Bildungsmäuschen

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Erneute Positionsbestimmung

Meine letzten beiden Blogeinträge haben bei mir viel in Bewegung gebracht. Ich habe sie allerdings nicht öffentlich machen können, da sie während des Schreibens selbst zu einem sehr persönlichen Erkundungsmittel wurden, das für Fremde leicht misszuverstehen ist.

Sich auf den Schwerpunkt Emotionen einzulassen eröffnet ein sehr weites Feld. Nicht nur an Literatur aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen und einer Vielfalt von Ansätzen und Problematiken, sondern ebenso an alltäglichen Beobachtungsmöglichkeiten mit und ohne Bildungsbezug. Nachdem ich zuerst monatelang gelesen hatte und zwischendurch von der Komplexität der Thematik überfordert war, konzentriere ich mich seit einer Weile auf zufällige Beobachtungen in meinem Alltag und Reflexionen darüber auf der Basis meines bisherigen Wissensstandes. Auf diesem Weg suche ich auch nach der Bedeutung von Emotionen für die Bildungspraxis. Gelesen habe ich in der letzten Zeit sehr wenig zum Thema Emotionen und fühle mich noch immer sehr von Theorien überfüllt und habe eine gewisse Abneigung gegen Texte, die schwer nachvollziehbar sind.

Die letzten Tage war ich mit dem Aspekt der Entfremdung von den eigenen Emotionen beschäftigt, dem Vor-sich-selbst-verbergen, der Verheimlichung von Emotionen und der sofortigen Manipulation von Emotionen bei ihrem Auftreten. Gefunden durch Selbstbeobachtung, die durch das Schreiben über ein Thema ausgelöst wurde. Die Identifizierung, worum es sich genau handelt, erfolgte durch Erinnerung an Gelesenes.

Der Effekt auf der persönlichen Ebene war dabei erstaunlich. Ich wusste nicht wie viel ich vor mir verberge, um mit meinem Leben besser zurecht zu kommen. Teile davon zuzulassen hatte zur Folge, dass ich meine Umwelt vorübergehend wesentlich anders wahrgenommen habe als sonst, einschließlich des Körpergefühls in dem ich mich bewegt habe. Es war ein Zustand größerer Klarheit durchzogen von gefasster Trauer aber auch Würde. Etwas vor sich selbst zu verbergen ist legitim, wenn es dazu dient unveränderliche Zustände besser ertragen zu können. Es aufzudecken kann wiederum hilfreich sein, um nicht zu ignorieren dass es existiert. Ich tue es auch!

Der Auslöser waren Überlegungen dazu wie weit Emotionen einem Menschen Informationen zu seinen Vorstellungen und Einstellungen liefern können. Nachdem ich zuerst davon überzeugt war, dass das möglich ist, hat mich meine Erfahrung mit dem Verheimlichen, Verbergen und sofortigen Manipulieren bei mir selbst eines besseren belehrt. Deutlich zutage getreten ist für mich dabei die untrennbare Verbindung von Denken und Emotionen. Denken und Emotionen stellen eine Einheit dar, in der beide Bereiche unmittelbar aufeinander einwirkt. Die Geschwindigkeit, in der das geschehen kann, kann dabei allerdings den Eindruck einer Nichtverbundenheit erzeugen.

Inzwischen ist die mögliche Verlängerungsdauer der zum Thema Emotionen in der UniBib ausgeliehenen Bücher bei den ersten überschritten. Das bedeutet, ich habe sie seit fast einem Jahr. Bei dem ersten Buch traten noch Verlustängste auf, jetzt gehen ich entspannter damit um. Die großen Zusammenhänge sind für mich aus dem Mittelpunkt des Interesses gerückt, da ich mich meistens nicht mehr von der generellen Bedeutung von Emotionen überzeugen muss. Um überhaupt etwas sinnvolles im Rahmen einer Bachelorarbeit schreiben zu können, scheint es mir inzwischen immer erfolgsversprechender mich auf einen kleinen, gut einzugrenzenden Bereich zu beschränken. Das Hauptproblem sehe ich momentan darin einen Bereich auszuwählen, der meine Art des Interesses an Emotionen gut widerspiegelt. Ich wünsche mir bei der Arbeit durchaus einen für meinen Alltag verwertbaren Gewinn.

Beim Herumspielen bin ich gestern auf eine Theorie gestoßen, die noch recht neu ist und sich zuerst einmal interessant anhört, das Emotions as Social Information (EASI) Modell von Van Kleef. Ein erster Blick darauf vermittelt den Eindruck, dass es für die Art meines Interesses an Emotionen in Bildungskontexten von Interesse sein könnte. Die letzte Zeit habe ich mich stark mit der Beobachtung der Emotionen beschäftigt, die in Gruppen innerhalb von Bildungsinstitutionen auftreten, der Informationen, die sie dabei liefern, der Handlungskonsequenzen, die sie haben, der Geschichten, die sie dabei erzählen. Verbergen, verheimlichen und manipulieren sind hier eingeschlossen. Interessant ist in diesem Kontext auch ein Blogbeitrag von Richard Gutjahr zu Entwicklungen im digitalen Bereich.

„Die wohl erstaunlichste Entwicklung dürfte aber sein, dass die Maschinen Empathie entwickeln. Mit jeder neuen Interaktion lernen sie, sich besser auf die Persönlichkeit ihrer Nutzer einzustellen. So erscheinen uns die Maschinen immer nahbarer, menschlicher. Es werden Studien zitiert, wonach Probanden sogar dazu übergingen, sich lieber mit einem Roboter zu unterhalten, als mit Gesprächspartnern aus Fleisch und Blut. Erklärung der Experten: Die Maschine sei unvoreingenommen, sie wertet nicht.“

(Richard Gutjahr, 18.3.2016, verfügbar unter http://meedia.de/2016/03/18/richard-gutjahrs-sxsw-bilanz-mobile-video-und-datamining-der-neue-wilde-westen-der-digitalen/)

Das stößt bei mir durchaus auch sehr viele Fragen zur Zukunft des Lernens an und wie weit digitale Möglichkeiten genutzt werden, um beispielsweise emotional belastenden sozialen Konflikten in Bildungskontexten zu entgehen und wie weit das dann generell Auswirkung auf Konflikt- und Konsensfähigkeit, aber auch Empathie hat.

Zuerst einmal werde ich mich jetzt aber mit den EASI-Modell beschäftigen.

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