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Ausnahmezustand

Irgendwie fühle ich mich als Opfer der letzten Hitzewelle. Erst Hitze, dann starke Erkältung, dann ein durch Unachtsamkeit verletztes Ohr. Nicht richtig hören, Druck auf dem Kopf, Entzündung, Ohrensausen. Ich fühle mich jämmerlich, kann nicht in Ruhe denken, verstehe meine Mitmenschen schlecht, verkrieche mich daher viel im Bett und warte, dass sich mein Zustand ändert. Macht er bisher nur wenig und ich bin mit den verschiedensten Emotionen konfrontiert.

Angst, Scham, Mutlosigkeit, Gereiztheit, Unsicherheit erfordern Coping-Strategien. Den ganzen Tag mit einem unangenehmen, ungewissen körperlichen Zustand konfrontiert zu sein (bleibe ich halbtaub mit diesen fortwährenden Geräuschen im Ohr und was dann?), ist eine fortwährende emotionale Belastung und Herausforderung. Wenn sie alles überlagern und durchdringen, stellt sich nicht mehr die Frage ob Emotionen nun wichtig sind oder nicht, weil die fortwährende Erfahrung des eigenen Zustands, der sich daraus ergebenden Konsequenzen und die Vorstellungen von möglichen Auswirkungen in der Zukunft laufend unangenehme Emotionen produzieren.

Kein noch so guter Freund kann dabei wirklich helfen. Alles Mitempfinden und alle Unterstützung nehmen das Leiden nicht fort. Der vorherige Normalzustand lässt sich nicht herbeizwingen. Und die Dominanz negativer Emotionen färbt die ganze Sicht auf die Welt ein.

Ich weiß nicht wie Menschen davon ausgehen können, dass Emotionen keine Bedeutung haben. In meinem Zustand hätte ich das allerdings ganz gerne. Unbeeinträchtigt wie eine Maschine würde ich ein tägliches Programm genauso abspulen wie zuvor. Vielleicht steckt genau das hinter einer geringen Bewertung von Emotionen. Die stören doch nur!

So funktionieren wir nun mal aber nicht. Akustisch halb abgetrennt von der Welt wird meine Achtsamkeit auf mein eigenes Innenleben gelenkt. Emotionen, Gedanken, Handeln, Gedanken, Emotionen, Gedanken, Handeln, alles ist miteinander vermengt. Das Ziel? Irgendwie zurecht kommen. Akzeptieren, bekämpfen, anerkennen, ablenken, den Tag rum bringen, Vorwürfe machen, bewältigen, scheitern, positiv denken, auf Denken und Emotionen einwirken, Lösungen suchen, Erklärungen finden, nutzen was noch einigermaßen gut geht.

Meine Achtsamkeit für andere ist gestört. Das isoliert mich. Die von außen eindringenden Informationen sind unvollständig und zerrissen. Es ist dabei nicht nur die Sprache, die ich nur unzureichend verstehe, die Töne der Umgebung, die verändert sind. Ich kann die anderen Menschen und meine Umwelt nicht wahrnehmen wie sonst. Ich bin auf eine bestimmte Form der Interpretation der Außenwelt eingerichtet, der jetzt Grundlagen fehlen. Meine kognitive Verarbeitung ist durcheinander und auch dadurch geraten meine Emotionen in Aufruhr. Sie liefern dabei Bewertungen, die mich zum Handeln animieren, wie mich auf eine ungewisse Zukunft einzustellen oder Informationen über meinen Zustand zu sammeln oder auszuprobieren wie ich ihn positiv beeinflussen kann.

Auch die Selbstbeobachtung und das Schreiben stellen dabei Bewältigungsstrategien dar, die durch die Stärke und Art der auftretenden Emotionen angestoßen werden. Was würde ich ohne Emotionen unternehmen?

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