Bildungsmäuschen

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Verzwirbelung

Das Exposé zur BA ist nicht zu dem Termin fertig geworden den ich mir selbst gesetzt hatte. Zusätzlich hat mich jetzt eine sommerliche Erkältungswelle erwischt und etwas lahmgelegt. Verschwunden ist inzwischen allerdings das Bedürfnis weiter zu recherchieren. Die erzielte Sättigung an Informationen scheint ausreichend. Das letzte wichtige Puzzlesteinchen, um mich selbst zufrieden zu stellen, hat sich auf recht eigenartigem Weg ergeben und wurde durch den Begriff convolution in einem Artikel von Thagard und Steward angeregt.

Sehr frei habe ich daraus die Vorstellungen von etwas entwickelt, das ich als Verzwirbelung bezeichne. Diese Verzwirbelung repräsentiert dabei weder eine serielle noch eine parallele Verarbeitung von Informationen, sie entspricht auch keiner Netzwerkstruktur, da es sich um einen zielgerichteten Prozess handelt. Es ist so als würde man Fäden miteinander verdrehen, die sich allerdings weiterhin voneinander unterscheiden lassen. Zusammen, als sich aufwärts bewegender Faden, stellen sie dann einen fortlaufenden Prozess dar, der sich aus verschiedenen gleichzeitig vorhandenen, kontinuierlich aufeinander einwirkenden Komponenten zusammensetzt.

Mein Eindruck der letzten Monaten ist eine Dominanz von Vorstellungen, die bezogen auf das Verhältnis von Emotionen zu anderen Informationsverarbeitungskomponenten des Gehirns von Dualitäten ausgehen, die je nach weiteren Annahmen unterschiedlich geordnet werden. Emotionen sind begleitend oder übergeordnet oder untergeordnet oder getrennt. Das fand ich in der Gesamtheit nicht wirklich überzeugend und zufriedenstellend abgebildet. Benutze ich allerdings ein Modell der Verzwirbelung, so können keine Hierarchien erstellt oder Unterschiede in der Bedeutung gemacht werden. Es ist ein ganzheitliches Konzept wo alles zur gleichen Zeit da ist, aufeinander einwirkt und sich fortwährend gegenseitig bedingt. Gleichzeitig kann es erfassen, dass die unterschiedlichen Informationsverarbeitungsarten des Gehirns und die daraus sich ergebenden Konzequenzen, die wiederum auf die Informationsverarbeitung einwirken, durchaus als so unterschiedlich erfahren werden, dass die Vorstellung einer Trennung überhaupt möglich ist.

Das Ganze ist allerdings nur eine Visualisierung und ein Denkmodell, keine Darstellung der Wirklichkeit. Es ist einzig eine Repräsentation der Schlüsse zu denen ich gekommen bin. Wenn verschiedene kognitive Prozesse, denen ich auch Emotionen weitgehend zurechne, und ihre Handlungskonsequenzen miteinander verflochten sind und gemeinsam eine Ganzheit ergeben, erklärt sich für mich daraus auch, warum es nicht wirklich entscheidend ist worauf man sich konzentriert. Es ist nicht notwendig Emotionen in Bildungsprozessen ausdrücklich zu beachten, es ist allerdings genauso möglich sich vor allem auf die Emotionen und damit das subjektive Erleben zu konzentrieren, also diesen „Faden“ explizit zu beobachten, einzubeziehen und darauf einzuwirken. Ich gehe davon aus, dass beiden Herangehensweisen zum Erfolg führen, wenn die jeweils dafür wichtigen Grundlagen beachtet werden. Wichtig ist dabei der Erklärwert, den sie für die jeweilige Person haben, also die Nachvollziehbarkeit und damit auch die Anwendbarkeit.

Eine Betrachtungsweise wie der Behaviorismus, der sich auf Input und Output konzentriert und der Black Box dazwischen keine Beachtung schenkt, ist mit diesem Modell ebenfalls gut verknüpfbar.

Beantworten lässt sich dadurch auch meine Frage, warum bildungswissenschaftliche Herangehensweisen Emotionen nicht explizit benennen müssen, es aber genauso gut tun können. Momentan denke ich, es ist in Ordnung, wenn man es den Vorlieben der Einzelnen überlässt. Für manche Menschen ist der Weg der expliziten Einbeziehung der Emotionen der richtige, weil in ihrer Art der Weltbetrachtung Emotionen wichtig sind. Andere schenken ihnen dagegen weniger Beachtung, weil für sie eine andere Blickrichtung im Vordergrund steht. Weil die internen Verarbeitungsprozesse aber nicht zu trennen sind, sondern verzwirbelt, und daher fortwährend aufeinander einwirken, werden die anderen Teile aber immer auch mit erfasst, ganz gleich worauf man sich konzentriert. Aus diesem Grund sind die unterschiedlichen Herangehensweisen auch untereinander „übersetzbar“.

Daraus ergeben sich wiederum Fragen danach welche Vorteile die eine oder andere Sichtweise hat, was für mich persönlich allerdings von geringerem Interesse ist, da es mir primär um Fragen zu Dualität und hierarchischer Anordnung geht. Ein Modell der Verzwirbelung löst diese Problematik für mich auf und entspricht dabei am ehesten sowohl  meiner eigenen Wahrnehmung als auch dem Ergebnis meiner bisherigen Recherchen zu Emotionen. In Bezug auf die Pädagogik stützt es für mich die sogenannten ganzheitlichen Herangehensweisen an den Menschen, in denen versucht wird alle Teile des Menschen in möglichst gleichem Maß zu fördern.

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