Bildungsmäuschen

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Mehrwert von Emotionsfokus

Mangels ausreichendem freien Platz an der Wand liegt jetzt auf meinem Fußboden ein sehr großes Blatt Papier auf dem mein erster Versuch einer Mindmap zu dem ist, was ich in Bezug auf Emotionen als von Bedeutung feststellen kann. Es ist allerdings noch keine Mindmap, die wiederum Emotionen und Bildung zusammenbringt. Die verschiedenen Bereiche sind auch noch nicht sinnvoll geordnet, ob annähernde Vollständigkeit vorliegt habe ich noch nicht überprüft, in einer Ecke sind einzelne Teile allerdings schon mit Pfeilen und Doppelpfeilen verbunden. Im Zentrum steht der Begriff Emotionen und sichtbar wird, dass viele Einflussfaktoren vorhanden sind, durch die es in einem Moment zu einer spezifischen Emotion kommt, die dann in einer spezifischen Weise ausgedrückt wird.

Es wird deutlich, dass im Moment des Auftretens der einen Emotion alle diese Faktoren mehr oder weniger wirksam sind, das ist der Vorteil einer Visualisierung mit einer Mindmap, die Komplexität auf einen Blick abbilden kann. Auch warum Emotionen im Sinne der Appraisaltheorien einen Informationsgehalt haben wird sichtbar. Emotionen bündeln verschiedene Einflussfaktoren zu einer kompakten, kurzen Aussage. Gleichzeitig sind aber auch die Probleme erkennbar, die durch die Auswirkungen unterschiedlicher Sozialisation, unterschiedlichen kulturellen Hintergrunds und asymmetrischer Machtbeziehungen vorhanden sind.

Jetzt hänge ich aber schon wieder. Auf mich selbst hat die Auseinandersetzung und Beschäftigung mit Emotionen eine beruhigende Wirkung, im Sinne von innerer Entspannung. Für mein intellektuelles Verständnis und für die Kommunikation mit anderen wünsche ich mir momentan eine anwendbare Systematik für Situationen und Medienprodukte, in der alle wichtigen Faktoren in Bezug auf Emotionen zusammengefasst sind – das versuche ich jetzt mit meiner Mindmap. Es geht dabei allerdings vor allem erst einmal um Selbstbildung, das ist jetzt mein Problem. Die Selbstbildung ist zwar von Bedeutung dafür wie ich selbst in Bildungskontexten agiere und mit anderen umgehe, sie bezieht Emotionen aber nicht automatisch in initiierte Bildungskontexte selbst mit ein, sie hilft nur Emotionen in Bildungskontexten zu identifizieren.

Es ist etwas schwierig zu erfassen. Es geht letztlich um die Fragen, wofür das Ganze geeignet ist und worin der Mehrwert besteht, der über meinen persönlichen Nutzen hinausgeht.

Bei der PV auf der Wewelsburg haben wir zum Schluss einen Film gesehen und besprochen, der eine Klasse Jugendlicher in den Banlieus Frankreichs zum Thema hatte. Emotionen waren für mich in diesem Kontext hervorstechend, wurden auch von meinen KommilitonInnen und dem Dozenten thematisiert, mir selbst fehlten aber neben Begriffen theoretische Zusammenhänge auf die ich mich beim Auftreten von Emotionen beziehen kann. Ich kam mir bei meinen Beschreibungsversuchen reichlich stammelnd vor. Und gerade gestern war ich bei der Arbeit doch schon wieder mit heftigen Emotionen bei mir, bei Schülern und bei einem Lehrer konfrontiert, ein Teil davon auf eine Problematik verweisend, die weiteres Eingreifen erfordert. Emotionen sind in Bildungskontexten Alltag! Heftige ebenfalls.

Bildungsinstitutionen sind dabei mit dem Zwang verbunden Dinge in einer spezifischen Weise zum Funktionieren zu bringen. Außerdem sind sie soziale Orte, in denen unterschiedliche Interessen, Vorstellungen und Verhaltensweisen aufeinander treffen und Machtfaktoren eine Rolle spielen. Diese Prozesse sind mit Emotionen, Emotionsregeln und erforderlicher Emotionskontrolle verbunden.

Was ist aber für andere der Mehrwert davon die Emotionen in den Fokus zu nehmen oder zumindest gezielt mit zu berücksichtigen? Ich habe es leider nicht so einfach sagen zu können, sorgt für positive Emotionen und das Lernen flutscht fast wie von selbst. In meiner Wahrnehmung ist das unvollständig, eine Reduktion, die der Bedeutung von Emotionen in Bildungskontexten nicht gerecht wird und noch dazu in einem dual konstruierten System den Fokus vor allem auf eine Seite richtet. Interessant sind aber durchaus auch Fragen danach, wodurch negative Emotionen eigentlich verursacht werden. Sie sind möglicherweise durchaus angemessen und berechtigt und von daher Hinweis gebend in Bezug auf Problematiken oder Änderungsbedarf, der über individuelle Änderungen hinaus geht. Wenn man negative als unangenehme Emotionen versteht und negativ als etwas schlechtes bewertet, das vermieden werden und gar nicht erst auftreten sollte, so kann damit auch bereits eine Richtung des Umgangs vorgegeben werden, der möglicherweise nicht sinnvoll ist. In dem Zusammenhang wäre dann auch nach der bestehenden Fehlerkultur zu fragen, also wie generell mit Dingen verfahren wird, die nicht oder nur schlecht funktionieren. Aufdecken oder verbergen?

Auf Antworten folgen letztlich immer wieder neue Fragen. Es ist schwer an einem Ort stehen zu bleiben und ein Zwischenergebnis zu verfassen.

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