Bildungsmäuschen

Startseite » Emotionen » Verschiedene theoretische Ansätze zu Emotionen

Verschiedene theoretische Ansätze zu Emotionen

Noch immer wünsche ich mir eine klare und übersichtliche Antwort dazu was Emotionen sind und wie sie funktionieren. Nach einer Zeit, in der Emotionen in wissenschaftlichen Disziplinen nur eine geringe Beachtung gefunden hatten, ist in den letzten Jahrzehnten zwar einiges an Wissen dazu generiert worden, lässt man sich auf das Thema jedoch ein, so findet man in der wissenschaftlichen Literatur eine Situation vor, die durchaus verwirrend wirken kann.

Ganz zu Beginn meines forschenden Lesens stand ein neu überarbeitetes, 2014 erschienenes Buch zur Emotionspsychologie, das für die Definition von Emotionen nur eine Arbeitshypothese entwarf. Ich fand das merkwürdig und unbefriedigend und wollte nicht glauben, dass es sich um den aktuellsten Stand handeln könnte, und habe allein schon daher monatelang kreuz und quer gelesen. Einen gewissen Überblick habe ich dabei zwar gewonnen, es ist jedoch vor allem ein Überblick über eine Fülle von Ansätzen und Einzelaspekten, ganz genau so wie es das Buch zur Emotionspsychologie bereits angekündigt hatte. Nach monatelangem Lesen bin ich nun anscheinend nicht weiter, sondern nur tiefer vorgedrungen.

Etwas in mir ist damit ausgesprochen unzufrieden und erwartet  immer noch eine ganz andere Art von Antwort. (Bitte, bitte, schenkt mir eine einfache Auflösung!)

Als ich das International Handbook of Emotions in Education aus dem Jahr 2014 in Händen hielt, hatte ich daher ausgelöst durch die Art des Titels, den Umfang des Buches sowie das Erscheinungsdatum die Erwartung doch noch die neuesten und mich endlich zufriedenstellende Antworten zu bekommen. Doch erneut werde ich enttäuscht. Das Kapitel über Konzepte und Strukturen von Emotionen versucht zwar ganz redlich eine Zusammenfassung von dem, das am weitesten abgesichert ist, es konfrontiert mich dabei aber letztlich mit einem wieder ganz neuen Ansatz der Zusammenstellung von Theorieansätzen zu Emotionen, von denen ich den meisten allerdings bereits in anderer Form begegnet bin und die mir bereits vertraut sind.

Für Emotionen gibt es laut des zweiten Kapitels eine evolutionäre und eine kulturelle Perspektive und sie können als Episoden betrachtet werden. Zusätzlich werden sie als aus verschiedenen Komponenten bestehend betrachtet.

Angeführt werden:

  • Subjektives Gefühl (Erleben)
  • Bewegungskomponente (Ausdruck)
  • Physiologische Komponente (somatische Reaktion)
  • Handlungskomponente (Verhalten)
  • Bewertungskomponente (Gedanken und Vorstellungen)

Emotionen können gegen andere affektive Zustände abgegrenzt werden, auch wenn die Grenzen manchmal etwas schwierig zu ziehen sind. Dabei handelt es sich um:

  • Stimmungen
  • Einstellungen
  • Präferenzen
  • Affektive Dispositionen

Nach Shuman und Scherer (2014) besteht darin Übereinstimmung, dass Emotionen Episoden mit multiplen Komponenten sind, die durch Evolution und sozialen Kontext geformt werden und auf vielfachen Wegen ausdrückbar sind.

Sie bestimmen vier verschiedene Ansätze für die theoretische Bestimmung. (Ausführlicher hier).

  • Basic Emotions Theories
  • Appraisal Theories
  • Psychological Constructivist Theories
  • Nonlinear Dynamic Systems Theories

Alle Ansätze sind schlüssig, können zum Teil verbunden werden und es gibt für alle mehr oder weniger empirische Belege. Die verschiedenen Ansätze betrachten Emotionen allerdings durchaus sehr unterschiedlich, was Auswirkungen hat auf:

  • die davon abzuleitende Regulation von Emotionen
  • das Verhältnis von Emotionen untereinander
  • die bevorzugten Messmethoden

Die Auswirkungen auf Regulation, Messmethoden sowie die Implikationen für die Art des gewonnenen Wissens durch unterschiedliche Ansätze führen Shuman und Scherer etwas genauer aus und empfehlen zum Schluss auf die Art der eigenen Vorurteile zu achten, wenn man im Bildungsbereich zu Emotionen forscht.

Es war nicht das was ich mir erhofft hatte, nach all meinem Vorwissen habe ich jedoch nichts daran zu beanstanden. Ich habe schon bemerkt, dass ich meine eigenen Überlegungen einbeziehen muss, auch um die Beiträge anderer nachvollziehen und einordnen zu können. Es fällt mir nur ausgesprochen schwer einen Zustand zu akzeptieren in dem ich keine immer gültigen Antworten erhalte, sondern in dem ich damit umgehen muss, dass etwas in einer bestimmten Weise sein kann, aber auch ganz anders. Oder verschiedene Modelle Erscheinungen gleichermaßen erklären können, bzw. manche Aspekte besser und andere schlechter, und das ohne sich gegenseitig dabei auszuschließen.

Ich kann alle vier der hier aufgeführten Theorieansätze nachvollziehen und in jedem Fall Belege für ihre Gültigkeit finden. Und dennoch kann ich nur schwer ein Gesamtbild daraus zusammenfügen. Für mein Denken ist das ein verdammt harter Brocken, da ich den starken Wunsch nach einem stimmigen Bild in mir finden kann, der letztlich nicht befriedigt wird. Dadurch finde ich in mir eine Unruhe, die mich allerdings weiter antreibt.

Referenz:

Schmidt-Atzert, L., Peper, M., Stemmler, G. (2014). Emotionspsychologie. Ein Lehrbuch. Stuttgart: Kohlhammer.

Shuman, V. & Scherer, K. (2014). Concepts and Structures of Emotions. In: Pekrun, R. & Linnenbrink-Garcia, L. (Hrsg.). International Handbook of Emotions in Education.  New York: Routledge.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: