissen Grad erst aus. Ethnologische Beobachtungen lassen vermuten, daß Gefühle, für die es keinen sprachlichen Ausdruck gibt, offenbar gar nicht existieren.“ (ebenda, S.89) Bei meinen Selbstbeobachtungen hatte es mich auch interessiert welche Auswirkungen es hat, wenn ich statt auf Deutsch auf Englisch denke. Da diese Überlegungen an dieser Stelle aber zu weit führen, lasse ich sie erst einmal ruhen. Sie erscheinen aber im Zusammenhang mit Lernen von großer Bedeutung.

Als weitere Funde im Text ergeben sich für mich noch, dass die Bedeutung von Emotionen im 18. Jhdt. im Bürgertum sehr hoch war, während im 19. Jhdt. die Rationalität diesen Platz übernahm, also erst da die unterschiedliche Zuordnung zu den Geschlechtern einsetzte, und dass je höher die Bedeutung der Vermittlung von Emotionen in einer Gesellschaft ist, desto mehr Emotionen identifiziert und benannt werden (ebenda, S.97).

Zum Schluss ist noch eine Begriffsklärung vorzunehmen. In ihrem Vortrag [2] unterscheidet Kasten (ab 11.47) zwischen Gefühl und Emotion, wobei sich Gefühl auf das subjektive Erleben bezieht und Emotion der übergeordnete Begriff ist. Persönlich neige ich dazu Gefühl und Empfindung als Begriffe für das subjektive Erleben zu benutzen, wobei die Empfindung das Geschehen auf der körperlichen Ebene der Erscheinungen bezeichnet, das Gefühl die Zusammenfassung von verschiedenen Empfindungen zu einem größeren Ganzen, das dann eine Gesamtinformation liefert. Der Begriff Emotionen bezeichnet für mich den Gesamtbereich, also auch die Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprozesse von Empfindungen und Gefühlen, die mir bisher allerdings noch unklar sind.

Als nächster Schritt steht jetzt aus die Unibib nach Literatur zu durchsuchen (125 Treffer für Emotionen) und zwischendurch möglichst auch die Weihnachtsvorbereitungen voranzutreiben. 🙂

 

Referenzen:

[1] http://www.3sat.de/page/?source=/scobel/160625/index.html

[2] http://www.uni-giessen.de/videoblog-gcsc/?p=1276

Trepp, A.C.(2002). Gefühl oder kulturelle Konstruktion? Überlegungen zur Geschichte der Emotionen. In Kasten et. al. Querelles Jahrbuch – Neuerscheinung. Band 7. Kulturen der Gefühle in Mittelalter und Früher Neuzeit. URL: http://www.zefg.fu-berlin.de/media/pdf/querelles_jahrbuchaufsatz4.pdf (abgerufen 21.12.2014)

Was noch interessant ist:

Damasio, A.R.(1994). Descartes‘ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn. München: List.

Müller, A.W. & Reisenzein, R.(2013). Emotionen – Natur und Funktion. In Hubig, C. & Jüttemann, G. (Hrsg.). Philosophie und Psychologie im Dialog  Band 12. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG.

Schwarzer-Petruck, M. (2014). Emotionen und pädagogische Professionalität. Zur Bedeutung von Emotionen in Conceptual-Change-Prozessen in der Lehrerbildung. Wiesbaden: Springer.

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