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Puzzleteile zum Thema Emotionen

Ich würde gerne das was ich zur Zeit tue für andere nachvollziehbar und für mich später rekonstruierbar dokumentieren, bin dazu aber nicht in der Lage. Ich denke, das ist vor allem ein zeitliches Problem. Seit Beginn des Jahres versuche ich täglich kurz zusammenzufassen was bei meiner beruflichen Tätigkeit für Vorkommnisse waren und was ich gemacht habe, und schon das gelingt mir für den jeweils sehr kurzen Zeitraum an den einzelnen Wochentagen kaum. Was das Studium und die damit in Verbindung stehenden Aktivitäten betrifft ist es unmöglich. Ich arbeite an dem was mich beschäftigt so lange ich kann und benötige dann noch Zeit für Entspannung und Reflexion. Für eine systematische Dokumentation bleibt kein zeitlicher Rahmen. Da ich aber gedanklich versuche einen Überblick zu behalten und Zusammenhänge zu sehen, entsteht das Bedürfnis das auch festzuhalten. Es scheint aber ein unerfüllbarer Wunsch bleiben zu müssen. Ich werde mit Fetzen von gelegentlicher Dokumentation Vorlieb nehmen und meine Frustration darüber bewältigen müssen. Zumindest wird mir jetzt klarer, dass hinter allem was ich von anderen Menschen erfahre und das sie mitteilen noch so viel mehr steht, das nie zum Vorschein kommen wird.

In Bezug auf die Emotionen trage ich also weiterhin Puzzelteile zusammen. Die Aufmerksamkeit auf ein Thema zu richten führt dabei zur Sammlung von Informationen aus sehr unterschiedlichen Quellen. Hilfreich für mein persönliches Verständnis war in den letzten Tagen die Vorstellung von Emotionen als energetische Phänomene in einem YouTubeVideo. Zu Problemen kommt es, wenn diese Energie an einem freien Fluss gehindert wird und Strategien gefunden werden müssen, um mit dieser Situation umzugehen.

Interessant war weiterhin das Webinar „Faszination E-Learning“ mit dem Thema „Emotionen beim E-Learning nutzen“, mit Zusatzinfos durch Markus Jung verlinkt. Danke an ihn. In diesem Webinar stellt Sylvan Becchio seine Masterthesis vor. Er verbindet dabei Erkenntnisse aus der Psychologie mit Erkenntnissen aus dem Gamedesign um besseres E-Learning zu gestalten. Das ist nicht mein Thema, hilft mir aber mein eigenes Thema besser einzukreisen. Er sieht Emotionen als ständige Begleiter beim Lernen, als fortwährende Bewertung von Situationen und als Wegweiser für Handlungsentscheidungen. Sowohl positive Emotionen als auch negative Emotionen eignen sich zum Lernen, führen allerdings zu unterschiedlichen Strategien, das heißt, sie beeinflussen die Art und Weise wie gelernt wird. Er führt dabei auch den emotionslosen Zustand als eine Option an, in dem gelernt werden kann. Wie Jean-Pol Martin bei LdL verwendet er Grundbedürfnisse im Rahmen von Lernen, allerdings nur die psychologischen, deren Befriedigung in einer Lernsituation zu Wohlbefinden führt.

Nicht ganz klar ist mir geworden warum er eigentlich die positiven Emotionen beim Lernen fördern will. Er entwickelt verschiedene Vorschläge für Strategien auf der Basis des Gamedesigns, es gibt dafür auch ein Plakat, das zu erstellen an seiner Fernfachhochschule eine Verpflichtung ist, doch wenn Lernen auch in einem emotionslosen Zustand oder mit negativen Emotionen möglich ist, was ist dann an dem Weg positiver Emotionen von Vorteil? Eine Antwort darauf habe ich während des Webinars nicht wirklich bekommen. Ich könnte noch einmal gezielt in der Aufzeichnung oder in seiner Masterthesis danach suchen. Da das momentan für meine Fragestellung aber nicht bedeutsam ist, verfolge ich es erst einmal nicht weiter.

Ein weiterer Aspekt ist ebenfalls erwähnenswert. Wie auch während der Beschäftigung mit dem Rassismus wende ich das was ich lese, überlege und feststelle direkt an. Das führt einerseits dazu, dass ich stärker darauf achte was in mir selbst zu dem Thema vor sich geht, als auch was ich bei anderen wahrnehme. Dabei wurde auffällig, dass ich dazu neige Empfindungen zu verstärken. Inzwischen unterbreche ich diese Gewohnheit durch die Achtsamkeit darauf häufiger, was dazu geführt hat, dass ich mich insgesamt in einem entspannteren Zustand befinde. Außerdem registriere ich stärker den Ausdruck von Emotionen bei anderen, die für mich sichtbar sind, aber im Alltag nicht thematisiert werden. Auch die wahrnehmbare Bevorzugung unterschiedlicher Strategien mit Emotionen umzugehen bei unterschiedlichen Menschen, ist dabei in mein Bewusstsein gerückt.

Weiterhin ist mir klar geworden, wenn umgangssprachlich formuliert wird, dass Gefühle verletzt wurden, dann ist damit eine Beeinträchtigung von Vorstellungen, Werten, Einstellungen oder Erwartungen gemeint. Damit sind Empfindungen verbunden, die als Emotionen verstanden werden, wobei dann Empfindungen als Altlasten wiederum auf Vorstellungen, Werte, Einstellungen oder Erwartungen einwirken. Auffällig ist dabei die starke Einbettung des Themas in Selbstverständlichkeiten, die wegen ihrer Selbstverständlichkeit einerseits wenig hinterfragt werden als auch schwierig zu hinterfragen sind.

So wie die Förderung positiver Emotionen beim Lernen. Erst einmal: was ist denn eigentlich positiv und was negativ? Sind wir uns darüber überhaupt einig? Und was sind Emotionen? Welche Empfindungen sind wie mit Emotionen verknüpft und was ist einfach etwas ganz anderes. Haben wir da die gleichen Vorstellungen? Die Emotionspsychologie [1] hat mich bereits eines Besseren belehrt. Und Damasio [2] (Seite 207f.) bestimmt klar Erscheinungen, die als Hintergrundempfindungen übersetzt wurden und nicht emotionale Empfindungen sind, die weder als positiv noch als negativ erlebt werden und von denen er schreibt, dass wir in unserem Leben wahrscheinlich überwiegend solche Empfindungen haben. Das deckt sich sehr mit der Beobachtung meiner eigenen Empfindungen auf der körperlichen Ebene, wo häufig gar nichts passiert, das als Emotionen bezeichnet werden kann. Empfindungen selbst sind allerdings fortwährend vorhanden. Und auf dieser Basis allein lässt sich durchaus hervorragend lernen.

Dazu passt dann auch das Flow-Gefühl im Flow-Kanal zwischen Langeweile bei Unterforderung der eigenen Fähigkeiten durch zu niedrige Herausforderungen und der Angst bei Überforderung der eigenen Fähigkeiten bei unpassend hohen Anforderungen [3]. Ist Flow überhaupt ein emotionaler Zustand? Oder ist er einfach ein energetisch optimaler Zustand? Emotionen, die sehr stark werden, können, sowohl wenn sie als positiv wahrgenommen werden als auch wenn sie als negativ wahrgenommen werden, zu Ablenkung oder Überforderung führen. Ich denke, ich kenne mich da ganz gut aus.

An diesem Punkt will ich abbrechen. Es ist mir gelungen mehr zu dokumentieren als erhofft. Die Fragen, die ich habe, müssen nicht heute und nicht morgen beantwortet werden. Es reicht wenn ich ihnen Schritt für Schritt näher komme.

Referenz:

[1] Schmidt-Atzert, L., Peper, M., Stemmler, G. (2014). Emotionspsychologie. Ein Lehrbuch.Stuttgart: Kohlhammer.

[2] Damasio, A.R.(1994). Descartes’ Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn. München: List.

[3] Csikszentmihalyi, M. (2004). Flow. Das Geheimnis des Glücks. Stuttgart: Klett-Cotta.

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