Bildungsmäuschen

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Für Wissenschaft relevant nachweisen

Ich werfe regelmäßig einen Blick darauf welche Seiten von anderen auf meinem Blog aufgerufen wurden und lese manchmal nach, was andere da zu lesen bekommen haben könnten (wenn sie denn die Seite auch tatsächlich gelesen haben). Bevor ich dieses Mal meinen Beitrag verfasse, erhalte ich auf diese Weise einen Rückblick auf meine Situation vor zwei Monaten und die steht in direktem Zusammenhang mit dem was momentan für mich Fragen aufwirft. Im Vergleich dazu bin ich voran gekommen, auch wenn es mir so vorkommt, als hätte ich in der letzten Zeit wenig zum Thema Emotionen gearbeitet. Es scheint aber nicht so zu sein, ich scheine nur ganz anders vorzugehen als in der Zeit, als ich viel gelesen habe.

Bei einer erneuten Beschäftigung mit dem Konzept für meine Bachelorarbeit bleibe ich an der Frage hängen, wie ich meine Annahmen zu Emotionen nun wissenschaftlich abgesichert belegen kann. Das Ringen, dass ich ich Ende Juli beschrieben habe, ist längst verschwunden. Ich nehme Emotionen in einer anderen Weise wahr als früher und wende das fortlaufend in verschiedensten Situationen und bei verschiedensten Problematiken an. Manchmal in Zusammenhängen, die für andere schwer nachvollziehbar sind, gerade wenn ich mich veranlasst fühle irgend einen Gegenstand aus dem Blick von Emotionstheorien zu analysieren, ohne dass diejenigen, denen ich etwas erläutere, damit vertraut sind. Besser funktioniert es bei praktischen Anwendungen. Meine Befähigung zu deeskalierender Argumentation zur Unterstützung anderer in emotional aufgeladenen Situationen ist merklich gestiegen. Ebenso meine Befähigung mit emotional belastenden Situationen entspannter umzugehen.

Ich bin nun mit dem Problem konfrontiert, dass ich bei mir selbst Veränderungen durchgeführt habe, die zu einem anderen Bewusstsein führen, das zwar auch mit andere Handlungsmöglichkeiten in Verbindung steht, es ist aber ursächlich diese veränderte Sicht, die jetzt den Unterschied ausmacht. Das geschieht in dem was der Behaviorismus zur Black Box erklärt hat, um genau dieses Problem umgehen zu können, dass diese inneren Vorgänge so wenig greifbar sind und subjektiv erfahren werden. Bildung wirkt nun aber durchaus in dieser Black Box und verändert dabei den Menschen an sich. Diese Veränderung  geschieht im Inneren und drückt sich dann nach außen aus. Es geht dabei um diese so schwer fassbaren Teile, die auch als Geist oder Bewusstsein bezeichnet werden und damit im Zusammenhang stehen Fragen nach wissenschaftlichen Arbeitsmethoden, die solche Faktoren in einer Weise erfassen können, dass dies ernst genommen werden kann und dass nicht nur reine Behauptungen aufgestellt werden.

Gestern postete eine Kommilitonin einen Link zu einem Artikel, der besagt, dass der japanische Erziehungsminister eine Anordnung erlassen hat, dass japanische Universitäten die Bereiche Sozial- und Humanwissenschaften reduzieren und ihr Angebot auf Bereiche konzentrieren sollen, die dem Bedarf der Gesellschaft besser nutzen. Im einzigen Leserkommentar heißt es: „The world doesn’t need people pretending to be experts on children, or on relationships, or feelings, we don’t need social workers and psychologists…“ Ich musste schmunzeln, weil ich mir sicher bin, dass die Haltungen von Kommentator als auch Erziehungsminister auf unzureichendem Wissen basieren. Aber… wie belege ich so etwas? Wie belege ich, dass es einen Unterschied macht wie ein Mensch die Welt wahrnimmt und dass eine bestimmte Art der Wahrnehmung einen hohen Nutzen hat? Und das nicht nur für das einzelne Individuum, sondern auch für die Gesellschaft.

Mich selbst kann ich sehr leicht überzeugen. Wenn ich Vorgänge besser erklären kann als zuvor, wenn mein Verständnis wächst, wenn ich zu sinnvolleren Handlungskonsequenzen komme, wenn ich Probleme verringere und Resilienz erhöhe, dann ist das für mich ein deutlicher Beleg dafür, dass verwendetes Wissen ein Gewinn ist. Das ist aber zuerst einmal ein subjektiver Eindruck und betrifft zuerst einmal mich als einzelne Person. Gut, ich vermittele das an eine andere Person, sie wendet es erfolgreich an, ich fühle mich bestätigt und bin eher bereit mein Wissen und meine Erfahrungen weiterhin an andere zu vermitteln. Das scheint mir aber alles noch kein für Wissenschaft relevanter Beleg.

Das ist momentan also mein Problem. Mich selbst habe ich vom Nutzen von Wissen zu Emotionen aus neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen überzeugt, durch die Anwendung lassen sich für mich Verbesserungen erreichen, das geschieht aber dadurch, dass die Sichtweise einer Person geändert wird – das Bewusstsein, die Ausrichtung der Achtsamkeit. Und – ja, das ist Bildung. Nicht mehr die Schatten an der Höhlenwand stehen im Fokus und werden als unmittelbarer Eindruck der Wirklichkeit erfahren, sondern der Blick wird von dem angezogen, das die Schatten wirft.

Es ist eigenartig, dass mir an dieser Stelle das Höhlengleichnis von Platon in den Sinn kommt. Es stammt vom Beginn meines Studiums. In Bezug auf Wissen zu Emotionen ist es aber ein hervorragendes Bild. Auch in dem Teil, in dem derjenigen, der sich umgewendet hat, zurückkehrt und den anderen davon berichtet, dass sie nur die Schatten die Dinge betrachten. Platon beschreibt verschiedene Vermittlungsprobleme der Zurückkehrenden.

Von Platon ausgehend ist der Weg des Beweises die Erfahrung und Erkenntnis nachvollziehbar zu machen. Es ist das, was ich mit dem an mich weitergegebenen Wissen zu Emotionen tue. Ich versuche es in der Anwendung zu erfahren. Ich bin eine, die aus der Höhle gelockt wurde, und sich jetzt unter einem neuen Himmel zu orientieren versucht.

Gut – das sind jetzt alles nette Bilder und machen für mich auch besser verstehbar, warum die einen darauf achten und die anderen eben nicht, die mir aber bei dem Problem nicht weiterhelfen wie ich das nun alles in eine für Bildungswissenschaft angemessene Form der Vermittlung bringe.

Ich denke, an dieser Stelle brauche ich wirklich mal die Hilfe von anderen.

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