Bildungsmäuschen

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Generelle Aussagen zu Emotionen

Manchmal habe ich Sprüche wie Ohrwürmer im Kopf. Dieses Mal ist es: „Wer nicht hören will, muss fühlen!“ Ja, ich wende diese Methode in pädagogischer Absicht an. Erst versuche ich es mit dem Erläutern dessen, was ich als mögliche Folgen von Handeln oder Strukturen kenne oder vermute. Erfolgt darauf keine Reaktion so kann es sein, dass ich mich dazu entscheide, trotz meines Wissens wie ich Folgen abmildern kann, dies nicht zu tun. Ich bin dabei bereit auch Nachteile für mich selbst in Kauf zu nehmen. Durch dieses Verhalten versuche ich anderen das erfahrbar zu machen, was ich ihnen verbal bereits mitgeteilt habe, das sie aber aus unterschiedlichen Gründen nicht sinnvoll verwenden konnten.

Ob ich damit erfolgreich bin? Ob andere damit erfolgreich sind? Und wie sieht der Erfolg aus? Was wird daraus gelernt? Und wie viel hat es mit Emotionen zu tun? Es wäre interessant das einmal zu überprüfen.

Dieses Schnipselchen stellt nur eine illustrierende Einleitung dar. In meinem Bemühen zu generalisierenden Aussagen in Bezug auf Emotionen zu kommen, habe ich in den letzten Wochen viele sehr unterschiedliche Texte gelesen und eine ganze Menge nachgedacht. Dabei waren Untersuchungen, die ganz selbstverständlich von einer Bedeutung von Emotionen ausgehen, aber an keiner Stelle definieren was eigentlich unter Emotionen verstanden wird. Dennoch waren sie für mich in hohem Maße bedeutsam, gut nachvollziehbar und anwendbar.

Dabei war auch ein komplexer Theorieentwurf von Aaaron Ben-Ze’ev zur Logik der Gefühle, von dem ich mir zuerst sehr viel erhofft hatte. Ich dachte, ich könne diese Theorie vielleicht als Grundlage für weitere Untersuchungen benutzen, da sie sehr zusammenhängend ist. Am Punkt der Einstufung des Bewusstseins musste ich ihn aber wieder verlassen. Das grundlegende Verständnis, auf dem er seine Theorie entwickelt, bekomme ich mit meiner eigenen Wahrnehmung nicht in Einklang.

Im Bereich der Emotionstheorien passt für mich fortwährend kaum etwas zusammen. Ich scheine mit lauter Individuen zu tun zu haben, die Erklärungsgebilde entwickeln, die in sich stimmig sind. Vergleiche ich sie aber untereinander, so bekomme ich kaum etwas zusammengefasst. Außerdem scheinen die Wahrnehmungen der einzelnen Menschen unterschiedlich zu sein. Jeder konstruiert auf der Basis dessen was er oder sie in sich selbst als stimmig erfährt.

Ich denke, das liegt an dem hohen inneren Anteil des Themas. Jeder, der oder die sich mit Emotionen befasst, hat Erfahrungen damit. Und dieses Allgemeingut bildet eine umfassender Wissensquelle als wissenschaftliche Untersuchungen. Diese Problematik wurde in etwas anderer Form auch in einem der zuletzt gelesenen Texte dargestellt.

Was mache ich nun? Noch immer suche ich nach generellen Aussagen. Ich versuche daher eine Minimalliste für mich zusammenzustellen, um mit Emotionen umzugehen.

  • Es existiert etwas, das als Emotionen bezeichnet wird.
  • Dieser Bereich ist für das menschliche Leben von hoher Bedeutung.
  • Es ist sinnvoll diesen Bereich bei Untersuchungen und Überlegungen im Auge zu behalten und zu berücksichtigen.
  • Es existiert eine Fülle von Wissen und Theorien zu Emotionen. Da der Bereich sehr komplex ist und dabei subjektiv erfahren wird, und da es keine allgemein verbindliche Emotionstheorie gibt, erscheint es am sinnvollsten möglichst viel Wissen zu Emotionen zu erwerben, das sich in und auf einzelne Situationen anwenden lässt.
  • Durch die Anwendung kann wiederum neues Wissen generiert werden, das dann zur Grundlage für eine weitere Anwendung wird.
  • Kurz: Es ist sinnvoll die Beschäftigung mit Emotionen als einen auf Fortdauer ausgerichteten Beobachtungs- und Anwendungsprozess zu gestalten.

Ist jetzt so ein bisschen mickrig und nicht umwerfend, aber das Beste, das ich momentan generell aussagen kann. Emotionen können einfach zu unterschiedlich betrachtet werden und werden das auch. Sinnvoller ist zu verstehen was für eine Betrachtungsweise jeweils Anwendung findet, von welchen Annahmen ausgegangen wird und welche Konsequenzen das hat.

Und es ist notwendig mit viel Vorsicht und Achtsamkeit vorzugehen. Ich gehe davon aus, dass wir alle verinnerlichte Annahmen zu Emotionen haben, die uns in der Regel nicht bewusst sind. Da Emotionen wunderbar ohne unser Zutun in gesellschaftlich vermittelten Systemen funktionieren,  ist es im Alltag nicht notwendig sich für ihr Verständnis auf eine Metaebene zu begeben. Kurz: Wir können mit Emotionen arbeiten und umgehen, ohne Systeme für ihr Verständnis oder bewusstes Wissen über sie zu haben.

Für meinen persönlichen Bedarf habe ich inzwischen eine bessere Orientierung gewonnen, wie ich mit Emotionen verfahren kann. Mir bleibt allerdings die Frage danach, wie sie auf einer wissenschaftlichen Ebene sinnvoll einbezogen werden können. Es wäre schön gewesen, hätte sich Die Logik der Gefühle von Aaron Ben-Ze’ev als Rahmen als geeignet erwiesen. Er liefert darin die komplexeste Theorie zu Emotionen, die ich bisher kenne. Leider sind mir einerseits seine Vorstellungsgebilde zu fremd, andererseits ist dabei für mich auch die Frage aufgetaucht, wie weit es überhaupt sinnvoll ist eine spezifische Philosophie der Emotionen im Bildungsbereich zu verwenden.

Letztlich ist für mich die Frage noch immer nicht beantwortet, welche Rolle Emotionen im Kontext von Bildung spielen. Wobei ich mit dem Problem konfrontiert bin, dass ich, ohne eine sinnvolle Theorie dazu was Emotionen eigentlich sind, auch die generelle Bedeutung von Emotionen in Bildungsprozessen letztlich nicht sinnvoll bestimmen kann. Es bleibt alles Stückwerk.

Das Interessanteste daran ist dann, dass mit allen Aussagen zu Emotionen im Kontext von Bildung vorsichtig und achtsam verfahren werden sollte, eine logisch abgeleitete Aussage, die sich mit meinen bisherigen Eindrücken deckt. Emotionen sind komplexe Erscheinungen, Vereinfachungen, à la positive Emotionen fördern das Lernen und negative behindern es, sind fehl am Platz. Ebenso ist es wenig sinnvoll Strategien von Emotionskontrolle, Emotionsmanagement oder sogar Emitionsunterdrückung in der Betrachtung zu favorisieren. Emotionen sind wesentlich komplexer.

Es ist für mich nach wie vor erstaunlich, dass sich ein Bereich, der Phasen durchlaufen hat in denen er abgewertet und vernachlässigt wurde, als derart komplex präsentiert. Fast scheint es mir, als würde dabei ein Zusammenhang bestehen. Wie umgeht man Komplexität, die nicht bewältigt werden kann? Indem man sie als unbedeutend, von geringem Wert oder irrelevant erklärt? Warum wurde beispielsweise eine Black Box konstruiert? Auch damit zur Weiterarbeit etwas nicht berücksichtigen werden muss, das schwierig zu erfassen ist.

Wie auch immer. Momentan bewege ich mich in der Weise voran, dass ich einzelne Bereiche und Aspekte von Emotionen betrachte und dann immer mal wieder einen Blick auf die Möglichkeiten zur Generalisierung werfe. Vermutlich werde auch ich den Weg gehen und mir einen speziellen, überschaubaren Bereich suchen auf den ich mich konzentriere, während ich einen zaghaften Versuch wage diesen in einen größeren Zusammenhang zu stellen.

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