Bildungsmäuschen

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Projekt vs. Prozess

Momentan habe ich Bedarf für einen sehr langen Blogeintrag und intensive Recherche, muss aber versuchen mich kurz zu fassen, da der Abgabetermin für die Hausarbeit in Modul 3B näher rückt und ich noch einiges zu tun habe. Im Augenblick denke ich, mein Problem ist der Unterschied zwischen Projekt und Prozess. Ich gestalte überhaupt keine Projekte, sondern ich gestalte Entwicklungsprozesse. Der Hauptunterschied ist, dass ein Projekt weiß wo es hin will, es hat ein am besten zuvor klar definiertes Ziel. Ein Prozess weiß aber noch nicht genau was am Ende sein wird, weiß nicht genau wo seine Wege entlang führen und muss das auch gar nicht wissen.

Ich versuche nun die ganze Zeit aus meinem Prozess (das Praktikum, das ich in der Hausarbeit bearbeite) ein Projekt zu machen, weil die von außen kommenden Anforderungen mich in diese Richtung drängen. Der Begriff Projekt korreliert stark mit Begriffen wie Effizienz und Effektivität, legt straffe Planung, geordnete und systematisierte Durchführung, sowie Reliabilität und Validität der Überprüfung nahe. Ich habe nichts dagegen. Das ist im passenden Kontext wichtig, aber Prozesse sind einfach etwas anderes.

Hier sehe ich auch das Problem, das ich mit 3B im Zusammenhang mit dem Bildungsbegriff habe. Bildung ist für mich kein Projekt, sondern ein Prozess.

Kürzlich habe ich ein Buch gelesen, im dem ein Studium als Projekt gemanagt wird. Kann man so machen. Es ist mit Sicherheit hilfreich, um ohne Zeitverlust das Ziel, den Abschluss, effektiv und effizient zu erreichen. Aber… für mich ist auch ein Studium ein Entwicklungsprozess. Sogar meine reflektierende Hausarbeit ist es. Momentan würde ich sie am liebsten fallen lassen und noch einmal neu aufsetzen, da meine Entwicklungsprozesse mich während des Schreibens eben woanders hingeführt haben als geplant. Werde ich nicht machen, ich werde jetzt versuchen das Beste aus der Situation zu machen, da ich immer noch vorhabe das Planungsziel zu erreichen. Aber nur deshalb, weil ich keine Möglichkeit für eine Terminverlängerung habe und der nächste Abgabetermin erst in einem halben Jahr ist. Und ich habe keine Ahnung wo ich mich dann geistig befinde. Und ich habe auch keine Ahnung was das Lehrgebiet im nächsten Semester aus dem Modul machen wird. Daher werde ich jetzt Kompromisse eingehen.

Ich werde auf diese Art und Weise nie mit etwas wirklich fertig, finde das aber nicht schlimm. ma ma (まま) ist der japanische Ausdruck dafür. Es ist wie es ist. Ich bin auf einer andauernden Reise.

Ich denke, auf dieser Basis kann ich mir jetzt vieles erklären, was ich an diesem Modul und diesem Lehrgebiet nicht begreife. Jetzt wird mir die inhaltliche Ausrichtung klar, die Art der Problemlösung im Modul selbst, das Bemühen Normalität einkehren zu lassen statt Entwicklungschancen unmittelbar aufzunehmen und weiter zu verfolgen. Bestimmte Geringbewertungen von inhaltlichen Aspekten und Ausdrucksformen von Menschen werden für mich ebenfalls verständlich. Verständlich wird für mich nun auch warum Nachdenken, Reflexion, Emotionen, Motivation, Kreativität oder Holistik für mich so bedeutungsvoll sind. Entwicklungsprozesse arbeiten damit. Und es wird klar, warum ich in der letzten Zeit zunehmend den Eindruck habe doppelt arbeiten zu müssen. Ich habe den Maßstäben des Lehrgebiets gerecht zu werden. Ich habe meinen eigenen Maßstäben gerecht zu werden. Und kann beides nur nebeneinander, kaum miteinander tun.

Ich kann durch diese Überlegungen jetzt eine andere Perspektive einnehmen. Das ist durchaus einer der KlackerKlackerMomente. Ich habe jetzt auch einen Hinweis wonach ich zu suchen habe, wenn ich lesen will, was andere zu dieser Thematik geschrieben haben. Wie bereits geschrieben, habe ich jetzt nicht sehr viel Zeit, auch nicht für eine unmittelbare Recherche wie es sonst eher meine Gewohnheit ist. Ich weiß aber aus meinem Studium schon jetzt, dass meine Überlegungen mit grundlegenden Problemen im Bereich der Bildung in Verbindung stehen. In meinem Kopf ist auch die Frage danach entstanden, wie man eigentlich Bildungsmomente gestalten kann. Ob man das überhaupt kann?

Inzwischen ist mein Selbstbewusstsein wieder gestiegen und mein Kopf klarer geworden, da ich besser begreife wo ich selbst einzuordnen bin. Das wirkt sich wiederum positiv auf meine Handlungsfähigkeit aus. Ich greife jetzt auch verstärkt auf alte Gepflogenheiten in Bezug auf meine zu betreuenden Kinder zurück. Ohne dabei grundlegende Änderungen vorzunehmen, versuche ich einfach effizienter zu sein.

Und ich denke, es ist sinnvoll mir genauer Gedanken darüber zu machen, wie ich eigentlich arbeite, was dabei für mich wichtig ist, durch welche Kompetenzen ich mich eigentlich auszeichne. Und was für mich nützlich ist. Welche Tools jemandem wie mir helfen. Das zu entwickeln, daran sollte ich arbeiten. Und ganz genau das sollte ich als wichtig betrachten.

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