Bildungsmäuschen

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Zwei Schwerpunkte

Momentan fühle ich mich mit meinem Thema Emotionen erbärmlich allein. Die Zunahme an Flüchtlingen hat heftige Emotionen zum Vorschein gebracht, mit denen verschiedene Gruppen nicht nur verbal aufeinander losgehen, die soziale Netzwerk sind immer noch voll davon. Im Alltag begegnen mir sehr unterschiedliche Flüchtlinge, manche mit der reinen Verzweiflung im Gesicht, andere strahlend vor Glück, und dabei ist das was ich Tag für Tag erlebe sehr viel anders als alle Darstellungen in den Medien suggerieren, die ich gar nicht mehr hören oder lesen mag. Bei meiner Arbeit mit Kindern bin ich fortwährend in unterschiedlichster Weise mit Emotionen konfrontiert, aber niemand spricht dort aus einer Metaperspektive reflektierend über sie. Und bei der PV, für die ich angemeldet bin, haben sich gerade mal drei Studierende für ein Referat gemeldet. Eine davon bin ich, die beiden anderen gehören zu denen, die auch im Netz sichtbar sind. Ich finde die Beteiligung ungemütlich gering.

Inzwischen weiß ich, dass ich das Thema Emotionen nicht bewältigen kann. Keine Chance. Was ich allerdings kann, ist diesen Zustand gelassen hinzunehmen. Gelingt in der letzten Zeit ganz gut, jetzt kommt aber die Einsamkeit dazu und rüttelt an dem doch recht labilen Gleichgewicht.

In der Vorbereitung auf mein eigenes Referat wird mir plötzlich bewusst, dass ich an mindestens zwei unterschiedlichen Themen parallel arbeite. Da es in beiden Fällen um Emotionen geht und der Bereich der Emotionen so komplex ist, war das für mich bisher nicht klar erkennbar. In dem einen Fall geht es um die Bedeutung von Emotionen für die Bildungswissenschaft, in dem andern um die Bedeutung von Emotionen im Kontext von Differenzerfahrungen.

Bei der Suche nach einer geeigneten Einleitung für das Referat im Kontext von Differenzerfahrungen wird mir bewusst, worin das Problem für die Bildungswissenschaft besteht. Theorien, Studien usw. zu Emotionen sind in vielen wissenschaftlichen Disziplinen verstreut. Jede Disziplin nähert sich Emotionen dabei mit ihrem spezifischen theoretischen Hintergrund und den ihr spezifischen Fragestellungen. Die Überlegungen aus meinem letzten Blogbeitrag sind dabei hilfreich. In Bezug auf die wissenschaftliche Untersuchung von Emotionen beginnt gerade erst eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, die (hoffentlich) versucht aus diesen verstreuten Erkenntnissen ein Gesamtbild zusammenzufügen. Daraus könnte sich eine interdisziplinäre Wissenschaft, möglicherweise mit dem Namen Affective Science, etablieren.

Dieser Wissenschaftszweig könnte dann zusammenfassende Theorien und Ordnungssysteme für andere Wissenschaften liefern. Zum Beispiel für die Bildungswissenschaft. Bei dieser handelt es sich selbst um eine interdisziplinäre Wissenschaft, die Erkenntnisse anderer Wissenschaften verwendet. Beispielsweise aus der Soziologie, Philosophie, Psychologie, Biologie, Pädagogik oder auch Informatik (HRI). Es kann dabei letztlich nicht die Aufgabe der Bildungswissenschaft sein verstreutes Wissen über Emotionen aus den unterschiedlichsten Disziplinen zusammenzutragen und zu ordnen und ein für die Bildungswissenschaft durchgehend anwendbares System zu schaffen. Sie könnte aber die Ordnungssysteme einer spezialisierten Wissenschaft verwenden, wenn diese zu einem Erkenntnisgewinn führen würden.

Daraus ergibt sich eine Situation, dass in der Mehrheit Alltagswissen über Emotionen und verbreitete Haltungen zu Emotionen Verwendung finden. Spezielleres Wissen zu Emotionen taucht zwar implizit in verwendeten Theorien auf, Emotionen sind aber meistens kein eigenständiger Untersuchungsgegenstand, hinter dem eine umfassende Emotionstheorie steht. In diese Situation kommen einige Forschende mit einem speziellen Interesse an Emotionen hinzu, die sich in der Regel aber jeweils auf Teilaspekte konzentrieren. Weiterhin werden aktuelle Trends oder herausstechende neue Erkenntnissen berücksichtigt, in jüngerer Zeit Untersuchungen der Neurowissenschaft.

Die Pädagogik als Ursprungsort der Bildungswissenschaft und mit Wurzeln in der Philosophie verfügt zwar über Bereiche in denen eine Einbeziehung von Emotionen stattgefunden hatte und immer noch stattfindet, diese scheinen aber zu wenig über ein wissenschaftliches Fundament aktueller Akzeptanz zu verfügen und kaum mit der Art neuerer Erkenntnissen der Sozial- und Naturwissenschaften und deren Herangehensweisen verbunden.

Möglicherweise werden sich nach diesen Überlegungen weitere Schlussfolgerungen ergeben. Mit meinen momentanen Ergebnissen bin ich allerdings ausgesprochen zufrieden, da sie die Vielfalt der Befunde meiner Recherchen in einen sinnvollen, nachvollziehbaren Zusammenhang bringen.

Mit dem zweiten meiner Themen, der Verbindungen zwischen Emotionen und der Erfahrung von Differenz, sieht es allerdings schlechter aus. Momentan habe ich keine Ahnung wie ich ein sinnvolles Referat zusammenbauen kann. Es soll in knapp zwei Wochen fertig sein und ich habe mich schon darauf eingestellt, dass es nicht umfassend, sondern nur bruchstückhaft sein wird. Irgendwo und irgendwie weiß ich wie es funktioniert, es ist aber noch sehr weit von Bewusstheit oder vermittelbarer Systematik entfernt. Und das ist weder für wissenschaftliche Arbeit noch für Kommunikation genug.

Es bleibt also nur weiterzumachen und zu sehen wie weit ich bis zum Stichtag komme…

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