Bildungsmäuschen

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Bewusstheit der Emotionen

Wie funktioniert Lernen? Wie funktioniert der Weg zu Verständnis?

Walpurgisnacht und 1.Mai mit seinen vielen Ausflüglern liegen hinter mir, die neue Woche startet in einem wunderschönen, gelblichen Licht in einer nebelverhangenen Landschaft, mit frischer, kalter Luft und Vogelzwitschern, vermengt mit den Geräuschen der zunehmenden Arbeitsaktivitäten.

Hatte ich noch gestern den Eindruck, ich hätte vor allem herumgehangen, wäre nicht zu sehr viel gekommen, hätte Geplantes nur vor mir hergeschoben und wäre deshalb deprimiert, so fügt sich im Morgengrauen ein überraschendes Bild von Aktivitäten zusammen. Ich habe etwas gänzlich anderes getan als ich geplant hatte. Und das hat sogar seine eigene innere Logik.

Das wofür Walpurgisnacht steht war dabei völlig ohne Bedeutung, das wofür der Tag der Arbeit steht hatte dagegen eine hohe Brisanz. Es waren vor allem zwei Filme, Joschka und Herr Fischer, Aspekte der Geschichte der Bundesrepublik aus der Perspektive von Joschka Fischer, und Inequality for All über Theorien von Robert Reich, die als Input im Hintergrund verarbeitet wurden. Weiterhin tritt aus der Erinnerung das Bild einer Frau hervor, die ich beim Kauf meiner Wochenvorräte am Samstag im Vorbeigehen gegrüßt habe. Ich hatte sie sehr lange nicht gesehen, sie ist für mich aufs engste mit einem Kurs über Methoden zur Achtsamkeitsförderung verbunden, den sie vor vielen Jahren einmal über die Volkshochschule angeboten hat. Ich habe sie als Schülerin in dem Kurs gefragt, wozu diese Methoden dienen, wofür sie verwendet werden. Sie hat mich nur angeschaut und ist mir auf immer eine Antwort schuldig geblieben. Dazwischen mischt sich das Bild des Ausverkaufs eines Ladens für Bastel- und Schreibbedarf, der schließt, weil er sich nicht mehr rentiert und verbindet sich mit dem Bild weiterer Läden an anderen Orten und zu anderen Zeiten.

Wie funktioniert das mit dem Lernen? Es gibt Input, irgendwo her, in meinem Fall vermittelt über soziale Netzwerke, weiterhin über das Fernsehen und aus dem Alltag heraus. Das wird bunt gemischt, mit dem versetzt was bereits im Speicher an Wissen und Fragen vorhanden ist und im Hintergrund verarbeitet. Während der Verarbeitung blitzen Emotionen auf, Assoziationen, Gedanken, vielleicht kommt es zu Träumen, dann ist irgendwann ein Produkt da. Bei mir meist im Morgengrauen.

Das Ergebnis ist dieses Mal weitreichend und komplex, ich würde lange benötigen es darzustellen. Auf dem Hintergrund meiner Fragen nach der Bedeutung der Emotionen in Bildungskontexten komme ich zu dem Ergebnis, dass es durch eine Verbesserung der Bewusstheit der Emotionen keine Möglichkeit der Veränderung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Bedingungen gibt. Bewusstheit kann zwar dazu beitragen die psychische Gesundheit besser zu erhalten, kann aber genauso Dinge sichtbar machen, mit denen ein bewusster Umgang sehr schwer ist.

Ich will das an dieser Stelle nicht weiter ausführen. Für mich wird dabei sichtbar was mich gestern deprimiert hat. Im Sonnenlicht des beginnenden Tages kann ich entspannter damit umgehen. Es ist wie mit jeder anderen Bewusstheit auch, sie hilft zu verstehen. Möglicherweise gelingt es dadurch besser Entscheidungen zu treffen, die auch ein besseres Ergebnis liefern. Das war es aber auch schon. In Gedanken gehe ich noch einmal zu Problemsituationen zurück und stelle die Frage danach, wie weit eine größere Bewusstheit und ein umfassenderes Verständnis von Emotionen hätte ändern können, was aus den Situationen heraus entstanden ist.

Das ist sehr interessant, denn es führt mich zu Interessenskonflikten zwischen Menschen. Und es führt mich zu den Theorien, nach denen Denken, Emotionen und Handeln nicht getrennt werden können. Wenn Emotionen nicht als losgelöste, abgetrennte Erscheinungen eingestuft werden, so drücken sich in ihnen die Einschätzungen aus, die Menschen haben, und diese Einschätzungen stehen in einem starken Zusammenhang mit ihrer kognitiven Verarbeitung.

 

Die Entscheidungen, die in der Vergangenheit getroffen wurden, wurden nicht wegen der heftigen Emotionen getroffen. Es waren keine emotionalen Entscheidungen. Die begleitenden Emotionen lieferten nur die deutlich spürbaren Bewertungen, die ihre Gründe aber in unverträglichen Interessen von unterschiedlichen Menschen hatten. Es waren keine emotionalen Entscheidungen, auch wenn heftige Emotionen aufgetreten sind. Es waren Entscheidungen aufgrund der bestehenden Problemlagen. Kein Handeln im Affekt. Andere Entscheidungen hätten eine andere Betrachtung der Welt vorausgesetzt. Nicht die Wut ist der Grund dafür Ausbeutung nicht zu dulden. Sondern es ist die Tatsache der Ausbeutung, die durch Wut bewertet wird. Die Entscheidung ist die Antwort auf die Frage, ob man Ausbeutung hinnehmen will oder muss oder ob man sie abweisen will oder kann. Nicht die Wut entscheidet, sie begleitet die Entscheidung nur, die aber unter Einbeziehung von weit mehr Informationen getroffen wird. An dieser Stelle ergibt sich sinnvoll die Frage danach, wer Regeln für einen angemessenen Ausdruck von Emotionen für wen aufstellt.

 

Es sind immer vollständige Menschen, die durch die Welt laufen. Im Verlauf unserer Sozialisations-, Erziehungs- und Bildungsprozesse verbinden sich Emotionen und gedankliche Konstruktionen der Welt zu einem untrennbaren Ganzen. Bewusstheit macht das besser sichtbar. Mehr nicht. Möglicherweise können wir mit mehr Vernunft entscheiden, möglicherweise können wir uns in dem Bewusstsein begegnen, dass keine Weltkonstruktion, und dadurch auch nicht die damit verbundenen Emotionen, die richtige ist. Dass es sowieso nicht darum geht was richtig oder falsch ist, sondern darum zu sinnvollen Lösungen nach vernünftigen Maßstäben zu kommen. Möglicherweise können wir dafür sogar unsere unterschiedlichen Machtpositionen nicht wirksam werden lassen.

Langsam entfaltet sich der Tag. Es gibt Probleme zu lösen und es muss Konflikten begegnet werden. Es geht darum bewusst zu bleiben und offen. Es werden Emotionen auftreten, die ertragen werden müssen, und Emotionen, die den Wunsch nach Fortdauern wecken. Es wird sinnvoll gehandelt werden und unsinnig. Es werden Dinge anders sein und es werden Dinge gleich bleiben. Es wird Aufregung geben und wieder Ruhe. Es wird Glück geben und Pech.

Möglicherweise geht es darum, dass Bewusstheit eine interessante Methode ist den Anforderungen, Problemen und Möglichkeiten des Lebens zu begegnen. Möglicherweise geht es auch einfach nur darum, dass in dem Wort Bildung die Entfaltung und Weiterentwicklung des Menschen enthalten ist und Bewusstheit und Bewusstsein Weiterentwicklungen darstellen.

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