Bildungsmäuschen

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Altlasten

Nach Monaten massiver Beeinträchtigungen durch mein verletztes Ohr ist dort endlich Entspannung eingetreten und ich merke wie sich meine Arbeitsfähigkeit wieder bessert. Inzwischen bin ich auch zu meiner ursprünglichen Fragestellung zurückgekehrt, warum Emotionen kein besonderes Thema in der Bildungswissenschaft zu sein scheinen, und finde einen Zusammenhang mit der generellen Haltung zu Emotionen in der Gesellschaft. Der Bildungsbereich ist vielleicht ein selbstreferentielles, aber kein autarkes System. Sein Menschenbild ist nicht getrennt von dem Menschenbild, das generell in der Gesellschaft existiert. Das bestimmt sowohl den Betrachtungswinkel als auch die Themenschwerpunkte.

Für Emotionen gilt, dass die Beschäftigung mit ihnen und die Wertigkeit, die sie erhalten, in der Vergangenheit sehr wechselhaft war. Eine generelle Tendenz scheint zu sein, dass die Beschäftigung mit ihnen einerseits immer wieder anderem untergeordnet werden kann, andererseits gibt es bestimmte Menschen oder Menschengruppen für die Emotionen anhaltend eine Bedeutung haben, während sie für andere keine besondere Rolle spielen. Zu Emotionen lässt sich ein extrem buntes Gemisch von Haltungen finden und erstaunlich wenig Metareflexion, bzw. Austausch darüber, was die einzelnen Personen eigentlich unter Emotionen verstehen und wo sie deren Position in der Gesamtheit menschlicher Befähigungen einordnen.

Im Gegensatz zu einem Begriff wie Denken transportiert der Begriff Emotionen immer in einem Teilbereich die Nichtseriosität und die Nachrangigkeit mit sich. Emotionen können ihre Behandlung im geschichtlichen Verlauf nicht abschütteln.

Insgesamt machen viele Faktoren eine Beschäftigung mit Emotionen unübersichtlich und schwierig, vor allem wenn es um überblickende Arbeiten geht. Kleine Teilbereiche lassen sich wesentlich einfacher bearbeiten, sie können dann allerdings kaum in einen größeren Zusammenhang gebracht werden, wenn es den gar nicht gibt.

Es finden sich kaum Systematiken, die verschiedene, für den Bereich Emotionen bedeutsame Teilbereiche, in einen gemeinsamen Kontext stellen. Emotionalität, Empathie, Emotionsmanagement und Emotionsregulierung, Emotionale Ansteckung, wichtige Elemente aber anscheinend nie in einem gemeinsamen Bild.

Und dann die ganzen sehr diffusen Bereiche in denen Emotionen im Fokus stehen, Bereiche beispielsweise wie Lebensberatung oder Esoterik. Und dann gibt es viele Sprüche zu Emotionen. Verschiedenste Nischen für etwas von geringer Beachtung aber großer Bedeutung.

Es ist schwierig auch nur einen kleinen Überblick darüber zu bekommen, was tatsächlich vor sich geht, was Emotionen in der Wirklichkeit sind und welche Bedeutung sie haben. Einfacher ist es die Finger davon zu lassen und sich auf anderes zu konzentrieren.

Doch trotz allem ist die Beschäftigung damit sinnvoll, auch wenn sich allzu viele und vor allem grundlegende Fragen nicht beantworten lassen. Einerseits ist auch das ein Ergebnis, andererseits verhilft auch eine unvollständige Auseinandersetzung mit einem Thema zu Wissen. Es bleibt dann eben erst einmal unvollständiges Wissen, aber auch Wissen darüber, dass es unvollständig ist, verknüpft mit Skepsis und Zweifel.

Den Begriff Altlasten als Titel habe ich gewählt, weil ich einen starken Zusammenhang mit und einen Einfluss durch die Geschichte des Umgangs mit Emotionen sehe. Auch das macht es schwer zu einer Klarheit zu finden. Jahrhunderte von Schmodder kleben an dem Begriff, empfundene Selbstverständlichkeiten, die aber eigentlich nicht aus sich selbst heraus verständlich sind, sondern nur weil es sich um geteilte und gewohnte Annahmen handelt.

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