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Emotionen aus soziologischer Sicht

Nach zwei Tagen, ohne ins Netz zu gehen, ist mein Briefkasten einerseits voll, aber auch relativ schnell wieder geleert. Alle Online-Aktivitäten sind momentan nur eine Pflichtübung und meine Feeds überfliege ich nur kurz daraufhin, ob etwas nicht übersehen werden darf. Ansonsten bin ich abgetaucht. Die Intensität der Auseinandersetzung mit dem Thema Emotionen ist ähnlich wie die mit dem Thema Rassismus, allerdings weniger anstrengend, emotional eher stabilisierend als aufwühlend und belastend, und ich habe zur Zeit kaum einen Bedarf mich mit anderen darüber auszutauschen, weil ich vor allem am Entdecken bin. Das Thema hält ziemlich viele Überraschungen für mich bereit und gleichzeitig fühle ich mich darin ausgesprochen zuhause. Musste ich beim Thema Rassismus regelmäßig längere Pausen einlegen, um mich emotional wieder ins Lot zu bringen, so brauche ich das jetzt nicht und kann stetig weiterarbeiten. Dazu gehört allerdings auch, dass ich viel Zeit mit Nachdenken bzw. Reflexion verbringe.

Gestern habe ich den Reader „E-Motions – Transformationsprozesse in der Gegenwartskultur“ von Elisabeth Mixa und Patrick Vogl beendet. Da ich das Buch ausgeliehen habe und es mir nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung steht, bin ich beim Lesen vorgegangen wie bei meinen xMOOCs, bei denn ich den Inhalt der Lehrvideos in Stichpunkten mitgeschrieben habe. Es ist eine Arbeitsmethode, die sich ursprünglich aus der Bearbeitung verschiedener Studienbriefe ergeben hat, die sehr viel Platz für Randnotizen bieten und im Ganzen gelernt werden müssen. Gelesenes (oder Gehörtes) noch einmal in eigenen Worten zusammenzufassen macht es dabei leichter Gedankengänge nachzuvollziehen. Außerdem können die Zusammenfassungen später zum Lernen oder Erinnern leichter noch einmal durchgegangen werden.

Dieses Mal werde ich mit den Texten aber mehr machen müssen, kann jedoch noch nicht so ganz bestimmen was sinnvoll sein wird, da ich noch immer nicht genau weiß, was mein endgültiges Thema sein wird. Ich habe den Reader komplett gelesen und bin sehr beeindruckt von der Fülle der hier versammelten Aspekte. Die Konzentration auf Transformationsprozesse lässt erahnen, was an der Beschäftigung mit dem Thema Emotionen für mich so wichtig ist. Im Verlauf meines Lebens sind gravierende Veränderungen eingetreten wie Emotionen innerhalb der Gesellschaft wahrgenommen werden. Das erfordert Fragen zu stellen, was Emotionen eigentlich sind, wie mit ihnen umgegangen wird und welchen Stellenwert sie hatten und haben.

Ich kehre dabei auch wieder zur Betrachtung eines Aspekts zurück, der schon im Kontext von Rassismus bedeutsam war. Die Gegenwartsgesellschaft versucht andere Ressourcen in den Menschen zu erschließen als in der Vergangenheit. Dazu gehören auch Emotionen. Aus Sicht der Soziologie kann das problematisch sein, wenn der Mensch und seine Ausdrucksformen zu Gütern im Kapitalinteresse werden, die nur nach der Nützlichkeit für die Maximierung von Profiten betrachtet werden (beim Rassismus dessen Vermeidung, um das Potential von Menschen besser zu nutzen, statt aus Gründen wie Menschlichkeit oder sozialer Gerechtigkeit). Während meine bisherigen Recherchen diesen Aspekt nicht berührt hatten und Emotionen sehr stark im Bereich des Individuellen geblieben waren, habe ich durch den Reader zumindest eine Ahnung davon bekommen, welche gesellschaftlichen und ökonomischen Tendenzen auf das Verständnis von Emotionen einwirken. Das gehört zu den unerwarteten Aspekten. Einige Inhalte des Readers gehen weiter als ich gehen wollte.

Ursprünglich hat mich nur ein als unzeitgemäß wahrgenommener Umgang mit Emotionen angetrieben. Dass der zeitgemäße Umgang mit Emotionen aus soziologischer Sicht aber zweifelhaft sein kann, auf diese Idee war ich selbst nicht gekommen. Es überrascht und erstaunt mich. Während auf der einen Seite Menschen darum ringen, dass ein anderer Umgang mit Emotionen in Bildungsinstitutionen überhaupt erst verwirklicht wird, sind andere bereits einen Schritt weiter und zeigen die Schattenseiten der schönen neuen Emotionswelt auf.

Obwohl ich jetzt am liebsten gleich mit dem nächsten Buch und damit dem nächsten Schwerpunkt, den Emotionen in Organisationen, weiter machen würde, werde ich mich jetzt noch eine Weile mit dem Reader beschäftigen und versuchen, für die verschiedenen dort angeführten Aspekte eine Systematik zu erstellen. Ursprünglich dachte ich, ich kann es für meine Zwecke so handhaben wie bei der Emotionspsychologie und es bei der Information belassen, dass es keine verbindliche Definition, sondern nur Arbeitsdefinitionen und Versuche der Kategorisierung von Definitionen gibt. Der Inhalt des Readers ist aber anders, er ist vielfältiger und dabei nur wenig vorstrukturiert, gleichzeitig enthält er aber wichtige aktuelle Aspekte, die ich in dieser Form versammelt vorher noch nirgends gefunden habe. Und während der Inhalt während des Lesens sehr gut nachvollziehbar war, verschwindet er inzwischen bereits wieder aus meinem Bewusstsein, weil er sich so fern von meinen bisherigen Denkstrukturen befindet. Um ihn für mich langfristig verfügbar zu machen, wird mir jetzt wohl nichts anderes übrig bleiben, als die Texte noch einmal in einer anderen Form zu bearbeiten und die essentiellen Aspekte so herauszuarbeiten, dass ich sie eigenständig reproduzieren kann.

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