Bildungsmäuschen

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Warum ich es verstehen möchte

Mir falle zwei Gründe ein, die für den Bereich Bildung von Interesse sind. Der Umgang mit den mir anvertrauten Kindern sowie mein eigenes Lernen.

Es geht natürlich mal wieder um den Bereich Emotionen und manchmal helfen nur möglichst exakte Beschreibungen von inneren Vorgängen weiter, um zu erfassen was verändert werden möchte.

Es gibt Momente, da werde ich von unangenehmen Emotionen und Gefühlen überschwemmt, die ich nicht verstehe. Ich weiß, dass es sich dabei um Informationen handelt, auf die mein System reagiert, ohne dass mein Verstand die Informationen aber sofort nachvollziehen kann. Da ist etwas viel schneller als mein Verstand.

Reflexion hilft oft, manchmal auch einfach nur abwarten.

Es gibt Momente, da werde ich dadurch beim Lernen ausgebremst. Etwas geschieht und ich kann einfach nicht weitermachen. Dieses Mal ist es eine Frustration, die mich am Ende des Buches von Damasio über den Spinoza-Effekt erfasst hat. Ich war von dem Buch begeistert. Zu Beginn hatte es einen hohen Erklärwert für mich und ich habe viel davon erwartet. In dem Buch beschäftigt sich Damasio damit was Gefühle aus seiner Sicht sind und unterteilt dabei zuerst einmal in Emotionen und Gefühle, erläutert beide getrennt, um sie danach wieder zusammenzufügen. Interessant ist das vor allem daher, weil beide Begriffe häufig synonym verwendet werden.

Was er aus seinem Fachgebiet der Neurologie dazu vermittelt ist für mich im Gegensatz zu Beiträgen anderer über das Gehirn sehr anschaulich und nachvollziehbar. Damasios Buch ist allerdings insgesamt eine Mischung aus literarischer Erzählung, Präsentation wissenschaftlicher Erkenntnisse, eigener Theorie und Meinung. Bis dicht vor den Schluss war das für mich insgesamt akzeptabel, dann kam der Absturz. Damasio endet mit Ausführungen zu Spiritualität und darin ist er in meinen Augen einfach kein Fachmann. Das wäre jetzt nicht allzu schlimm, es ist in Ordnung wenn jemand seine Meinung präsentiert, die fachlich unzureichende Verbindung von Emotionen, Gefühlen und Spiritualität nehme ich aber als kontraproduktiv war. Wer dem Bereich von Emotionen und Gefühlen zu mehr Ansehen verhelfen will, muss sich gut auskennen, vor allem wenn er Bereiche damit verbindet, die selbst in ihrem Stellenwert problematisch sind.

Die Verbindung mit Spiritualität oder auch Moral und Ethik stellen auch andere her, u.a. Rolf Arnold und der Dalai Lama. Beide wirken dabei allerdings wesentlich kompetenter. Jedenfalls auf der Basis meines Wissens.

Es geht jetzt aber nicht primär um diese Problematik oder dass sie für mich von Bedeutung ist, sondern um meine Reaktion darauf, die ich im ersten Augenblick nicht verstehe. Ich kann nicht weiterlesen und fühle mich schlecht und hoffnungslos. Das Buch, das mich zu Beginn begeistert hat und das ich streckenweise mit höchster Aufmerksamkeit gelesen habe, verliert seinen Wert und wird emotional negativ besetzt. Sogar die ganze Thematik Emotionen wird davon beeinträchtigt. Ich muss mich selbst aufrichten, negativen Gefühlen entgegenarbeiten und mir erklären, dass mein Interesse seriös und ernsthaft ist und keine Spinnerei. Es gelingt mir nicht gut, was mich zusätzlich frustriert. Außerdem habe ich, um das Buch zu lesen, auf andere Aktivitäten verzichtet, was ich nun auch noch bedauere, da mir der Verlust im Nachhinein zu groß erscheint.

Sie mischen sich ein, die Emotionen und Gefühle, sie stören, sie blockieren den Fluss des ungestörten Weiterarbeitens, sie liefern dabei aber auch wichtige Informationen. Aus meinen Erfahrungen und meinem erworbenen Wissen heraus liefern sie mir zu Bedenkendes und zu Bearbeitendes indem sie deutliche Warnsignale aufrichten. Damasio beschreibt, dass in uns das Bestreben vorhanden ist einen Zustand es Wohlergehens zu erreichen. Die unangenehmen Emotionen und Gefühle weisen nun darauf hin, dass etwas zu klären ist, um diesen Zustand wieder erreichen zu können.

Ich mag das nicht. Ich komme aber nicht umhin damit umzugehen. Letztlich werde ich dazu gezwungen der Sache auf den Grund zu gehen. Die Störung, die Irritation zu begreifen.

Mit den Kindern ergeht es mir ähnlich. In der Regel habe ich nach jedem Arbeitstag Klärungsbedarf. Meine Emotionen und Gefühle geben mir vor womit ich mich noch einmal zu beschäftigen habe. Die Verarbeitung durch den bewussten Verstand kommt dabei erst später. Dadurch entsteht gleichzeitig eine Ausrichtung auf negative Aspekte. Denn diese verlangen nach Klärung und dem Versuch der Änderung, nicht die vielen angenehmen und als positiv wahrgenommenen Situationen. Der Wunsch in der Zukunft besser handeln zu können, lenkt meine Aufmerksamkeit auf das was am meisten belastet, um es ändern oder beseitigen zu können.

Nach dieser Erkenntnis und dem Wissen, dass Gedanken einen Einfluss auf Emotionen haben, erscheint es mir sinnvoll als Ausgleich mehr auf das zu blicken was gut funktioniert und gut geklappt hat. Für mich ist es nach wie vor nicht die richtige Haltung negative Erscheinungen und Aspekte unter den Tisch fallen zu lassen und mich möglichst wenig damit zu beschäftigen. Ich weiß, das ist durchaus eine mögliche Strategie, dafür habe ich aber emotionale Grenzen. Gedanken an Balance und Gelassenheit sind für mich jedoch eine vorstellbare Ausrichtung und letztlich drückt sich in meiner bisherigen Haltung durchaus eine Art Defizitorientierung aus. Es ist erst alles gut, wenn alles beseitigt ist, das nicht gut funktioniert. Warum eigentlich? Gelassenheit kann durchaus auch Unvollkommenes stehen lassen.

Das Schreiben als Reflexion hat an diesem Punkt seine Aufgabe erfüllt und mir zur Vorstellung einer für mich passenden Strategie verholfen. Dass Abwarten und Gelassenheit sinnvoll sind gehörte bereits zu meinen Wissensbeständen. Neu ist für mich die Vorstellung eine Balance zwischen den Arten von Erlebnissen herzustellen, mit denen ich mich im Nachhinein beschäftige. Wenn ich mich mit negativen Aspekten beschäftigen will oder muss, so scheint es mir notwendig, ihnen immer auch positive Aspekte zur Seite stelle. Als Ausgleich. Diese Erkenntnis ist jetzt überraschend, allerdings auch logisch.

Es bleibt abzuwarten wie weit sie sich im Alltag umsetzen lässt. Die Chancen schätze ich momentan als gut ein. Vor kurzem habe ich verstanden wie Lachyoga funktioniert, das ich früher nur merkwürdig fand, und dass es sich dabei in Bezug auf Emotionen und Gefühle um eine sinnvolle und durchaus legitime Technik der Beeinflussung handelt.

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