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Denken und Emotionen im dialogischen Verhältnis

Wenn ich jetzt nach mehreren Tagen in denen ich nicht online war meinen Postkasten checke, so quiltt er nicht mehr über. Das war in der ersten Zeit anders, da war ich jedes Mal beim erneuten Online-Gehen mit einer solchen Flut von Mails konfrontiert, dass ich dadurch ein langfristiges Problem gesehen habe. Doch so etwas scheint sich sehr einfach in Luft auflösen zu können. Wer sich nicht mehr bemerkbar macht, gerät in Vergessenheit. 🙂 Husch – weg.

Mein Hauptbuchstapel ist erst einmal abgetragen, zurück bleibt eine Liste mit möglicher vertiefender Literatur. Doch es reicht erst einmal. In meinem Kopf trage ich die Frage, was ich jetzt aus Gelesenem, Nachgedachtem und Geschriebenem machen will. Ja, eine Bachelorarbeit will ich noch verfassen, aber darum geht es erst einmal nicht. Was will ich für mein Leben aus dem machen, womit ich jetzt seit Monaten beschäftigt bin? Wie will ich es verwenden, was für Strategien benötige ich dafür?

Es geht um die Untersuchung des Verhältnisses zwischen Denken, Fühlen und Handeln. Es geht darum, in welcher Position Emotionen im Lebensverlauf durch gesellschaftliche Gepflogenheiten in die Wahrnehmung des Individuums integriert werden. Es geht um die Untersuchung davon was Emotionen eigentlich sind, wie sie wirken, was sie für das Lernen bedeuten und für lernende Gemeinschaften. Es geht darum Emotionen in eine andere Position zu bringen.

Während mein Denken erwachsen werden konnte, wurde das von meinen Emotionen nie gefordert. Sie konnten immer Kinder bleiben, an manchen Stellen gezähmt und gegängelt, an anderen Stellen mit Freiräumen ausgestattet, die sie zu nutzen lernten und in denen sie die verschiedensten Spiele entwickelten.

Ich habe in den letzten Monaten viele Theorien durchstreift, bin in einen Dialog mit vielen Texten getreten, habe viele Aspekte kennengelernt und habe mich an Lernbegebenheiten in meinem Leben erinnert, an die ich schon seit sehr vielen Jahren nicht mehr gedacht hatte, manchmal seit Jahrzehnten. Die Bedeutung von Emotionen für das Lernen, gerade für das nachhaltige Lernen, ist immens groß. So groß, dass ich es immer noch nicht verstehe, warum nicht überall im Bildungsbereich explizit ein Bereich Emotionen zugefügt wird. Wie wirkt das was getan wird auf die Emotionen, was ist in Bezug auf Emotionen zu beachten? Was für Erfahrungen wurden in Bezug auf Emotionen bereits gemacht?

Das neue Semester hat begonnen und ich bin für neuen Stoff und neue Aufgaben eingeschrieben. Und auch wenn ich jetzt nicht den Kopf frei habe, um mich mit Neuem wirklich zu beschäftigen, und auch wenn ich meine Studienbriefe bisher noch gar nicht in Papierform habe, so schau ich doch einmal im neuen Moodle vorbei und lasse mich dabei abschrecken und in Aufregung versetzen, denn für die Fülle, die mir dort entgegen tritt, habe ich momentan gar keine Zeit und muss dennoch damit umgehen, wenn ich mich damit konfrontiere. Ich werde erinnert, dass ich nach den offiziellen Plangssystemen längst mit meiner BA fertig sein sollte, dass ich letztlich bei der Erfüllung von Richtwerten versagt habe, und mein Klärungsbedürfnis für den Bereich der Emotionen erscheint mir im Angesicht der geordneten Moodlestruktur plötzlich von sehr lächerlicher, privater Natur, während ich inzwischen allerdings durchaus weiß, dass es eine ganze Reihe Theoretiker gibt, die einen ähnlichen Eindruck wie ich in Bezug auf die kontinuierlich vorhandene Bedeutung von Emotionen für das Lernen haben.

Meine Lösung ist es die Pdfs für meine Studienbriefe herunterzuladen und in demjenigen, mit dem die anderen bereits angefangen haben, nach den Begriffen Emotionen, Gefühle und Motivation zu suchen. Was ich finde, scheint genau das widerzuspiegeln, das ich oft im Bereich des Lernens zu finden meine, der Mangel an expliziter Erwähnung von Emotionen. Der Begriff Emotionen selbst taucht auch überhaupt nicht auf. Zu Motivation finde ich das was üblich ist, d.h. Motivationssteigerung und intrinsische Motivation werden erwähnt. Bei dem Begriff Gefühl wird es dann für mich ziemlich interessant. Gefühl der Vereinzelung; das Gefühl Rechenschaft ablegen zu müssen; das Artikulieren eigener Gefühle; Gefühle, Gedanken, Erfahrungen in einer Aufzählung; persönliche Erlebnisse und Gefühle verarbeiten. Und ein Fundstück zu Empfinden: das Empfinden positiver Arbeit. Sie sind da. Und sie sind in einer ganz bestimmten Weise da. Für einen ganz bestimmten Bereich. Genau da wo sie in den gelesenen Texten verortet werden, beim subjektiven Zugang und der Lernbehinderung. Ich bin sicher, dass ich beim Durchlesen des gesamten Studienbriefs noch mehr finden würde, das sich auf Emotionen bezieht, allerdings nicht diesen Begriff verwendet.

Und nun sehe ich mich in einem Dilemma. Im Studienbrief geht es nicht um Emotionen, sondern u.a. um Weblogs. Ich bin wegen meines Klärungsbedarfs momentan aber zuerst einmal an Emotionen interessiert, in welcher Position sie in der Gesamtheit stehen, wann sie wofür erwähnt werden, was für ein Bild daraus entsteht, welche Annahmen und Vorstellungsbilder dahinter stehen, welche Lenkung stattfindet, und erst danach an Weblogs. Wie soll ich jetzt also lesen? Erst auf Weblogs hin und dann mit der Ausrichtung auf die Spuren der Emotionen oder umgekehrt oder geht es auch parallel und wenn wie? Und dann – wie kommuniziere ich darüber? Kommuniziere ich überhaupt darüber? Wie füge ich mein Interesse und die vorgegebene Ausrichtung zusammen?

Ich bin also letztlich wieder zurück bei meinen Fragen vom Beginn. „Was will ich für mein Leben aus dem machen, womit ich jetzt seit Monaten beschäftigt bin? Wie will ich es verwenden, was für Strategien benötige ich dafür? „

Ich habe alle Dinge erst einmal so zu tun wie ich sie immer tue, es kommt jetzt allerdings immer diese spezielle Betrachtungsebene mit ihren Fragen dazu. Und das ist zuerst einmal meine eigene Sache, also etwas das in der Kommunikation mit anderen erst einmal nichts zu suchen hat, so als würde ich in meinem Leben parallel Buch darüber führen wo ich beispielsweise die Farbe Rot bemerke. Wäre ja auch seltsam, wenn ich so etwas immer wieder erwähnen würde, während sich andere nicht im besonderen damit beschäftigen.

Ich weiß nicht wie ich weiter verfahren soll und vertraue darauf, dass es sich finden wird. In diesem einen Satz steckt die ganze Form wie mein Denken und meine Emotionen zusammenarbeiten, um gemeinsam zum Handeln zu kommen. Sie sind beide anwesend. Und das sind sie nicht nur für die Nebenbei-Dinge. Sie stehen in jedem Moment in einem Kontakt miteinander. Sie arbeiten in Iterationen zusammen, um zu sinnvollen Lösungen zu finden. Vorschläge und Überprüfungen wechseln hin und her. Gleichzeitig wurden die Emotionen nie aus ihrem Kind-Sein entlassen. Da ich ein Mädchen war und eine Frau bin, durfte ich die Emotionen zwar immer an meiner Seite behalten, ich wurde allerdings nur unzureichend dazu angeleitet wie ich sie zum vollen Erwachsenwerden führen kann. Der Aufklärung ist es gelungen in den Vorstellungen der Menschen das Denken zur Freiheit zu führen, doch die Emotionen wurden auf diesem Weg zurückgelassen und mussten unmündige Kinder bleiben. Ich weine darüber für sie und das ist mir eine Ehre.

Zu Transformationsprozessen gehören Emotionen dazu. Nicht nur Denk-, auch Emotionsmuster müssen verändert werden. Ich nehme meine Emotionen in die Arme und streichele sie. Ihr seid nicht die kleinen Helfer oder die Störenfriede im Hintergrund. Ihr seid es nie gewesen. Ohne euch ist mein Denken nichts. Ohne das Denken seid ihr nicht genug. Ohne die immer wieder neue Zusammenarbeit von euch beiden kann ich nicht zu sinnvollen Handlungsentscheidungen kommen.

Ich habe drei Formen der Vorstellung dafür kennengelernt in welcher Beziehung ihr zueinander steht. In einem Herrschaftsverhältnis der Dominanz eines Bereichs, in einer Dualität der Verschiedenheit sowie in einem dialogischen Verhältnis der gleichberechtigten Zusammenarbeit. Ich versuche es jetzt mit der letzten Vorstellung.

Es ist schwer immer wieder gegen Gewohnheiten anzugehen. Es ist schwer die Augen offen zu halten und die Achtsamkeit immer wieder an die gewünschte Stelle zu lenken. Aber beide Bereiche geben mir das Signal, dass es der richtige Weg ist um etwas herausfinden, dem möglicherweise die Kraft zu tiefgreifenden Veränderungen innewohnt – durch die Erfahrungen in der Anwendung.

Und inzwischen habe ich ja zum Glück auch Theorien und Schriften im Gepäck, durch deren reines Vorhandensein ich mich mit meinen Interessen nicht mehr so einsam in der Welt herumstehend fühle.

Referenz:

Arnold, R. (2010). Die emotionale Konstruktion der Wirklichkeit. Beiträge zu einer emotionspädagogischen Erwachsenenbildung. 3. unveränderte Auflage. Hohengehren: Schneider.

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