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Emotionen und Vernunft

Scobel wird mir langsam unheimlich. Schon letzte Woche passte das Thema der Sendung hervorragend zu meinen Auseinandersetzungen über Komplexitätsreduktion und bei der gestern ausgestrahlten Folge (Charakter statt Intelligenz?) hätte ich am liebsten mitdiskutiert. In den Themen, der Darstellungsart und den vermittelten Wissensinhalten während der Sendung habe ich mich sehr heimisch gefühlt und Zuschauen und Beobachten waren dabei noch zu einem Zeitpunkt möglich, als ich das Textlesen wegen Konzentrationsproblemen nicht mehr fortführen konnte. Schwerpunkt der Sendung waren Intelligenzmessungen, und ja, auch auf das Konzept emotionaler Intelligenz wurde eingegangen.

Für dieses Konzept existiert die Kritik, dass es keine Messung von Intelligenz darstellt, eine Position, die auch von der eingeladenen Wissenschaftlerin Elsbeth Stern vertreten wurde.

Für meinen Interessensbereich benötige ich den Intelligenzbegriff nicht. Ich komme mit den Begriffen Emotionskompetenz und Emotionsregulierung gut aus. Erstaunlich war für mich allerdings der Emotionsausdruck den die Wissenschaftlerin während der Diskussion dieses Themas zeigte. In meinen Augen repräsentierte dieser eine deutliche emotionale Abwehr des Themas, die auf meine eigenen Emotionen in Bezug auf sie als Person sowie die Glaubwürdigkeit ihrer Argumentation einwirkte.

Gerade gestern hatte ich mich als völlig vom Thema Emotionen durchdrungen wahrgenommen, so als sei mein ganzer Körper darin eingeweicht worden und als wäre nun in jede Wahrnehmung mit Spuren des Themas durchmengt. Das war schon ziemlich an der Grenze des Erträglichen. Allerdings konnte ich in dem Zustand sehr gut beobachten wie ich selbst auf einer emotionalen Ebene auf Scobel als auch auf Elsbeth Stern reagiert habe. Wärme und Kühle sind als Begriffe gute Repräsentanten dafür. Mein übergeordneter, den Prozess begleitender Beobachter hinderte mich durch seine Bewusstheit allerdings daran die emotionalen Reaktionen der Diskutierenden in einen bewertenden Zusammenhang mit den vorgetragenen Argumenten zu bringen, erlaubte mir die emotionale Ebene getrennt von der sachlichen Argumentation zu belassen und lieferte mir zur gleichen Zeit ein neues Beispiel für eine eigenartige Erscheinung.

Auch bei Elsbeth Stern meine ich eine emotionale Abwehr bei einem Thema wahrgenommen zu haben, das mit Emotionen zu tun hat. Es ist nicht das erste Mal das so etwas geschieht und ich will auf dieser Basis nicht über das Innenleben der Wissenschaftlerin spekulieren. Ich kann nur feststellen dass es mich verwirrt, wenn jemand im Themenbereich Emotionen die Bedeutung von Emotionen in irgendeiner Weise gering ansetzt, gleichzeitig aber als angefüllt mich Emotionen erscheint. Irgendetwas scheint mir da nicht abgeklärt.

Auch aus solchen Gründen halte ich die Beschäftigung mit Emotionen möglichst auf einer wissenschaftlichen Ebene für wichtig. In der Diskussionsrunde haben mir viele Argumente gefehlt, auf die ich in meinen Studien und durch meine Studien getroffen bin. Emotions matter, könnte mein neuer Leitspruch sein. Den Bereich der Emotionen ernsthaft, sachlich und mit möglichst viel Hintergrundwissen so oft wie möglich mit im Auge zu behalten, erscheint mir als ein guter Weg, um sehr interessante zusätzliche Informationen zu gewinnen und Situationen und Zusammenhänge wesentlich vollständiger zu verstehen.

Kein Mensch ist ohne Emotionen. Jeder Mensch muss in irgendeiner Weise Umgang damit finden. Und das lernen wir in der Regel alle bereits von Beginn unserer Existenz an. Was dazu nicht notwendig ist, ist ein Bewusstsein darüber. Darauf sind weder Emotionen noch Emotionsregulierung angewiesen. Wir können den Bereich Emotionen einfach geschehen lassen. Wir können ihn ignorieren und wir können dort nicht hinschauen. Er arbeitet trotzdem – automatisch.

Es ist aber ungemein hilfreich ein Bewusstsein und Achtsamkeit dafür zu entwickeln was dort eigentlich vor sich geht. Es war ein Anliegen der Aufklärung Vernunft und Verstand (ist mit Verstehen verwandt!) zu fördern. Seltsamerweise ist daraus hervorgekommen etwas das als Denken bezeichnet wird höher zu bewerten als etwas das im Deutschen als Emotion, Gefühl, Affekt oder Empfindung bezeichnet wird.

„Der Begriff Vernunft bezeichnet in seiner modernen Verwendung die Fähigkeit des menschlichen Denkens, aus den im Verstand durch Beobachtung und Erfahrung erfassten Sachverhalten universelle Zusammenhänge der Wirklichkeit durch Schlussfolgerung herzustellen, deren Bedeutung zu erkennen, Regeln und Prinzipien aufzustellen und danach zu handeln.“ Wikipedia

Nehme ich diese Definition, so handelt es sich bei Vernunft und Verstand um bestimmte Teilbereiche menschlicher Befähigung. Ich kann sowohl innere Informationsverarbeitungsprozesse beobachten, die eine Resonanz in meinen Körperempfindungen haben, als auch Erscheinungen, die in meiner Wahrnehmung mit immateriellen Bereichen verbunden sind, die ich diffus irgendwo im Bereich meines Kopfes zu verorten gelernt habe. Der Verstand bzw. das Bewusstsein des Menschen kann beide Bereiche beobachten und die gewonnenen Informationen einem bewussten Verarbeitungsprozess zuleiten, der als Vernunft bezeichnet wird.

Bewertete Hierarchien zu erstellen ist dabei gänzlich unangebracht und wenig hilfreich, um vernetzte Strukturen zu erfassen. Emotionen sind in genau der gleichen Wiese Informationsquellen wie andere Erfassungs- und Verarbeitungsmöglichkeiten, die einem Individuum zur Erhaltung und Verbesserung seiner Existenz zur Verfügung stehen. Der Verstand kann für bewusste Entscheidungsprozesse alles nutzen was ihm durch unterschiedlichste Informationsquellen geliefert wird, und als Basis für vernünftige Entscheidungen nutzen. Fundiertes Wissen über die Art der Informationsquelle und ihre Funktionsweise zu haben ist dabei nicht zwingend notwendig, kann aber mindestens zu einer Verbesserung des Verständnisses für innere Vorgänge beitragen.

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