Bildungsmäuschen

Startseite » Bildungsthemen » Bildung studieren in Zeiten von Bildungswahn

Bildung studieren in Zeiten von Bildungswahn

Zur Zeit beschäftige ich mich vor allem mit den Emotionen. Dabei befinde ich mich an dem Punkt zu bestimmen was sie eigentlich sind und… nun…

Wenn ich in einem Lehrbuch zu Emotionspsychologie von 2014 [1]

  • keine Definition sondern nur eine Arbeitsdefinition finden kann, auf deren Basis dann versucht wird Emotionen überhaupt erst einmal untersuchbar zu machen,

und dieses Buch darauf aufmerksam macht,

  • dass in der Psychologie unter Emotionen sehr Unterschiedliches verstanden wird,
  • dass es so viele Definitionsvorschläge dafür gibt, dass sie gezählt und sortiert wurden,
  • und dass sich der fehlende Konsens negativ auf die Forschung auswirkt, da Untersuchungsergebnisse nicht verglichen werden können, da sie von unterschiedlichen Prämissen ausgehen [1, Seite 35 f.]

und wenn ich berücksichtige, dass sich auch Philosophie und Soziologie mit Emotionen in einer ihren Disziplinen entsprechenden Weise mit Emotionen beschäftigen und… nun…

Ich kann daher momentan nicht gut über Emotionen schreiben. Die Beschäftigung damit ist aber der Hintergrund vor dem mir klar wird, dass ich erst einmal schreiben muss was ich meine, wenn ich das Wort Bildungswahn benutze. Für Stefan Sasse ist es „die Idee, dass jeder ein Intellektueller werden könnte“. Das meine ich nicht. Das Thema Bildungswahn finde ich momentan vor allem im Zusammenhang mit Schulen und mit Kitas. Allerdings nicht nur hier.

Sehr interessant ist an dieser Stelle auch die Definition der Wikipedia von Wahn:

„Wahn ist ein Krankheitssymptom aus dem Fachgebiet der Psychiatrie. Es handelt sich um eine schwere inhaltliche Denkstörung und kommt im Rahmen verschiedener psychischer Störungen vor. Der Wahn ist eine die Lebensführung behindernde Überzeugung, an welcher der Patient trotz der Unvereinbarkeit mit der objektiv nachprüfbaren Realität unbeirrt festhält. Dies kann eine Störung der Urteilsfähigkeit zur Folge haben.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Wahn)

Wo befinde ich mich nun selbst? Ich habe mein Bildungspaket täglich vor Augen und da ist verdammt wenig drin. In den letzten Tagen hatte ich öfter im Kopf, dass ich eigentlich mein Bemühen nicht auf andere, sondern auf mich ausrichten sollte. Sprich: nicht Lernangebote für andere schaffen, sondern mich damit beschäftigen wie ich die Lernmöglichkeiten für mich selbst verbessere. Wer tut das denn sonst in diesem ganzen Bildungswahn?

Seniorenuni, Kinderuni, überall scheinen die Bildungsangebote aus dem Boden zu schießen. Willkürlich, ungeordnet. Was früher ein anderes Etikett trug, kommt jetzt als Bildungsangebot einher. System hat das nicht. Es geht wild durcheinander. Damit verbunden ist gleichzeitig ein Druck wahrnehmbar. Bildung und Druck? Geht das überhaupt? Und auch zu diesem Thema finden sich aktuelle journalistische Beiträge im Netz.

Bildung, Druck, Wahn. Mit dem Druck und dem Wahn habe ich dabei so gar nichts am Hut. Die könnten mir glatt den Spaß an der Bildung vermiesen.

Bildungswahn ist für mich ein Zustand, in dem ungeprüfte Vorstellungen von dem was Bildung ist genommen und auf das gesamte Leben angewendet werden. Das komplette Leben soll dabei auf Bildung hin optimiert werden, allerdings ohne dabei einen fundierten Plan zu verfolgen. Das dabei geltende Prinzip ist: je mehr, desto besser. Es existieren weder eine Grenze noch tatsächliches Wissen über das was wirkt, wie es wirkt und was nicht wirkt. 

So formuliert wird für mich deutlich, dass ich mir keine Sorgen machen muss. Wenn viele Kinder in der Betreuung gleichzeitig und sofort etwas von mir wollen, sage ich manchmal: „Je mehr ihr mich drängelt, um so langsamer werde ich.“ Und wenn  der Druck von ihrer Seite zu groß wird, dann setze ich mich auch schon mal hin und sage: „So, jetzt mache ich Pause, bis es wieder ruhiger wird.“ Ich habe da gute Schutzmechanismen. Bei kurzzeitigem Druck werde ich zwar zuerst schneller, ist aber eine bestimmte Grenze erreicht, dann beginne ich zu streiken. Und das ist gut so.

Momentan streike ich. Jetzt bin erst einmal ich selbst dran. Ruhig, entspannt, gelassen, neugierig und ohne Sorge. Weil Lernen genau unter diesen Bedingungen gut funktioniert. Nicht unter andauerndem Druck. Und weil es wichtig ist unterwegs immer wieder inne zu halten und sich zu orientieren wo man sich überhaupt befindet.

Und von da aus kann es dann ganzheitlich in Richtung Bildung gehen. Langsam und ohne Wahn. Wie war das mit den Chinesen die inzwischen umschwenken? Leerlaufen lassen, hat mein Vater früher gesagt. Die muss man sich leerlaufen lassen. Und dabei Ruhe bewahren. Das scheint mir hilfreich.

Referenz:

[1] Schmidt-Atzert, L., Peper, M., Stemmler, G. (2014). Emotionspsychologie. Ein Lehrbuch. Stuttgart: Kohlhammer.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: