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Ganzheitlichkeit und Dekonstruktion

Das Rad dreht sich schnell. Es ist an der Zeit mit dem Thema Emotionen zu einem Ergebnis zu kommen, weil andere Anforderungen auftauchen, doch erzwingen kann ich es nicht. Momentan ist es auch eher so, dass alles auseinander fällt. Was ist Denken? Was ist Rationalität? Was ist Kognition? Dieser Kopf und dieser Körper sind nicht getrennt. Ich denke das nicht nur, ich nehme es unmittelbar wahr. Fortwährende Aktivitäten sind in jedem Teil beobachtbar. Je nachdem wie man Denken oder Rationalität versteht, findet Denken im ganzen Körper statt, sind die Vorgänge in dem Bereich den man als Emotionen bezeichnet rational, weil sie Gründe haben und nachvollziehbar sind.

Mimik, Gestik, Körperhaltung drücken dabei nicht allein Emotionen aus, sie sind Sprache für sehr viel mehr. Ein genauerer Blick lässt Selbstverständlichkeiten zerbröckeln. Alles ist im Fluss. Der kleine X spricht mit seinem ganzen Körper ohne ein einziges Wort zu verwenden. Und ich verstehe ihn genau. Manche Kinder können das hervorragend, aber ich habe das nie zuvor so wahrgenommen. Aufgewachsen in Gepflogenheiten der Vermeidung körperlicher Kontakte bei der Begrüßung wird es in der letzten Zeit zu einem selbstverständlichem Akt, dass die Kinder und ich uns dadurch begrüßen, dass wir uns in den Arm nehmen. Es ist nicht von mir ausgegangen, ich habe es nur nicht abgewehrt.

Systematiken, Vorstellungen von Weltordnungen – alles ist im Fluss. Eine Bevölkerung, die im Aussehen ihrer Körper immer vielfältiger wird – während die Art der Kleidung bei uns vergleichsweise einheitlich ist. In den Zeiten des Rassismus geprägte und fortgeführte Bilder von dem Verhältnis in dem Weltregionen und Bevölkerungsgruppen zueinander stehen. Aufgerührt, neu betrachtet. Wir leben in spannenden Zeiten. Und ich stecke im Thema Emotionen fest und alles zerfällt. Wie soll ich so fertig werden? Jeder Tag ist eine neue Herausforderung, neuer Input, neue Verarbeitung. Keine Rückzugsruhe zum ungestörten Nachdenken, auch wenn ich es versuche. Fortwährend Beobachtung und Überprüfung. Und immer wieder muss ich Ergebnisse umwerfen, weil sie in der wahrgenommenen Wirklichkeit keinen Bestand haben.

Meine (Gedanken, Überlegungen, Wahrnehmungen, Feststellungen?) kann ich nur schwer sinnvoll nachvollziehbar formulieren. Sie sind zu fremd und viel zu komplex. Und dann – mein Fokus sind Emotionen, das sind flüchtige, wechselhafte, schnell vorübergehende Erscheinungen – allerdings sind das Kopfgedanken ebenfalls. Ein Mensch ist eine untrennbare Einheit. Der kleine Y steht vor mir und sagt : „Was ist da los? In meiner Brust klopft es so schnell.“ Bist du aufgeregt? Bist du schnell gerannt? Was ist die Emotion? Deine Angst? Das Vertrauen mir gegenüber, dass ich die Hilfe geben kann? Meine Verwunderung über deine Beobachtung und Frage? Und dann – da findet wieder Kommunikation statt – in Worten aber auch mit unseren Körpern.

Um etwas zu erfassen werden einzelne Teile isoliert und Systematiken erstellt. Das ist nicht unsinnig und eine wissenschaftliche Methode. Aber – diese Teile stehen eigentlich nicht allein und die Systematiken sind nur Hilfsmittel. Ich versuche beides – Teile isolieren und systematisieren und in Zusammenhängen denken. Tanz, Musik, Geschichten, Kabarett, Modulation von Sprache sind Ausdruck von Emotionen und sind es nicht. Sie entstehen aus dem Ausdruck komplexer Zusammenhänge.

Alles läuft plötzlich auf eine Ganzheitlichkeit hinaus. Eine Schlussfolgerung, die nicht von der Theorie unmittelbar abgeleitet wurde, sondern durch die Anwendung von Theorie in der Praxis. Und die mich dann zu meiner großen Überraschung zu eigenen Schlussfolgerungen führt, zu denen allerdings andere bereits vor mir gekommen sind.

Auf die Pädagogik bezogen lande ich letztlich bei humanistischen Vorstellungen und Vorstellungen von Ganzheitlichkeit. Von einem Menschen können keine Teile abgetrennt werden. Unterteilungen in Denken, Fühlen, Handeln oder in anderen Worten Kopf, Herz und Hand sind dabei allerdings hilfreich und problematisch zur gleichen Zeit. Hilfreich weil sie auf eine Einheit verweisen, problematisch durch die Art der Trennung bzw. Systematik, die sie vornehmen. Die Begriffe selbst sind Symbole, die zu problematischen Vorstellungsgebilden führen, in denen man stecken bleiben kann.

Vor einer Weile hatte ich eine Grafik gesehen, bei der ein Herz mit Ärmchen und Beinchen ein Gehirn mit Ärmchen und Beinchen an der Hand nimmt. Sie war gut visualisiert und es ist leicht verständlich was gemeint ist – aber, ist es das tatsächlich? In Wirklichkeit ist da kein fühlendes Herz und da ist auch kein vom weiteren Körper getrenntes Gehirn. Die Symbole geben einen falschen Hinweis. Auch die Hände und Beinchen führen in die Irre. Handeln ist so viel mehr. Handeln ist Mimik, Gestik, Körperbewegung, Lautsprache, Sprachmodulation… und auch nicht getrennt von weiteren Konsequenzen im Inneren des Körpers und unter Einwirkung der Umwelt.

Systematiken und Symbole können ihre eigenen Fallstricke werden. In der Sprache der Bilder, und besonders der des Comic und anderer gezeichneter Geschichten, gibt es das vom Körper losgelöste Gehirn, das manchmal sehr teuflische Pläne schmiedet. Auch das verweist auf vielschichtige Problematiken. Einerseits auf die Vorstellung, dass das Gehirn die entscheidende Stelle sei, die für die Existenz des Menschen von Bedeutung ist, parallel dazu transportiert es aber auch das Wissen um die Unvollständigkeit und Unmenschlichkeit dieser Vorstellung.

Doch zurück zu den Emotionen. Ich kombiniere sie jetzt mal mit Vorstellungen von Inklusion. Emotionen wuseln überall mit rum. Als eingeschlossene Bestandteile, nicht als Begleiterscheinung. Und störende Erscheinungen können sprachliche Gedanken oder Bildgedanken genauso sein wie „Empfindungsgedanken“. Emotionen tragen ihre Geschichte der Unterdrückung und Diskriminierung mit sich. Vielleicht ist es letztlich sogar das weshalb sie eine besondere Stellung haben.

Wenn ich genug Auflösung betreibe, so kann ich also dazu kommen Gedanken auf der Ebene meines gesamten Körpers anzusiedeln. „Denken kann auf einem Einfall basieren, spontan durch Gefühle, Situationen, Sinneseindrücke oder Personen ausgelöst werden, oder es wird abstrakt-konstruktiv entwickelt.“ (Wikipedia, Artikel zu Denken). Reduziere ich die Grenzen ausreichend, so findet Denken in allen Teilen meines Körpers statt.

Das Denken dort hat jedoch eine ganz andere Form und ist wahrscheinlich vor allem automatisch. Zu abwegig? Nun, bei Google finden sich Ergebnisse zu denkender Körper. Auch die Philosophie hat dazu Ideen. Wie wir uns als Menschen wahrnehmen ist durchaus das Ergebnis eines Prozess davon, welche Ideen sich wann und wo durchgesetzt haben oder dominierend wurden. Unterschiedlich in Zeit und Raum. Auch Neoliberalismus beispielsweise ist nur ein Ideensystem von vielen. Momentan sehr wirkmächtig auf die Gestaltung der menschlichen Wirklichkeit einströmend, aber letztlich auch nur ein Ideensystem.

Von der Dekonstruktion im Besonderen will ich jetzt gar nicht erst anfangen.

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