Bildungsmäuschen

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Positionsbestimmung

Es hat ziemlich lange gedauert bis mir klar wurde, dass die für mich unverständlich geringe explizite Berücksichtigung von Emotionen in Bezug auf Bildung, mit der ich mich in meinem BiWi-Studium konfrontiert gesehen habe, auch im Zusammenhang mit der spezifischen Ausrichtung der FernUni Hagen steht. Der Zusammenhang von Emotionen und Bildung scheint hier im Studiengang BiWi keine gesondert zu behandelnde Rolle zu spielen.

In geringem Umfang bin ich bei der FernUni dagegen im Bereich der pädagogischen Ausrichtung der Psychologie fündig geworden. Ohne im Studiengang Psychologie eingeschrieben zu sein, habe ich zu den entsprechenden Kursen jedoch keinen Zugang. Alternativ habe ich mich jetzt entschlossen im nächsten Semester das für BiWis zugängliche Modul Entwicklungspsychologie noch zusätzlich zu belegen. In der Vergangenheit mussten von BiWis sowohl Module in Sozial- als auch Entwicklungspsychologie abgeschlossen werden, inzwischen ist die Wahl zwischen beiden vorgeschrieben, das andere braucht dann nicht belegt zu werden. Ein Studium an einer anderen Uni, an der der Bereich Emotionen und Bildung besser abgedeckt ist, kommt für mich allerdings weiterhin nicht in Frage.

Inzwischen ist es fast zwei Jahre her, dass ich mein letztes für einen offiziellen Abschluss relevantes Modul abgeschlossen hatte. Danach folgte ein gutes Jahr intensives Lesen zu Emotionen einschließlich einer Präsenzveranstaltung im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus. Im Sommer des letzten Jahres brachen dann alle Recherchen ab. Ich war überfüllt und von Komplexität überrannt. Zuletzt stand ich unter dem Eindruck mir auch noch umfangreichere Kenntnisse in Wirtschaftswissenschaft zulegen zu müssen, um die komplexen Wirkungen von Emotionen in Bildungskontexten umfangreicher erfassen zu können.

Als ich das Lesen weitgehend einstellte, reduzierte ich allerdings nur den neu hinzukommenden Input. Nachdenken, reflektieren, beobachten und analysieren gingen durchaus weiter, auch wenn innere Schutzmechanismen dafür sorgten, dass ich viel Zeit für Maßnahmen der Ablenkung und Schaffung von Distanz verwendete. Im Hintergrund gingen zusätzlich Umbauarbeiten vor sich.

Ursprünglich wollte ich aktuell meinen Vollzeitstatus als Studierende auf einen Teilzeitstatus verringern, da ich scheinbar kaum noch Zeit für das Studium verwende. Ich habe es dann überraschend für mich nicht getan und gemerkt, dass ich mich eigentlich weiterhin kontinuierlich mit Bildungsfragen beschäftigt fühle. Genaugenommen sind es sogar eher Rätsel als reine Fragen, die mich umtreiben. Die Beschäftigung erfolgt aber nicht vor allem durch Lesen und Schreiben, was sich für mich leicht als studieren einstufen lässt. Beobachten, reflektieren und gedanklich eine neue Ordnung erstellen fühlen sich nicht wie studieren an. Inzwischen bin ich aber geneigt sie als wichtigen Bestandteil anzuerkennen. Genauso wie Zeiten in denen man Abstand nimmt und dabei Komplexität reduziert. Das was rein geht muss nicht nur verarbeitet, sondern auch überprüft und in Verbindungen gebracht werden.

BiWi ist ein interdisziplinäres Studium. Das ist logisch, aber auch fies. Interdisziplinär bedeutet in einer Welt des stetigen Wachstums an Informationen auch Entgrenzung. Und Entgrenzung kann ins Uferlose führen. Ich gerate immer wieder an Klippen der völligen Überforderung. Und dann stehe ich da in einer Grenzenlosigkeit mit den angemessen unangenehmen Emotionen und stelle dabei weiterhin auch noch die Frage danach welche Rolle diese Erscheinungen in Bildungsprozessen nun grundsätzlich spielen. Ein für mich kaum zu bewältigendes Unterfangen.

Inzwischen kann ich meine kleinen Fluchten gut verstehen und nachsichtiger mit mir umgehen. Glücklicherweise hat mir die Beschäftigung mit den Emotionen inzwischen auch geholfen sinnvollere und bewusstere Strategien im Umgang mit ihnen zu entwickeln als ich vorher hatte und weiterhin daran zu arbeiten.

Parallel dazu stelle ich eine wachsende Befähigung für sachliche Analysen fest. Zwar hakt sich immer wieder mein Hang zu Aufgebrachtheit dazwischen, also zur Verstärkung von Erregungszuständen, die mit Emotionen verbunden sind, sowie die Erfahrung einer ganzen Reihe unangenehmer Emotionen, die angesichts von zu hoher Komplexität, Widersprüchlichkeit, aber auch in Bedrohungssituationen entstehen. Dazu kommt die Auswirkungen von Empathie, die fremdes Leid dem eigenen beifügt und dadurch zwar Leid verteilt, die Wahrnehmung seiner Existenz aber gleichzeitig verstärkt.

Nach wie vor bleibt es schwierig zu einem abschließenden Ergebnis zur Bedeutung von Emotionen in Bildungsprozessen und damit verbunden Strategien für den Umgang mit ihnen und ihre Einbeziehung zu kommen. Leider kann ich es bisher nicht aufgeben ein abschließendes Ergebnis zu wünschen, auch wenn ich inzwischen logische Erläuterungen dazu kenne, dass genau dies niemals möglich sein wird.

Zwischenzeitlich war ich gelegentlich geneigt mich mit für mich Unzureichendem zufrieden zu geben, nur um endlich, endlich dieses Thema loslassen zu können. Den letzten Schritt in diese Richtung habe ich aber nie getan.

Wie die weitere Entwicklung aussehen wird, ist momentan für mich nicht möglich einzuschätzen und ich vermute, auch dieser Blogeintrag wird nur ein weiteres Einzelstück bleiben, kein Aufbruch in eine abschließende Klärung oder auch nur der Start zu neuen Blogeinträgen in Bezug auf Emotionen und Bildung.

 

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Emotionen als Untersuchungsgegenstand

Es ist Freitag, kurz nach 24.00 Uhr und ich bin gerade aufgestanden. Mein letzter Blogeintrag von Mittwoch ist bis jetzt nicht fertig geworden und auch den Rechner hatte ich bisher nicht wieder an. Das Smartphone, mit dem ich seitdem ein Minimum an Netzaktivitäten betrieben habe, eignet sich nicht für längeres Schreiben und in der Zwischenzeit wollte ich meinen Blog sowieso nicht mehr öffentlich fortführen und auch den größten Teil der Einträge auf privat stellen. Davon bin ich allerdings wieder abgerückt.

Während ich den Blogeintrag von Mittwoch geschrieben habe, kam eine Sammelmail von Prof. Dr. Jordi Vallverdú, in der er freiwillige Unterstützer bei einer Wiederholung seines MOOCs zu Emotionen aus philosophischer Perspektive sucht. Wäre es ein deutschsprachiger MOOC, ich hätte mich sofort angeboten, so verbringe ich erst einmal einige Stunden damit alle meine Aufzeichnungen zum MOOC vom letzten Jahr durchzulesen, um die momentane Relevanz der Inhalte für mich zu bestimmen. Inzwischen denke, er ist zu spezifisch philosophisch und führt mich nicht zu den Aspekten, die für mich bedeutsam sind. Doch genau solchen Input, sehr passgenau zu den für mich wichtigen Aspekten im Zusammenhang mit Emotionen, benötige ich zu meiner Unterstützung, gerade um nicht fortwährend verwirrt und verunsichert zu werden. Es war wegen dieser Verunsicherungen und meiner Schwierigkeiten damit, dass ich überlegt hatte, meinen Blog weitgehend unsichtbar zu machen.

Mehr als die Inhalte des MOOCs zu Emotionen hilft mir momentan das siebte Kapitel zu Bildung, Lernen und Emotionalität von Ulrike Zimmermann in dem Buch Bildungswiderstand, das ich trotz heute ablaufender Frist am Mittwoch nicht in der UniBib zurückgegeben habe. Sie hatten keinen Münzkopierer mehr und vorm Schließen der Außenstelle konnte ich keine Alternative auftreiben. Eine Kopie habe ich inzwischen zwar immer noch nicht, dafür die drängende Situation als Anlass genommen den Text gestern zu einem Teil intensiver zu bearbeiten.

Zwischendurch wuseln noch immer die Inhalte vom MOOC Arbeit 4.0 umher und ein Post auf Facebook lenkt meine Gedanken in eine Richtung, durch die Emotionen, neue Arbeitwelt, meine Skepsis gegenüber einer zu unkritischen Haltung und der Anstoß, den mir Zur Kritik des Bedingungslosen Grund-Einkommens von Rainer Roth geliefert hat, sowie meine eigenen Lebenserfahrungen miteinander verbunden werden. Aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet wird das BGE zu einem Mittel, mit dem eine kapitalistische Ökonomie die durch ihre eigenen Strukturen erzeugten systemgefährdenden Probleme versucht abzumildern. Die von Befürwortern erhoffte gesellschaftliche Änderung ist davon folglich nicht zu erhoffen. Systemimmanente Probleme werden nur für eine Zeit weiter vor sich hergeschoben.

Wie werden Emotionen in solchen Zusammenhängen gesehen und wie wird mit ihnen verfahren? Das sind sehr wichtige Fragen. Es ist von hoher Bedeutung zu analysieren was im Bereich der Emotionen vor sich geht und sie nicht nur als etwas zu betrachten, das man als begleitende Erscheinungen beliebig formen und einsetzen kann, da es sich bei ihnen um grundlegende Anteile von Menschen handelt. Bei der Frage nach der Methode des Herangehens und der dahinter stehenden Haltung zu Emotionen, stoße ich auf das was mich momentan umtreibt. Ich habe den Eindruck besser sein zu müssen als gut, um mich überhaupt nur verständlich machen zu können, halte diese Anforderung aber für zu hoch und für mich unerfüllbar. In meinem letzten, bisher nicht veröffentlichten Blogeintrag, habe ich mich mit der Problematik beschäftigt, fortwährend missverstanden zu werden und viel erklären zu müssen, wenn ich mich in meinen Argumenten auf Emotionen beziehe. In einem einzigen Satz hilft mir Zimmermann weiter.

„Die Beschäftigung mit Emotionen dagegen, versucht sich Trauer oder Freude analytisch und erkennend zu nähern, die Bedeutung und Funktion für das Handeln und Denken herauszufinden.“ (Zimmermann, 2013, S.144)

Es geht mir nicht um Emotionalität, Befindlichkeitsfeststellungen oder das Ausdrücken von Emotionen, sondern um eine Analyse der Rolle, die Emotionen, und der Umgang mit ihnen bei verschiedenen Erscheinungen spielen. Ich werde dadurch auch nicht zu einem besseren Menschen, der besser mit seinem Leben zurecht kommt, Probleme besser lösen kann, freundlicher, zuvorkommender, kontrollierter und einsichtiger ist. Und auch wenn ich rechts und links und oben und unten und bei mir selbst gucke, und mich scheinbar sehr off-topic bewege, bin ich weiterhin auf bildungswissenschaftliche Themen ausgerichtet, denn das nach allen Seiten um sich blicken gehört dazu. Bildungswissenschaft ist nicht allein die Lehre vom besseren Lernen, Lehren und Erziehen oder eines Wegs zum gesellschaftlichen Aufstieg, auch wenn sie all das durchaus einschließt. Bildungswissenschaft muss am Menschen an sich, an dessen Konstitution und Entfaltungsmöglichkeiten genauso interessiert sein wie an den Kontextbedingungen in denen Bildung geschieht oder eben nicht geschieht. Grundlegend sind dabei Emotionen, die in der Gesellschaft verbreiteten Haltungen dazu sowie die Anforderungen, die an Emotionsausdruck und Emotionsregulierung gestellt werden.

„Die Emotionsforschung und die neurobiologische Forschung schreiben Emotionen eine weitreichende Rolle für das Lernen, Handeln, Kommunizieren und Erinnern zu. Bisherige pädagogische Theorien werden dieser Rolle der Emotionen nicht gerecht. Emotionen sind eine eigenständige Größe sowohl im Bildungs- als auch im Erziehungsprozess. Emotionen wirken besonders aus der Kindheit nach und haben jahrelange Auswirkungen auf die Motivationsprozesse von Menschen und ihre Fähigkeit, sich langfristig auf Lernprozesse einzulassen.“ (Zimmermann, 2013, S. 151f.)

Mit diesem Zitat kehre ich an den Anfang meiner Recherchen zu Emotionen zurück. Damals habe ich mir die Frage gestellt, was denn hinter der immer wieder angeführten Motivation steckt, wo sie herkommt, und für mich waren eindeutig Emotionen die Grundlage. Also habe ich weiter gefragt, warum diese keine angemessene Erwähnung finden. Inzwischen kann ich feststellen, dass in der Regel keine in meinen Augen ausreichenden Analysen zur Wirkung und Auswirkung von Emotionen vorgenommen werden. Sehr häufig wird noch nicht einmal bestimmt, worum es sich bei Emotionen, eigentlich handeln soll, wenn sie denn überhaupt erwähnt werden. Inzwischen bin ich über jeden und jede froh, der oder die das tut, und habe begonnen mich dafür zu bedanken. Für mich handelt es sich dabei um Respekt gegenüber dem was Menschen sind und was sie ausmacht, den ich bei anderen Herangehensweisen vermisse.

Zimmermann bezeichnet Bildung als „emotional-kognitive Einlassung auf die Welt und sich selbst“ (Zimmermann, 2013, S.135). Erst in dieser expliziten Beschreibung wird das Bild für mich vollständig. Ich fühle mich mit Texten unwohl, in denen Emotionen unsichtbar werden, nicht weil ich emotional angesprochen werden möchte, sondern weil Emotionen fortwährend in Menschen anwesend und wirksam sind. Da laufen keine Köpfe durch die Welt, die befüllt werden und verarbeiten, sondern ganze Körper mit vielfältigen Wahrnehmungen in einem sozialen und umweltlichen Kontext, in denen Emotionen, Denken und Handeln in einer untrennbaren Einheit in Erscheinung treten. Man kann unterlassen das im Besonderen zu benennen, unterlassen sich damit genauer zu beschäftigen, man kann es dadurch aber nicht an seiner Existenz und an seinem vielfältigen Wirken hindern. Das Problem dabei ist, dass das was nicht benannt wird eher der Achtsamkeit entgeht, damit der Möglichkeit eines bewussten Verstehens und der Erkenntnis, und dass dadurch auch kein Anlasses geliefert wird weitere genauerer Untersuchungen anzustellen. Ein wichtiger Teil der Wirklichkeit bleibt dadurch dauerhaft unsichtbar.

So bleiben Emotionen in zu vielen Fällen ein undifferenziertes, kaum systematisiertes Feld, bei deren Erwähnung auf entgegengesetzten Polen die einen Glanzaugen bekommen und beginnen in Emotionen zu rotieren, die anderen wiederum eine Abwehrstellung einnehmen, sich distanzieren und Unangemessenheit reklamieren. Keine von beiden Haltungen ist wirklich hilfreich. Beide helfen nicht dabei die Unterschiede in dem zu erkennen, was im Umgang mit Emotionen geschieht, wie sie eingesetzt und wie sie manipuliert werden. Viele reden von Emotionen und Gefühlen, doch häufig ist damit überhaupt nicht das Gleiche gemeint. Absichten und Zwecke, die hinter Beachtung und Verwendung von Emotionen stehen, sind ebenfalls sehr unterschiedlich. Auch das ist wichtig aufzudecken. Es gibt viel zu tun. Dabei ist ein erster Schritt Emotionen als Untersuchungsgegenstand gesondert zu berücksichtigen.

Referenz:

Roth, R. (2006). Zur Kritik des Bedingungslosen Grund- Einkommens. Frankfurt: DVS.

Zimmermann, U. (2013). Bildungswiderstand. Lernende Erwachsene im Spannungsverhältnis von Individualität und Funktionalität. Uelvesbüll: Der Andere Verlag.

Erneute Positionsbestimmung

Meine letzten beiden Blogeinträge haben bei mir viel in Bewegung gebracht. Ich habe sie allerdings nicht öffentlich machen können, da sie während des Schreibens selbst zu einem sehr persönlichen Erkundungsmittel wurden, das für Fremde leicht misszuverstehen ist.

Sich auf den Schwerpunkt Emotionen einzulassen eröffnet ein sehr weites Feld. Nicht nur an Literatur aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen und einer Vielfalt von Ansätzen und Problematiken, sondern ebenso an alltäglichen Beobachtungsmöglichkeiten mit und ohne Bildungsbezug. Nachdem ich zuerst monatelang gelesen hatte und zwischendurch von der Komplexität der Thematik überfordert war, konzentriere ich mich seit einer Weile auf zufällige Beobachtungen in meinem Alltag und Reflexionen darüber auf der Basis meines bisherigen Wissensstandes. Auf diesem Weg suche ich auch nach der Bedeutung von Emotionen für die Bildungspraxis. Gelesen habe ich in der letzten Zeit sehr wenig zum Thema Emotionen und fühle mich noch immer sehr von Theorien überfüllt und habe eine gewisse Abneigung gegen Texte, die schwer nachvollziehbar sind.

Die letzten Tage war ich mit dem Aspekt der Entfremdung von den eigenen Emotionen beschäftigt, dem Vor-sich-selbst-verbergen, der Verheimlichung von Emotionen und der sofortigen Manipulation von Emotionen bei ihrem Auftreten. Gefunden durch Selbstbeobachtung, die durch das Schreiben über ein Thema ausgelöst wurde. Die Identifizierung, worum es sich genau handelt, erfolgte durch Erinnerung an Gelesenes.

Der Effekt auf der persönlichen Ebene war dabei erstaunlich. Ich wusste nicht wie viel ich vor mir verberge, um mit meinem Leben besser zurecht zu kommen. Teile davon zuzulassen hatte zur Folge, dass ich meine Umwelt vorübergehend wesentlich anders wahrgenommen habe als sonst, einschließlich des Körpergefühls in dem ich mich bewegt habe. Es war ein Zustand größerer Klarheit durchzogen von gefasster Trauer aber auch Würde. Etwas vor sich selbst zu verbergen ist legitim, wenn es dazu dient unveränderliche Zustände besser ertragen zu können. Es aufzudecken kann wiederum hilfreich sein, um nicht zu ignorieren dass es existiert. Ich tue es auch!

Der Auslöser waren Überlegungen dazu wie weit Emotionen einem Menschen Informationen zu seinen Vorstellungen und Einstellungen liefern können. Nachdem ich zuerst davon überzeugt war, dass das möglich ist, hat mich meine Erfahrung mit dem Verheimlichen, Verbergen und sofortigen Manipulieren bei mir selbst eines besseren belehrt. Deutlich zutage getreten ist für mich dabei die untrennbare Verbindung von Denken und Emotionen. Denken und Emotionen stellen eine Einheit dar, in der beide Bereiche unmittelbar aufeinander einwirkt. Die Geschwindigkeit, in der das geschehen kann, kann dabei allerdings den Eindruck einer Nichtverbundenheit erzeugen.

Inzwischen ist die mögliche Verlängerungsdauer der zum Thema Emotionen in der UniBib ausgeliehenen Bücher bei den ersten überschritten. Das bedeutet, ich habe sie seit fast einem Jahr. Bei dem ersten Buch traten noch Verlustängste auf, jetzt gehen ich entspannter damit um. Die großen Zusammenhänge sind für mich aus dem Mittelpunkt des Interesses gerückt, da ich mich meistens nicht mehr von der generellen Bedeutung von Emotionen überzeugen muss. Um überhaupt etwas sinnvolles im Rahmen einer Bachelorarbeit schreiben zu können, scheint es mir inzwischen immer erfolgsversprechender mich auf einen kleinen, gut einzugrenzenden Bereich zu beschränken. Das Hauptproblem sehe ich momentan darin einen Bereich auszuwählen, der meine Art des Interesses an Emotionen gut widerspiegelt. Ich wünsche mir bei der Arbeit durchaus einen für meinen Alltag verwertbaren Gewinn.

Beim Herumspielen bin ich gestern auf eine Theorie gestoßen, die noch recht neu ist und sich zuerst einmal interessant anhört, das Emotions as Social Information (EASI) Modell von Van Kleef. Ein erster Blick darauf vermittelt den Eindruck, dass es für die Art meines Interesses an Emotionen in Bildungskontexten von Interesse sein könnte. Die letzte Zeit habe ich mich stark mit der Beobachtung der Emotionen beschäftigt, die in Gruppen innerhalb von Bildungsinstitutionen auftreten, der Informationen, die sie dabei liefern, der Handlungskonsequenzen, die sie haben, der Geschichten, die sie dabei erzählen. Verbergen, verheimlichen und manipulieren sind hier eingeschlossen. Interessant ist in diesem Kontext auch ein Blogbeitrag von Richard Gutjahr zu Entwicklungen im digitalen Bereich.

„Die wohl erstaunlichste Entwicklung dürfte aber sein, dass die Maschinen Empathie entwickeln. Mit jeder neuen Interaktion lernen sie, sich besser auf die Persönlichkeit ihrer Nutzer einzustellen. So erscheinen uns die Maschinen immer nahbarer, menschlicher. Es werden Studien zitiert, wonach Probanden sogar dazu übergingen, sich lieber mit einem Roboter zu unterhalten, als mit Gesprächspartnern aus Fleisch und Blut. Erklärung der Experten: Die Maschine sei unvoreingenommen, sie wertet nicht.“

(Richard Gutjahr, 18.3.2016, verfügbar unter http://meedia.de/2016/03/18/richard-gutjahrs-sxsw-bilanz-mobile-video-und-datamining-der-neue-wilde-westen-der-digitalen/)

Das stößt bei mir durchaus auch sehr viele Fragen zur Zukunft des Lernens an und wie weit digitale Möglichkeiten genutzt werden, um beispielsweise emotional belastenden sozialen Konflikten in Bildungskontexten zu entgehen und wie weit das dann generell Auswirkung auf Konflikt- und Konsensfähigkeit, aber auch Empathie hat.

Zuerst einmal werde ich mich jetzt aber mit den EASI-Modell beschäftigen.