Bildungsmäuschen

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Unterschiedliche Arten mit Emotionen umzugehen

Als Zuschauerin einer der Abschlussvorstellungen einer Zirkusprojektwoche an einer Grundschule denke ich an eine andere Vorstellung, die fast zwanzig Jahr zurückliegt. Die Vorstellung in diesem Jahr gibt allen Kindern eine kleine Sternstunde, aber keines der Kinder sticht im Besonderen hervor. Vor fast zwanzig Jahren war das anders. Ich erinnere mich an den hervorragenden Clown, zu dem ein schulisch wenig erfolgreicher Junge geworden war, eine Leistung, bei der er Seiten von sich nutzen konnte, mit denen er sonst eher aneckte. Inzwischen ist er tot. Er arbeitete lange als Regalauffüller, später auch in anderen Positionen in einem Lebensmittelmarkt. Beruflich konnte er seine Begabung zum Entertainer nicht nutzen.

Am gleichen Tag unterhalte ich mich mit einer Frau aus Kasachstan, die dort an einer Schule gearbeitet hat. Sie bedauert es ausgewandert zu sein, sie sagt, sie hatte dort eine gute Stelle. Alle haben zusammengearbeitet und es war das ganze Jahr über Betrieb an der Schule. Hier bietet sie seit Jahren AGs an Schulen an und wird auf Hartz 4 verwiesen, eine Lebensweise, die sie eigentlich nicht möchte. Für ihre Kenntnissen wünscht sie sich eine entsprechende Arbeit, die sie in ein System integriert und von der sie leben kann.

Am gleichen Tag lese ich einen Beitrag von Jean-Pol Martin auf Facebook, der als Lehrer im Ruhestand zur Erkenntnis kommt, dass Spielplätze für Teile der Bevölkerung lebensnotwendig sind und dass unter einer schlechten Qualität besonders diejenigen leiden,“die weniger begütert sind und keinen Garten haben“. Die Aussage eines Privilegierten, der zu einer Perspektivübernahme aus seiner Sicht heraus veranlasst wird.

Der Konstruktivismus sagt im Groben aus, dass sich die Weltwahrnehmung eines Menschen aus denjenigen Teilen zusammensetzt, die er von der Welt wahrnimmt und wie er diese verarbeitet.

Im Zusammenhang mit Bildung gibt es zwei Anforderungen, die in Konflikt geraten können. Bildung zur Entfaltung der Möglichkeiten des Individuums und Bildung zur Erfüllung gesellschaftlicher Anforderungen.

Ich lebe in einer Gesellschaft, in der die einen einen Zugang zu interessanten Arbeitsplätzen haben, in denen sie viele Möglichkeiten haben ihre Fähigkeiten zu entfalten und weiter zu entwickeln und von denen sie auch leben können, während andere diese Möglichkeit dauerhaft nicht haben. Und das nicht weil sie das Potential dafür nicht hätten, sondern weil es diese Stellen für sie nicht gibt. Dazu kommt noch der Unterschied zwischen denjenigen mit relativ sicheren und denjenigen mit prekären, im Sinne von unsicheren, Arbeitsplätzen.

In Bezug auf die zu bewältigenden Emotionen ergeben sich daraus sehr unterschiedliche Anforderungen. Selbstverständlich kann man sich bei der Problematik auf ganz andere Aspekte konzentrieren und einen anderen Zugang wählen, ich habe aber vor allem mit Menschen zu tun, die Emotionen zu verarbeiten haben, einschließlich mir selbst. Gerade in schwierigen Bedingungen ist es für das Individuum bedeutsam mit Emotionen in einer Weise umgehen zu können, die für das Individuum selbst förderlich sind. Wie das genau aussieht und welche Aufgabe Bildung dabei zufällt, sind interessante Fragen, gerade wenn es sich dabei um die Verwendung von Methoden handelt, die eine aufklärerische Absicht verfolgen.

Mit diesen Überlegungen begeben ich mich in einen Bereich, in dem ich mich noch wenig auskenne. Grob unterscheiden würde ich nach Methoden, die auf eine relativ unreflektierte Anpassung an bestehende Bedingungen hinauslaufen, gegenüber Methoden, die es Menschen ermöglichen die Auswirkungen der Bedingungen aufzudecken, in denen sie leben, und Gründe für Emotionen und für verwendete Regulierung und Ausdruck bewusst zu machen, um mehr Entscheidungsfreiheit in ihrem Handeln zu ermöglichen. Weiter Möglichkeiten der Überlegung werden dabei sichtbar.

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