Bildungsmäuschen

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Was ist das denn nun schon wieder?

Ich bin fertig! Jedenfalls habe ich diesen Eindruck, wenn ich bei mir – was denn eigentlich? – betrachte. Mein Bedürfnis etwas über Emotionen und ihre Bedeutung für das Lernen herauszufinden, fühlt sich erst einmal befriedigt an. Das bedeutet, richte ich an meine Gesamtheit die Frage, was es jetzt noch zu lesen oder zu tun gibt, so spüre ich keine Beunruhigung und es taucht keine offene Frage in meinem Kopf auf.

Inzwischen bin ich in der Phase der Anwendung angekommen. Von meinem Verstand geplant war allerdings nichts von alledem. Die beobachtende Instanz in mir nimmt die Vorgänge verwundert zur Kenntnis und kommt zu dem Schluss, einen ganz bestimmten Prozess der Aneignung von Wissen beobachtet zu haben, der darauf ausgerichtet ist, die Ergebnisse zu verwenden und in der Anwendung darauf aufbauend weiter zu lernen.

Es wirkt alles richtig und sinnvoll und ich könnte mich jetzt um unterstützende Theorien bemühen, aber eigentlich will ich nur fasziniert darauf starren. Denn ich verstehe es nicht. Etwas, das ich als ICH bezeichne, hat eigentlich gar nichts getan. Es ist als sei ich mein eigener Lerncoach gewesen, ein Prozessbegleiter, eine Koordinatorin, Geschehnisse zulassend, sie sich entfalten lassend. Und dann hat der Prozess sich durch verschiedene Phasen bewegt, von den ersten Beunruhigungen zu ersten Fragestellungen, zu Recherchen in verschiedenen relevanten Wissenschaftsdisziplinen, zu Reflexion, Nachdenken, Schreiben, darüber sprechen, anwenden, neue Fragen stellen, den Prozesse iterieren, bis zu diesem Punkt, an dem eine gewisse Sättigung eingetreten zu sein scheint.

Es ist nicht mein Verdienst. Es ist etwas das in mir als Potential vorhanden ist und sich entfaltet hat. Ich habe es nur zugelassen und nach besten Möglichkeiten begleitet. Wo kommt es her? Habe ich das so im Verlauf meines Lebens gelernt oder entwickelt oder steckt so etwas in einem Menschen als Möglichkeit drin? Ich habe keine Ahnung, brauche auch letztlich keine Antwort auf diese Fragen. Mich fasziniert die Faszination, die davon ausgeht. Mich selbst als ein Wesen zu entdecken, mit dem ich schon so lange lebe und das ich doch noch so wenig kenne!

So ist das jetzt auch mit den Emotionen. Ich habe neues Material, mit dem kann ich jetzt auf Entdeckungsreise gehen. Ich habe jahrelang kaum gesungen, dabei war das Singen in meiner Vergangenheit von großer Bedeutung für mich. Plötzlich singe ich wieder. Ich kaufe selten neue Kleidungsstücke. Jetzt habe ich eine ganz neues braunes Kapuzenshirt mit weißem Aufdruck und Bauchtasche, das ich nicht unbedingt brauche, und fühle mich wie ein kleiner Zwerg.

Ich habe mir Wissen nicht geplant und systematisch angeeignet. Ich bin entdeckend vorgegangen. Ich habe manches nur gestreift, vieles inzwischen wieder vergessen, kaum Systematiken erstellt. Was ich gemacht habe ist, mir einen Gesamteindruck zu verschaffen. Es ist die Art wie eine Erwachsene vorgeht, die ein bestimmtes Interesse hat das sie antreibt und die informell lernt. Was dabei herauskommt, soll für das alltägliche Leben nützlich sein.

Mein erweitertes Wissen über Emotionen ist für mich von hoher Nützlichkeit.

Ich frage mich, ob ich besser und effektiver hätte arbeiten können, aber eigentlich ist die Frage fehl am Platz. Prozesse entwickeln sich wie sie sich eben entwickeln. Ich denke, es reicht wenn sie die Möglichkeit bekommen sich überhaupt zu entwickeln. Meine Emotionen signalisieren mir auch aus dem Hintergrund, dass nun alles gut sei, dass ich jetzt verwenden und anwenden soll, dass alles Weitere sich daraus ergeben wird.

Plötzlich habe ich jede Menge Zeit und eine große Welt vor mir. Ich richte meine Augen auf ein Plakat, das ich vor Monaten zur auf Emotionen ausgerichteten Gesundheitsförderung erstellt habe, und ganz andere Gedanken als zuvor möglich gehen mir jetzt durch den Kopf. Ich vergleiche das was ich dort lese mit dem was ich an Wissen angesammelt habe und beginne es zuzuordnen und zu bewerten. Während ich das tue, bin ich mit dem neuen Denksystem konfrontiert, das auf diese Weise bewusst wird und sich differenziert. Mit den Worten die ich lese verbinde ich jetzt andere und klarere Vorstellungen als zu dem Zeitpunkt an dem ich das Plakat erstellt habe. Daran kann ich erkennen, dass durch Lernen Veränderungen eingetreten sind. Und im Fall der Emotionen steht ja auch die Ebene der Selbstbeobachtung fortwährend zur Verfügung, mit der ich mich prinzipiell jederzeit weiter beschäftigen kann.

Während also ein bestimmter Prozess abgeschlossen zu sein scheint, bereitet sich eine neue Situation vor. Ein wenig konfus macht mich das schon, denn vor noch gar nicht mal sehr langer Zeit stand ich noch unter dem Eindruck, dass mein Leben nicht ausreichen würde, das Thema Emotionen in ihrer Bedeutung für das Lernen für mich zu klären. Dabei kann ich inzwischen sogar durchaus sinnvolle Vorschläge dazu formulieren, wie Emotionen in Bildungsprozessen mit Gewinn berücksichtigt werden können. Auch das fasziniert und ich erinnere mich, dass dieser Ablauf bei der Auseinandersetzung mit dem Rassismus ähnlich war. Auch da hatte ich Phasen, in denen ich in der Klärung des Ganzen eine Lebensaufgabe gesehen habe. Inzwischen ist er etwas, zu dem ich eine sehr klare und entschiedene Position habe und keinen Klärungsbedarf mehr.

Insgesamt gehe ich inzwischen davon aus, dass die Berücksichtigung und Einbeziehung von Emotionen für mich eine Querschnittsaufgabe darstellen wird. In sehr angenehmer Weise denke ich an den Studienbrief von Gabi Reinmann, der genau das widerspiegelt, was ich dann bei Recherchen zu ihr gefunden habe. Sie hat sich mit Emotionen in Bezug auf Lernen in besonderer Weise beschäftigt. Daher fließt dieser Bereich auch in ihre Überlegungen ein und findet in einer für mich angenehmen Weise Berücksichtigung. Eine sehr gute Orientierung!

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