Bildungsmäuschen

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Ende der Recherche oder der Vor-Recherche?

Meine Selbstbeobachtung führt mich zu dem Schluss, dass eine bestimmte Form der Recherche inzwischen weitgehend abgeschlossen ist. Was ich in den letzten Wochen gelesen habe, hat mir ein sehr komplexes Bild von Emotionen und dem Wissen, das darüber vorhanden ist, vermittelt. Es existieren verschiedene Konzepte dafür Emotionen in Bildungsprozessen zu berücksichtigen, zu nutzen, zu untersuchen und zu thematisieren. Die Herangehensweisen und Schwerpunkte sind sehr unterschiedlich, die dahinter stehenden Weltbilder vielfältig. Es ist genau das was ich zu Beginn beschrieben gefunden habe. Eine umfassende Theorie zu Emotionen gibt es nicht.

Durch meine Recherchen habe ich mir einen Bereich erschlossen in dem es sinnvoll ist, diese Komplexität bei der Betrachtung einzelner Erscheinungen immer mitzudenken. Es gibt keine einfachen Faustformeln. Emotionen sind kein einfacher Untersuchungsbereich und die geschichtliche Entwicklung des Umgangs mit und die Haltung zu Emotionen sowie die Tatsache, dass in der Regel schon sehr frühzeitig dahin sozialisiert wird mit Emotionen mehr oder weniger automatisch umzugehen ohne fortwährend zu reflektieren womit wir es eigentlich zu tun haben, hat in meinen Augen zu der momentanen Situation beigetragen. In diesem Zustand sind Emotionen nach wie vor von untergeordneter Bedeutung und etwas das vor allem in der Eigenverantwortung des einzelnen Individuums liegt. Dieses Individuum muss unzureichende Informationen aus der Außenwelt für Heuristiken verwenden, um sich seine eigene Innenwelt und die anderer zu erklären und damit einen Umgang zu finden. Emotionen werden weniger verstanden als „verwendet“.

In gewisser Weise bleiben Emotionen in der Welt des Mythos zurück. Wäre es der Aufklärung gelungen aus den von Dylan Evans beschriebenen Anfängen der Faszination für Emotionen diese zu Verbündeten der Vernunft statt zu ihren Feinden zu machen im Sinne von „intelligent action results from a harmonious blend of emotion and reason“ (Evans, 2001, p xii), die Geschichte der westlichen Welt hätte eine andere sein können. Sie war es nicht und unzählige Menschen mussten darunter leiden, dass mit ihren Emotionen als dem Fortschritt der Welt im Weg stehend umgegangen wurde. Nicht von ungefähr hat die Science Fiction mit der Vorstellung des emotionslosen Gehirns und des kalten, rationalen Kunst- oder Maschinenmenschen gespielt.

Wir sind weiser geworden, doch noch nicht weise genug.

Auch mir gelingt es nicht ein anderes Gesamtkonstrukt zu Emotionen zu denken. Doch es gelingt mir besser vielfältige relevante  Aspekte zu sehen, wenn ich einen Spot auf ein spezielles Problem ausrichte. Meine Recherchen zeigen auch durchaus relevanten praktischen Nutzen. Momentan sind das vor allem die Befähigung zu erkennen wann ich mit Erinnerungen an vergangene Emotionen konfrontiert bin, die sich erneut manifestieren, aber nicht aus der erlebten Situation selbst stammten, als auch die Befähigung im Gespräch meine Emotionen sachlich zu benennen, statt Sachargumente anzuführen, die aber eigentlich nur ein Vorwand sind. Es ist erstaunlich wie sehr gerade das Letztere Situationen entspannt. Emotionen sachlich vorzutragen wird durchaus akzeptierend zur Kenntnis genommen. Momentan verstehe ich den Vorwurf emotionalen Argumentierens vor allem als Vorwurf dafür, dass Sachargumente verwendet werden, wenn es eigentlich um Emotionen geht. Menschen nehmen das wahr und ebenso die grundsätzliche Unmöglichkeit in einem solchen Fall auf der Ebene von Sachargumenten zur Klärung und zu Lösungen zu kommen.

Es gibt auch noch eine ganze Reihe anderer Effekte. Ich bin sensibler, das ist unangenehm, ich nehme dadurch allerdings auch mehr wahr in welchem Zustand sich mein Körper gerade befindet oder wann er heftige emotionale Reaktionen zeigt. Einerseits gehe ich dadurch mit meinem Körper pfleglicher um, andererseits kann ich Reaktionen abmildern und sie weniger wachsen lassen (oder sie steigern oder bewusster genießen, wenn es erwünschte Emotionen sind). Die gesamte emotionale Situation, in der ich mich befinde, auch die Kontrollmöglichkeit, die ich darin habe, stellen dabei die Grundlage dafür dar wie ich lernen, leben und arbeiten kann.

Zu erwähnen bleibt noch die große Bedeutung, die Emotionen für unterschiedliche Benachteiligte haben. Diese müssen wesentlich häufiger mit negativen Emotionen umgehen und im Sinne eines Empowerments benötigen sie dafür gute Strategien. Gerade dann, wenn sie beim Lernen im Sinne gesellschaftlicher Erwartungen erfolgreich sein wollen. Diesem Aspekt bin ich bisher allerdings noch vergleichsweise wenig nachgegangen.

Referenz:

Evans, D. (2001). Emotion – The Science of Sentiment. New York: Oxford University Press.

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