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Emotionen und Sozialstruktur

Emotionen sind ein mentales Produkt und enthalten eine kognitive Komponente. Daher geht es eigentlich auch gar nicht um die Emotionen selbst, sondern die Fragen, die ich zu ihnen habe, beziehen sich letztlich auf Weltbilder, gesellschaftliche Strukturen und Machtverhältnisse, die Auslöser für Emotionen werden. Bei Emotionen geht es um die Selbstwahrnehmung von Menschen im Zusammenspiel mit der Wahrnehmung ihrer Umwelt, und Emotionen können in der ihnen eigenen Sprache darüber differenziert Auskunft geben. Diese Kenntnisse sind allerdings nicht immer umfänglich gewünscht. Daher gibt es Kontexte, in denen Emotionen und ihr Ausdruck entwertet werden, bzw. nur in sehr beschränkter Form sichtbar werden sollen. An diesem Punkt kann es dann durchaus logisch sein spekulativ Verschwörungstheorien zu entwickeln.

Sozialstrukturelle Bedingungen bestimmen durchaus den Umgang mit Emotionen und die Form der gewünschten Emotionsregulierung. Die gesellschaftlichen Bedingungen wirken dadurch auf die Entstehung und Interpretation von Emotionen ein. Emotionen werden zwar subjektiv empfunden und sind für die externe Beobachtung nur begrenzt zugänglich, das sind aber weitere mentale Prozesse ebenfalls und wie diese werden Emotionen kulturell und sozial geformt und drücken im Individuellen die Bedingungen der sie umgebenden Kultur und Gesellschaft aus. Es ist daher nicht sinnvoll Emotionen nur als etwas Losgelöstes und rein Subjektives zu verstehen, das allein in der Verantwortung des Individuums verbleibt.

Im Verlauf von Erziehung werden die Wahrnehmung von Emotionen und der Umgang mit ihnen entsprechend der Vorstellungsbilder der umgebenden Kultur und Gesellschaft geformt. Im Extremfall sollen Wahrnehmung und Verständnis der eigenen Emotionen gar nicht erst erlernt, sondern vor allem in einer Weise geformt werden, die für das Individuum selbst letztlich schädlich ist, während es selbst und seine Emotionen nicht im eigenen Interesse, sondern für das Interesse anderer geformt werden. Für den pädagogischen Bereich kann dabei als ein extremes Beispiel auf die schwarze Pädagogik verwiesen werden und ihre Intention emotionale Muster zu etablieren, die es dem Opfer erschweren Machtmissbrauch wahrzunehmen und zu benennen, wodurch zum Nutzen der Täter Widerständigkeit erschwert wird.

Ohne jedoch auf  Extrembeispiele einzugehen, stellen gesellschaftliche Strukturen, Werte und Machtverhältnisse direkte Einflussquellen für Emotionen und Art des Emotionsausdrucks dar. Und auch wenn ich in meiner bisherigen Literatur zu dieser Problematik wenig gefunden habe, so geben Emotionen, die mit sozialen Beziehungen eng verbunden sind, in Machtverhältnissen auch Auskünfte zu Machtverteilungen. Eine Pädagogik der Emotionen und der Emotionsregulierung muss diesen Aspekt berücksichtigen und Machtverhältnisse und Machtausübung in ihre Überlegungen einbeziehen. Dazu gehört auch die Überprüfung der Interessen, auf denen die gewählten Strategien zur Emotionsregulierung basieren.

Soziale und emotionale Kompetenzen in Lehrpläne einzubeziehen erscheint auf den ersten Blick als eine begrüßenswerte Maßnahme. Auf den zweiten Blick treten jedoch durchaus Fragen danach auf, wer für wen die Richtung wohin vorgibt. Nicht Emanzipation und Empowerment des Individuums müssen die gewünschten und auftretenden Ergebnisse sein. Als Produkte der Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenzen werden durchaus Entwicklungen betont, bei denen bestehende Systeme nicht geändert werden, sondern Leistung nach bereits vorhandenen Kriterien verbessert wird, weil das soziale Miteinander entlastet wird.

Es bleibt das Problem bestehen, dass sich aus jeder Änderung, die anfänglich vor allem auf die positiven Aspekte konzentriert ist, durch die Anwendung neue und unerwartete Fragen ergeben können.

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