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Umgang mit Emotionen

Die Beschäftigung mit dem Thema Emotionen wird zunehmend interessanter, auch wenn es mir nicht gelingt in irgendeiner Weise einen Überblick zu gewinnen, sondern sich nur fortwährend mehr Vielfalt zeigt. Bei Ulla Franken finde ich eine Grafik zu den Teilaspekten einer auf Emotionen fokussierten Gesundheitsförderung, die zwischen Körper, Gedanken, Gefühlen und Verhalten unterscheidet und für jeden der Bereiche Möglichkeiten bestimmt Emotionen in einer Weise zu regulieren, die für die Gesundheit des Individuums förderlich sein sollen. Ich habe mir daraus meine eigene Interpretation für meine Wand gebastelt und reflektiere momentan darüber. Interessant finde ich vor allem, dass sie den Bereich Verhalten hinzugefügt hat, den ich nach ihren Vorgaben als die Erfahrung interpretiere über Kompetenzen zu verfügen und kommunizieren zu können.

Insgesamt nehme ich mich in Bezug auf das bewusste Verstehen von Emotionen als unglaublich unwissend wahr. Darin unterscheide ich mich aber kaum von meiner Umwelt. Gerade vorgestern hatte ich es mit einem Konflikt zwischen Menschen zu tun, bei dem es letztlich um Emotionen ging, deren Ursachen aber kaum thematisiert werden konnten, da Emotionen weniger als berechtigte Reaktionen auf Wahrnehmung und als möglicher Hinweis auf strukturelle oder organisatorische Problematiken verstanden werden konnten, sondern es wurden primär Forderungen danach aufgestellt, dass gesellschaftlich gewünschtes Verhalten gezeigt werden sollte, ganz gleich unter welchen Belastungen sich eine Person befindet. Die existierenden Emotionen wurden dabei zurückgewiesen und standen nicht für die Bestimmung des vorhandenen Problems zur Verfügung.

Von Badura stammt der Begriff Interaktionsstress, der in diesem Zusammenhang durchaus Verwendung finden kann. Das tatsächliche Empfinden des Individuums differiert mit dem was im sozialen Kontext als angemessen betrachtet wird (wobei die Bewertung von Angemessenheit allerdings durch die Macht- und Dominanzverhältnisse im sozialen Kontext mitbestimmt wird). „…es gehört zu den unausgesprochenen Normen insbesondere der Pflegeberufe, daß man die eigenen (möglicherweise negativen bis feindseligen) Gefühle unterdrückt…“ (Bandura, 1990, S.318) „Wenn Interaktionsprozesse zu emotionaler Überforderung führen, sprechen wir von Interaktionsstress. “ (Badura, 1990, S.326)

Der Interaktionsstress selbst interessiert mich dabei weniger, es ist nur wichtig zu wissen dass er existiert. Von größerem Interesse ist die mangelnde Nutzung des Informationsgehalts von Emotionen für Veränderungen innerhalb von Organisationen. Wird nur eine Gefühlsregulierung in Richtung auf erwünschtes Verhalten erwartet, so kann das in meinen Augen im Rahmen von Veränderungsprozessen eine Verschwendung von Möglichkeiten sein. Einerseits kann Gefühlsregulierung dazu führen die tatsächliche Wahrnehmung und damit auch die Erkenntnismöglichkeit über die Art existierender Problemen vor sich selbst zu verbergen und dadurch keine Möglichkeit zu besitzen sie tatsächlich zu lösen. Andererseits können die Informationen von Individuen nicht für die Organisation genutzt werden, um Problembereiche aufzuspüren und gezielt zu verändern. Daraus können sich weitere Problematiken sowohl für die Individuen als auch die Organisationen ergeben, die aber ebenfalls weniger im Fokus meines Interesses stehen, da es mir hier primär um die Möglichkeit geht Emotionen zur Informationsgewinnung für Erkenntnisprozesse zu nutzen, die gezielte Veränderungen in Einstellung oder Handeln nach sich ziehen.

Ein anderer Umgang mit dem Informationsgehalt von Emotionen ist dabei weniger in Bereichen wichtig, die nur geringen oder sehr langsamen Veränderungen unterworfen sind. Hier können bereits ausgehandelte Erwartungen an die Ausprägung von Emotionskontrolle Anwendung finden. In Systemen, die sich in Bewegung befinden, halte ich das allerdings für weniger angebracht und sehe in einer sinnvollen Betrachtung und Beachtung von Emotionen eine wichtige Informationsquelle, um das Funktionieren von Veränderungen zu überprüfen.

Referenz:

Badura, B. (1990). Interaktionsstreß. Zum Poblem der Gefühlsregulierung in modernen Gesellschaften. In Zeitschrift für Soziologie, Jg. 19, Heft 5, Oktober 199, S. 317 – 328. URL: http://www.zfs-online.org/index.php/zfs/article/viewFile/2733/2270

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