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Alltagsforschung

Wie wird geforscht? Wie wird Wissen generiert? Wie wird Wissen erweitert? Und letztlich: Wie erfolgt Umlernen? Während des ExIF13, des MOOCs der Expedition auf die Insel der Forschung, habe ich Luisa mit der Faust auf den Tisch schlagen lassen, um die Literaturrecherche zu beenden. Auch die Karte der Insel der Forschung, die ich nach Alemann gezeichnet hatte, hängt noch an der Tür hinter meinem Rechnerarbeitsplatz und ich werfe einen Blick darauf. Wo befinde ich mich?

Ich nehme es durchaus so wahr, dass ich mich momentan auf einer Forschungsinsel befinde, einem speziellem Ort der Untersuchung, bei der ein großer Teil der zur Verfügung stehenden Achtsamkeit auf ein einziges Thema ausgerichtet ist, über das etwas herausgefunden werden soll. Meine Insel sieht aber anscheinend ziemlich anders aus.

Zuerst erfolgte eine erste Annäherung durch Verwunderung, Unverständnis, Fragen und erste Hinweise aus Literatur, auf die ich während der Recherche zu ganz anderen Themen gestoßen war. Ich erinnere mich da im besonderen an den Reader Emotionen und Lernen: die vergessenen Gefühle in der (Erwachsenen-)Pädagogik, herausgegeben von Rolf Arnold und Günther Holzapfel, der mein Interesse während des Schreibens der Hausarbeit zu Modul 3A weckte, für den ich zu dem Zeitpunkt aber keine Zeit hatte. Inzwischen habe ich ihn gründlich gelesen.

Nach der ersten Annäherung begann ich nach Literatur zum Thema zu suchen und mich einzulesen. Dabei bin ich mit dem Material genauso verfahren wie mit meinen Studienbriefen. Ich habe es langsam gelesen, versucht alles nachzuvollziehen und habe, auch um das Textverständnis zu verbessern, dabei meistens schriftliche Aufzeichnungen gemacht. Dadurch habe ich, gerade bei ausgeliehenen Büchern, auch etwas in der Hand auf das ich später zurückgreifen kann.

Durch diese Art des Lesens habe ich mir eine erste Wissensbasis geschaffen, die ich jetzt nutzen kann, um weitere Literatur damit zu verbinden. Meine Datenspeicherungs- und Bearbeitungsmethoden sind dabei nach meiner Einschätzung nicht die optimalsten, das stellt aber erst einmal weniger ein Problem dar. Ein Problem habe ich momentan mit der Zuordnung meines Nachforschens in eigenen Erinnerungen, der Betrachtung neuer Erfahrungen im Hinblick auf den Aspekt Emotionen, überhaupt für den ganzen Bereich von Nachdenken, alltäglichem Beobachten, Überprüfen, Ausprobieren, Abändern. Es ist etwas, dass ich mit geringen Ressourcen sehr einfach nebenher tun kann, die Hauptressource die ich dafür einsetzen muss ist Zeit. Aber ist das Forschung? Und was für eine Art von Forschung ist es?

Das Ganze dient mir zur Überprüfung des bisher Gelernten sowie zum Finden von weiteren Hinweisen, gleichzeitig vermittelt es mir eine zusätzliche Vorstellung der Komplexität des Themas. Immer wieder tauchen neue Aspekte auf, an die ich zuvor weder gedacht noch davon gelesen habe. Dabei ist es so dass ich Komplexität durchaus während eines Augenblicks erfassen kann, vor allem wenn ich entspannt ruhe und meinen Gedanken folge. Im Alltagsgeschehen ist das in der Regel so nicht mehr zu rekapitulieren, da die Aufmerksamkeit sich dann aufzuteilen hat. Ich gehe allerdings davon aus, dass die wahrgenommene Komplexität trotzdem die Basis für meine alltäglichen Einschätzungen und Verhaltensentscheidungen darstellt. Eine Überprüfungsmöglichkeit dafür habe ich aber nicht.

Ich nehme das was ich momentan tue als einen wichtigen Bestandteil des Prozesses der Wissensgenerierung wahr, vor allem weil es dabei um Anwendungsmöglichkeiten geht und wie sich Theorie in der Praxis verhalten könnte. Aber… ich habe kein System in das ich die momentane Phase einordnen könnte. Ich suche daher nach einem Arbeitsbegriff. Unsystematische Anwendung vorläufiger Erkenntnisse auf Erinnerungen sowie Erfahrungen des Alltags und Kommunikation mit anderen über das gewählte Thema. Das ist hilfreich.

Nebenher stoße ich auf den Begriff transformative Pädagogik, von dem ich noch nie zuvor etwas gehört habe, mit den laut Wikipedia zentralen Elementen für die dabei vermutlich verwendete Form des Lernens: Erfahrung, kritische Reflexion und rationaler Diskurs. Genau das deckt den Prozess in dem ich mich momentan befinde sehr gut ab.

Aber ist das nun Forschung oder Lernen? Oder ist es etwas ganz anderes? Es scheint mir Elemente von beiden zu enthalten. Für mich persönlich ist es unsystematische, aber zielorientierte Erkundung durch Anwendung, gleichzeitig lerne ich dabei. Sogar in der Form des Umlernens. Also des Verlernens und neu Lernens. Gleichzeitig es ist der Bestandteil eines Prozesses.

In Ermangelung von Wissen über mögliche vorhandene Systematiken anderer wähle ich den Weg meine eigenen Beobachtungen festzuhalten und ihnen Namen zu geben. Ich bin eine Erwachsene, wenn ich mir neue Wissensbereiche erschließe dann greife ich auf Methoden zurück, die im Lauf meines Lebens entstanden sind. Es sind weitgehend unreflektierte Methoden, in deren Zusammenhang Gefühle und Emotionen eine bedeutende Rolle spielen. Das was ich tue soll sich vollständig und richtig anfühlen. Gefühl ist dabei der Gesamteindruck einer Situation und greift auf Informationen zurück, die aus dem Bereich der Kognition als auch der Emotionen stammen. Vollständig und richtig bedeutet, dass von keiner Seite Beschwerden kommen, dass sowohl kognitive als emotionale Wahrnehmung das Unternehmen absichern. Die entsprechende Meldung die momentan bei mir eingeht lautet, dass mein Vorgehen korrekt und bedeutsam ist und dass ich auf diesem Weg zu einer, wenn auch unzureichenden empirischen Verbindung gelange, deren Mangel bei den vorhandenen Möglichkeiten aber zu akzeptierenden ist. (Besser zu wenig als gar nicht.). Ich benötige so etwas. Auf diese Weise verbinde ich Theorie und Praxis und vergewissere mich darüber, dass ich das auch behaupten kann was ich behaupte.

Neben dem, dass ich für mein eigenes Weltverständnis Veränderungen und Erweiterungen vornehmen kann, erwerbe ich dadurch eine Vergleichsbasis für die weitere Recherche. Ich habe mich nicht nur ein-gelesen, sondern ein-nachgedacht und ein-ausprobiert. Meine emotionale Basis besteht aus Zufriedenheit und dem Gefühl von Vollständigkeit.

Inzwischen habe ich mit meiner eigene Prozesskarte begonnen. Darauf befinden sich nun zwei Schritte.

  1. Annäherung
  2. Erste Recherche, bestehend aus
  • Ein-Lesen
  • Ein-Nachdenken
  • Ein-Ausprobieren

Ich bin schon gespannt wie es weiter geht.

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