Bildungsmäuschen

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Erziehung zur Emotionsregulierung

Nein – meine Bachelorarbeit entwickelt sich nicht. Mal wieder habe ich ein Inhaltsverzeichnis verworfen. Dieses Mal weil es viel zu ausufernd für eine BA ist. Aus einer Eingebung heraus habe ich dann mit dem Tagging Soziologie, Macht und Emotionsregulierung gesucht und bin in der nächsten UniBib auf Büchern mit den Titeln „Bildungswiderstand“, „Zum Lächeln verpflichtet“, „Wenn sich Kinder ärgern“ und „Informalisierung“ fündig geworden.

Es ist sehr eigenartig nach vielen Jahren der Arbeit mit Kindern aus der Perspektive der Emotionsregulierung auf die eigene Tätigkeit zu blicken und dabei festzustellen selbst Teil eines Ganzen zu sein, das Emotionen, Denken und Verhalten nachhaltig formt. Und dann die Frage danach zu stellen, wer eigentlich die Form dafür vorgibt welche Emotionen wie empfunden werden sollen, welche Ausdrucksformen von Emotionen als zulässige betrachtet werden und wie die zeitgeschichtliche Einbettung sich auswirkt.

In der Bildungswissenschaft wird durchaus die Machtfrage gestellt, auch wenn das häufig nicht in Erscheinung tritt. Bedeutsam ist sie wenn es unterschiedliche Möglichkeiten gibt und dabei eine Auswahl getroffen wird. Wer setzt dann welche Auswahl nach welchen Kriterien durch? Woran orientieren sich diejenigen, die in einer Institution arbeiten? Wer hat wem Vorschriften zu machen?

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu sehr ins Detail gehen. Entscheidend ist, dass es eine Lernaufgabe ist den Ausdruck von Emotionen zu regulieren. Beispielsweise möglichst klaglos seinen Pflichten nachzukommen, auch wenn man sie überhaupt nicht mag. Oder andere nicht einfach zu schlagen oder zu kneifen, wenn sie einen nerven. Oder sich über gute Noten freuen und schlechte Noten als Bedrohung empfinden. Von außen kommende Erwartungen kennen und Verhaltensentscheidungen unter Berücksichtigung der dabei auftretenden Emotionen anpassen. Das entwickelt sich während Erziehungsprozessen. Auch Emotionen werden erzogen oder anders beschrieben, soziokulturell geformt. Es gibt natürliche Dispositionen der Erregung, doch ihre jeweiligen Ausprägungen sind ein Produkt im Wechselspiel mit der umgebenden Gesellschaft. Typische Schüleremotionen werden durchaus erst in einem Kontext erlernt und wirken dann bis ins Erwachsenenleben fort, ebenso die Art, in der sich ein Mensch in seiner ihn umgebenden Welt fühlt.

Das Ganze ist in all seinen Facetten komplex. Die Details lassen sich allerdings dafür heranziehen immer wieder erneut zu belegen, dass es sinnvoll ist zu beobachten was auf der Ebene der Emotionen in Bildungsprozessen vor sich geht. Über Emotionen werden gesellschaftliche Anforderungen, Sozialstruktur und Kultur internalisiert. Emotionen sind orientierendes und lenkendes Erleben des Menschen innerhalb seiner Konstruktion der Wirklichkeit, die allerdings niemals getrennt von gesellschaftlichen Einflüssen gedacht werden kann. Allein seiend sind wir dennoch niemals allein, sondern auch in unserem Inneren immer eingebettet.

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