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Emotionale Konditionierung

Momentan fühle ich mich im Gegensatz zu der Zeit, in der ich viel zu Emotionen gelesen habe, sehr zu Blogeinträgen motiviert. In gewisser Weise waren es damals Aufnahmeprozesse, während ich mich jetzt in Verarbeitungsprozessen befinde. Bei den Aufnahmeprozessen wollte ich vor allem mehr, mehr und noch mehr und zwar so schnell wie möglich. Es war keine Zeit übrig auch noch im Blog zu schreiben. Jetzt ist es eher so, dass ich danach suche, was ich nun daraus mache.

Vorgestern hatte mich der Studienbrief von Gaby Reinmann zum Instructional Design reichlich verunsichert, da sie Emotionen als etwas sehr selbstverständlich Wirkendes in den Text einbezieht. Alles erledigt, spinne ich nur? Ist die Berücksichtigung von Emotionen selbstverständlich geworden, mir ist das nur entgangen?

Gestern habe daher ich im Studienbrief auch über die expliziten Teile zu Emotionen hinaus weitergelesen und meine Verunsicherung ist nun weg. Emotionen bleiben eine Beifügung zu dem was vorher schon war. Es steht kein anderes Menschenbild dahinter.

Heute habe ich dann an einer Umfrage zu Resilienz und Persönlichkeit teilgenommen, der nach meiner Einschätzung vor allem auf subjektiver Selbsteinschätzung beruht. Als Belohnung gab es eine kleine Übersicht über die persönliche Position im Fünf-Faktoren-Modell. Offen, extrovertiert mit einer hohen Sensibilität gegenüber negativen Gefühlen, die darauf zurückgeführt werden könnte, dass ein höherer Kontakt zu den eigenen Gefühlen generell vorliegt. Diese emotionale Sensibilität führt schneller zu emotionalen Reaktionen, so dass in hektischen und stressigen Situationen mehr Nervosität, Aufgeregtheit und Sorge entsteht als notwendig wäre.

Nun – auf diese Einschätzung meines Umgangs mit Emotionen ich in der Zwischenzeit auch gestoßen. Ich muss schon lange mit dem zurechtkommen was ich bin und aus der grafisch dargestellten Verteilung der Big Five und den Erläuterungen dazu kann ich durchaus ablesen womit ich mich stabilisiere und auch welche Stärken sich daraus ergeben. Ich erhalte noch einmal die Bestätigung dafür, dass es bei einer Person wie mir auf der Hand liegt die Frage nach der Position der Emotionen beim Lernen zu stellen. Aber – betrifft das auch andere? Und welche anderen? Nur solche mit ähnlichen psychischen Strukturen wie den meinen?

Dass mir selbst die theoretische Beschäftigung mit Emotionen sehr weiter hilft, kann ich deutlich beobachten. Und ausgehend von konstruktivistischen Vorstellungen ist das auch leicht zu erklären. Ich finde hier Informationen, die ich bei meiner Weltwahrnehmung benötige, um mir die Welt selbst und meine Position darin besser erklären zu können und meine Wahrnehmungsmöglichkeiten zu erweitern. Aber – ich gehe letztlich so weit davon ein Menschenbild abzuleiten, in dem Emotionen ein wichtiger und wesentlicher Bestandteil des Menschen sind. In meiner Wahrnehmung ist das so und daraus sind letztlich meine Verwunderung und meine Fragen hervorgegangen.

Geändert hat sich die Gesellschaft und das was sie einschließt oder ausschließt. Was sie auf welche Position im Gesamtgefüge verweist. Dadurch ist die Frage nach der Position zu stellen, die Emotionen im öffentlichen Raum haben. Gestern hat mir ein sehr viel jüngerer Mensch als ich es bin gesagt, dass wir in dieser Gesellschaft unsere Gedanken sehr offen teilen, aber über unsere Emotionen sehr viel weniger reden.

Wir könnten damit auch anders verfahren.

Wir haben gemeinsam auch darüber geredet wo über Emotionen gesprochen wird und sind auf Seelsorge und Psychotherapie gestoßen. Es gibt auch noch mehr Bereiche, in denen Emotionen eine stärkere Bedeutung haben. Menschen, die Emotionen mehr beachten, werden möglicherweise eher solche Bereiche als Arbeitsraum anstreben. Aber eigentlich lassen sich überall wo Menschen beteiligt sind  Aussagen zu den beteiligten Emotionen machen.

Ich kenne meine eigene Lebensgeschichte und habe einen ganz guten Überblick über die Faktoren, die dazu geführt haben, dass ich Emotionen besonders stark im Auge habe. Letztlich versuche ich momentan meinem eigenen Bias auf die Spur zu kommen. Sind Emotionen nun tatsächlich wichtig oder nehme ich sie nur auf Grund meiner eigenen Disposition so wahr?

Eine Information aus dem Studienbrief hat mich sehr beschäftigt. Es ist die Geschichte vom kleinen Albert. Dabei geht es um emotionale Konditionierung, die dort als ethisch bedenklich präsentiert wird. Ich bin dahingehend beeinflusst im Behaviorismus eher eine defizitäre Lerntheorie zu sehen als mir über seine Vorzüge und Bedeutung in einigen Bereichen im Klaren zu sein. Gabi Reinmann schafft es im Studienbrief mir Seiten des Behaviorismus zu präsentieren, die mir nicht bekannt waren, die aber von ausgesprochenem Interesse für mich sind. Darunter auch die emotionale Konditionierung, die im Bereich der Werbung anscheinend häufig eingesetzt wird.

Ich gehe inzwischen davon aus, dass es sowohl Denk- als auch Emotionsmuster gibt, die erlernt werden. Daher ist es nicht nur wichtig zu beobachten welche Denkmuster beim Lernen gefördert werden, sondern auch welche Emotionsmuster. In meinen Augen ist es sowieso erst einmal wichtig Emotionsmuster überhaupt wahrzunehmen und explizit zu berücksichtigen. Für eine ganze Reihe von Problematiken könnten sich daraus entscheidende Informationen ergeben, das war auch der Eindruck, den ich beim Lesen der Texte zu Emotionen u.a. im Kontext von Transformationsprozessen hatte. Unsere Wahrnehmung der Welt ist mit diesen Mustern verknüpft und wird davon beeinflusst. Nix von wegen unwichtig und nix von wegen nicht zu beeinflussen! Geschieht fortwährend. Auch von daher scheint es mir wichtig den Bereich der Emotionen sehr viel ernster zu nehmen als er in meiner Wahrnehmung genommen wird. Über die Emotionen schleicht sich sehr viel ein, das besser im Auge behalten werden sollte.

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