Bildungsmäuschen

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Zum Umgang mit Emotionen in gesellschaftlichen Teilbereichen

15 Tage sind seit meinem letzten Blogeintrag vergangen, Danke an die Statistik, und es sind fast so viele Tage, dass mein Rechner nicht in Betrieb war. Er startet erst einmal damit jeden Seitenaufruf durch das Herunterladen von Updates zu verlangsamen und die Tastatur klappert ungewohnt. Das Wetter hat sich wieder abgekühlt, über den Brexit wurde inzwischen abgestimmt, ich weiß jetzt mehr über Kapitalismus, Finanzkapital, Neoliberalismus, affektives Kapital und Gefühle im Kapitalismus, habe einen gewissen, dabei entstandenen Horror noch nicht so ganz überwunden, finde mein erstelltes System zu dem was im Bereich Bildung in Bezug auf Emotionen untersucht werden sollte aber weiterhin sinnvoll.

Im Zusammenhang mit dem Brexit wurden Emotionen sehr ausgiebig erwähnt. Ebenso die Verantwortlichkeit von Politikern und Medien für die durch sie erzeugten Emotionen, weiterhin wurde sogar über die mögliche Rationalität von Emotionen der Wähler gesprochen. Dabei durfte mit intensivem Emotionsausdruck und Heftigkeit argumentiert werden, ohne dass die Sachlichkeit auf der Strecke geblieben ist. In Bezug auf die Entwicklung der Beachtung und Einbeziehung von Emotionen bin ich in diesem Bereich hochzufrieden. Auf den Bereich der Bildung bezogen allerdings nicht.

Und da ist sie auch schon wieder, die Motivation durch Unzufriedenheit, durch den Eindruck des Mangels, die Beunruhigung. Der Anlass, der weiter suchen lässt. Es ist immer möglich dass es an der Auswahl an Informationen aus der Fülle des Verfügbaren liegen, dass ich den Eindruck habe, eine implizite Einbeziehung von Emotionen im Bildungsbereich ist Mangelware.

Die letzten Wochen waren von Smartphonenutzung und sozialen Netzwerken bestimmt, in bildungswissenschaftlich ausgerichteten Diskussionssträngen habe ich versucht zu erklären was mich an Emotionen überhaupt interessiert, ich konnte beobachten wie Emotionen als Motivatoren bei Erklärungen zu Noten und Ausbildungswahl in Diskussionen ausgespart wurden und wie Emotionen und Vernunft weiterhin als Gegensatzpaare konstruiert wurden. Die Vernunft hat dabei die Emotionen zu überwinden.

Ich sitze mit den von mir betreuten Kindern und beobachte wie die Emotionen wirken, wie auf sie eingewirkt wird, wie sie lernen Emotionen mit den Wahrnehmungen der Welt zu verbinden, wie sie ihre Enttäuschung ausleben und verringern, wie sie ihre Emotionen ausdrücken und wie ich darauf reagiere. Wie ich nach Emotionen Ausschau halte, um Vorgänge zu steuern und zu lenken, wie ich meine eigenen Emotionen kontrolliere, wie es mir in Stresssituationen nicht mehr gelingt, wie ich aufgestaute Emotionen zu einem späteren Zeitpunkt und womit abbaue. Wie mich angenehme Emotionen motivieren, wie mich unangenehme demotivieren, wie Emotionen Entscheidungen und Handlungen beeinflussen, wie im Privaten Emotionen thematisiert werden und in Konfliktsituationen verborgen werden. Rationale Entscheidungen. Hah!

Es gibt einen Bonbon und plötzlich wird das Aufräumen interessant mit dem Effekt, dass für jedes Entgegenkommen eine Belohnung erwartet wird. Außerdem werden Bonbons emotional positiv getaggt. Noten, Hausaufgaben, Abschlüsse, Positionen, alles emotional getaggt. Emotionen lenken auf dem Weg der Entscheidungen. Emotionsregulierungen sind Alltag, Emotionen werden strategisch gezeigt und verborgen, emotionale Belastungen stellen Hindernisse und Blockaden dar, angenehme und überwundene unangenehme Emotionen indizieren was aufgesucht, unangenehme was vermieden werden sollte.

Alles Alltag, ganz normal, nichts Besonderes, was mich daran irritiert ist die mangelnde Thematisierung. Menschen drücken selbst heftige Emotionen aus, schriftlich, in Foren, das geht, entlasten sich, stabilisieren sich, dann machen sie weiter ohne Emotionen selbst zum Thema zu machen.

Es scheint mir, dass die Trennung öffentlich/privat nach wie vor besteht. Wo und wie redet man über den Anteil, den Emotionen haben? Wo wird analysiert, dass es bei unterschiedlichen Beziehungen und Gruppen fördernden Maßnahme um die Emotionen geht, die in den beteiligten Menschen ausgelöst werden? Weil sie dann beispielsweise besser gemeinsam lernen und sich unterstützen können.

Das was Menschen fühlen, die Emotionen, die in ihnen auftreten, hat einen sehr eigenartigen Wert. Und der Umgang mit ihnen ist ebenfalls sehr eigenartig. Völlig inkonsistent. Zum momentanen Zeitpunkt kann ich mir das nur durch einen Mangel an Reflexion erklären. Oder durch Veränderungsprozesse in der Einbeziehung von Emotionen. So was wie: alles ist im Fluss und ändert sich und dann passt vieles nicht mehr zusammen. Der Bildungsbereich selbst scheint dabei eine sehr spezifische Art der Einschätzung und des Umgangs mit Emotionen zu haben. Lenken, kontrollieren, ausrichten, bestimmte Emotionen fördern, andere vermeiden, Freiräume für einen Ausgleich frei halten. Oder auch mit einer bestimmten Art von Vorbildung arbeiten.

Da das noch neue Überlegungen sind, werde ich an dieser Stelle abbrechen.

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