Bildungsmäuschen

Startseite » Emotionen » Emotionen und Informationsverarbeitung

Emotionen und Informationsverarbeitung

Ich fühle mich kränklich, überarbeitet und urlaubsreif. Die Osterferien sind vorbei und ich habe kaum etwas von dem geschafft was ich geplant hatte. Dabei war ich fast fortwährend rege wenn ich nicht ruhebedürftig war. Gelegentlich werfe ich mir meine Ruhebedürftigkeit als Faulheit vor. Ein Problem stellt es dar, dass geistige Arbeit nicht sichtbar werden muss. Ich schaffe kein anerkanntes vorzeigbares Produkt, daher habe ich auch nichts geschafft, ist die damit einhergehende Logik, die sich auf meine Befindlichkeit auswirkt.

Ich mache damit weiter durch auf Emotionen bezogene Themen zu hüpfen. Erneut habe ich mich der Frage nach den Auswirkungen von Macht auf Emotionen genähert, komme damit aber noch nicht zurecht. Ich kann mich dem Thema dabei allerdings ruhig und achtsam, wenn auch mit Beklemmungen nähern.

Zwischendurch wollte ich nicht mehr öffentlich zugänglich etwas zu Emotionen schreiben, da ich mein Interesse an Emotionen in der letzten Zeit mehrmals missverstanden erlebt habe, auch da die Perspektive, aus der heraus ich an Emotionen herangehen, für viele Personen unverständlich zu bleiben scheint. Emotionen und Zugehöriges (Ausdruck, Regulierung) scheinen von anderen eher als selbstverständlich und bekannt behandelt und weniger hinterfragt zu werden.

Es fällt mir etwas schwer den Unterschied zu beschreiben. Emotionen selbst scheinen für andere kein Untersuchungsgegenstand zu sein. Sind sie gut, ist alles gut, sind sie schlecht, wird versucht sie zu ändern. Emotionen werden dabei funktional gehandhabt. Negative = Probleme, Abwehr. Positive = gut, Hinnahme, eventuell Förderung. Diese Art des Umgangs kann Untersuchungsgegenstand werden, hilft mir als Methode aber nicht weiter.

Bei meiner Achtsamkeit auf Spuren der Anwesenheit und Nichtanwesenheit von Emotionen, der Art des Umgangs mit ihnen und von Wirkungen fällt mir in dem Buch Informatik macciato von Magenheim und anderen auf, dass Emotionen dort zuerst einmal in Form der illustrierenden Cartoonfiguren anwesend sind. Mimik, Gestik, Haltung – alles da was nötig ist, um auf auftretende Emotionen zu schließen. Das Buch richtet sich an Schüler und Studenten und arbeitet mit auf Personen bezogenen Beispielen. Im Buch sind es unter anderem die Erlebnisse und Probleme der Figuren Tom und Lisa, die zum besseren Verständnis und zur Veranschaulichung dienen.

Am Ende des ersten Kapitels wird dabei eine einzelne beschriebene Szene illustriert, in der sich starke Emotionen ausdrücken. Für weitere, nicht mehr illustrierte Szenarien, liegt es zumindest für mich nahe, mir die Emotionen der erlebenden Personen ebenfalls vorzustellen. Das Buch selbst geht in diesem Teil nicht explizit auf die Bedeutung von Emotionen bei der Wahrnehmung von Informationen ein, Emotionen sind Bestandteil „subjektiver Information“. Gleichzeitig wird aber in dem Beispiel in Kombination mit der Illustration der Zusammenhang zwischen hohem Informationsgehalt und Stärke von Emotionen gut sichtbar.

„Unsere überglückliche Lisa hat beim Lotto getippt, hat dafür Geld ausgegeben und erfährt gerade, dass ihr Tipp richtig ist. Für sie besitzt die Nachricht einen hohen Informationsgehalt. Für Menschen, die überhaupt nicht getippt haben, wäre die angezeigte Zahlenreihe von eher geringem Informationsgehalt und für Menschen, die das Lottospiel gar nicht kennen, ist der Informationsgehalt gleich null.“ (Magenheim et al., 2013, S.27)

Weitere Beispiele beziehen sich auf den jeweiligen Sender, den Zeitpunkt der Nachricht und ob die Nachricht erwartet war oder nicht. Ein hoher oder niedriger Informationsgehalt stehen durchaus in einem Zusammenhang mit Art und Stärke der auftretenden Emotionen. Genaueres dazu lässt sich aus dem Text leider nicht ableiten, ebenso nicht wie diese Information für Bildungszwecke genutzt werden kann.

„In der Informatik […] versteht man ähnlich dem allgemeinen Sprachgebrauch unter ‚Information‘ die ‚Bedeutung‘, die durch eine Nachricht übermittelt wird, wobei Information nicht nur ein Maß für die Textmenge, sondern auch für deren Detailreichtum ist, den man als Komplexität bezeichnet.“ (Magenheim et al., 2013, S.26)

Die Art und Stärke der Bedeutung wird dem Individuum laut der Appraisaltheorien auch auf dem Weg über Emotionen vermittelt. So lässt sich ableiten, dass das Auftreten von Emotionen in einem Zusammenhang mit den zur Verfügung stehenden Information steht. Zum momentanen Zeitpunkt richten sich meine Gedanken dabei in Richtung Mitteilungen in Medien und der Art des persönlichen Bezugs, den sie haben. Stichworte dabei: Flüchtlinge, AfD, Panama-Papers.

Ebenso assoziiere ich die Praktik der Nazis gleich zu Beginn ihrer Herrschaft Gegner mundtot zu machen und die zur Verfügung stehenden Informationen in ihrem Interesse zu lenken. Auf diese Art werden bestimmte Emotionen gefördert, andere verhindert. Moden oder Hypes stehen ebenso in einem Zusammenhang mit der Wirkung von Informationen auf Emotionen und über diese hin zu Handlungen. Auch für den Bildungsbereich fallen mir geeignete Beispiele von Wirkungsketten zwischen Informationen, deren Bedeutung, Emotionen, Handlungen, Erfahrungen und Speicherung für eine weitere zukünftige Verwendung ein. In der Speicherung selbst ist dabei das emotionale Tagging enthalten, mit dem Dinge, Personen, Situationen eine durch Emotionen repräsentierte Bewertung erhalten.

Zum Schluss bleibt zu erwähnen, dass ich manchmal am liebsten aufgeben würde, weil mir meine Art der Beschäftigung mit Emotionen so wenig verwendbar erscheint. Bisher taucht aber immer wieder etwas auf, das mich weiter motiviert.

Im Informatik macchiato stellen Illustrationen und Beispiele für mich eine Verbindung zu Emotionen her. Ich kann nicht beurteilen, ob sich damit besser, nachhaltiger oder angenehmer lernen lässt, ob das möglicherweise für bestimmte Personen gilt, für andere aber nicht. In Bezug auf meine Erfahrungen mit freiwilligem Online-Lernen kann ich auf meine Person bezogen allerdings sagen, dass Einstieg, Motivation zu Teilnahme und Abschluss, Nachhaltigkeit des Lernens, Weiterverwendung und Motivation zum anschließenden Weiterlernen sehr stark von den dabei auftretenden Emotionen abhängig waren. Ich habe bisher allerdings noch nie versucht förderliche und hinderliche Faktoren unter Berücksichtigung von Emotionen zu identifizieren. Nach kurzem Überlegen vermute ich durchaus, dass ich eine Überraschung erleben könnte.

Erneut hat sich das Blogschreiben als gutes Mittel zur Lenkung und Strukturierung von Gedanken erwiesen.

Referenz:

Magenheim, J. et al. (2013). Informatik macchiato. Cartoonkurs für Schüler und Studenten. München: Pearson.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: