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Aufgabe der Pädagogik in Bezug auf Emotionen

Andere Erfordernisse des Lebens haben meine Beschäftigung mit den Emotionen und ihre Bedeutung in der Bildung für zwei Tage in den Hintergrund gedrängt und es fällt mir etwas schwer mich an den letzten Stand zu erinnern und wieder den Einstieg zu finden.

Die Auseinandersetzung mit Inhalten des Readers von Buddrus (1992) hat mich in eine schwierige Lage versetzt. Er stellt Fragen nach der Bedeutung der Emotionen in der Pädagogik, die auch mich beschäftigen, die Antworten, die sich im Buch finden, nutzen mir jedoch letztlich wenig. Einerseits repräsentieren sie den Wissensstand einer vergangenen Zeit und die Suche danach, was die Autoren daraus entwickelt haben, ist nicht hilfreich. Auch in seiner Literaturliste kann das Buch aufgrund seines Alters keine Unterstützung für die Recherche bieten. Es ist eine Sackgasse.

Andererseits sind die beschriebenen Übungen zur Förderung einer Bewusstheit der Gefühle (der hier verwendete Begriff für Emotionen) vor allem auf die Wahrnehmung des Individuums von sich selbst ausgerichtet. Buddrus erwähnt dazu in der Einleitung, dass er neben anderem soziale und politologische Aspekte ausklammert.

Insgesamt präsentiert es Lösungen, Praktiken und Techniken einer vergangenen Zeit, an die ich mich noch gut erinnere, die für mich inzwischen unzureichend sind, das Buch gibt keinen Hinweis auf das, was sich daraus weitergehend entwickelt haben könnte. Das Wissen und die verwendeten Techniken waren zum damaligen Zeitpunkt meiner Einschätzung nach allerdings vollkommen ausreichend, es war ein großer Fortschritt sich der eigenen Emotionen bewusst zu werden, einen entspannteren Umgang damit zu finden, ihre Existenz zu berücksichtigen und sie sichtbarer werden zu lassen, es ist aber alles viel zu sehr auf das einzelne Individuum bezogen und daher nur ein erster Schritt. Und es bleibt die Frage danach, was in der Zwischenzeit möglicherweise weiterentwickelt wurde.

Bei den Fragen nach den Aufgaben der Pädagogik in Bezug auf die Emotionen versuche ich daher vorerst eigenständig diese in drei Bereiche zu unterteilen.

  1. Die Vermittlung der Anforderungen einer vielfältigen Gesellschaft in Bezug auf Emotionen.
  2. Förderung von Wissen in Bezug auf Emotionen im Interesse des Individuums. Dazu gehören Kenntnisse über die eigenen Emotionen und des Umgangs damit als auch Kenntnisse zum Erkennen der Emotionen und des Umgangs mit ihnen, die bei anderen auftreten.
  3. Förderung der Reflexionsfähigkeit beider Bereiche.

Die ersten beiden Punkte bewegen sich im pädagogischen Spannungsfeld zwischen Anpassung an gesellschaftliche Anforderungen und Entfaltung des Individuums und stehen in einem engen Zusammenhang mit Erziehung. Hier müssen Problematiken von Regulierung für das Individuum, wie Entfremdung, Unterdrückung und zu stark einschränkende Begrenzung, in Balance gebracht werden mit den Anforderungen, die für Gemeinschaften schädlichen Emotionen und den Umgang damit zu kontrollieren. Besondere Beachtung erfordern dabei die Auswirkungen von Machtkonstellationen.

Der dritte Punkt repräsentiert für mich am stärksten die Ansprüche und Anforderungen von Bildung im Sinne der Aufklärung als Schulung der Vernunft. Es ist die Befähigung über das was im Bereich der Emotionen vor sich geht und Verwendung findet zu reflektieren. Das kann dafür eingesetzt werden Problematiken zu erkennen und den Umgang mit Emotionen zu verbessern, aber auch nur um ein besseres und bewussteres Verständnis zu entwickeln.

Buddrus (1992, S. 37) bemerkt, dass er bei der Beschäftigung mit der Geschichte des pädagogischen Dilemmas im Umgang mit den Gefühlen festgestellt hat, dass viele Problemstellungen schon lange bekannt sind, je nach Zeitgeist ganze Dimensionen aber aus dem Blick geraten können. Ich sehe hier einen Zusammenhang damit, dass aufgrund der Art des Umgangs mit dem Themenbereich Emotionen eine Reflexion aus einer übergeordneten Perspektive nur unzureichend erfolgt (dazu: Tagung Bildung und Emotion).

Ich hatte über lange Zeit mit der Problematik zu tun, dass sich Emotionen immer wieder dem Blick entzogen und dadurch verschwunden sind. Sie haben in der Tradition der Betrachtung des Menschen und seiner intra- und interpersoneller Beziehungen in diesem Kulturkreis anscheinend keine Position, die es fortdauernd erforderlich macht auf sie zu achten. In der Beobachtung von politischen und ökonomischen Vorgängen lässt sich feststellen, dass das emotionale Erleben von Menschen keine Priorität hat und die Zielsetzungen von Politik und Ökonomie nicht vorrangig darauf ausgerichtet sind (dazu: Politik der Gefühle). Emotionale Gegebenheiten finden Berücksichtigung, wenn Störungen oder Notwendigkeiten der Verbesserung von Abläufen des erforderlich machen, Ökonomie und Politik sind aber nicht an sich darauf ausgerichtet die emotionale Befindlichkeit von Menschen zu fördern, können diese bei der Verfolgung ihrer eigenen Interessen sogar massiv stören.

Es gibt Bereiche der Gesellschaft, in der Emotionen eine andere Rolle spielen, dabei handelt es sich allerdings nicht um in der Gesellschaft dominante Bereiche. Macht- und Interessenverhältnisse haben jedoch einen großen Einfluss auf das, worauf sich innerhalb von Gesellschaften der Fokus richtet. Bildungspolitik als Teilbereich der Politik ist nicht aus sich heraus auf die emotionale Befindlichkeit von Menschen ausgerichtet, kann diese allerdings bei Bedarf einbeziehen.

Es ist etwas schwierig verständlich zu machen. Es ist so etwas wie der Unterschied darin, ob in einer Gesellschaft der Fokus auf Bruttosozialprodukt oder auf Bruttosozialglück gerichtet wird. Beides führt zu anderen Konsequenzen. Ich will dabei weder das eine noch das andere favorisieren, nur verständlich machen, dass die jeweilige Ausrichtung andere Dinge betont und andere Handlungskonsequenzen nach sich zieht.

Es erklärt sich die untergeordnete Position von Emotionen, die zu ihrem Verschwinden aus der Wahrnehmung führt, wenn sie sich nicht aus sich selbst heraus bemerkbar machen. So kommt es dazu, dass Emotionen kein kontinuierlicher Beobachtungsbereich bleiben, was eine Akkumulation von Informationen, Wissen und Erfahrungen erschwert. Gewonnenes Wissen verschwindet wieder. Ein anderer Zeitgeist muss dann einen neuen ihm entsprechenden Zugang gewinnen und kann nicht einfach vorhandenes Wissen fortführen und dabei anpassen.

Ein bisschen weit aus dem Fenster gelehnt? Vielleicht, aber nicht so ganz abwegig. Feststellen kann ich, dass bei mir nach wie vor eine Verwunderung über die Art bleibt, in der Emotionen Berücksichtigung bzw. keine Berücksichtigung finden, die mich immer wieder über die Ursachen rätseln lässt. Verschwunden sind dagegen Minderwertigkeitsgefühle aufgrund des Themas, genauso wie Zweifel an seiner Bedeutsamkeit. Es wird auch immer klarer, dass Emotionen untrennbarer Bestandteil pädagogischer Praxis sind. Wenn ein Mangel besteht, dann besteht der am ehesten in einem Mangel an Bewusstheit.

Referenz:

Buddrus, V. (Hrsg), 1992. Die „verborgenen“ Gefühle in der Pädagogik. Impulse und Beispiele aus der Humanistischen Pädagogik zur Wiederbelebung der Gefühle. Hohengehren: Schneider.

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