Bildungsmäuschen

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Emotionsmuster

Inzwischen bin ich sehr schweigsam geworden. Theoretisch angelangt bin ich bei der emotionalen Konstruktion der Wirklichkeit, bei Primär- und Sekundärkonstruktionen, bei der reflexiven Selbstbeobachtung und dem Ja-aber-Syndrom. Ich kann Rassismus, Bildungsideal, Meditationserfahrungen, MOOC- und Studiumsinhalte zu einem Gesamtkomplex verknüpfen und bin mit einer ganz neuen Sicht auf die Welt konfrontiert. Wo ich früher Antworten geben und zustimmen konnte, tauchen nun Fragen auf. Ich beobachte die Welt und was um mich herum vor sich geht neu, denn alles scheint anders. Nicht, dass das was vorher war falsch gewesen wäre, mit der Ausrichtung Emotionen zu betrachten und mit den verschiedensten Texten dazu im Rücken verliert nur die Ordnung, die vorher mehr oder weniger bestanden hat, an Bedeutung. Die Wahrnehmungsveränderungen gegen dabei zum Teil so weit, dass es zu Wahrnehmungsverschiebungen kommt, bei denen ich die Welt als sehr verfremdet wahrnehme. Ein Effekt davon, dass ich häufiger als sonst auf die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung ausgerichtet bin.

Artikel, die ich lese, Videos, die ich anschaue, Äußerungen anderer, die ich lese oder höre, nehme ich anders wahr als zuvor. In der Regel suche ich nach der Verbindung zu Wahrnehmung und Umgang mit Emotionen. Für mich ist inzwischen unmittelbar nachvollziehbar, warum für Veränderungsprozesse die Änderung von Denk- und Emotionsmuster von großer Bedeutung ist. Der Begriff Umlernen, mit dem ich vor etwa einem Jahr das erste Mal in einem MOOC in Kontakt gekommen bin, und den ich damals nicht an Beispielen nachvollziehen konnte, hat dadurch eine neue Dimension erhalten. Es reicht nicht Denkmuster zu ändern, wenn die Emotionsmuster die alten bleiben.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Alltagsrassismus und die Ja-aber-Argumentation. Von außen kommende Anforderungen und Ansprüche werden angenommen, neuere Erkenntnisse nicht abgewehrt, doch die erlernten emotionalen Muster bleiben die gleichen wie zuvor. Menschen unterschiedlichen Aussehens werden als von unterschiedlichem Wert empfunden. Unreflektiert ist dieses Gefühl wahrer als die neuen Erklärungen, so dass versucht wird auf der Sachebene Belege zu finden, von denen die Emotionen gestützt werden.

Ich schaue einigen meiner erlernten Emotionsmustern zu und wie sie auf mein Denken einwirken. Das ist zum Teil schon reichlich gruselig, vor allem weil sie vielfach so gänzlich unnötig sind. Sie stammen aus der Vergangenheit und basieren auf Erfahrungen, Situationen und Zuständen, die längst ihre Bedeutung verloren haben. Meine Emotionen greifen aber noch immer darauf zurück und spulen die gleichen Dramen immer und immer wieder ab. (Natürlich auch das Gegenteil davon, so etwas ist aber in der Regeln nicht destruktiv.)

Meine Selbstbeobachtung erlaubt mir, das Innenleben anderer ähnlich strukturiert vorzustellen, und dadurch stehen mir neue Erklärungsmodelle zur Verfügung.

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