Bildungsmäuschen

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Lesen im digitalen Zeitalter

Es fühlt sich an als sei der Zeitpunkt erreicht, an dem ich die Nase von den Verkrampfungen institutionaliserter Bildung voll habe.

Eine der Neuerwerbungen meiner städtischen Bücherei trägt den Titel Die digitale Revolution – Jugendliche lesen anders und hatte bei mir einen anderen Inhalt nahe gelegt als ich dann vorgefunden habe. Erwartet hatte ich eine Konzentration auf das aktuelle Leseverhalten von Jugendlichen, gefunden habe ich ein recht komplexes, aktuelles Werk über das Lesen an sich. Als Manga und Graphic Novel Fan, Bilder Lesende, Erziehungserfahrene, langjährige Vorlesepatin und als nach den Emotionen im Kontext von Bildung Angelnde bin ich mit dem Inhalt ausgesprochen zufrieden. Der Autor, Gerhard Falschlehner, kennt sich aus – mit dem Lesen und der Vielfalt aktueller Medien. Er ist etwa in meinem Alter, lässt seine vielfältigen persönlichen Erfahrungen in dem Buch durchscheinen und ist für mich auf Grund eigener Erfahrungen sehr gut nachvollziehbar.

Seine Herangehensweise ist komplex, Lesen ist für ihn ein umfassender Vorgang der Entschlüsselung von Bildern, Schrift und Informationen – ein multimodaler Vorgang und – er ist ein emotionaler Prozess. Genau so wie er es tut wünsche ich mir Emotionen eingebunden.

Ihm geht es um Leseförderung und ihm geht es auch um die etwa 20% an Kindern, die nie richtig lesen lernen. Für ihn spielt es keine Rolle wie und was gelesen wird. Er geht davon aus, dass jedes Kind etwas hat an dem es interessiert ist und dass es für die Förderung des Lesens keine Rolle spielt ob dafür Sammelkarten, Comics, Mangas, Straßenschilder, Zeitschriften, Bücher, Romanheftchen, SMS-Romane, Hörspiele oder Informationen in Videospielen verwendet werden. Alles was einen Anlass zum Lesen bietet ist geeignet. Was Interesse weckt und emotional bedeutsam ist motiviert. Daher stehen digitales Lesen, Lesen von Bildern sowie das Lesen von dreidimensionalen Informationssystemen gleichberechtigt neben den Medien eines traditionellen Leseverständnisses.

Sein Buch entkrampft. Doch auch er lässt Probleme mit dem schulischen Systems sichtbar werden – in Form einer dort verbreiteten eingeschränkten Sicht auf Lesen – und dieses Mal reicht es mir. Meine eigene Erfahrung belegt mir, dass er damit Recht hat, dass Lesen und Lernen vor allem eines sein sollen, etwas das man bereitwillig und wenn möglich auch gerne tut, weil die Sache selbst eine Bedeutung hat. „Lesen darf hemmungslos Spaß machen, urspannend und untief sein und auch unanständig; es darf trivial, kitschig, klischeehaft sein – so wie das Leben selbst.“ (Falschlehner, 2014, S. 198) Ich habe in meinem Leben alles gelesen was ich lesen wollte, darunter auch Bilder und Zeichen, gleichzeitig habe ich aber gelernt, dass es Normen für hoch- und minderwertiges Lesen gibt und dass für Bildung förderlich nur das Lesen gilt, das als hochwertig eingestuft wird.

Das kann zu einer Schädigung der emotionalen Bewertung des Lesens führen, zu einer Blockade des Flusses (Flow), zu Beschränkung, Einengung und letztlich Diskriminierung. Es ist dann nicht mehr möglich alles zu verwenden und sich auf alles einzulassen, die Erfüllung festgelegter Normen gewinnt an Bedeutung und Unpassendes muss verbannt werden. Tschüß freie Entfaltung von Kreativität. Ich brauche solche Strukturen aber nicht mehr.

Wie war das noch mit der Mündigkeit und dem eigenen Verstand? Manchmal ist dafür allerdings eine kompetente Unterstützung notwendig, um die Gedanken in eine neue Richtung zu lenken. Die habe ich in diesem Buch gefunden. Sollte ich in der nächsten Zeit anderen etwas über das Lesen lernen vermitteln sollen, ich denke, ich würde diese Buch als Grundlage verwenden.

Referenz:

Falschlehner, G. (2014). Die digitale Generation. Jugendliche lesen anders. Wien: Ueberreuter.

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