Bildungsmäuschen

Startseite » Uncategorized » Emotionen – Coping-Strategien sowie Aufgaben für den schulischen Bereich

Emotionen – Coping-Strategien sowie Aufgaben für den schulischen Bereich

Von Frenzel, Götz und Pekrun (2015, S.205) werden drei zentrale Coping-Strategien angeführt, emotionsorientiertes, problemorientiertes und meidungsorientiertes Coping. Der Begriff Coping bezeichnet dort den Umgang mit negativen Gefühlszuständen. Der Artikel selbst gehört zu denjenigen, in denen die Begriffe Emotionen und Gefühle synonym verwendet zu werden scheinen.

Ich stehe dagegen noch stark unter dem Eindruck der von Damasio (2003) als sinnvoll vermittelten Unterscheidung zwischen Emotionen und Gefühlen. Emotionen sind bei ihm mit den von mir als Empfindungen bezeichneten Erscheinungen  verbunden, die auf der Ebene des Körpers wahrnehmbare sind, während es sich bei Gefühlen um mentale Produkte handelt, die zwar Informationen aus dem Bereich der Empfindungen nutzen oder bereits genutzt haben, aber selbst nicht davon begleitet werden. Gefühle haben im Gegensatz zu Emotionen keinen körperlichen Ort an dem sie durch Selbstbeobachtung lokalisiert werden können. Dadurch werden sie weniger greifbar. Damasio berichtet allerdings davon, dass Gefühle als Aktivitäten in spezifischen Gehirnbereichen mit entsprechenden bildgebenden Verfahren beobachtet werden können. Ich vertraue ihm dabei und nehme seine Ergebnisse in meine Vorstellungsbilder auf. Wenn ich nicht lokalisierbare Gefühle habe, so sollte es also möglich sein sie als mentale Produkte durch einen Gehirnscan auf der körperlichen Ebene sichtbar zu machen. Ich stelle mir das nun in meinem Kopf begleitend vor.

Es passiert mir immer wieder, dass ich am Tag Texte lese, danach schlafe und mich nach dem Aufwachen mit einem der gelesenen Aspekte beschäftige, der während des Vortages noch keine besondere Bedeutung hatte. Habe ich viele Texte gelesen, entsteht dabei öfter das Problem, dass ich mich nur noch schlecht erinnern kann wo genau die entsprechende Passage stand. Die Stelle über die Coping-Strategien habe ich nur durch Pdf-Suche gefunden, denn in meiner Erinnerung stand sie an einer anderen Stelle. Steht mir kein Pdf zur Verfügung oder habe ich zu viel gelesen, ist das manchmal ein Problem, da ich dann das Original nicht noch einmal überprüfen kann.

Die Coping-Strategien haben Bedeutung erlangt, weil sie im Zusammenhang mit dem Umgang mit Emotionen UND Gefühlen stehen, an den ich mich aus der Vergangenheit erinnere. Ich überlege nun, ob ich mir inzwischen Wissen angeeignet habe, durch das ich damalige problematische Situationen besser bewältigen könnte. Und ich untersuche die erinnerten Situationen auf Aspekte, die mir bisher entgangen sind.

Die Coping-Strategien überprüfe ich anhand meines erinnerten Materials und überprüfe gleichzeitig erinnerte Vorkommnisse auf die verwendeten Strategien.

Emotionsorientiertes Coping bezeichnet beispielsweise die Vorgehensweise wenn ich die Empfindungen in meinem Körper in einer Situation beobachte, merke wie sich Spannung und starke Empfindungen aufbauen, die ich als nicht sinnvoll betrachte, und daraufhin durch Entspannung sofort entgegenwirke. Auch Reflexionen nach Vorkommnissen, Einwirkungsmöglichkeiten durch die Verwendung von Vorstellungen bzw. Wissen, oder Stop-and.Think, gehören als Strategien in diesen Bereich.

Problemorientiertes Coping beschäftigt sich damit herauszufinden was die Situation ausgelöst hat und wie sich die Situation selbst ändern lässt (vielleicht sollten jetzt alle Kinder erst einmal auf den Schulhof, um sich auszutoben, vielleicht sollten der Sinn der geltenden Regeln erst noch einmal erklärt werden, vielleicht sollte man eine Gruppe anders zusammensetzen, um bestimmte Konflikte zu vermeiden).

Meidungsorientiertes Coping bezeichnet die „behaviorale oder mentale Flucht aus der emotionsauslösenden Situation bzw. Vermeidung einer Konfrontation mit der Situation“ (Frenzel et al., 2015). Diese Form wird als die für viele Situationen ungünstigste beschrieben und genau so habe ich diese Strategie auch in Erinnerung. In der Vergangenheit hat sie mir schon viele Probleme bereitet und Chancen behindert.

Spätestens an diesem Punkt setzt für mich die Bedeutung von Wissen über die Funktion und den Ablauf von Emotionen und Gefühlen ein. In sozialen Geflechten mit pädagogischer Intention ist es von großer Bedeutung erkennen zu können was genau im Bereich von Emotionen und Gefühlen vor sich geht und welche Strategien für einen möglichst positiven Effekt auf das einzelne Individuum und darüber für die gesamte Gemeinschaft am geeignetsten sind. Emotionen tauchen fortwährend auf und formen die Gefühle mit, mit denen Menschen sich selbst und die Welt betrachten und in ihr handeln. Sie liefern die Grundlage für Lernmotivation sowie soziales Miteinander. Sie beeinflussen das Selbstbild und sind mit Vorstellungen von Chancen und Grenzen verbunden. Emotionen und Gefühle können aus vielen verschiedenen Gründen kein störender bloß subjektiver Nebenbeikram sein, sondern erfordern Beachtung, Kenntnisse und sind Lern- und Lehrbemühungen wert. Neben vielen anderen Effekten kann sich Wohlbefinden einstellen, etwas, dem durchaus ein eigenständiger Wert zugeordnet werden kann.

Frenzel, Götz und Pekrun (2015, S.221) beziehen sich auf einen älteren Text von sich selbst und schlagen für den schulischen Bereich vor:

  • „Die Förderung des Bewusstseins dass Emotionen eine wichtige Rolle in Lern- und Leistungskontexten spielen“ (möchte ich um den Begriff Gefühle im Sinne der Unterteilung von Damasio erweitern, außerdem halte ich die ausdrückliche Beachtung sozialer Kontexte für notwendig)
  • Die Vermittlung von Wissen über Emotionen (sie beziehen sich nur auf Leistungsemotionen, was ich für unzureichend halte)
  • Die Vermittlung, dass emotionales Erleben kontrolliert werden kann.
  • „Vermittlung und Üben konkreter Emotionsregulations- und Coping-Strategien“

Eine wichtige Voraussetzung ist dafür, dass die Unterrichtenden selbst über ein entsprechendes Bewusstsein, Wissen über Emotionen und Gefühle sowie Kompetenzen in der Verwendung geeigneter Strategien, auch im Sinne von Modelllernen, verfügen.

Ich kann leider keine Belege dafür vorlegen, gehe aber davon aus, dass ein solches Vorgehen unterm Strich keine Mehrbelastung darstellen würde (im Sinne von immer mehr und mehr Zuständigkeiten), sondern verschiedene Problematiken könnten dadurch kleiner werden oder möglicherweise ganz wegfallen. Kurz, ich halte Emotionskompetenz und fundiertes Wissen über die Funktion sowie die ablaufenden Prozesse bei Emotionen und Gefühlen für Werkzeuge mit großem Einfluss.

Referenz:

Frenzel, A.C., Götz, T. & Pekrun, R. (2015). Emotionen. In: Wild, E. & Möller, J.(Hrsg.) Pädagogische Psychologie, 2., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Berlin, Heidelberg: Springer.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: