Bildungsmäuschen

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Emotionen untersuchen

In der letzten Zeit habe ich zunehmend den Eindruck, dass mein grundlegendes BiWi- Studium nun komplett ist. Das meint nicht, dass ich umfassende und perfekte Kenntnisse habe, sondern ich verfüge über einen Überblick über Komplexität, den ich in relevanten Situationen anwenden kann. Was ich zunehmend tue. Es ist eine Art von Studium, die im Menschen etwas an dem verändert wie er oder sie der Welt begegnet und mit ihr umgeht. Es ist eine Art von Studium, wodurch die Person an sich geformt und verändert wird. Ich muss dadurch nicht mehr rumzappeln und mich aufregen (kann es aber, wenn ich will, was gerade bei angenehmen Erregungszuständen bis zu einem bestimmten Grad angenehm ist), ich kann sachlich und analytisch an komplexe, schwierige und widersprüchliche Erscheinungen herangehen. Auch an Emotionen. Oder besser, gerade an Emotionen.

Über den Umgang mit Komplexität habe ich schon eine Menge gehört und gelesen und kann meinen eigenen, darauf bezogenen Stand bestimmen, in Bezug auf Emotionen ist das anders. Ich habe immer wieder Phasen und Momente, wo mir die Beschäftigung mit Emotionen unnötig, unwichtig und minderwertig erscheint. Oder wo Emotionen gänzlich verschwinden, weil sie keine Erwähnung finden. Obwohl sie fortwährend in Menschen auftreten, sie interpretiert, ausgedrückt, geformt, kontrolliert und manipuliert werden, sind sie nach wie vor nichts, das bei der Beschäftigung mit Menschen auch fortdauernd eine bewusste und gezielte Beachtung finden. Doch erst dadurch wird für mich die Betrachtung von Menschen und ihres sozialen Miteinanders vollständig.

In der letzten Zeit gelingt es mir zunehmend besser, achtsam für Erscheinungen in Bezug auf Emotionen zu bleiben und mich nicht verunsichern zu lassen. Es wird einfacher neben der Duldung des Auftretens aller Arten von Emotionen, Formen der Regulierung, des Ausdrucks oder des Mangels daran eine distanziert beobachtende Position einzunehmen. Diese Position hat zwar Auswirkungen darauf wie ich mit meinen und den Emotionen anderer umgehen, führt aber nicht zu grundsätzlichen Änderungen. Die Emotionen bleiben was und wie sie sind. Ich unterdrücke sie nicht, wehre sie nicht ab und fördere sie nicht mehr als sonst. Zum Teil wird es sogar wesentlich einfacher sie sichtbar werden zu lassen und ihre Sichtbarkeit zu dulden, da die Sicherheit im Umgang mit ihnen wächst.

In Bezug auf bildungsrelevante Texte, Problemfelder und Fragestellungen versuche ich zu erfassen und zu berücksichtigen, in welcher Weise Emotionen eine Rolle spielen. Wenn sich die Gewohnheit etabliert hat so vorzugehen, wird die Achtsamkeit in vielen Fällen ganz automatisch auf Emotionen gelenkt, während weiterhin das beachtet und untersucht wird, was auch schon vorher beachtet und untersucht wurde. Das wird dadurch nicht geschmälert. Emotionen sind ein zusätzlich berücksichtigter Bereich, der bereits vorher da war, der Unterschied besteht in der Bewusstmachung ihrer Existenz auf der Basis von begrenztem, aber sich erweiternden Wissens über Emotionen, ihrer Natur, des Umgangs damit, der Regulierung und so weiter. Für mich ergibt sich dadurch ein vollständigeres, umfassenderes Bild, das für mich besser nachvollziehbar, übertragbar und anschlussfähig ist, da Emotionen den Bereich des unmittelbaren Geschehens repräsentieren. Emotionen finden unmittelbar statt. Auch dann wenn sie als Erinnerungen auftreten. Sie repräsentieren unmittelbares Erleben von Menschen.

Da sich Bildungswissenschaft mit dem Menschen und seinen Bildungsprozessen beschäftigen, ist es legitim und möglicherweise sogar notwendig Emotionen, und alles was dazu gehört, in Analysen zu berücksichtigen. Praktisch angewandte Pädagogik musste immer auch mit Emotionen umgehen. Die einzige Frage in diesem Kontext ist, ob das bewusst oder nicht bewusst geschehen ist oder geschieht. Ein nicht bewusster Umgang funktioniert, ein bewusster ermöglicht nach meinen Überprüfungen an mir selbst einen deutlichen Mehrwert.

Durch einen bewussten Umgang mit Emotionen und eine Konzentration auf sie können Haltungen zu Emotionen, die verwendeten Arten des Umgangs, die Lenkung des Ausdrucks, verschiedenste Formen der Manipulation, auftretende Konflikte und Problematiken beispielsweise durch Widersprüche und vieles mehr eher erkennbar werden. Dadurch wiederum können eine gezieltere Änderung sowie weitere Untersuchungen vorgenommen werden.

Als Probleme bleiben für mich momentan wie ein solches Vorgehen für andere nachvollziehbar dargestellt werden kann und ob sich Systematiken für das erstellen lassen was ich in meinem Alltag anzuwenden versuche. Worauf muss wie und weshalb geachtet werden? Und wie geht man dabei vor? Reicht es aus bestimmtes Wissen über Emotionen zur Verfügung zu haben? Wo befindet sich die Beobachtungsebene? Und was ist mit Texten? Und was mit Netzaktivitäten? Wie sammele ich eigentlich meine ganzen Informationen?

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