Bildungsmäuschen

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Bewusstmachung von Emotionen

Ein fehlender ganztägig kühler Arbeitsort erschwert bei der momentanen Hitze die Weiterarbeit, dabei habe ich bei Roth (2011) für meinen Themenbereich interessante Beschreibungen gefunden.

Er stellt ein hirnstrukturelles Vier-Ebenen-Modell der Persönlichkeit vor, das von drei Ebenen des limbischen Systems ausgeht, die der kognitiv-sprachlichen Ebene gegenüberstehen (Roth, 2011, S. 44). Interessant ist daran, dass die Ebenen des limbischen Systems einen Gesamtbereich einerseits zusammenfassen und gleichzeitig in verschiedene Funktionssysteme unterteilen. Unzufrieden bin ich damit, dass auch dabei wieder der Eindruck einer Hierarchie dieser Funktionssysteme entsteht, während aber alle Bereiche Aufgaben zu erfüllen haben, auf die das Individuum nicht verzichten kann. Die geringe Interaktion der ersten drei Ebenen mit der vierten beschreibt er dagegen als biologisch sinnvoll und keine Fehlentwicklung. Durch getrenntes Arbeiten sind Beobachtung und Beratung möglich ohne unmittelbar handeln zu müssen.

Die erste Ebene bezieht sich auf die vegetativ-affektive biologische Existenzsicherung und ist für mich nur von geringem Interesse. Die zweite Ebene beschreibt den Bereich der emotionalen Konditionierung und des individuellen Lernens. Hier würde ich auch den Begriff emotionales Tagging unterbringen, also die Verknüpfung aller Erfahrungen mit dem emotionalen Bewertungssystem. Von besonderem Interesse ist für mich die dritte Ebene. Hier sind in dem Modell die bewussten, vor allem sozial vermittelten Emotionen angesiedelt. Ebenso Risikowahrnehmung und moralisch-ethisches Verhalten. Das Modell widerspricht meinem Modell der eingebetteten Verzwirbelung nicht.

Interessant ist für mich, dass ich zu Beginn von dem Buch begeistert bin und mir viel erhoffe, später stelle ich allerdings Inkonsistenzen fest, entdecke dass Quellen häufig nicht direkt belegt sind, Emotion und Gefühl synonym verendet werden und ich erinnere mich, dass ich bei anderen Autoren auch widersprechende Argumente gefunden habe. Meine Reaktion darauf ist mich auf die Aspekte zu konzentrieren und für mich zu extrahieren, die für mein Thema relevant sind.

Wesentlich ist die kognitive Theorie der Emotionen (appraisal theory), ich tendiere dabei zu einer extremen Position (z.B. von Scherer vertreten), in der Emotionen als Bewertungszustände immer eine kognitive Komponente haben und sich auf das Erfassen der Bedeutung einer Situation beziehen. Ebenso ist für mich die Bewusstmachung von Emotionen bedeutungsvoll. Auch Roth erwähnt, dass unbewusst nur eine flache Informationsverarbeitung geschieht, während eine bewusste detailreicher ist und mehr Flexibilität ermöglicht. Für Transformations- und Veränderungsprozesse ist das von großer Bedeutung. Ebenso von Bedeutung ist, dass im Bereich unbewusster Wahrnehmung das Erkennen von bedrohlichen Reizen Priorität vor neutralen oder positiven Reizen hat. Die Bewusstwerdung von Gefühlen ermöglicht Flexibilität und eine längerfristige Handlungsplanung (Roth, 2011, S.79).

Zusammengefasst geht es mir um eine stärkere Bewusstmachung von Emotionen. Ich betrachte Emotionen als verknüpft mit einem individuellen Bewertungssystem, das allerdings in Interaktion mit der sozialen Umwelt entsteht und daher nicht losgelöst ist von der gesellschaftlichen Interaktion sowie gesellschaftlichen Gepflogenheiten und Aushandlungsprozessen. Im Wertesystem spiegelt sich weiterhin die geschichtliche Entwicklung einer Gesellschaft. Die Bewertung basiert auf dem emotionalem Tagging bereits vergangener Erfahrungen und beeinflusst späteres Verhalten.

Emotionen enthalten daher unmittelbar Informationen zum Bewertungssystem eines Menschen und ermöglichen bewusst gemacht und in geeigneter Weise kognitiv verarbeitet einen ganz spezifischen Blick auf die Welt. Der Nutzen liegt in umfangreicheren und andere Informationen sowie darüber in stärkerer Flexibilität. Von Bedeutung ist das u.a. für Resilienz, Widerstandsfähigkeit, Transformationsprozesse aber auch Kreativität. Für den Bereich des Lernens scheint es Zusammenhänge zur Nachhaltigkeit von Lernen zu geben.

Interessant ist in dem Zusammenhang die Priorität des Erkennens bedrohlicher Reize bei unbewusster Wahrnehmung. Es könnte ein Zusammenhang zu einer Einschätzung von Emotionen als vor allem störend bei Lernprozessen bestehen.

Referenz:

Roth, Gerhard (2011). Bildung braucht Persönlichkeit. Wie Lernen gelingt. 2. Aufl. Stuttgart: Klett-Cotta

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