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Entfremdung, Emotionen und Modul 3B

Beim Fortschreiten meiner Hausarbeit zum Modul 3B, das ein Praktikum als Hintergrund hat, wird für mich zunehmend sichtbar, dass von dem was für mich am Praktikum bemerkenswert, wichtig und auffällig war, kaum etwas in der Arbeit enthalten sein wird. Ich hatte im Vorfeld schon ähnliches von Studierenden gehört, deren Arbeit bereits beendet war, aber gehofft selber davonzukommen.

Die Hausarbeit basiert auf den Vorgaben des Lehrgebiets, der Inhalt wird dadurch sehr klar gelenkt, die Anzahl der Seiten für die einzelnen Themen, aus denen das Ganze bestehen soll, erlaubt dabei nur eine Beschränkung auf Wesentliches. Die Auswahl, die aus den Erfahrungen mit dem Praktikum getroffen wird, beschränkt sich außerdem auf diese vorgegebenen Themen. Noch nicht einmal das Fazit erlaubt durch Vorgabe und Begrenzung Rückblick und Schlussfolgerung mit eigener Schwerpunktsetzung.

Die Verwendung des Begleitblogs als Arbeitstool hatte es mir ermöglicht, für mich wichtige Themenbereiche in einzelnen Blogposts zumindest anzureißen. Dadurch konnte ich das Praktikum noch einmal mit anderen Augen sehen und die Spannungsfelder, die ich als damit verbunden erfahren hatte, genauer bestimmen. Das hat bei mir klar zu einem Erkenntnisgewinn geführt, der Auswirkungen auf meine Einstellungen und mein Handeln hat. Die Blogarbeit hatte die Vorstellung geweckt, dass davon auch etwas in die Hausarbeit einfließen könnte. Nachdem ich nun aber den Rest der Arbeit überblicken kann, sehe ich dafür keinen Raum.

Das was ich mir auf dem Begleitblog erarbeitet habe, benötige ich nur zu Teilen für die Hausarbeit. Die Blogarbeit selbst wird nicht in die Benotung einfließen. Für die Bestätigung meiner Studienleistung habe ich hier also in weiten Teilen umsonst gearbeitet. Die Blogarbeit war für mich allerdings das Bedeutungsvollste an diesem Modul mit dem größten Erkenntnisgewinn. Nach Abschluss der Blogarbeit hatte ich den Eindruck mit dem Modul letztlich fertig zu sein, war zur Hausarbeit nur wenig motiviert und habe mich dann zwischendurch mit anderen für mich wichtige Themen weiter beschäftigt wie die Bedeutung der Emotionen für das Lernen oder in welcher Form Bildung und Bildungsmomente auftreten, auch in meinem eigenen Leben als mein eigenes Bildungspaket. Der Eindruck nach Abschluss der Blogarbeit, das für mein inhaltliches Lernen Wesentliche getan zu haben, bestätigt sich momentan während der Hausarbeit. Hier lerne ich jetzt primär die formale Bewältigung einer solchen Prüfungsleistung, die Inhalte selbst erzeugen nur begrenzt eine innere Beteiligung.

Ich erfahre dabei ein ganz bestimmtes Spannungsfeld, das ich noch nicht ganz umreißen kann. Die Vorgaben der Hausarbeit stellen eine Einschränkung dar, die dazu benutzt werden kann, die einzelnen Arbeiten besser vergleichbar und messbar zu machen. Die Aufmerksamkeit wird dabei allerdings auf das gelenkt, was das Lehrgebiet als wichtig begreift. Das ist nicht ohne Interesse, das was für mich selbst wichtig und bedeutungsvoll ist muss ich aber getrennt davon eigenständig bearbeiten. Unterbringen kann ich es nicht. Damit entferne ich mich mit meinen Erfahrungen und meiner Arbeit aber von der Spur, die als Maßstab gesetzt wird. Wollte ich jetzt das Praktikum in einer Weise bearbeiten, die auf meinen Erfahrungen aufbaut und diese zu einem gelungenen Abschluss bei einer Verknüpfung mit Theorien führt, müsste ich parallel eine weitere, anders geartete Arbeit erstellen.

Einerseits bin ich bei der Hausarbeit jetzt mit einem gewissen Entfremdungsprozess konfrontiert, da ich nicht das bearbeite was für mich bedeutsam ist, sondern meine Erfahrungen auf das reduziere, was mir ein anderer zugesteht. Meine eigenen Erfahrungen, Gedanken, Überlegungen, Interessen und Vorwissen erhalten dabei eine untergeordnete Bedeutung. Diese Information ist dabei auf einer dem Bewusstsein nur begrenzt zugänglichen Ebene eingesickert. Kurz: In habe nebenher den Eindruck vermittelt bekommen, dass die Themenfelder des Lehrgebiets von offizieller Wichtigkeit sind, die meinen sind es aber nicht. Auch nicht das was mir auffällt und was ich als bedeutsam betrachte. Den Tatsachen entspricht das allerdings nicht. Da mir momentan durch Netz- und UniBibzugang eine Vielfalt von Informationen zur Verfügung steht, weiß ich, dass es Wissenschaftler gibt, die sich genau mit den Themen beschäftigen die für mich bedeutsam sind, und dass es eine Vielfalt von Ansätzen gibt um Erkenntnisse zu gewinnen.

Emotional bin ich jetzt andererseits in einem Dilemma. Ich habe mich in der letzten Zeit mehr und mehr aus sozialen Aktivitäten ausgeklinkt. Ich suche kaum noch Diskussionen oder Auseinandersetzungen. Eine Zeit lang habe ich viele Kommentare zu Themen geschrieben, die mich interessieren, jetzt lese ich oft nur von einer fernen Position aus und zögere dabei einen Kommentar zu hinterlassen. Manchmal setze ich an zu schreiben und lösche dann alles wieder. Es ist eine alte Lösungsstrategie, auf die ich dabei unbewusst zurückgegriffen habe. Selbstzensur. Wenn das was mich beschäftigt für andere ohne Interesse ist, warum soll ich mich dann beteiligen. Das was mich beschäftigt hat schließlich keinen Wert für die Gemeinschaft. Diese Schlussfolgerung ist etwas fatal, es ist aber das was geschieht. Und es ist eine Angelegenheit der Emotionen.

Da ich gleichzeitig weiß, weil ich es erfahre, dass meine Gedanken, Themen, Probleme bedeutungsvoll sind, zumindest für mich und vielleicht ein paar andere, stoppe ich nicht mich damit zu beschäftigen. Mich selbst nehme ich vor mir selbst durchaus ernst. Ich nehme meine Interessen allerdings nur noch begrenzt ernst in Bezug auf die Gemeinschaft. Als Formulierung ist es dann die Beschäftigung mit exotischen Themen. Wen kümmern die. Die Gemeinschaft hat Wichtigeres zu tun. Hat sich mit anderen ernst zu nehmenden Dinge zu beschäftigen.

Es ist die Stimme der Emotionen, die hier spricht. Menschheitsgeschichtlich halte ich sie für eine alte Stimme.

Ich sitze also in meinem Dilemma und mein Verstand versucht meinen Emotionen die Situation zu erhellen. Die sind aber reichlich störrisch. Vielleicht kann mein Verstand mit meinen Emotionen allerdings nur nicht in der richtigen Weise kommunizieren. Mit diesem Blogpost versucht er es und damit scheint es erneut ein Blogpost nur für mich zu werden. Mal wieder die Ebene verfehlt auf der ich eine öffentliche Kommunikation als sinnvoll betrachte. Oder?

In einem Diskussionsbeitrag auf Moodle habe ich kürzlich thematisiert, dass ich anscheinend doppelt arbeiten muss. Ich muss lernen die Dinge des Studiums auf die übliche Weise zu tun, parallel dazu muss ich aber so vorgehen, dass die Inhalte in meinen eigenen Weltkonstruktionen einen Sinn ergeben, damit ich sie anwenden kann und sie dadurch einen bleibenden Nutzen für mich haben.

Genau so ein Prinzip liegt hier ebenfalls vor. Ich habe keine Ahnung wie ich das lösen soll. Lösen möchte ich es, weil ich die negativen Auswirkungen spüre. Ich möchte eine Verbindung zur Gemeinschaft wahren, gleichzeitig kann ich nur gut arbeiten, wenn das womit ich mich beschäftige für mich selbst bedeutungsvoll ist. Genau das ist jetzt das Problem mit der Pflichtübung Hausarbeit. Und es tritt zutage, weil etwas für mich Bedeutungsvolles die Grundlage war.

Aus den sozialen Netzwerken weiß ich, dass es anderen ähnlich erging. Genaueres weiß ich leider nicht, andere haben sicherlich ein anderes Innenleben wie ich, sprich, abweichende Weltkonstruktionen. Aber die Differenz der Bedeutsamkeit des Praktikums und der entfremdeten Pflichtübung der Hausarbeit habe ich mehrfach wahrnehmen können. Mich bringt das jetzt diesen Studierenden näher und entfernt mich dabei vom Lehrgebiet. Daher reihe ich mich jetzt ein in das Heer der namenlosen Studierenden, die nichts Bedeutsames beizutragen haben, da für das was für sie Bedeutung hat, kein Platz zur Verfügung gestellt ist.

Das bedeutet nun aber nicht, dass es nirgendwo einen Platz gibt. Die eigenen Bedeutsamkeiten zu erkennen, aufrecht zu erhalten und weiter zu entwickeln, kann vielleicht dazu führen diesen Platz zu entdecken oder selbst zu erschaffen.

Wichtig ist es jetzt meine Emotionen zu streicheln und ihnen zu vermitteln dass alles gut ist. Das ARCS-Modell als motivationales Modell beinhaltet die Schritte Aufmerksamkeit für etwas zu erzeugen, ihm persönliche Bedeutsamkeit zu geben, die Zuversicht für ein Gelingen des Lernbemühens aufzubauen und damit die Möglichkeiten eines Erfolges zu fördern, so dass letztlich Zufriedenheit erreicht werden kann. Im Hintergrund stehen dabei emotionale Prozesse als Basis für Motivation.

Für mich ist der positive und förderliche Umgang mit Emotionen im Zusammenhang mit Lernen und Arbeiten von großer Wichtigkeit. Dafür gibt es Gründe, auf die einzugehen an dieser Stelle zu weit führt. Es ist aber genau das, woran ich weiter arbeiten möchte, weil ich dort etwas herauszufinden habe, das ich nicht nur für mich als bedeutsam ansehe.

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