Bildungsmäuschen

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Theorie in der Praxis suchend

Jeder Tag ist anders als der vorhergehende. Eine banale Aussage, aber etwas das mich immer wieder neu fasziniert. Ich lebe ein Leben, in dem sich Abläufe und Orte regelmäßig wiederholen, und genau dadurch fällt dieser Wechsel so stark auf. Ich habe keine Ahnung was dafür verantwortlich ist und kann es daher nur beobachten und zur Kenntnis nehmen. Schlafen wir drüber und morgen sieht alles anders aus, ist eine zutreffende Anwendung davon.

Gestern habe ich das Lesen zum Thema Emotionen, das mich viele Tage beschäftigt gehalten hat, nicht fortgesetzt, sondern meine Aufmerksamkeit darauf gerichtet die Inhalte im Alltag zu finden. Das war kein beabsichtigtes Verhalten, sondern hat sich aus den Begegnungen des Tages auf der Basis des wochenlang Gelesenen so ergeben.

Das Gegenteil von Vernunft ist Unvernunft, nicht Emotionen oder Emotionalität. Emotionen an sich sind nicht unvernünftig. Das ist die Art wie sie manchmal verwendet werden. Aber auch den Verstand und Rationalität kann man sehr unvernünftig einsetzen. (eigener Kommentar in einem Thread auf Facebook)

Das war so eine Gelegenheit der Anwendung. Außerdem die häufige Beobachtung während des Tages was die eigenen Empfindungen so betreiben, wie ich mich fühle, wann Emotionen auftreten, wie sie sich auf das Handeln auswirken, mit was für Gedankenbildern sie verbunden sind. Eine Schülerin, die mir mitteilt, dass sie schon den ganzen Tag in einer guten Stimmung ist, ein Film, der ein Abel/Kain-Motiv auf sehr interessante Weise thematisiert und bei dem ich mich in den Gefühlszustand der Charaktere versetze, der von den Schauspielern sehr anschaulich dargestellt wird. Der beabsichtigte Ausdruck von Emotion bei anderen im zwischenmenschlichen Kontakt während der Arbeit und ihre Nützlichkeit für die gemeinsame Arbeit, aber auch die Anpassung der Äußerung an das was im gemeinsamen Kontext üblich ist. Die Überlegung, was von einem Vortrag über die Neue Frankfurter Schule an vermittelten Informationen in einigen Wochen noch vorhanden sein wird, durch Vergleich mit den Vorerfahrungen ähnlicher Vorträge, und wie eine stärkere Ansprache von Emotionen die Erinnerung fördern könnte. Die Erinnerungen aus der Vergangenheit an Arbeitsgruppen, die nach Vorträgen stattfanden, und der Vergleich mit dem Nutzen emotionaler Involvierung bei Diskussionsforen im Internet.

Was ich momentan betreibe, erinnert mich an Deweys Methode aus der Praxis in die Theorie, wieder zurück in die Praxis und erneut in die Theorie zurück. Das Thema Emotionen, generell untersucht und nicht auf einen eingegrenzten Bereich, ist dabei etwas sehr spezielles. Emotionen sind fortwährend in den unterschiedlichsten Kontexten und Zusammenhängen vorhanden und können ganz nebenbei untersucht beziehungsweise beobachtet werden. Alles eignet sich, sämtliche Äußerungen des Lebens, gleichzeitig passiert nichts ungewöhnliches.

Hilfreich ist für mich dabei die Unterteilung des emotionalen Bereichs nach Empfindungen, Gefühlen, Emotionen und Stimmungen in Anlehnung an Küpers und Weibler (2005), die allerdings im Bezug auf die Empfindungen von meinen abweichen, außerdem die Vorstellung des untrennbaren Zusammenhangs von Körper, Emotionen, Denken und Handeln, den ich bisher am vehementesten betont bei Gieseke (2007) gefunden habe. Ein weiteres Element ist die Vorstellung von Hintergrundempfindungen, die fortwährend vorhanden sind, bei denen ich jetzt nicht genau weiß, auf wen sie zurückgehen. Diese Form der Empfindungen spielt für mein Thema auch keine Rolle. Es ist allerdings interessant zu wissen, dass Empfindungen als Wahrnehmung der Funktionen des Körpers so lange vorhanden sind wie Leben existiert und dass wir uns in einem gefühls- bzw. emotionsneutralem Zustand befinden können.

Wo ich momentan noch Lernbedarf sehe, sind die von den Neurowissenschaftlern festgestellten Aktivitäten in verschiedenen Bereichen des Gehirns. Ich würde mir das gerne am lebenden Körper vorstellen können, das erfordert aber zuvor eine gezieltes Visualisieren der vorhandenen wissenschaftlichen Kenntnisse, da bisher alle Darstellungen, die ich dazu gelesen habe, mir kein unmittelbares Nachvollziehen ermöglichten.

Es ist etwas schwierig zu beschreiben, aber ich konzentriere mich momentan nicht auf eine Systematisierung dessen, was im Kopf geschieht, ob dort Bilder oder Sprache oder komplexe Vorstellungen auftauchen, nicht auf Inhaltsarten und Formen, sondern nur darauf dass dort etwas geschieht und wie es in Bezug zu Empfindungen steht. Wie aus Kommunikation zwischen verschiedenen Teilen ein Komplex entsteht, der sich als Emotion beschreiben lässt. Und wie der dann auf mich wirkt, bestimmte Verhaltensweise abruft und andere zuerst einmal unmöglich erscheinen lässt. Ich beobachte allerdings auch die Strategien und Ausdrucksformen, die von anderen Menschen angewendet werden.

Ohne Auswirkungen ist das nicht, auch wenn diese sehr subtil sind. Es bleibt nicht beim reinen Beobachten, sondern führt dazu, dass ich Verhalten und Denken in Situationen unterbreche, abändere oder mir andere mögliche Strategien überlege. Ich unterbreche die für mich irrelevanten Ausführungen einer mit mir Telefonierenden, die bei mir negative Emotionen auslösen, da ich die Art der Darstellung als verbunden mit einer inhumane Haltung wahrnehme von der ich mich unnötig belastet fühle. (Es ist die Art der Darstellung und Bewertung durch die Person, auf die ich mich zuerst abwehrend einlasse, da ich sie aber nicht ändern kann, versuche ich das Thema gezielt zu wechseln. Allerdings kam die Person später wieder darauf zurück und erwischte mich weniger achtsam, so dass ich dann doch mit einem Haufen negativer Emotionen zurecht kommen musste. Das ist übrigens ein sehr interessantes Thema, wie sich die in der Kommunikation vermittelten Haltungen auf die Wahrnehmung von Gesellschaft an sich und die individuellen Möglichkeiten darin über in der Kommunikation entstandene Emotionen auswirken.)

Ich beobachte und experimentiere zur gleichen Zeit. Allerdings nicht fortwährend. Es ist eher so, dass ich bei Anlässen wie dem Facebookthread an das Thema erinnert werde und dann das was ich bereits an Wissen habe anwende. Zwischendurch verliere ich wieder den Faden und versinke in meinem gewohnheitsmäßigen Tun. Zum Teil reflektiere ich Ereignisse auch erst nachträglich auf Vorkommen und Bedeutung von Emotionen dabei. Ausgerichtet bin ich in den Reflexionen vor allem auf Bildungskontexte, da ich ja immer noch nach dem genauen Thema für meine Bachelorarbeit suche und daher alles auf mögliche Kenntnislücken absuche.

Referenzen:

Gieseke, W. (2007). Lebenslanges Lernen und Emotionen. Wirkungen von Emotionen auf Bildungsprozesse aus beziehungstheoretischer Sicht. Bielefeld: Bertelsmann.

Küpers, W. & Weibler, J. (2005). Emotionen in Organisationen. Stuttgart: Kohlhammer.

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