Bildungsmäuschen

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Archiv für den Monat Januar 2017

Positionsbestimmung

Es hat ziemlich lange gedauert bis mir klar wurde, dass die für mich unverständlich geringe explizite Berücksichtigung von Emotionen in Bezug auf Bildung, mit der ich mich in meinem BiWi-Studium konfrontiert gesehen habe, auch im Zusammenhang mit der spezifischen Ausrichtung der FernUni Hagen steht. Der Zusammenhang von Emotionen und Bildung scheint hier im Studiengang BiWi keine gesondert zu behandelnde Rolle zu spielen.

In geringem Umfang bin ich bei der FernUni dagegen im Bereich der pädagogischen Ausrichtung der Psychologie fündig geworden. Ohne im Studiengang Psychologie eingeschrieben zu sein, habe ich zu den entsprechenden Kursen jedoch keinen Zugang. Alternativ habe ich mich jetzt entschlossen im nächsten Semester das für BiWis zugängliche Modul Entwicklungspsychologie noch zusätzlich zu belegen. In der Vergangenheit mussten von BiWis sowohl Module in Sozial- als auch Entwicklungspsychologie abgeschlossen werden, inzwischen ist die Wahl zwischen beiden vorgeschrieben, das andere braucht dann nicht belegt zu werden. Ein Studium an einer anderen Uni, an der der Bereich Emotionen und Bildung besser abgedeckt ist, kommt für mich allerdings weiterhin nicht in Frage.

Inzwischen ist es fast zwei Jahre her, dass ich mein letztes für einen offiziellen Abschluss relevantes Modul abgeschlossen hatte. Danach folgte ein gutes Jahr intensives Lesen zu Emotionen einschließlich einer Präsenzveranstaltung im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus. Im Sommer des letzten Jahres brachen dann alle Recherchen ab. Ich war überfüllt und von Komplexität überrannt. Zuletzt stand ich unter dem Eindruck mir auch noch umfangreichere Kenntnisse in Wirtschaftswissenschaft zulegen zu müssen, um die komplexen Wirkungen von Emotionen in Bildungskontexten umfangreicher erfassen zu können.

Als ich das Lesen weitgehend einstellte, reduzierte ich allerdings nur den neu hinzukommenden Input. Nachdenken, reflektieren, beobachten und analysieren gingen durchaus weiter, auch wenn innere Schutzmechanismen dafür sorgten, dass ich viel Zeit für Maßnahmen der Ablenkung und Schaffung von Distanz verwendete. Im Hintergrund gingen zusätzlich Umbauarbeiten vor sich.

Ursprünglich wollte ich aktuell meinen Vollzeitstatus als Studierende auf einen Teilzeitstatus verringern, da ich scheinbar kaum noch Zeit für das Studium verwende. Ich habe es dann überraschend für mich nicht getan und gemerkt, dass ich mich eigentlich weiterhin kontinuierlich mit Bildungsfragen beschäftigt fühle. Genaugenommen sind es sogar eher Rätsel als reine Fragen, die mich umtreiben. Die Beschäftigung erfolgt aber nicht vor allem durch Lesen und Schreiben, was sich für mich leicht als studieren einstufen lässt. Beobachten, reflektieren und gedanklich eine neue Ordnung erstellen fühlen sich nicht wie studieren an. Inzwischen bin ich aber geneigt sie als wichtigen Bestandteil anzuerkennen. Genauso wie Zeiten in denen man Abstand nimmt und dabei Komplexität reduziert. Das was rein geht muss nicht nur verarbeitet, sondern auch überprüft und in Verbindungen gebracht werden.

BiWi ist ein interdisziplinäres Studium. Das ist logisch, aber auch fies. Interdisziplinär bedeutet in einer Welt des stetigen Wachstums an Informationen auch Entgrenzung. Und Entgrenzung kann ins Uferlose führen. Ich gerate immer wieder an Klippen der völligen Überforderung. Und dann stehe ich da in einer Grenzenlosigkeit mit den angemessen unangenehmen Emotionen und stelle dabei weiterhin auch noch die Frage danach welche Rolle diese Erscheinungen in Bildungsprozessen nun grundsätzlich spielen. Ein für mich kaum zu bewältigendes Unterfangen.

Inzwischen kann ich meine kleinen Fluchten gut verstehen und nachsichtiger mit mir umgehen. Glücklicherweise hat mir die Beschäftigung mit den Emotionen inzwischen auch geholfen sinnvollere und bewusstere Strategien im Umgang mit ihnen zu entwickeln als ich vorher hatte und weiterhin daran zu arbeiten.

Parallel dazu stelle ich eine wachsende Befähigung für sachliche Analysen fest. Zwar hakt sich immer wieder mein Hang zu Aufgebrachtheit dazwischen, also zur Verstärkung von Erregungszuständen, die mit Emotionen verbunden sind, sowie die Erfahrung einer ganzen Reihe unangenehmer Emotionen, die angesichts von zu hoher Komplexität, Widersprüchlichkeit, aber auch in Bedrohungssituationen entstehen. Dazu kommt die Auswirkungen von Empathie, die fremdes Leid dem eigenen beifügt und dadurch zwar Leid verteilt, die Wahrnehmung seiner Existenz aber gleichzeitig verstärkt.

Nach wie vor bleibt es schwierig zu einem abschließenden Ergebnis zur Bedeutung von Emotionen in Bildungsprozessen und damit verbunden Strategien für den Umgang mit ihnen und ihre Einbeziehung zu kommen. Leider kann ich es bisher nicht aufgeben ein abschließendes Ergebnis zu wünschen, auch wenn ich inzwischen logische Erläuterungen dazu kenne, dass genau dies niemals möglich sein wird.

Zwischenzeitlich war ich gelegentlich geneigt mich mit für mich Unzureichendem zufrieden zu geben, nur um endlich, endlich dieses Thema loslassen zu können. Den letzten Schritt in diese Richtung habe ich aber nie getan.

Wie die weitere Entwicklung aussehen wird, ist momentan für mich nicht möglich einzuschätzen und ich vermute, auch dieser Blogeintrag wird nur ein weiteres Einzelstück bleiben, kein Aufbruch in eine abschließende Klärung oder auch nur der Start zu neuen Blogeinträgen in Bezug auf Emotionen und Bildung.