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Ein nostalgischer Adventskalender

Zu Beginn des Monat hatte ich den folgenden Blogeintrag geschrieben, aber noch nicht veröffentlicht, da ich noch nicht wusste, wie sich die Geschichte weiter entwickeln wird:

Früher gab es in unserer Schulbetreuung im Dezember einen Adventskalender. Dann wurden es immer mehr Kinder, die zur Gruppe gehören, es gab immer mehr Fluktuation und dieses Jahr hatte dann niemand mehr einen Adventskalender geplant. Etwas zu verteilen hat nicht mehr gut funktioniert.

Ich selbst habe zwei Kalender. Einen mit Schokolade und einen nostalgischen. Der ist wie früher in meiner Kindheit. Als Motiv einen weihnachtlich geschmückten Spielzeugladen und hinter den Türchen kleine Bilder. Die Idee, den dieses Jahr zu benutzen, hatte ich in einem Kiosk, in dem die Verkäuferin für den Laden gerade einen Werbeadventskalender auspackte. Ich hatte vor einigen Jahren in einem Mülleimer mehrere dieser nostalgischen Adventskalender gefunden, original verpackt, keine Ahnung wie sie dort gelandete waren.

Jetzt hängt einer dieser Kalender in der Betreuung am Fenster und ich bin sehr überrascht über die Wirkung. Es war eine spontane Idee und ich hatte mir gar nichts weiter dabei gedacht, außer dass es dabei ja keinen Ärger darüber geben kann, wenn ein Kind etwas bekommt und die anderen nicht.

Ich hätte nie gedacht, dass heutigen Kindern eine so altertümliche Form Freude machen könnte. Aber es ist so. Und der Umgang damit ist zudem sehr friedlich. Irgendein Kind oder mehrere Kinder suchen das tägliche Türchen, es wird geöffnet und gestern hörte ich ein Kind (1.Klasse) sagen. „Oh ist das ein schöner Stern!“ Irgendwann im Lauf des Tages saß ein anderes Kind eine ganze Weile davor und schaute sich den Kalender genauer an. Hinter dem Kalender kann man durch das Fenster den kleinen Schulgarten sehen.

Ein Junge kam sogar auf die Idee selber einen solchen Kalender machen zu wollen. Mit meiner Beratung und Unterstützung konnte er das Projekt am gleichen Tag abschließen. Hat zwar nicht alles optimal funktioniert, die Idee wurde aber auch von anderen Kindern überlegt.

Inzwischen ist die Warte-Zeit bis Weihnachten fast um und ich bin mit der Lösung immer noch sehr zufrieden. Es gab wegen dem Kalender keinen Ärger, keinen Stress und er ist eine sinnvolle Bereicherung. Er hat seine Count-down-Funktion bisher gut, unkompliziert und ohne großen Aufwand erfüllt.

Zwischendurch war ich mit einem Kind konfrontiert, das einige Tage hintereinander mit den Spielzeugen aus seinem häuslichen Kalender in der Betreuung erschien. Es handelte sich dabei vor allem um Plastikgegenstände, die zusammen ein Thema ergaben. Ich stellte mir vor, wie der Stapel von Tag zu Tag wächst, wie sich Kisten im Verlauf der Jahre füllen und wusste: nein, so etwas will ich nicht mehr. Genauso wenig wie eine Fixierung auf Süßes und Schokolade.

Ich habe momentan ein großes Problem mit einer gesellschaftlichen Ausrichtung an Überfülle und permanentem Wachstum bei gleichzeitigem weltweitem Verbrauch von nicht erneuerbaren Rohstoffen, Artensterben und dem Verschwinden von mehr und mehr traditionellen Lebens- und Wirtschaftsformen bei einer zunehmenden weltweiten Ausrichtung auf den übermäßig verschwenderischen Lebensstil der führenden Wirtschaftsnationen. Eine kürzlich gefundene Sendung von arte auf YouTube trifft diese Problematik sehr gut.

Es ist Adventszeit und ich komme nicht umhin mich zu fragen was für mich in dem ganzen Rummel in Hinblick auf Weihnachten einen Sinn ergibt. Adventskerzen sind wunderbar. Jede Woche wird es ein wenig heller. Ein Count-down ist auch gut. Wunderbar zu sehen wie die Tage vergehen und die Zeit bis zum Ereignis abnimmt. Aber ein Geschenk muss nicht dabei sein. Jahresabschlussfeiern sind ebenfalls gut, genauso wie kleine Geschenke als Dank für das vergangene Jahr. Und dann kommt – was?

Was ist das Besondere an Weihnachten in einer Gesellschaft des Überflusses? Noch mehr materielle Dinge? Oder eher etwas anderes? Meine momentane Antwort ist Zeit zum Nachdenken und Kommunizieren in einer angenehmen, entspannten Umgebung. In gewisser Weise wird das von den Begriffe Liebe und Frieden getroffen. Im ersten Weltkrieg gab es Soldaten, die Weihnachten Waffenruhe hielten und sich gegenseitig besuchten. In unseren Breiten ist es außerdem Weihnachten kalt und dunkel. Wärme ist da gut und Licht und ein sicherer Ort. Etwas Besonderes zum Essen benötige ich allerdings nicht, so gut genährt wie ich jeden Tag werde.

Eben gerade habe ich einen riesigen Packen Werbung für Weihnachtseinkäufe aus dem Briefkasten gefischt. Das erste Mal brennen vier Kerzen am Adventskranz und vor meinem Fenster färbt der Sonnenaufgang erst den Horizont und dann einen Teil des Himmels immer intensiver gelb-orange-rot. Eine Krähe sitzt auf einer Lärchenspitze und wendet den Kopf hin und her. Es ist Sonntag und noch sehr still.

Ich muss mich damit auseinandersetzen wie ich Weihnachten haben möchte, darum komme ich nicht herum.

Zwischen den Feldsträucher hängt noch morgendlicher Dunst und verzaubert die Hügel. In den Appalachen wurden bisher mehr als 500 Berggipfel für den Bergbau abgetragen. Das ist nicht fern, das ist ganz dicht, direkt vor meiner Haustüre, denn es ist die gleiche Erde.

Ich muss mich damit auseinandersetzen wie ich Weihnachten haben will. Containerladungen voller Güter werden über tausende von Kilometern heran geschifft, um sie denen zu verkaufen, die sie sich leisten können. Angebote über Angebote drängen sich über vielfältige Kanäle den potentiellen Kunden auf, um zum Jahresende die Umsätze noch einmal zu erhöhen.

Ich denke, mir ist sehr nach Konsumverzicht.

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