Bildungsmäuschen

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Wälder, Dörfer, Nazis

Das mit der Selbstdisziplinierung hat dann wohl nicht so ganz geklappt. Fünf Stunden angepeilt, gefühlt hart geschuftet, versucht eine Struktur zu erstellen, zwischendurch Musik in Endlosschleife laufen lassen, fortwährend Tee gekocht, den ersten Ansatz wieder umgeworfen, einen neuen Ansatz probiert, an der Vollständigkeit gezweifelt, im letzten Teil keine Idee mehr dazu gehabt wie ich das, worum es mir geht, überhaupt formulieren soll, wie ich es in den Griff bekomme.

Nach gut drei Stunden einkaufen gegangen, gekocht, gegessen, zum Spieleabend gegangen, dort kein Wort davon erzählt, dafür Emotionen beobachtet und ausprobiert wie ein Spiel verläuft, wenn ich nicht der Logik folge, die das Spiel nahe legt. Was geschieht wenn der Sinn meines Handelns nicht mehr erkennbar ist und schaffe ich es den Wunsch zu siegen aufzugeben? (Habe ich nicht und dadurch ging dann alles durcheinander. Ein Spiel, zu dem ich eigentlich keine Lust hatte und zu dem ich mich den anderen zuliebe überwunden habe, wurde allerdings am Ende zu einer interessanten Erfahrung. Das könnte durchaus eine Inspiration für den Umgang mit der BA sein.)

Zuhause noch viel reflektierend über den Abend geredet, dann geschlafen. Und dann waren sie wieder da. In meinen Überlegungen. Die Nazis.

Ich glaube langsam, es liegt am Alter. In meiner Fernsehzeitung auf der Klatschseite wurde von Leonardo Dicaprio berichtet, dass er sagte, seine Mutter deutscher Herkunft würde, sehr deutsch, mit zunehmendem Alter immer ehrlicher und direkter werden. Dass sie, seit sie in Rente ist, scheint beschlossen zu haben, dass sie damit das Recht erworben hat rücksichtslos ehrlich zu sein.

Das ist Klatsch, nun ja – aber, es ist durchaus Teil der Vorstellungen unterschiedlicher Kulturen von älteren Frauen, dass diese eine ganz andere Rolle als vorher einnehmen können. So dürfen sie etwas anderes als vorher tun oder sie tun es eben einfach. In meinem Fall fühlt es sich an wie die ausstehende Abrechnung mit dem langsam immer erkennbarer werdenden negativen Einfluss auf den Verlauf meines Lebens. Durch den Nazigeist.

An einem der Wege, auf denen ich mich regelmäßig bewege, sind seit geraumer Zeit Aufkleber an jedem Laternen- und sonstigen Pfahl: Wälder, Dörfer, Nazis. Und immer wieder. Wälder, Dörfer, Nazis. Ich mache jetzt manchmal ein Spiel daraus und wiederhole es schnell hintereinander mehrmals. Wälder, Dörfer, Nazis. Ein toller Effekt. Das Ganze ist so genial. Wälder, Dörfer, Nazis. Mehr braucht es nicht um das Problem zu benennen. Daher besten Dank all ihr daran Beteiligten für eure Genialität! Diese Wortfolge ist wie ein Hammerschlag, der zwischen dem Gestein der Normalität die braunen Klumpen heraus spritzen lässt. Wälder, Dörfer, Nazis.

Ich habe mir als Kind Unterstützung gesucht und sie in der Geschichte der Native Americans gefunden. Ich habe vor gefühlt langer Zeit an einem MOOC zu Aboriginal Worldviews and Education teilgenommen, der genau das zum Thema hatte, was das Video oben darstellt. Beim Anschauen sind auch beim fünften Mal meine Emotionen noch so heftig, dass meine Nase zu bluten beginnt. Ich bin so froh über diesen Weg den sie beschreiben, um sich aus den Lasten der Vergangenheit zu befreien, über das Bestreben zu heilen und auf dem Weg über Bildung die Vorfahren stolz zu machen.

Heilung benötige ich auch, ich habe aber keine biologischen Vorfahren, die ich stolz machen könnte, in dieser Lösung trennen sich unsere Wege.

Wälder, Dörfer, Nazis. Die Fortführung des Gedankenguts verbirgt sich in der Normalität. Das macht sein Erkennen, Benennen und Abwehren für mich so schwierig. Es sind Emotionen, die mir helfen, doch Emotionen und Denken müssen dabei in geeigneter Weise zusammenarbeiten. Die Emotionen zeigen dem Denken den Weg und das Denken liefert den Emotionen die Begründungen. Doch das Denken muss dabei in die richtige Richtung deuten. Und dafür benötigt es geeigneten Input meiner geistigen Verwandten.

Doch nun zurück zum Beginn. Da ist ja nicht nur die BA mit ihren Anforderungen. Das ist auch der Alltag mit seinen Konflikten. Da sind Veränderungsprozesse, die angestoßen wurden, da sind Begegnungen und Situationen, die neu bedacht werden müssen. Dinge bleiben nicht wie sie einmal waren. Erkenntnisprozesse ändern den Blickwinkel und haben anderes Handeln als Konsequenz, bieten Raum für neue Möglichkeiten. Und werfen neue Fragen auf. Zwischendurch. Und erfordern und fressen Zeit.

Damit wieder zurück zur Selbstdisziplin, wenn die Zeit noch ausreicht. Oder zu einer Bachelorspielidee, um mit den unangenehmen Emotionen besser umgehen zu können.

Nachtrag am 6.1.15: Auf den Zetteln steht nicht Wälder, Dörfer, Nazis. Das ist das, was mein Kopf für mich passend anpasst. Auf den Zetteln steht Wiesen, Wälder, Neonazis. Das Motto einer Kampagne zur Bekämpfung rechter Strukturen in Hessen.

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