Bildungsmäuschen

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Erziehung der Emotionen

Nach einem Wochenende des Nicht-Vorankommen wieder eine neue Idee für die BA-Struktur, nicht umgesetzt durch Mehrarbeit wegen Krankheitswelle. Danach entspanntes Abhängen. Und plötzlich eine ganz neue Frage, wohin soll die Erziehung und Bildung der Emotionen führen?

Bildungswissenschaft kann nicht nur beobachtend sein, Bildungswissenschaft muss auch normativ vorgehen. Erziehung und Bildung sind im Gegensatz zur Sozialisation mit Intentionen verknüpft. Mensch will irgendwo hin. Will den anderen Menschen irgendwohin führen. Mich interessiert wo die Emotionen, der Umgang mit ihnen und ihr Ausdruck hin sollen.

Ich wünsche mir durchaus einen Rahmen in dem sich Menschen gegenseitig auch mal anbrüllen und dabei heftige Emotionen zeigen können. Nicht beleidigend. Nein. Sondern als akzeptierte Möglichkeit, dass etwas massiv belastend ist. Um den Grund dafür vielleicht beseitigen zu können. Dass man sich, wenn alles vorbei ist, in die Arme fallen könnte, als Versicherung, dass man jetzt besser zusammenarbeiten kann.

Ich bin durchaus von Idealen der Verbesserung und Optimierung des Menschen beeinflusst, die auch in den Ideen der Aufklärung stecken, doch Verbesserungen anzustreben bedeutet noch nicht bereits zu wissen was tatsächlich eine Verbesserung ist und auch nicht wie sie dann erreicht werden kann.

Die Nazis wollten den Menschen verbessern. Sie wollten ein ganzes Volk verbessern und darüber die ganze Welt. Das Ergebnis ist hinreichend bekannt. Die AfD argumentiert im Wahlkampf mit Rückkehr zu angeblich bewährten Traditionen, um Fortschritt nicht zu gefährden. Ich kenne die Welt, die sie sich vorstellen, und kenne das Leid, das sie verursacht. Wohin also?

Die Soziologie stellt die Frage danach in welcher Art von Gesellschaft wir leben wollen und zeigt dafür Strukturen und Konsequenzen auf. Haben wir als Gesellschaften aber tatsächlich eine Wahl?

Und wie ist das mit den Emotionen, dem Umgehen mit ihnen und ihrem Ausdruck? Was wollen wir? Und wo wollen wir hin? Und können wir das wählen?

Unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche, unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeit von Emotionen. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich. Der kontrollierte Familienvater der 60er Jahre, der an der Arbeit unauffällig funktioniert, seine Emotionen unterdrückt und kontrolliert und als angenehmer Arbeitskollege auftritt, aber zuhause seine Familie terrorisiert und seine Emotionen mit Alkohol manipuliert. Der Selbstständige, der es nicht riskieren will Kunden zu verprellen, seine Emotionen ebenfalls kontrolliert und unterdrückt, die aber gelegentlich doch in Eruptionen ausbrechen, dem es aber meist gelingt Freiräume für den Ausdruck seiner Emotionen zu nutzen, die ihm durch seine größeren Ressourcen zur Verfügung stehen. Wodurch er dann die Menschen seiner Familie weniger belastet, sich ihnen im Nebeneffekt aber auch entzieht. Die Situation von Frauen und Außenseitern will ich erst gar nicht ins Spiel bringen.

Produktwerbung stellt Emotionen dar, lässt Menschen über das Ergebnis eines Waschmittels wie über eine neue Entdeckung staunen, versucht inzwischen den Eindruck von Authentizität von Emotionen zu erwecken, indem Menschen in Interviewsituationen über ihre begeisternden Erfahrungen mit Produkten berichten. Tagesschausprecher können heute auch Frauen sein, dürfen lachen und Emotionen sichtbar werden lassen.

Die Zügel wurden gelockert, es gibt aber weiterhin Zügel. Für die psychische Gesundheit ist es besser Emotionen nicht zu stark zu unterdrücken und Kanäle zu finden, auf denen sie zu einem Ausdruck kommen können. Diese Kanäle müssen sowohl individuell als auch gesellschaftlich vorhanden sein. In Bezug auf Emotionen ist es Aufgabe von Erziehung und Bildung dafür einen Weg zu zeigen, der sowohl dem Individuum als auch der Gesellschaft verpflichtet ist.

Bei meiner PV im Kontext von Bildung und Differenz erwähnte der Dozent das Bemühen dahin zu erziehen, dass man in Würde arbeitslos sein kann. Mich fasziniert das. In einer unsicher erscheinenden Welt mit der Vergangenheit einer rassistisch konstruierten Weltordnung, wie geht man mit den Emotionen um, die bei Erfolgslosigkeit entsprechend gesellschaftlich verbreiteter Werte entstehen? Wie geht man damit um sich als wertlos, ausgeschlossen, Müll betrachtet zu erleben oder wenn man gelernt hat sich selbst so einzuschätzen? Und wie geht man mit den Emotionen um die der Eindruck auslöst, fortwährend von der Möglichkeit eines Abstieg in Wertlosigkeit bedroht zu sein?

Differenzerfahrungen dieser Art sind allerdings nur ein Teil des Ganzen. Es ist durchaus Aufgabe von Erziehung und Bildung generell nach der Art der Formung der Emotionen und der Art ihrer Kontrolle und ihres Ausdrucks zu fragen. Was erwartet die Gesellschaft und was passiert im Individuum? Welche Emotionen werden durch gesellschaftliche Strukturen ausgelöst? Wer darf und wer soll sie wie ausdrücken? Welche Räume des Ausgleichs werden zur Verfügung gestellt? Wie weit darf Kontrolle eingefordert werden? Wie sinnvoll ist es Emotionen zu unterdrücken und zu ignorieren?

Ich kann dabei einen Unterschied zwischen Ausbildung und Bildung feststellen. Ausbildung darf (muss aber nicht!) Emotionsmanagement entsprechend äußerer Vorgaben einfordern, Bildung kann sich damit jedoch nicht zufrieden geben. Bildung muss in Bezug auf  Emotionen Erkenntnis- und Ausdruckswege vermitteln, die es dem Individuum ermöglichen die eigenen Emotionen und die anderer nachzuvollziehen und dies auch in einer kreativen Form zum Ausdruck zu bringen. Kreativ bedeutet in diesem Fall, dass spontane, aus spezifischen Situationen entstehende Neuschöpfungen des Ausdrucks und Umgangs mit Emotionen ermöglicht werden.

(Fortsetzung notwendig, momentan aber noch nicht möglich)

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