Bildungsmäuschen

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Bildungscomics

In den letzten Monaten hat mich das Thema Emotionen mit dem Schwerpunkt Bildung so vereinnahmt, dass für andere Themen kaum Platz in meinem Kopf war. Durch einen Zufallskauf ausgelöst, hat jetzt allerdings ein anderes meiner Interessengebiete meine Aufmerksamkeit wieder stärker geweckt.

Comic ist dabei ein recht schlechter Oberbegriff für den Bereich, um den es geht. Comic leitet sich ab von komischen Geschichten, die sind aber nur ein kleiner Teil der Möglichkeiten dieses vielfältigen Mediums. Comic wird auch als neunte oder sequentielle Kunst bezeichnet, eine Formulierung, bei der die Kunst betont wird. Besser finde ich sequentielle Darstellung in Bildern als Beschreibung. Worte können dabei sein, müssen es aber nicht. Den Begriff Comic selbst muss ich allerdings behalten, da er sich trotz seiner unzureichenden Aussage als Oberbegriff etabliert hat. Einen anderen Umfassenden kenne ich bisher nicht. Andere Begriffe beschreiben in der Regel nur Spezialformen, wie Manga oder Graphic Novel.

Ich kann über eine lange Geschichte meiner Präferenz des Mediums zurückblicken. Gestartet habe ich dabei im Kindergartenalter mit den Prinz Eisenherz Alben meines Vaters. Schwarz-weiß und völlig überfordernd, aber auch unglaublich geheimnisvoll und Welten schöpfend.

Meine erste Erinnerung an Bildungscomics stammt allerdings aus Indien. Göttergeschichten, Nationalhelden – eine Nation von vielen Sprachen nutzte bereits in den 1970ern das Medium Comic intensiv, um Bildung für viele zu transportieren. Meine Schulenglischkenntnisse reichten vollkommen aus, um mit Unterstützung der Bilder die Geschichten und das, was sie vermitteln sollten, zu verstehen. In einem der heiligen Orte Südindiens, dessen Namen ich längst vergessen habe, dessen Bilder aber noch immer gegenwärtig sind, konnte ich in der Bibliothek eines Tempels Comics kostenfrei lesen und lesen und lesen und gegen ein allerdings recht saftiges Pfand auch ausleihen und mitnehmen. Ich war eine ganze Weile an diesem Ort und ich glaube, ich habe alle verfügbaren Comics gelesen.

So richtig schlimm wurde es mit mir aber erst Anfang der 2000er durch die Mangas und besonders schlimm, als ich das erste Mal Leute sah, die selber Comics zeichneten. Ich bekam riesengroße Augen und – ja, das wollte ich auch können. Einer meiner ersten eigenen Comics thematisierte dann auch gleich das mir damals noch fremde Gott-Thema, bedeutet, ich habe meine Comicfigur zu mir als über ihr schwebender Zeichnerin sprechen lasse.

Ich verliere mich nun aber in Erinnerungen und eigentlich soll es ja um Bildungscomics gehen.

Ein Ausflug gestern führte zu den Werken der Sommerakademie der Kasseler Caricatura und auf dem Weg dort hin am Kasseler Comicladen vorbei, den ich noch nicht kannte. Der Comicladen ist übersichtlich geordnet, es gibt aber keinen eigenen Bereich für Bildungscomics. Diese scheinen sich am ehesten in dem Bereich zu finden, in den die Graphic Novels eingeordnet werden. Vielleicht sind sie aber auch überall verstreut. Das Buch meines Zufallskaufs fand ich dort nicht und auch nicht etwas ähnliches. Am dichtesten dran war die Geschichte Buddhas als Manga von Osamu Tezuka, im Original zwischen 1972 und 1983 erschienen.

Bildungscomics – ja – mein Werk heißt Economix, ein Begriff zusammengesetzt aus Economy und Comix, der mich nebenher an Asterix, Obelix und Miraculix erinnert. Qualitätsbeleg des Verlags: Das Vorwort stammt von Dr. Rudolf Hickel, Wirtschaftswissenschatfler, der das Buch auch für den akademischen Bereich empfiehlt. In meinem Studienbereich gab es zu Beginn ebenfalls eine Empfehlung für einen Einsteigercomic, wenn ich mich richtig erinnere zum Thema Philosophie. Comics, auch in der speziellen Form des Mangas, gibt es zu sehr vielfältigen Bildungsthemen, wie beispielsweise Aufklärung (hat meine Kleinstadtbibliothek) oder Datenbanken. Alle diese Bücher sind dabei Teile von Reihen, die eine ganze Reihe von Themen umfassen.

Der Economix Comic ist für mich ein Spitzenprodukt. Von Beginn bis Ende erzählt er in Sequenzen. Vorlagen waren Fotos und Bücher über Wirtschaft. Das Buch ist voller Text und Zitate, behält aber dennoch die Comicstruktur bei. Sowohl das Datenbanken- als auch das Philosophiebuch müssen zwischendurch auf andere Gestaltungsformen zurückgreifen und kommen nicht nur mit gezeichneten Sequenzen aus. Dabei gelingt es Economix sehr gut Zusammenhänge aufzuzeigen und einen ersten Einblick in Thematiken der Wirtschaftswissenschaft zusammenhängend zu vermitteln. Es ist ein wunderbares Einsteigerbuch, interessant, anschaulich und ein ästhetischer Genuss. Die Konzentration liegt auf der amerikanischen Perspektive, der Schriftsteller hat das Buch allerdings in einem kleinen indischen Dorf auf der Basis relevanter Wirtschaftsbücher geschrieben. Dem Zeichner ist es gelungen die Texte in unterstützende Bilder umzusetzen.

Bildungscomics. Der Comicladen hat keine eigene Abteilung dafür. Insgesamt wird der Comic insgesamt auch eher dem Freizeitbereich zugeordnet und dahin gehören letztlich auch viele der eher literarisch orientierten Graphic Novels. Comic eignet sich jedoch auch sehr gut als Sachbuch, was Economix hervorragend belegt. Für mich besteht nun kein Zweifel mehr, Comic kann Bildung. Und das kann er hervorragend. In einer geeigneten Umsetzungsform ist er in der Lage auf seinen vielen Ebenen komplexes Wissen vermitteln. Das bedeutet: Zusammenhänge verständlich und nachvollziehbar aufzuzeigen. Und das noch dazu auf eine sehr vergnügliche Weise.

Ich empfehle einen Versuch. Als E-Book sehr kostengünstig erhältlich, gedruckt doppelt so teuer, aber mit etwa 300 Seiten enthält das Buch Stoff für Stunden, und ich habe es danach nicht einfach in die Ecke gelegt, sondern hatte das dringende Bedürfnis den Inhalt mit anderen zu teilen, was auch zu späterem Nachblättern geführt hat.

Referenz:

Goodwin, M. & Burr, D.E. (2013). Economix. Wie unsere Wirtschaft funktioniert (oder auch nicht). Berlin: Jacoby & Stuart.

Nachtrag:

Zu indischen Comics (Buchauszug): Martin, O. (2014). Der indische Comic und sein Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse: Eine Untersuchung aus soziokultureller Sicht. Hamburg: Diplomica.

Und eine Rezensionhttp://www.sueddeutsche.de/kultur/augsteins-auslese-economix-1.1867531

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