Bildungsmäuschen

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Mehr Arbeit

Momentan komme ich mit der Entwicklung meiner Recherchen nicht mehr so ganz mit, nachdem jetzt durch die Anmeldung zu einer Präsenzveranstaltung mit dem Titel Erziehen um zu Diskriminieren und die Vorbereitung dafür ein spezifischer Schwerpunkt zu meinen mehr allgemeinen Untersuchungen zur Bedeutung von Emotionen in Bildungskontexten hinzugekommen ist.

Auch wenn es die ganze Zeit um Emotionen geht, sind die Ansätze sehr unterschiedlich und können nicht so einfach vermengt werden. Auf der einen Seite entwickeln sich aus der Lektüre von Die emotionalen Grundlagen des Denkens von Luc Ciompi, der von einer untrennbaren Einheit von Denken, Fühlen und Handeln ausgeht, Fragen danach, warum Emotionen überhaupt anders betrachtet wurden und vor allem, warum sie als rein begleitende vor allem störende Faktoren eingeordnet werden konnten. Was sollen Abwertung und Unterordnung von Emotionen? Welche Rolle spielen dabei Machtstrukturen, wie weit werden die Einschätzung von Emotionen sowie die Einschätzung der Art ihres Ausdruck als Differenzmittel und Herrschaftsinstrument verwendet? Auf welche Art und Weise werden die Emotionen und wessen Emotionen dadurch entmachtet? Wofür werden sie zum Mittel gemacht?

Dagegen erfordert der Kontext der Präsenzveranstaltung parallel laufend eine wiederum ganz andere Art der Aufmerksamkeit. Nazivergangenheit, tief sitzende Ängste, Autoren, die für den soziologisch und letztlich national orientierten Teil der Bildungswissenschaft in Bezug auf psychologische Aspekte von Bedeutung sind. Arno Gruen, Stephan Marks, Adorno, Marcuse, Erich Fromm, die Frankfurter Schule – manche vertraut, manche neu, aber insgesamt Vertreter einer Perspektive, die ich bisher nicht verbunden habe. Aus dem Dunkel der Vergangenheit recken sich jetzt auch Krakenarme. Unbearbeitete, unverbundene Restbestände tauchen zwischen alten Burgen, Flüchtlingszügen und brennenden Gebäuden auf.

Es ist nicht so, dass es in der Vergangenheit nicht bearbeitet wurde. Ich gehöre zu den Generationen derjenigen, die gegen die Traditionen der Väter und Mütter aufbegehrt haben. Doch immer scheint etwas liegen zu bleiben oder Kämpfe bleiben bei Teilerfolgen stehen. Ein wenig nervt es mich jetzt alte Dinge erneut zu sichten und das Vergessene zu identifizieren oder die neuen Aspekte, die durch neue Erkenntnisse zutage getreten sind, unterzubringen.

Ich befinde mich in einem heillosen Durcheinander zwischen alt und neu. In Durchgekautem eingemengt sind Aspekte, die sichtbar gemacht wurden, nachdem ich nachgelassen habe in Teilbereichen Auseinandersetzungen zu führen. Dann mischt sich nationales Interesse mit einem internationaleren, alte Schwerpunkte stehen neben neuen Gewichtungen. Trotzdem hängt aber alles zusammen.

Ich habe mich verschätzt. Allerdings ist auch das eine interessante Erkenntnis. Ich dachte, ich könne in dem Präsenzseminar einfach meine Erkenntnisse zu Emotionen auf den Bereich der Differenz übertragen. Ist aber nicht so. Ich finde hier bereits Wege auf Karten vor, über die ich meine Karten jetzt nicht einfach wie Folien darüberlegen kann. Meine Karten sind ganz andere. Sie sprechen auch eine andere Sprache. Statt eine Ergänzung vorzunehmen oder eine Spezialisierung zu betreiben, betrete ich einen anderen Raum. Einfacher wird es dadurch für mich nicht, doch da ich gleich zu Beginn mit der Verwendung einer Betrachtung aus der Perspektive der Emotionen zu Erkenntnissen auch in diesem Kontext gekommen bin, ist meine Motivation angestoßen, auch hier weiter zu machen. Tief sitzende Ängste sind sichtbar geworden, die ihre Wurzeln im Umgang mit dem Fremden durch diejenigen haben, deren emotionales Erleben noch von den Zeiten unter der Herrschaft der Nazis geprägt war. Wirksam bis heute

Statt weniger wird es also mehr Arbeit. Den Gedanken an einen Abschluss der Bachelorarbeit habe ich erst einmal aufgegeben. Ich habe es dabei nötig mich davon zu distanzieren mich als Versagerin zu fühlen und konzentriere mich daher auf die Bildungsbedeutung der laufenden Auseinandersetzung. Da immer mehr meiner bisherigen KommilitonInnen ihren Abschluss haben und mich schmerzt, dass ich nicht mithalten kann, ist das unter anderem für mein eigenes Selbstbild bedeutsam und um Frustration zu reduzieren.

Allerdings bleibt es auch eine spannende, unerwartete Reise.

Referenz:

Ciompi, L. (2005). Die emotionalen Grundlagen des Denkens. Entwurf einer fraktalen Affektlogik (3.Aufl.). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

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