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Leben in Absurdistan

Der erste Arbeitstag nach den Ferien ist ein Test. Was bringt die Beschäftigung mit Emotionen für die Praxis? In der Nacht wache ich auf und notiere mir: „Fachliches Wissen und praktische Kompetenz unter Berücksichtigung gesellschaftlicher (Un)Möglichkeiten„. Gedacht war das, um die Zielsetzung eines BiWi-Studiums zu beschreiben.

Gestern hatte ich kurz einen Blick in einen Thread geworfen, in dem es um den befristeten Einschreibstopp für Psychologie ab SS 2016 an der Fernuni ging. Einige Interessierte aus dem BiWi-Studium scheinen zu versuchen die momentane Einschreiblücke zu nutzen. Nein, ich möchte nicht Psychologie studieren. Auch Psychologie, ja, auch Soziologie, ja, aber keine Konzentration auf eins der beiden. Für Absurdistan benötige ich die Kombination von sehr vielfältigen Kenntnissen. Absurdistan. Leben und Lernen in einer sich stetig wandelnden Gesellschaft, durchsetzt von Ungleichheit und Unfairness, Ungerechtigkeit, Absurdität und Dummheit. Nicht zu vergessen die wechselnden Moden und dass vor jeder Wahrnehmung der Wirklichkeit Schichten von Konstruktionen liegen und jeder und jede dabei auch noch mit einer persönlichen ausgestattet ist.

Leben in Absurdistan. Dazu benötige ich Wissen darüber was Emotionen sind, Achtsamkeit für Emotionen, Erkennen und Verstehen von Emotionen und vor allem Wissen, wie ich sie in einer positiven Weise nutze, beeinflusse und mit ihnen umgehe.

Der Test am ersten Arbeitstag ist geglückt. Jede Menge Emotionen, aber alle Probleme wurden bewältigt. Meine neue Strategie heißt Problemlösungsorientierung, denn Absurdistan selbst kann ich nicht ändern.

Was ist nun aber Absurdistan? Das ist sehr schwer zu beantworten. Spontan würde ich sagen, dass ich Absurdistan vor allem fühle. Absurdistan, das sind Widersprüche, das sind Behauptungen, die widerlegt werden können, Verschleierungen, Unstimmigkeiten. Absurdistan schafft Probleme, quält und lässt unnötig leiden. Absurdistan ist manchmal lächerlich, manchmal zerstörerisch und oft einfach nur unnötig.

Klar, ich bewerte nach meinen Konstruktionen der Welt, also ist mein Absurdistan auch mein spezielles Absurdistan. Allerdings weiß ich, dass ich damit durchaus nicht allein stehe. Bei aller Vielfalt unter den Menschen gibt es immer wieder Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten. Da Emotionen in vielen Teilen mit Bewertungen verbunden sind, sagen sie also etwas über meine eigenen Bewertungssysteme aus. Beziehe ich mich auf den Geist der Aufklärung, so habe ich darauf allerdings einen Anspruch. Ich darf bewerten und fühlen genau so wie es mir entspricht.

Allerdings – was mache ich danach damit? Aus dem Eindruck heraus Absurdistan nicht ändern zu können, habe ich recht oft die Strategie gewählt dem absurden Absurdistan vorzuwerfen wie absurd es ist. Kann man machen, halte ich auch nicht für falsch, es bringt nur nicht viel. Absurdistan bleibt Absurdistan. Punkt.

Ich versuche jetzt eine andere Strategie. Ich gucke mir das absurde Absurdistan weiterhin an. Und die Emotionen, die dabei entstehen. Und dann versuche ich ganz ruhig zu bleiben. Und dann überlege ich, was ich für ein Problem sehe, und dann überlege ich, was ich tun kann, um das Problem zu lösen, damit ich zu angenehmeren Emotionen kommen kann. Und dann versuche ich mir dafür eine Strategie zu überlegen und sie durchzuführen. Erstaunlicherweise reicht es manchmal aus die Strategie zu überlegen und zu wissen, dass ich so handeln könnte, um die Emotionen zu verändern, die mit bestimmten Ereignissen, Personen oder Gegenständen verknüpft sind.

Menschen streben angenehme Emotionen an. Emotionen sind mit Bewertungssystemen verknüpft. Emotionen sind an Handlungsentscheidungen beteiligt. Kann ich Handlungsoptionen entwerfen und/oder durchführen, die in von meinen Wertesystemen als positiv eingeschätzt werden, so kann ich damit auf die Emotionen einwirken, die mit bestimmten Ereignissen, Personen oder Gegenständen verknüpft sind. Hat auch etwas mit Kontrolle zu tun, der Aspekt Kontrolle hat für mich allerdings keine Priorität. Mein Ansatz ist es zu versuchen zu verstehen, was meine Emotionen da wie bewerten und dann danach zu fragen wie ich das Problem ändern will.

So und damit habe ich für den Moment genug geschrieben. Jetzt geht es wieder an die Praxis: Emotionen beobachten und Handlungsoptionen überlegen. Bewegungstendenz: Vermehrung der angenehmen Emotionen, Verringerung der unangenehmen. Hat übrigens eine Menge mit Resilienz zu tun. 🙂

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