Bildungsmäuschen

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Gelassenheit

Hinter mir liegen ereignisreiche Tage. Ich bin noch immer damit beschäftigt das im letzten Jahr erworbene Wissen zu Emotionen anzuwenden und dabei zu testen, ob es zu Veränderungen führen kann. Es scheint so.

Anhand der Beobachtung von Verhalten und auftretenden Emotionen bei mir und den anderen Anwesenden einer mehrstündigen Betreuungssituation gelingt es mir durch Perspektivenübernahme und Rückverfolgung von Handlungsketten zu verstehen, wie sich eine problematische und unbefriedigende Situation entwickelt hat, welche Einflussfaktoren wirksam waren, welche davon andauernde sind, welche spezifisch für die Situation und was davon veränderbar war und was nicht.

Es gelingt mir zu erkennen, dass meine Entscheidungen angemessen waren, was meine Interessen sind und welche Möglichkeiten ich habe diese umzusetzen. Am Ende habe ich die Situation für mich so weit geklärt, dass sie selbst keine emotionale Belastung mehr für mich darstellt und ich für mich entscheiden kann, unter welchen Bedingungen ich mich erneut auf eine ähnliche Situation einlassen würde. Wo ich vorher emotional aufgewühlt war, kann ich sachlich argumentieren.

Im Zusammenhang mit meinen Recherchen zu Emotionen hat es sich ergeben, dass ich die Frage danach stelle, was ich selbst eigentlich unter sozialer und emotionaler Kompetenz verstehe und wo ich beides beobachten kann. Es führt mich zu der Schlussfolgerung, dass ich sehr viel normales und übliches Verhalten in unterschiedlichen Bereichen weder als sozial noch emotional kompetent einstufen kann. Das erschreckt mich und erlaubt mir unter anderem eine ganze Reihe von Problemfeldern der Bildungswissenschaft aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Es führt mich weiterhin dazu soziale Kompetenz in den Mittelpunkt zu stellen und nicht emotionale Kompetenz. Emotionale Kompetenz scheint soziale Kompetenz zu unterstützen, nicht umgekehrt. Den Fokus auf die Ausprägung sozialer und emotionaler Kompetenz bei der Betrachtung von Erscheinungen im Miteinander von Menschen zu richten, ermöglicht mir zum momentanen Zeitpunkt ganz neue Zusammenhänge zu erkennen.

Für mich schließt sich dadurch auch ein Kreis an Interessen, die ich im Verlauf meines Lebens und meines Studiums verfolgt habe. Das Strukturprinzip von Rassismus bleibt für mich dabei weiterhin grundlegend. Manipulationen der Weltsicht, die den eigenen Vorteil bei eigentlich nicht zu akzeptierenden Nachteilen anderer absichern, erlauben weiterhin die Erfahrung angenehmer statt unangenehmer Emotionen.

In einer Situation mit Privilegierten, die ihre Privilegien nicht wahrnehmen, ihrem eigenen Verdienst zuschreiben und die eigene Normalität als verbindlichen Maßstab für alle anwenden, bleibe ich ruhig und standhaft und lasse mich nicht dazu drängen diese Sichtweise zu übernehmen. Ruhig bringe ich Aspekte von Wirklichkeit ins Spiel, die diese Normalität anzweifeln. Hinterher fühlt es sich wie ein kleiner Sieg an, auch wenn nichts weiter gewonnen wurde als Integrität und dabei innere Ruhe. Ich habe mich nicht in ein Weltbild hineinziehen lassen, das die Wirklichkeit so interpretiert, dass alles und jedes die eigene Hochwertigkeit bestätigt. Das ermöglicht mir nebenher, dass ich dahinter den eigenen Kampf um Positionierung hervorschimmern sehe. Aus einer Bedrohung wird dadurch Mitempfinden bei einer klaren Grenzziehung und geringerer emotionaler Belastung.

Zum Abschluss des Wochenendes spielt Hagen Rether mit den Mitteln der Satire aufmunternd und zur Perspektiverweiterung geeignet ein wenig mit der Wahrnehmung von Wirklichkeit.

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