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Fortbildung für Betreuungskräfte an Grundschulen

Am Morgen nach einer Fortbildung über den Umgang mit Sexualität in der Grundschule für Betreuungskräfte kann ich für mich selbst eine Gesamtbewertung abgeben, die unterm Strich nicht allzu gut ausfällt.

Bereits am Ende der Veranstaltung dachte ich, was das war’s schon? An- und Abreise dauern in meinem Fall jeweils etwa 40 Minuten mit dem Auto und unterwegs bin ich an einem Ortsausgang dann auch noch von einer festen Station geblitzt worden, da dort in der Zwischenzeit die zulässige Geschwindigkeit reduziert wurde, ich durch eine Selbstgespräch über die Auswirkungen der Aufklärung abgelenkt war und alten Gewohnheiten entsprechend fuhr. Die Veranstaltung selbst dauerte einschließlich einer kurzen Pause etwa 3 1/2 Stunden. Für mich stellt sich dabei durchaus auch die Frage nach der Relation von Aufwand und Nutzen und dem Mehrwert, vor allem nach meinen Erfahrungen was es bedeutet hochwertige Lernmaterialien und Dozenten online ohne größeren Aufwand zeitunabhängig zur Verfügung zu haben.

Der Dozent des diakonischen Werkes, der sich bereit erklärt hatte die Veranstaltung für den staatlichen Arbeitgeber kostenfrei zu gestalten, erzählte zu Beginn, er wäre am liebsten wieder gegangen, da er ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass er eine Höchstzahl von 16 Personen wünsche und auch noch einen weiteren Termin hätte vereinbaren können. Er hielt bei diesem Thema betreute Kleingruppenarbeit für sinnvoll. Gekommen waren 28, auf der Liste standen 30. Drei Einträge wurden zu Beginn der Veranstaltung zugefügt.

Er baute daher die Veranstaltung um während sie lief. Aus einer auf Frontalunterricht ausgerichteten Sitzordnung wurde ein Stuhlkreis zusammengestellt, in dem sich allerdings alle nur mehr oder weniger gut sehen konnten, da der zur Verfügung stehende Platz sehr beschränkt war. Die Veranstaltung selbst bestand aus einem verbal frei gestalteten und einem vorgelesenen Teil, in den statt dreimaliges nur einmaliges Arbeiten in Kleingruppen nach vorgegebener Aufgabenstellung eingestreut war. Zusätzlich wurde die Großgruppe an verschiedenen Stellen des verlesenen Textes immer wieder dazu gefragt. Anmerkungen konnten gemacht und ergänzende Fragen gestellt werden. Statt Kleingruppenarbeit ging der Dozent nach einem ersten Versuch zu dieser Einbeziehung der Teilnehmerinnen über. Der vorgelesene Text selbst sowie Informationsbroschüren der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des diakonischen Werkes standen in der Menge der erwarteten Teilnehmer +2 zum Schluss zur Mitnahme zur Verfügung, waren also nicht ausreichend für alle.

Ich kann nicht beurteilen als wie ergiebig und sinnvoll sich das ursprüngliche Konzept erwiesen hätte, bei der Umgestaltung ist mir aufgefallen, dass sich außer bei der Kleingruppenarbeit geschätzt weniger als die Hälfte der anwesenden Frauen verbal beteiligten. Die Verteilung der Menge der Beiträge konzentrierte sich dabei auf wenige Personen. Der Umgang derjenigen miteinander erschien mir locker und entspannt. Nicht teilnehmende wirkten auf mich zum Teil sehr verschlossen.

Ich hatte den Wunsch gehegt mehr von den Problemen der anderen in  Bezug auf den Umgang mit Sexualität zu erfahren und auf Themen zu stoßen, die sich im Alltag meiner Achtsamkeit entziehen. In Bezug auf im Alltag versteckte Vorgänge wurde ich enttäuscht, es trat allerdings ein Aspekt eines Thema stark hervor, das im Zusammenhang mit Differenz generell von Bedeutung ist, der Umgang mit unterschiedlichen Vorstellungen von Normalität. Dazu gehört auch die Auswirkung unterschiedlicher Macht- und Abhängigkeitspositionen. Schlussfolgerung aus der Veranstaltung war für mich, dass es ist in Grundschulbetreuungen sinnvoll ist Regeln für Erlaubtes und Verbotenes in Bezug auf den Umgang mit Sexualität zu finden und auf deren Einhaltung zu bestehen, die für möglichst wenige Personen zu Problemen führen. Allerdings stellt sich dabei für mich die Frage auf welchem Weg sich das herausfinden lässt und ob dann nicht letztlich Regeln auf Grund reiner Mutmaßungen aufgestellt werden. Eine Frage mit der ich erst einmal allein zurückbleibe.

Zu kurz kam bei der Veranstaltung außerdem der zwanglose Austausch untereinander zu Arbeitserfahrungen über das Thema der Fortbildung hinaus. Die kurze Pause zwischendurch betrug gerade einmal 10 Minuten und ließ wenig Raum für Gespräche miteinander. Es waren auch nur wenige Frauen früher da oder blieben länger. In der Vergangenheit war bei solchen Veranstaltungen von den organisierenden Frauen in der Regel Raum für solchen Austausch berücksichtigt worden, beispielsweise während eines gemeinsamen Frühstücks oder vor der eigentlichen Veranstaltung. Da viele Betreuungsfrauen sehr vereinzelt arbeiten, handelt es sich dabei um eine sehr wertvolle Ressource.

Unterm Strich bin ich mit der Fortbildung unzufrieden. Die Veranstaltung war vom Dozenten für bestimmte Bedingungen konzipiert, die dann aber nicht bestanden. Ohne vorherige Information waren mehr Personen zugelassen worden. Damit wurde in meinen Augen ignoriert, dass Fortbildungen zuvor didaktisch sinnvoll konzipiert werden, um den Lernerfolg zu fördern, den Aufwand zu rechtfertigen und Dozenten und Teilnehmer zufrieden zu stellen. So etwas wird nicht mal eben so aus dem Ärmel geschüttelt oder kann im laufenden Prozess ohne Probleme sinnvoll abgeändert werden.

Es ist gut wenn es für isoliert arbeitende und häufig in Schulen schlecht eingebundene Betreuerinnen, die zu einem beträchtlichen Teil nicht über eine spezifische pädagogische Ausbildung verfügen, überhaupt Weiterbildungen gibt, diese sollten aber auch in einem Rahmen stattfinden, der eine hohe Qualität gewährleisten kann.

Immer wieder habe ich es erlebt, dass Dozenten bei der Konfrontation mit der Arbeitswelt von Betreuerinnen erstaunt waren in Bezug auf die Komplexität der Anforderungen bei einer durchaus geringen Beachtung und Unterstützung, die dieser Bereich häufig erfährt. Auch deshalb sollten in meinen Augen die wenigen angebotenen spezifischen Fortbildung hervorragend sein. Diese können den Selbstwert erhöhen, neue Kenntnisse und Einsichten vermitteln und durch den Austausch mit anderen helfen die eigene Situation besser zu verstehen und  zu bewältigen. Eine Verbesserung der Arbeit und Arbeitsmotivation kann dadurch erreicht werden

In der Vergangenheit hatte ich einmal Überlegungen zu einem Ort im Netz, an dem Materialien und Nützliches speziell für Grundschulbetreuerinnen unserer Region hinterlegt werden könnten und ein Austausch möglich wäre. Inzwischen hat sich für mich vieles verändert. Einerseits die Betreuungsarbeit an Bedeutung verloren, andererseits haben die Möglichkeiten im Netz generell zugenommen. Es gibt beispielsweise aktuell spezifische Facebookgruppen für den pädagogischen Bereich, in denen unterstützende Diskussionen gestartet werden können, es gibt sehr viele, auch fremdsprachige Angebote gerade für Spielideen, Bastelarbeiten oder andere Hilfsmaterialien. Für die Klärung struktureller Problematiken oder generelle Weiterbildung existieren inzwischen Studienmöglichkeiten über das Netz.

Fortbildungen vor Ort erübrigen sich dadurch allerdings noch lange nicht. Für sie gilt allerdings was generell für Präsenzangebote in Zeiten des Internets gilt, sie sollten das ermöglichen wofür die unmittelbare Präsenz sinnvoll ist, den direkten Kontakt und unmittelbaren Austausch von Personen, die sich dabei in ihrer Gesamtheit wahrnehmen können, so dass es zum gemeinsamen Entdecken von Fragestellungen und deren Klärung kommen kann. Das schien der Dozent beabsichtigt zu haben, konnte es aber bei den veränderten Bedingungen weniger gut umsetzen.

Sehr schade!

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