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Weitere Beschäftigung mit dem Thema Emotionen

Nachdem ich nun einiges zum Thema Emotionen aus verschiedenen Disziplinen gelesen, nachdem ich darüber nachgedacht und reflektiert, nachdem ich meine vergangenen und aktuellen Erfahrungen darauf ausgerichtet untersucht, nachdem ich mich selbst und andere beobachtet habe, bin ich an an dem Punkt an dem ich mich frage, was ich jetzt daraus machen soll.

Ich selbst habe inzwischen eine hohe Achtsamkeit für das Thema Emotionen entwickelt, die ich für meine Person als extrem nützlich empfinde. Aus der Perspektive der Emotionen die Welt zu betrachten, erklärt mir erstaunlich viel von dem womit ich konfrontiert war und bin und das mir bisher rätselhaft geblieben ist. Es bleibt auch nicht bei Änderungen im Verständnis, sondern daraus ergeben sich andere Denk- und Handlungsmöglichkeiten. Ich bin dabei auch viel weiter gegangen als ich ursprünglich wollte, als ich mir nur vorgestellt habe, Emotionen sozusagen nebenbei immer wieder zu erfasse, um ein vollständiges Bild von dem zu erhalten, was vor sich geht. Damals bin ich noch von der Dualität zwischen Denken und Empfinden ausgegangen, die ich aber jetzt nicht mehr aufrecht erhalten kann. Damals wollte ich nur, dass Emotionen als etwas Wichtiges nicht vergessen werden sollten, inzwischen ist mir aber klar, dass sie ein  wesentlicher und untrennbarer Bestandteil unserer Existenz sind und ihnen eine ganz andere Position und Bedeutung zukommt.

Es ist reichlich eigenartig, aber Emotionen habe eine lange Geschichte von Unterdrückung, Verfolgung, der besonderen Ächtung bestimmter Teile, unterbrochen wiederum von Hypes, hinter sich. Sie wurden für minderwertig,  unzuverlässig und gefährlich erklärt und Menschengruppen zugeordnet, die in der Gesellschaft nicht das Idealbild des Menschen verkörperten, wie Frauen, Künstlern und Menschen der unteren Schichten der Gesellschaft. Sie wurden aber auch als besonders authentisch, verlässlich und verbunden mit einer intensiven Wahrnehmung des Lebens bezeichnet.

Gefühle spielen eine maßgebliche Rolle bei der Konstruktion der Wirklichkeit. Emotionale Energie liefert den Antrieb für Handlungen und die emotionale Konstruktion der Wirklichkeit bestimmt entscheidend die Bandbreite der von einem Akteur als erachteten Handlungsmöglichkeiten (Scherke, 2009). Emotionen sind fortwährend und selbstverständlich mit ihrem Einfluss vorhanden.

Ich befinde mich momentan in einem Kaninchen-ist-stocksteif-gefroren-Zustand, weil Kaninchen nicht weiß was Kaninchen tun soll. Kaninchen ist klein und die Aufgabe ist groß und unübersichtlich (ok, ein Kaninchen ist allerdings schon viel größer als ein Mäuschen). Kaninchen sieht auch keine unbegrenzte Zeitmenge vor sich, sondern sehr begrenzte Ressourcen. Und Kaninchen weiß nicht wie es sich begrenzen soll und vor allem, Kaninchen weiß nicht ob all diese Erkenntnisse für andere Menschen tatsächlich von Interesse sind. Außerdem rennen Kaninchen gerne ganz schnell weg und verstecken sich, wenn sie Angst bekommen oder ihnen alles zu viel wird und sie nicht stocksteif gefroren dastehen.

Mir ist das Thema Emotionen zu viel. Die Dimensionen, die es annimmt, hatte ich nicht erwartet. Es ist auf keinen Fall ein Thema für eine Bachelorarbeit, das ist schon ein viel größeres Ding mit weitreichenden Konsequenzen. Gleichzeitig sind Emotionen von großer Bedeutung für soziales Lernen, das in meinem Arbeitsbereich, der Kinderbetreuung, von immenser Wichtigkeit ist. In einer Liste der Grundqualifikationen sozialen Handelns (Zimmer, 1993, S. 33) finden sich Emotionen in den Bereichen soziale Sensibilität, Kontakt- und Kooperationsfähigkeit und Frustrationstoleranz. Das Buch von Zimmer befindet sich seit vielen Jahren in meinem Besitz, ohne dass ich es je gelesen hätte. Ich finde darin zu meiner Überraschung eine sehr genaue Beschreibung meines langjährigen Tätigkeitsbereichs und kann die Beschreibungen darin mit meinen Umsetzungen vergleichen. Ich bin sehr überrascht, dass ich über die Jahre eine sehr ähnliche Arbeitsweise entwickelt habe wie darin beschrieben. Gleichzeitig ist es so, dass im Kontext von Schule die Betreuungsarbeit keinen sehr hohen Stellenwert einnimmt. Während für uns die Emotionen der Kinder eine große Wichtigkeit haben, scheinen sie im Rahmen der Schule eine geringere Bedeutung zu haben.

Das ist aber nicht der einzige Berührungspunkt zu Emotionen. Auch Rassismus hat viel mit Emotionen zu tun, ebenso die Erfolgserwartung und Vorstellung der Anwendungsmöglichkeit bei selbst gesteuertem Lernen. Es scheint mir, dass es um eine andere Betrachtungsweise von Emotionen geht, die dann überall angewendet werden kann. Wie ich das allerdings in einer Arbeit umsetzen soll, bleibt für mich bisher ein Rätsel. Ich werde daher noch eine Weile weiterlesen und sollte sich in absehbarer Zeit keine Idee dadurch ergeben, werde ich versuchen Kreativitätstechniken zu benutzen, um eine Lösung zu finden. Neben verschiedenen Möglichkeiten, die der MOOC Creative Problem Solving mir im letzten Jahr aufgezeigt hat, bin ich kürzlich auf ein interessantes Buch der Zusammenstellung verschiedener Techniken gestoßen, das mich jetzt erneut daran erinnert hat, dass sich manchmal gerade ungewöhnliche Methoden dafür eignen Lösungen zu finden, die auf anderem Weg nicht gefunden werden.

 

Referenz:

Boos, E. (2014). Das große Buch der Kreativitätstechniken. München: Compact.

Scherke, K. (2009). Emotionen als Forschungsgegenstand der deutschsprachigen Soziologie. Wiesbaden: VS.

Zimmer, R. (1993). Handbuch der Bewegungserziehung. Didaktisch-methodische Grundlagen und Ideen für die Praxis. Freiburg im Breisgau: Herder.

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