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Inklusive Pädagogik

Der Beginn der letzten Woche des letzten Kurses der achtteiligen MOOC-Reihe Teaching for Learning erschien mir wie ein Feuerwerk. Ganz am Ende Reihe wurden Diversity und die inklusive Schule zum Thema, Inhalte, die mich an dieser Stelle überrascht und gleichzeitig extrem positiv in Hinblick auf zukünftige Entwicklungen gestimmt haben. Mit dem kleinen Wermutstropfen dass ich bedauerte, dass diese Gedanken nicht schon viel früher in meinem Leben in Erscheinung getreten sind. Allerdings relativierte sich das schnell, denn so richtig wollte die Idee der Inklusion nicht in der Wirklichkeit Fuß fassen. Es war auch das erste Mal im letzten Teil der Reihe, dass ich beim Wochenquiz nicht in der Lage war alle gestellten Aufgaben zu lösen, bevor meine drei Versuche verbraucht waren. Auf die Praxis hin orientierte Aufgaben bereiteten mir Schwierigkeiten, bei denen ich aus verschiedenen Strategien für Lehre, aus Formen der Beurteilung von Arbeitsleistung sowie Förderung von Diversity durch Lehren eine Auswahl in einem kulturell ansprechenden (culturally responsive) Sinn treffen sollte.

Es hat mich tief beschämt wie wenig Differenzierungsvermögen ich in diesem Fall besitze. Ich habe mich lange mit den Aufgaben und den Antworten auf falsche und richtige Lösungen beschäftigt. Und ja, ich kann die Argumente nachvollziehen, aber ich muss mir eingestehen, dass ich kaum Vorstellungen davon habe wie Inklusion in der Wirklichkeit aussieht. Und ein Gespür dafür wie sich Inklusion anfühlt habe ich offensichtlich auch nicht. Parallel dazu bin ich an meinem Arbeitsplatz auch noch mit Verhaltensweisen von meiner Seite konfrontiert, die am Besten der Kategorie „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“ zugeordnet werden können. Vom einen auf den anderen Tag rutsche ich von Hochgefühl und positiver Zukunftsvision in die Abgründe der Mitschuld und Verstrickung, als auch des Gefühls ausgeliefert und machtlos zu sein, also keine Kontrolle zu besitzen, weder über die äußeren Umstände noch über meine eigenen Verhaltensweisen.

Es fühlt sich schrecklich an und was tue ich? Ich zeichne. Ich beginne eine kleine Geschichte, die ich vor kurzem gescribbelt habe und die aus Einzelbildern besteht, die ich auf je eine Seite eines A5-Heftchens zeichnen will. Diese Heftchen habe ich mit Kindern in der Betreuung gemacht. Sie haben einen Umschlag aus farbigem Tonkarton und etwa 16 weiße Seiten. Die Kinder haben dann damit begonnen in diese Heftchen zu zeichnen. In der ersten Version, die ich gesehen habe, waren Fantasiefreunde. Dann hat ein Kind verschiedene Monster gezeichnet, ein anderes Weihnachtskugeln. Immer eine Figur auf eine Seite und auf der Umschlag wurde mit farbigen Buntstiftzeichnungen gestaltet. Das hat mir gefallen und mich auf die Idee für das Heftchen gebracht, das ich mir jetzt vorgenommen habe. Wenn es fertig ist will ich es den Kindern zeigen. Als meine Idee, entstanden aus gemeinsamen Ideen und vielleicht wieder Anregung für neue Ideen.

Ich denke, darin drückt es sich gut aus wie das mit der Arbeit mit Kindern so ist. Was daran immer wieder motiviert.

Aber jetzt stehe ich unter dem Eindruck, dass es an der Zeit ist Inklusion zu verwirklichen.

  • Ein inklusiver Klassenraum ist eine unterstützende, sorgende Lerncommunity, in der jeder Schüler sich akzeptiert fühlt.
  • Inklusion ändert die Spielregeln. Jeder kann spielen und jeder kann gewinnen. (übersetzte Inhalte des MOOC)

Ich bin dafür nicht bereit. Meine Umgebung scheint dafür nicht bereit. Es haut alles nicht hin und es ist alles schrecklich. Und ich bin so vollkommen unfähig. Also zurück zu dem was positiv ist. Und wieder neu beginnen. Wo ist sicherer Boden? Was ist verlässlich? Und dann – was bedeutet Inklusion konkret, wie kann sie im Alltag aussehen? Was widerspricht ihr? Was für Strategien gibt es? Wie gehe ich mit den Kindern um? Wie mit den Erwachsenen? Wie mit den Strukturen? Was kann ich als Einzelne überhaupt tun? Wie behalte ich mein eigenes Verhalten im Alltag während des Handelns im Auge? Wie kann ich mich selbst daran hindern unüberlegt gewohnte Verhaltensweisen zu reproduzieren?

Inklusion wie sie hier verstanden wird ist nicht nur etwas für den Klassenraum. Sie ist eine Lebenshaltung. Inklusion bezieht sich auch nicht nur auf Behinderte. Bei dem Begriff beginnt es bereits. Niemand ist behindert wenn alle als verschieden wahrgenommen werden. Gestern hat die Freiwilligenbeauftragte der Lebenshilfe den Zeitungsartikel zum Freiwilligentag versendet. Ich habe an dem Tag viel gelernt. Das verbindet sich jetzt mit den MOOC-Inhalten. Und die MOOC-Inhalte verbinden Inklusion mit meinem Arbeitsplatz. Inklusion bleibt nicht mehr auf den Bereich der Lebenshilfe beschränkt, sondern dringt aus dem Sonderbereich in den Bereich des Normalen [1].

Eigentlich kein Wunder wenn ich jetzt versage. Ich bin nicht auf Inklusion vorbereitet, ich arbeite an einem Arbeitsplatz an dem sich nicht gezielt damit beschäftigt wird. Ich werde zur Zeit auf ganz andere Verhaltensweisen hin beeinflusst. Ich finde diese allerdings nicht gut. Ich mag es viel lieber wie ich den Umgang mit Menschen bei der Lebenshilfe empfinde. Der MOOC arbeitet mit der Darstellung von 15 verschiedenen Unterschiedlichkeiten und einer offenen Rubrik für weiteres. Das öffnet den Blick dafür, dass Diversity sowieso der normale Zustand ist. Viele Fragen ergeben sich daraus. Wie lerne ich es jeden einzelnen zu respektieren? Will ich das überhaupt? Wie finde ich den sicheren Boden auf dem ich stehen kann, wie bei der Sache mit dem Zeichnen, und von dem aus ich Geschehnisse betrachten und beurteilen kann, so dass ich nicht einfach drauflos reagiere, sondern mit Bedacht handele? Was finde ich eigentlich richtig und wie kann ich das leben?

Ich habe im Augenblick keine Antworten, aber meinen Willen gestärkt es jeden Tag weiter zu versuchen. Mich immer wieder neu auseinanderzusetzen. Mit Unstimmigkeiten, Unangenehmem, mit Versagen und Fehlern. Mit Verletzungen, die ich bekomme und die ich anderen zufüge. Ein Schritt könnte sein, dass ich mich noch intensiver mit der Idee und den Vorstellungen inklusiver Pädagogik beschäftige. Die Lebenshilfe hatte ich bisher nur als einen Sonderbereich wahrgenommen, der MOOC hat jetzt starkes Interesse an Inklusion geweckt, das ganze Thema aber letztlich nur angekratzt. Ich stelle fest, dass ich eigentlich kaum etwas über inklusive Pädagogik weiß. Hat ja auch mein Ergebnis beim Wochenquiz deutlich gezeigt!

Und der Wikipediaeintrag verweist bereits auf viele damit zusammenhängende Problematiken, die im MOOC nicht zur Sprache gekommen sind. Der wollte anscheinend vor allem für die Idee einer inklusiven Schule gewinnen, hat darin auch die Zukunft von Schule generell entworfen. Aus der langsam entstehenden Distanz betrachtet für mich nicht mehr die Folgerichtigkeit von 8 aufeinander aufbauenden MOOCs, sondern nur eine Möglichkeit, die allerdings von den Veranstaltern favorisiert wird. Was mich ja auch gleich zu Beginn der Woche verblüfft hat.

Ich distanziere mich daher langsam von der Begeisterung, die in mir geweckt wurde und die in Konfrontation mit existierender Praxis zu Frustration führte, ohne aber die Idee fallen zu lassen. Die erweiterte Vorstellung von Inklusion hier ist auf jeden Fall sehr bedenken- und beachtenswert. Als Vision scheint sie auch zu funktionieren. Aber wie sieht sie in Konfrontation mit der Praxis aus?

Referenz:

[1] Inklusive Pädagogik URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Inklusive_Pädagogik

Interessierender Link:

http://schuleltern.kopprasch.de/inklusive_padagogik.pdf

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Pädagogisierung des Lebens

Erst einmal vorab. Die ganze Browserproblematik nervt. Mit Opera 25 sind meine Probleme nicht behoben. Es ist vollkommen gleich welchen Browser ich momentan benutze, nirgends finde ich alles gebündelt was ich einmal hatte und benötige. Das bedeutet nun mich erst einmal im Unvollkommenen einzurichten. Genau dazu bin ich momentan aber bereit wie nie zuvor in meinem Erwachsenenleben. Und das meine ich sogar umfassend.

Dieses Wochenende werde ich die Reihe Teaching for Learning beenden. Um korrekte Angaben zu machen schaue ich noch einmal nach, wann ich den ersten Kurs begonnen hatte. Meiner Einschätzung nach war das zwischen Sommer und Herbst des letzten Jahres, doch überraschenderweise war der erste Kurs genau im gleichen Zeitraum wie jetzt der letzte, vor genau einem Jahr. Ich bin extrem betrübt darüber, sie hätte noch viel länger andauern können, ich habe mich sehr daran gewöhnt dass sie mich im Hintergrund begleitet. Ich fantasiere Arbeitsformen bei denen eine fortdauernde Fortbildung und Anpassung an neue Erkenntnisse und Erfordernisse mitläuft. Ich weiß, dass es solche Arbeitsbedingungen gibt, hatte aber nie so etwas zur Verfügung.

Die Reihe hat mir dabei anders weitergeholfen als mein Studium. Sie ist mehr auf die Erfordernisse der Praxis ausgerichtet und hat mir gerade als Kinderbetreuerin an einer Grundschule sehr viele hilfreiche Einblicke in das Denken und die Problematiken von Lehrern gewährt. Und das auch noch in einem Kontext, der nicht in einer nationalen Ausrichtung steckenbleibt. Und gerade die letzten beiden Kurse haben Problematiken in den Blick gerückt, die in dieser Form weniger als Inhalte meines Studiums gelehrt werden, aber dennoch Inhalte meines Studiums sind. Es ging dabei um Professionalität und Beziehungen.

Ich kann die Unterschiede zwischen MOOC und Studium nur sehr schwer erfassen. Beides zusammen mit Praxis ist allerdings eine gute Kombination. Teaching for Learning allein wäre mir zu unkritisch und zu wenig in übergeordnete Wissensbestände eingebettet. Theorie ohne Praxis wiederum ist genauso unvollständig wie Praxis ohne Theorie. Die universitäre Herangehensweise hat etwas Entfremdendes an sich. Etwas Distanzierendes. Das ist sehr geeignet um grundlegende Strukturprinzipien zu erkennen, trägt aber immer auch die Gefahr in sich, schwer auf konkrete Situationen angewendet werden zu können. Einfach weil die Distanz so groß ist, dass der Verstand das Strukturprinzip und die Erscheinungsform in der unmittelbaren Begegnung damit nur schwer erkennen kann. Wichtig ist auch, dass im Alltag häufig in einer ganz andere Sprache gesprochen wird als in Texten und Schriften.

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich einen Vortrag zur Pädagogisierung der Eltern bzw. Familien verlinkt. Genau das wurde jetzt mehrfach das Thema mit anderen, die in Institutionen mit Kindern arbeiten. Den Begriff kannte niemand, habe ich aber erläutert worum es geht, wurde ich sofort verstanden und bekam Beispiele dafür erzählt. Meine Wahrnehmung fand dabei auch Bestätigung, dass der schulische Bildungsbereich mit seinen Vorstellungen zunehmend nach unten und oben zugreift. Sowohl Kitas, als auch Hochschulen werden bei der Einbindung in einen Gesamt-Bildungsraum anscheinend vor allem an schulpädagogischen Vorstellungen orientiert. Was bei der ganzen Kritik an schulischer Bildung in den Ländern der BRD eigentlich eine durchaus zweifelhafte Angelegenheit darstellt. Warum sollen schulische Wertesysteme der Maßstab für Bildung sein?

Verständlich werden auf diesem Hintergrund für mich allerdings bestimmte Erscheinungen an denen ich im Verlauf der letzten Jahrzehnte herumgerätselt habe. In diesem Kontext sind gerade die momentanen Lehrinhalte von Teaching for Learning bedeutsam. Dort findet die Notwendigkeit der Partnerschaft zwischen Eltern und Lehrern eine große Beachtung, etwas das ich auch in Kitas finde. Kitas haben viele Träger mit zum Teil sehr unterschiedlicher Ausrichtung. Kitas sind nicht verpflichtend, und auch wenn bei einem Mangelangebot und dem Bedarf der Eltern Wahlfreiheiten eingeschränkt sind, so verstehen sich Kitas doch mehr als Partner der Eltern, die deren Wünsche berücksichtigen müssen und dabei mit einer Vielfalt von unterschiedlichen Lebenskonzepten konfrontiert sind.

Schulen sind da häufig anders. Es lässt sich eine Erwartung feststellen, dass alle Kinder mit einem bestimmten Maß von gemeinsamer Grundausbildung zu starten haben und sich dabei an die von Pädagogen aufgestellten Anforderungen zur Gewährleistung eines reibungslosen Unterrichts anpassen müssen. Eltern sind dabei diejenigen, die diese Anpassung zu unterstützen haben. Allerdings nicht nur diese. Auch alle anderen Mitarbeiter an Schulen haben das zu tun.

Ich will an dieser Stelle nicht das System an sich in Frage stellen, sondern eine vermeidbare Auswirkung thematisieren. Schule schafft es ihre Vorstellungen auf alle Menschen und das ganze Leben auszudehnen. Schule beschränkt sich nicht darauf zu erklären, dass in ihren Räumen bestimmte Regeln einzuhalten und bestimmte Lebensformen zu praktizieren sind, sondern neigt dazu dieses überall als selbstverständlich zu erwarten. Der Vater, der in seiner eigenen Familie als Macho auftritt und auch seinen Sohn entsprechend beeinflusst, soll seinem Sohn nicht vermitteln dass in der Schule andere Regeln gelten, die dieser dort einzuhalten hat, sondern er und seine Familie sollen andere werden, damit sein Sohn besser ins schulische System passt.

Das ist nur ein Beispiel für das Prinzip. Ganz gleich wie man zu Machos steht, Schule hat nicht das Recht Eltern ihre Lebensführung und ihre Erziehungsausrichtung vorzuwerfen, solange diese nicht gegen bestehende Gesetze verstoßen. Schule hat nicht das Recht Familien kulturelle Vorschriften zu machen und in Persönlichkeitsrechte einzugreifen. Schulen haben nicht das Recht Lebensformen hierarchisch zu bewerten. Denn welcher Maßstab soll dafür gelten? Hier besteht die Gefahr, dass sich jemand anmaßt zu bestimmen, dass die eigenen Lebensvorstellungen die beste Möglichkeit für alle darstellen und nutzt dazu eine privilegierte Stellung aus.

Mit dem Machovater sollte vielleicht besser der Lehrer sprechen, der als gestandener Mann aufzutreten in der Lage ist, oder der Einfluss auf das Verhalten des Sohnes in der Schule sollte eher über die Mutter erfolgen, zu der die weiblichen Lehr- und Betreuungskräfte in einer anderen Beziehung stehen. Lösungsvorschläge, die auf eine Verhaltensänderung der ganzen Familie zugunsten der besseren Passung ins schulische System ausgesprochen werden, sind in meinen Augen aber unakzeptabel. Auch dann wenn sie nur hinter dem Rücken der Eltern geäußert werden. Denn auch darin drückt sich die Haltung und die Einstellung der Anwender aus.

Kinder können lernen in verschiedenen Welten zu leben und verschiedene Sprachen zu sprechen und sich zwischen unterschiedlichen kulturellen Vorstellungen zu bewegen. Schule hat das in meinen Augen zu integrieren. Schule hat nicht die Wirklichkeit an ihre Vorstellungen anzupassen, sondern den Kindern Rüstzeug zu liefern mit dem sie sich außerhalb der Schule in unterschiedlichsten Kontexten bewegen können und in der Lage sind mit Menschen unterschiedlichster Vorstellungen und Lebensformen in einer respektvollen Weise umzugehen.

Und genau damit bin ich auf meine langjährigen Fragen nach dem mangelnden Respekt und den permanenten Unwohlgefühlen gestoßen. Eine Kommilitonin hat es einmal so beschrieben, dass sie immer wenn sie in Schulen zu tun hat sich wieder genauso schlecht fühlt wie in ihrer Schulzeit. Dass sie Beklemmungen bekommt und nicht mehr selbstbewusst und selbstbestimmt aufzutreten in der Lage ist. Für mich war es in der Vergangenheit eine wichtige Aussage, dass ich keine Lehrerin bin und daher eine andere Herangehensweise an Kinder habe. Doch statt dass diese Information als das genommen wurde was sie aussagt und mir das Angebot eines Brückenschlages gemacht wurde, habe ich damit das abwertende Eingeständnis eines Defizits abgelegt.

Es gibt nun aber viele verschiedene Professionen im Bildungsbereich und jede hat eine andere Spezialisierung. Es gibt viele verschiedene Familien und viele verschiedene Lebenskonzepte. Und jeder verfügt über Wissen, das anzuhören wertvoll ist. Warum beansprucht eine spezifische Gruppe die Führung über die Gesamtheit?

Ein sinnvoller Austausch und eine entsprechende Nutzung unterschiedlicher Wissensbestände sind erst dann möglich, wenn eine Begegnung auf gleicher Ebene erfolgen kann. Nicht dann wenn eine Seite von vornherein von ihrer Überlegenheit über alle anderen überzeugt ist. Und genau darin liegt die Gefahr. Pädagogisierung des Lebens reduziert Möglichkeiten. Stülpt der Wirklichkeit einschränkende Annahmen über. Eine tatsächliche Chance auf tiefgehende und sinnvolle Veränderung, bei der das Interesse von möglichst vielen Personen berücksichtigt wird, sieht für mich jedoch anders aus.

Von Juul aus der Spur geworfen

Es kam auf sanften Pfoten daher. Ein Buch mitgenommen aus der Stadtbücherei beim Besorgen der Bilderbücher für das Vorlesen. Passend zum Thema Emotionen. Begonnen leicht müde am Abend auf dem Sofa. Im Kontrast zur wissenschaftlichen Literatur des Tages im entspannten Plauderton der Meinung einsickernd. Auf den ersten Seiten denke ich, das Buch bringt mir nicht wirklich etwas Neues, ich verstehe auch nicht so richtig warum er es geschrieben hat.

Über Aggression wollte ich mehr erfahren, weil ich wissen will wie das so ist mit den Emotionen. Das Buch ist aber etwas anderes als ich suche. Es ist ein Plädoyer für Kinder und Jugendliche. Es ist ein Plädoyer dafür in dem Ausdruck der als aggressiv bezeichnet wird die Stimme zu hören, die sich anders nicht zu Wort zu melden in der Lage ist. Ich erfahre etwas über konstruktive und destruktive Aggression und gewalttätiges Verhalten von Frauen, das aggressiv ist, auch wenn es nicht so wirkt. Und er flicht Beispiele ein, die mich nicht mehr loslassen. Erwachsene und Kinder innerhalb von Institutionen, in denen die Erwachsenen zu Lasten der Kinder ihre Positionen sichern.

Es ist kein Buch das ich als analytisch wahrnehme. Es ist ein Buch nach dem ich mich schlecht fühle und verzweifelt. Es ist ein Buch das Emotionen anspricht. Es ist allerdings nicht der einzige Einfluss, den ich in Bezug auf Institutionen momentan zu verarbeiten habe. Zeitgleich beschäftigt sich mein Essay zu Teaching for Learning 8 mit der Beziehung zu Kollegen und Administratoren. Dabei geht es um Führerschaft und Machtgefälle und der Abhängigkeit derjenigen mit geringerer Machtausstattung von der Art wie die Führung aussieht. Und was ein Mensch mit geringer Macht unter schlechten Bedingungen in einer Institution tun kann.

Ich beschäftige mich schon lange mit Führung und wie gute Führung aussieht. Ich hatte auch begonnen mich mit Institutionen zu beschäftigen, das aber aus zeitlichen Gründen erst einmal wieder abgebrochen. Juul erreicht mich auf Grund meiner Vorerfahrungen und eigenen Problematiken. Dabei steht er bedingungslos für die Kinder bzw. die Jugendlichen ein. Sie tragen in seinen Augen keine Verantwortung, diese liegt allein bei den Erwachsenen. Ich kenne es sehr gut wie versucht wird Schwächeren Schuld für Probleme zuzuweisen. Und gelegentlich fällt es mir auf, wenn ich es selber benutze. Ich tue es, weil es dem üblichen Verhalten gegenüber Kindern entspricht, weil ich mich, wenn ich zu meiner eigenen Schuld oder Mitschuld stehe, zum geeigneten Opfer mache. Es ist schwierig und ich suche nach einer Lösung.

An all das gemahnt mich Juul und beunruhigt mich. Zeigt mir auf wie wichtig es ist nicht aufzugeben, sich nicht anzupassen an Gepflogenheiten, wie wichtig es ist Lösungen zu finden. Dass ich es mit einer Problematik zu tun habe, die andere Menschen schädigt. Darum ist es bedeutend. Aber es müssen gute Lösungen sein und Lösungen für diejenigen in machtschwächeren Positionen wie die meine. Es ist mir möglich Aggressivität oder andere Äußerungen der Kinder in der von ihm beschriebenen Form wahrzunehmen und zu verstehen, wenn ich mich allerdings nicht an die üblichen Gepflogenheiten der Reaktion darauf anpasse, kann es für mich sehr unangenehm werden. Es sei denn ich finde einen Weg, der von allen Seiten als positiv wahrgenommen wird.

Genau das beginnt sich seit einer Weile zu entwickeln. Juul schreibt von der Gewalt der Freundlichkeit und Korrektheit (Juul 2013, S.35). Ich weiß genau was er meint. Bin ich damit konfrontiert, so fühle ich mich unwohl und angespannt ohne zu verstehen warum das so ist. Dazu schreibt er, dass sich die wahre Form dieser Aggression durch die Erfahrungen der Schwächeren offenbart (ebd.). Freundlichkeit und Korrektheit in dieser Form können daher nicht die Lösung sein, auch wenn Freundlichkeit und Korrektheit an sich durchaus hilfreich sein können. Die Lösung liegt nach der Lektüre des Buches für mich mehr bei so etwas wie Authentizität, Vertrauen in die eigene Wahrnehmung, ein gelassenes Herangehen an Situationen und Vertrauen in die Kinder und die Berechtigung ihrer Empfindungen und Reaktionen. Und nicht davon abzulassen das Wohlergehen der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. Aller Kinder.

Schulen sind für die Gesellschaft da, aber auch für die Individuen. Und zwar für vollständige Individuen.

Juuls kleines schmales Buch hat mich sehr nachdenklich gemacht, Unwohlgefühle erneut hervor gezerrt, mich dazu gebracht alle anderen Themen erst einmal ruhen zu lassen. Und es hat mein Verhalten gegenüber den Kindern beeinflusst. Oder eher meine authentische Art des Umgangs mit den Kindern wieder stärker zum Vorschein gebracht. Mich faszinieren Kinder, das ist der Grund warum ich mit Kindern arbeite. Ich habe auch großes Vertrauen in Kinder. Für mich besteht die Aufgabe von Erwachsenen darin Kinder zu begleiten, ihnen Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen und sich von ihnen überraschen zu lassen. Und gemeinsam Lösungen zu finden.

Bei Teaching for Learning habe ich kürzlich etwas sehr Nützliches gelernt. Wie-Fragen sind besser als Warum-Fragen. Wie können wir zu einer befriedigenden Lösung kommen? Wie kann ich dir helfen? Wie wollen wir jetzt damit umgehen, dass du so sauer bist, oder so traurig? Ich habe die letzten Wochen damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Wir sprechen anders miteinander. Die Kinder und ich.

Nach der Lektüre war es mir gestern ein wenig unheimlich als ich zur Arbeit kam und die Kinder mich drückten, an der Hand nahmen und mich mit Fragen überschütteten, so dass ich gar nicht so schnell nachgekommen bin auf alle eingehen zu können. Ich werde Fehler machen. Ich werde Menschen verletzen und enttäuschen. Ich werde in alte Reaktionsmuster verfallen. Ich werde aus verletzten Gefühlen heraus in einer Weise reagieren, die für eine Verantwortliche unangemessen ist.

Juuls Buch kann man auf sehr verschiedene Weise lesen. Zu viel mehr Themen als zu Aggression lassen sich darin Funde machen. Ein Mensch mit vielen Erfahrungen und Überlegungen gibt hier seine komplexe Haltung weiter. Herausragend ist dabei seine Parteinahme für die Schwächeren. Die Aufforderung zu einer Perspektivänderung. Und für mich auch seine Aufforderung das Wissen des therapeutischen Bereichs, allerdings nicht deren Methoden, in den Bereich der Pädagogik aufzunehmen. Weil er das Individuum und seine Einbettung in viele Einflussbereiche betrachtet, sieht er den Bedarf dieses Wissen einzubeziehen und zu berücksichtigen, um für jeden Einzelnen ein erfolgreiches Gelingen von Lernen zu ermöglichen.

Es ist seine Kompromisslosigkeit bei der Zuweisung von Verantwortung, die mich berührt hat. Kinder sind nicht verantwortlich, das sind Erwachsene. Kindern Schuld zuzuweisen ist nicht sinnvoll. Ich habe dieses Wissen bereits in mir gehabt, er hat es jetzt verstärkt. Ich kann meine Verantwortung nicht abgeben, indem ich die Schuld dafür, dass ich Probleme habe, auf Kinder schiebe. Ich bin in einer vergleichbaren Position wie die Führungskraft, die sich selbst damit entlastet, dass sie einer Untergebenen  die alleinige Schuld dafür zuweist, dass sie in einer Situation, die sie aber nicht selbst bestimmen konnte, Probleme nicht zur Zufriedenheit der Leitung gelöst hat. Schuldzuweisungen und daraus erfolgende Bestrafungen sind keine gute Lösung. Lösungen sollten miteinander und in Kommunikation gefunden werden.

Heute werde ich weiter üben.

Referenz:

Juul, J.(2013). Aggression. Warum sie für uns und unsere Kinder notwendig ist. Frankfurt am Main: S.Fischer.

Auf der Spur des Lernens mit Hilfe der Teaching for Learning Kurse

Mein erster Kurs der achteiligen Reihe war der dritte und ich hatte ihn belegt, weil er Lernen und Lernende  als Thema hatte und ich hoffte, dadurch mehr Verständnis vom Lernen zu bekommen. Dass ich mich dabei in einem Kurs befand, der auf praktizierende Schullehrer mit und ohne Ausbildung vor allem aus dem Raum des Commonwealth zugeschnitten war, habe ich einerseits in Kauf genommen, andererseits habe ich die Vielfalt der Herkunft der Dozenten und Beispiele genossen.

Der Kurs war von seinem Inhalt und seiner Gestaltung her dann für mich so interessant, dass ich im Lauf der Zeit alle weiteren Kurse belegt und erfolgreich nach den vorgegebenen Kriterien abgeschlossen habe. Momentan bearbeite ich den letzten, und bin inzwischen seit über einem Jahr mit der Reihe beschäftigt. Gerade die beiden letzten Kurse hatten Themen, die mich zu Beginn nicht interessierten (Being a Professional, Developing Relationships), sie erwiesen sich aber dann als die mit den interessantesten Themen. Gerade der jetzt laufende Kurs hat es geschafft meine kognitive Karte vom Lernen unter einen Gesamtzusammenhang zu stellen. Natürlich hat das nicht der Kurs allein bewirkt, viele Einflüsse haben in den letzten Jahren auf mich eingewirkt, aber er hat die Beziehung zum Lernen thematisiert und mir Belege dafür geliefert, dass ein positives Verhältnis zum Lernen das Entscheidende ist, was im Feld des Lernens zu erreichen ist.

Für mich kam diese Erkenntnis während ich Assessment1-T8 für den Kurs schrieb, bei dem ich noch einmal die Themen der ersten zwei Wochen knapp zusammenfasste. Das war nicht die gewünschte Lösung gewesen, das musste ich nach über 700 Worten feststellen (mehr sollten es nicht sein), als ich keinen Platz mehr dafür hatte zu schreiben, welche Aktivitäten ich selbst einsetze, um im Klassenraum wirksame  Beziehungen für produktives Lernen bei Schülern zu nutzen. Ich wollte mich dafür an der Praktikumsbearbeitung von Modul 3B aus dem Fernstudium ausrichten und die Beschäftigung damit auch mit dem MOOC verbinden.

So hieß es also noch einmal fluchend von vorne zu beginnen, da ich die Arbeit eines ganzen Vormittags nicht zum Erreichen der Punkte für das Essay verwenden konnte. Die Mühe hatte allerdings unerwartete Früchte getragen. Während des Schreibens war mir aufgefallen, dass der Inhalt der ganzen zwei Wochen auf eine Aussage hinauslief. Für ein erfolgreiches Lernen ist ein positives Verhältnis zum Lernen notwendig. Lernen muss als etwas Erfreuliches wahrgenommen werden, das einen Prozess bedeutet, der in eine bessere Zukunft führt. Und das ist die Haltung, die auch die Lehrende zu vermitteln hat. Lernen soll Spaß machen und Freude bereiten. Nicht die Art von Spaß, die mit Vorstellungen von Einfachheit und Leichtigkeit verknüpft ist, sondern Freude an Ausdehnung und Gelingen, an Veränderung und Verbesserung, an Erkenntnis und Verstehen, verbunden mit einer Freiwilligkeit des Bemühens.

Ich merke, dass es mir noch schwer fällt anderen zu vermitteln was ich meine. Zu oft wird bei Spaß und Freude an geringe Anforderungen gedacht und Schüler nur tun zu lassen was sie wollen ohne Stress und Druck. Das ist aber nicht gemeint. Sondern es ist die Ausrichtung auf die Entwicklung einer inneren Haltung, die das Schwere und Anstrengende freudig annimmt, da sie eine Notwendigkeit zur Zielerreichung sind. Es ist Begeisterung für den Prozess, Erkennen von Sinn, Zuversicht in die Möglichkeit des Erfolgs und Befriedigung durch die Handlung, die Schritt für Schritt vorwärts führt und das erreichbar werden lässt, was zu Beginn noch weit entfernt lag.

Natürlich hat hier die Beschäftigung mit dem ARCS-Modell von Keller mitgemischt (Aufmerksamkeit, Bedeutsamkeit, Erfolgszuversicht, Zufriedenheit), aber letztlich ist es in der Gesamtheit nur ein Verstehen davon, wovon  ich intuitiv bereits ausgegangen bin. Jetzt kann ich es aber in den Bereich des Ernstes versetzen. Ich kann Spaß ernst nehmen und kann sagen, wenn wir die Freude am Lernen vergessen, wenn wir sie nicht ernst nehmen, wenn wir denken, das harte schwere erzwungene leidvolle Lernen unter Stöhnen würde mehr Erfolg bringen, so irren wir uns. Lernen muss glücklich machen. Auch Jean-Pol Martin geht davon aus. Und auch wenn ich Carl Rogers Maslow, den Jean-Pol Martin für sein Menschenbild verwendet, anscheinend vorziehe, so befinden sich doch beide im gleichen Raum der humanistischen Psychologie.

Ich habe für mich meine Orientierung für Lernen und Lehren gefunden.

Lernen ist ein Prozess der stetigen Veränderung, der mit Freude verbunden sein soll.

Darauf kann ich alles andere aufbauen. Das kann ich als Maßstab und Richtschnur verwenden. Und es gilt auch für die Pflicht, nicht nur für das freiwillige, zusätzliche Lernen. Für mich fühlt es sich stimmig an. Das Interesse aus dem ich einmal diese Kursreihe begonnen habe, die Fragen, die ich hatte, sind zu einem Ende gekommen. Die Kursreihe ist noch nicht zu Ende und mir selbst verpflichtet möchte ich sie auch mit Erfolg abschließen, es fühlt sich aber an, als habe sie jetzt ihren Zweck erfüllt. Alles was noch kommt ist zusätzlich, könnte von heute auf morgen beendet werden, nur die letzte Pflicht würde dann noch ausstehen.

Ich bin gespannt was für Auswirkungen mein neues Verständnis haben wird. Wie es sich auf meine Betrachtung des Bildungsbereichs auswirken wird. Denn die Vorstellung, dass Lernen ein positiver, erfreulicher Prozess sein soll, führt mich zu einer sehr eindeutigen Herangehensweise an den Vorgang des Lernens, den ich für mich selbst und andere entsprechend zu gestalten gedenke.

Schule und Führung

Seit Sonntag (heute ist Mittwoch) komme ich mit meinem Blog für 3B nicht mehr voran. Im Bereich Durchführung des Praktikums bin ich auf emotional sehr schmerzhafte Erfahrungen getroffen, mit dem Effekt dass die Kopfmühle zuerst sehr stark zu rattern begann, für mich Erstaunliches zum Vorschein brachte, um sich dann aber zurückzuziehen. Ich habe in der Zwischenzeit viel geschlafen, nachgedacht, Dinge gelesen, die nichts mit dem Thema zu tun haben, weiß inzwischen wie Hangul, die koreanische Schrift, funktioniert, habe liegengebliebene alltägliche Verpflichtungen aufgearbeitet und mich erfolgreich davor gedrückt einen kürzlich erstellten Zettel weiter abzuarbeiten.

Es ist nicht ganz einfach zu beschreiben was vor sich geht. In mir arbeitet es weiter, ich tue aber alles um nicht genauer hinzuschauen, weil es mich emotional überfordert. Daher komme ich mit 3B momentan nicht voran. Gleichzeitig habe ich aber das Bedürfnis weiter zu arbeiten und fühle den Druck das geplante Pensum zu erfüllen und das Praktikum für mich durchschaubarer zu machen. Jetzt verlagere ich diese Wünsche jedoch und sorge für Beschäftigung, ohne mich mit dem Eigentlichen zu beschäftigen. Es ist eine sehr unbefriedigende Situation, ich bin aber emotional einfach nicht in der Lage auf meinem Blog zu 3B das Praktikum weiter zu beschreiben oder mich mit der gesamten Thematik von 3B weiter zu beschäftigen. Daher werde ich jetzt zur Annäherung ein Thema aufgreifen, auf das ich vor etwa zwei Wochen gestoßen bin, das ich schon da aufschreiben wollte, wofür ich aber bisher keine Zeit gefunden hatte.

Bestandteil der Reihe Teaching for Learning sind Gespräche zwischen dem Organisator der Reihe, John MacBeath, und in der Regel den jeweiligen Akteuren der Kurse, die von den Studierenden dann beobachtet werden können. Es handelt sich dabei um Fachgespräche, durch die Themen der MOOCs noch einmal anders betrachtet werden können. Im allerletzten Beitrag des 7ten Kurses ging es um die Bedeutung der Schulleitung und Stephen Dinham und John MacBeath tauschten sich über an Schulen bestehende Strukturen aus.

Aus meinen Notizen:

  • Eine gute Schule ist nur mit einer guten Führung möglich.
  • Gruppierungen von Lehrern haben einen großen Einfluss auf die Leitung der Schule.
  • Unterschiedliche Führung in unterschiedlichen Fachbereichen kann zu unterschiedlicher Qualität von Bereichen an Schulen führen.
  • An Schulen können verschiedene Gruppen existieren, die in verschiedene Richtungen ziehen.
  • Es kommt häufig vor, dass die Gesamtführung nicht gut ist.

In dem ganzen Gespräch wurde sichtbar, dass beide über eine Reihe von Erfahrungen mit schlechter Führung an Schulen verfügen durch die Schulentwicklungen behindert werden und sehr bedauern, dass es so ist. Mich hat es verblüfft, das hier so klar formuliert zu finden. Ich bin Verschleierungen, Schuldzuweisungen und Ausflüchte gewohnt.

Kurz darauf stieß ich in einem zum Modul 3B gehörenden Studienbrief zu Qualitätssicherung und Evaluation auf Texte, die sich genau mit diesem Thema beschäftigten. In meinem Studium habe ich es vermieden die für Schule relevanten Bereiche zu wählen wenn ich eine Wahlmöglichkeit hatte, ich wollte lieber etwas über andere Bildungsbereiche erfahren, weiß von daher nicht was diejenigen für Informationen erhalten haben, die sich auf Schule konzentriert haben. Für mich war es sehr überraschend nach dem MOOC auch in meinem Studienbrief die Aussage zu finden: „Es ist inzwischen wohl unbestritten, dass ohne oder gar gegen die Schulleitung Schulentwicklung nicht funktionieren kann. Das Gleiche gilt aber auch für das Kollegium.“ [1]

Ich will jetzt nicht im Detail auf weitere Inhalte von MOOC und SB eingehen, zu denen Beschreibungen guter Führung und zu vermeidender Fehler gehören, sondern den Schock beschreiben, der bei mir ausgelöst wurde. Das ist auch der Grund warum es mich noch immer beschäftigt. Persönlich habe ich über Jahre die Auswirkungen von unterschiedlichen Schulleitungen beobachten können und frage mich jetzt, wenn das so weitgehend bekannt ist, wenn ich es in meinem SB und in einem MOOC so klar formuliert finde, warum kommt das dann weiterhin vor? Warum müssen an Schule Beteiligte darunter leiden und sind gezwungen mit Führungsmängeln klarzukommen oder blockierender Gruppenbildung, die sie nicht verursacht haben und auf die sie nur begrenzten Einfluss haben? Ich und andere haben jahrelang unter Folgen von Missmanagement leiden müssen, das schon längst beschrieben wurde und womit sich Theoretiker bereits beschäftigt hatten.

Durch beide Formen des Studiums, die MOOCs und das Fernstudium, die sich hier hervorragend ergänzen, erhalte ich Informationen, die mir einen anderen Umgang ermöglichen. Ich zweifele meine eigene Wahrnehmung nicht mehr an und mir kann auch niemand mehr weiß machen, dass bestimmte Vorgänge korrekt sind. Ich kann ganz genau nachlesen, welche Bewertungskriterien andere für gute Führung aufgestellt haben. Was schlecht ist, ist eben schlecht. Ich bin nicht mehr die inkompetente Mitarbeiterin, der man unterstellen kann, dass sie nicht über eine ausreichende Qualifikation zur Beurteilung verfügt, sondern ich erhalte Rückendeckung und Orientierung.

Auch wenn ich diese Inhalte jetzt nicht für meine Praktikumsbearbeitung verwenden kann, sie helfen sie mir sehr in der Bewältigung vergangener Erfahrungen und in meinem beruflichen Alltag und damit steigt auch die Motivation mir die Texte noch einmal genauer vorzunehmen und die Inhalte so zu lernen, dass ich damit argumentieren kann, ohne vorher noch einmal Genaueres nachzuschlagen.

Referenz:

[1] Kempfert, G. & Rolff, H.-G. (1999). Qualität und Evaluation: Ein Leitfaden für pädagogisches Qualitätsmanagement. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.

Kurzer Zwischenstopp: Feedback-Tool

Durch den MOOC Teaching for Learning 7, der dieses Mal von Professor Stephen Dinham von der Universität Melbourne geleitet wird, hatte ich heute Zugang zu einem Feedback-Tool für australische Lehrer. Dies besteht aus einem Fragebogen, der wichtige Elemente nationaler Standards Australiens abfragt, um die Qualität der eigenen Lehre zu beurteilen.

Zuerst habe ich gezögert, da ich nicht zum passenden Personenkreis gehöre, dann konnte ich dem Reiz der Testmöglichkeit, die uns hier geboten wird, nicht widerstehen. Ich verfüge jetzt über ein Pdf, das mir meine Stärken und Schwächen in den Bereichen professionelles Wissen, professionelle Praxis und professionelles Engagement nach australischen Lehrerstandards angibt und das dazu gedacht ist Stärken gezielt einzusetzen und an Schwächen zu arbeiten. Eine der nicht bewerteten Aufgaben im MOOC besteht nun darin auf der Basis der Ergebnisse, des MOOCs und der eigenen Einschätzung einen Drei-Jahres-Plan für die persönliche professionelle Weiterentwicklung zu entwerfen.

Ohne das jetzt bis ins Detail bewerten zu können, fasziniert mich diese Idee und ihre Umsetzung. Stärken und Schwächen werden nebeneinander aufgeführt, als klare Auskunft dass da bereits viel vorhanden ist und es etwas gibt, das verbessert werden kann. Genau so etwas fehlt mir bei meiner beruflichen Tätigkeit. Dort bin ich immer wieder damit konfrontiert worden, dass ich Zustimmung oder Ablehnung zu spüren bekomme aber keine genaueren Auskünfte erhalte. Manches Mal taucht die Vorstellung im Kopf auf, dass ich Hellsehen können müsste um zu begreifen, warum ich Zustimmung oder Ablehnung für das was ich tue erfahre.

Faszinierend finde ich auch die Ausrichtung auf ein Feedback zur Verbesserung innerhalb einer kooperativ arbeitenden Gruppe. Die Zielsetzung ist dabei ein besseres Lernen der Schüler zu erreichen. Wenn ich im Gegensatz dazu an die mangelhaften Systeme denke über die wir Betreuungskräfte in den schulischen Bereich eingebunden bzw. eben nicht eingebunden sind, dann macht mich das erneut wütend. Eigentlich möchte ich gute und sinnvolle Arbeit leisten und ich möchte darin auch unterstützt und gefördert werden und bin bereit das auch für andere zu leisten. Was ich bekomme sind aber nur versteckte Vorhaltungen,  nicht erläuterte Anweisungen, ständige Veränderungen in der Organisation und der Einsatz von noch mehr unausgebildeten Hilfskräften, die sich aus Unkenntnis oder Abhängigkeit nicht zu der Situation äußern können, statt einer erkennbaren Linie und Stoßrichtung für eine stabile Verbesserung der Situation und eine sinnvolle Verwendung und Schaffung von Ressourcen. Auf Machtspiele und Führungsstrukturen will ich dabei noch nicht einmal eingehen.

Es ist die hinter dem Feedbacksystem stehende Haltung, die mich fasziniert. Niemand soll zurückgelassen werden, kein  Schüler und auch kein Lehrer. Jede/r kann sich weiter entwickeln. Unterstützung durch andere und Partizipation stehen allen zu. Ich hätte so etwas aber auch gerne für Betreuende und vor allem mehr Respekt für diese Art der Arbeit. Geht es um das Lernen und das Wohlergehen der Schüler, so ist es von großer Wichtigkeit, dass auch die sie Betreuenden eine angemessene Einbindung, Teilhabe und Förderung an Schulen erfahren. Ich bin es inzwischen mehr und mehr leid zu beobachten wie sich ein Ring von Helfenden mit geringem Prestige um einen Kern an Lehrern etabliert, die dabei von einer tatsächlichen Teilhabe ausgeschlossen bleiben, dabei aber die Lücken aufzufüllen haben, die von Lehrern aus Kosten- oder organisatorischen Gründen nicht geschlossen werden.

Wenn ich sehe was sich Menschen alles ausdenken können und was an positiven Ideen möglich ist, dann kommen mir angesichts dessen was ich in den letzten Jahren erfahren habe erneut die Tränen.

Start in die sechste Woche WS2014/15 – Lerncommunities

Bevor ich mich dem Pensum der kommenden Woche zuwende, drängt es mich eine Blick zurückzuwerfen. Am Wochenende haben sich die Themen von zwei Aktivitäten, dem Wochenthema des Teaching for Learning 7 – Moocs und die aktuell bearbeitete Stelle im Studienbrief von Modul 3B, unbeabsichtigt getroffen. Und haben dabei die Achtsamkeit auf die Theorie von Communities gerichtet, was mich momentan sehr anspricht und womit ich in meinem Alltag unmittelbar zu tun bzw. leider nicht zu tun habe. Dabei fällt der Blick auch erneut auf den LdLMOOC2, wenn auch weniger auf den MOOC an sich als auf das von Jean-Pol Martin im Netz gegründete LdL-Online-Institut, mit folgenden Aufgaben für die Zielsetzung:

1. der Festigung und dem weiteren Ausbau des theoretischen Rahmens (Grundlagen-Corpus),
2. der Fortsetzung der LdL-Forschung auf empirischer Basis (Durchführung von Moocs und Reflexion darüber)
3. der Ausbildung und Schulung von Personen, die LdL anwenden und diffundieren wollen.

(aus der Gruppenbeschreibung)

Dabei handelt es sich um eine Community, die ich aber keiner der in meinem Studienbrief angegebenen Taxonomien zuordnen möchte. Diese Taxonomien sind sowieso nur Vorschläge, für das LdL-Online-Institut wäre es sinnvoller aufzuschlüsseln welche Aufgaben von dieser Community genau umfasst werden.

Das sehe ich momentan allerdings nicht als Aufgabe für mich, ich muss meine Aktivitäten beschränken und fühle mich durch meine Studien vor allem durch Themen hindurch getrieben, was ich allerdings begrüße, da ich immer noch einen großen Bedarf für einen generellen Überblick habe. Inzwischen ist mir klar geworden, dass ich mich für den Rest meiner Studienzeit für BiWi an der FernUni jetzt nur noch auf das Thema Lernen und Lehren konzentrieren könnte, sogar wenn ich die Hausarbeit für das Modul 3A nicht bestanden haben sollte. Und das freut mich sehr. Volle Konzentration ermöglicht ein tiefes Eindringen! Und das bei einem Thema, das mich sehr anspricht, bei dem ich viele Fragen habe und so gerne eine brauchbare kognitive Karte hätte. Einfach ideal!

Die Lehrerkursreihe Teaching for Learning neigt sich ebenfalls ihrem Ende zu. Diese Woche werde ich den 7ten und vorletzten Teil beendet haben. Dort bin ich im letzten Jahr beim dritten Teil, dem Thema Lernen und Lernende, eingestiegen, und habe danach nun  fast die ganze Reihe mit beachtlichem Gewinn für mich abgeschlossen.

Gerade eben trudelt von Marc Schakinnis sein Blogbeitrag zur 9. eLearning Didaktik Fachtagung in Linz/Österreich ein und verschafft mir Zugang zu den für mich interessanten Vortragsunterlagen. Ein erster schneller Blick, Informationen vom Stand eines anderen, ein Like und weiter mit meinem eigenen Thema. Community-Effekte.

Ich werde das Thema Communities zum momentanen Zeitpunkt nicht vertiefen, alle Einzelinformationen zusammen geben mir jetzt jedoch eine Basis um ein wenig anders hinzuschauen und der Selbstverständlichkeit, die Communities für mich haben, eine Zuordnung im Feld von Lehren und Lernen zu verschaffen. Bleibt genug Zeit, könnte ich zu Communities eine Visualisierung erstellen. Sinnvoll wäre das.

Interessant ist dabei, dass im Teaching-for-Learning-MOOC Communities ausschließlich im Rahmen von Schule betrachtet werden und dort keine Ausdifferenzierung der verschiedenen Formen nach Präsenz und E-Learning erfolgt. In meinem Studienbrief ist das anders. Communities als Interessensgemeinschaften werden genereller beschrieben und beide Formen finden Beachtung, Präsenz und Online. Auch Dewey und der Konstruktivismus tauchen erneut auf und damit mein Bedauern Deweys Demokratie und Erziehung immer noch nicht durchgearbeitet zu haben. Die Erstellung von Communities an Schulen wie im  Teaching-for-Learning- MOOC verwendet, wird allerdings nicht explizit thematisiert, auch wenn sie für den schulischen Bereich von hohem Interesse scheint.

Die Verwendung im Bereich Schule ist für mich allerdings eine gute Ergänzung, vor allem die  aufgezeigte Möglichkeit durch lernende Gemeinschaften Verbesserungen an Schulen zu erreichen. Automatisch verbinde ich die Informationen mit den Erfahrungen und Wahrnehmungen in meinem Umfeld. Dabei stoße ich erneut auf die Problematik der vernachlässigten Position in der sich die Betreuungen an den betreuten Grundschulen unseres Landkreise in der Regel befinden. Zusammenarbeit findet unter Lehrern statt, auch über Schulen hinweg, Betreuungen sind in der Regel nicht gleichberechtigt in die Gestaltung des Nachmittags eingebunden, und die Kommunikation unter den Betreuungen selbst ist schwierig und häufig auf die ein bis zwei jährlichen Fortbildungstermine beschränkt. Betreuungskräfte arbeiten oft voneinander als auch von der Schule isoliert. Partizipation an Schulangelegenheiten ist häufig nicht gegeben.

Als ich in diesem Jahr am MOOC „Meine Schule transformieren-ein Reiseführer“ teilnahm, wurde mir im Verlauf der ersten Wochen klar, dass ich als Betreuende an einer als offene Ganztagsgrundschule sich entwickelnde Schule gar nicht zur Zielgruppe gehöre, sondern die Zielgruppe letztlich Lehrer sind. Von den im MOOC Teaching for Learning dargestellten positiven Auswirkungen von Zusammenarbeit, Austausch, gegenseitiger Hilfe und gemeinsamem Lernen profitieren wir nicht. Wir bleiben unberücksichtigt außen vor, auch wenn wir tägliche Bezugspersonen für die Kinder an der Schule sind. Ich bin mit dieser Situation seit Jahren konfrontiert und weiß, dass wir wenig daran ändern können, wenn nicht von Seiten der Schulleitung und der Lehrer die Betreuung als gleichberechtigter Bestandteil der Schule eingestuft wird. Ansonsten bleiben wir im schulischen Gefüge Hilfskräfte, Handlanger und die Aufbewahrstätte der Kinder als Wartesaal auf dem Weg zwischen den bedeutungsvolleren Aktivitäten.

Soweit mein aktueller persönlicher Bezug und meine Problematik mit lernenden Gemeinschaften in der physischen Welt.

Im Netz präsentiert sich die Situation ganz anders und ich entdecke durch die Einflüsse dieser Woche die Existenz virtuelle Gemeinschaften in verschiedenster Form als Unterstützung von Lernen, die ich bereits gerne und ausgiebig nutze und sehr schätze. Damit haben die Inhalte der letzten Woche eine neue Achtsamkeit erweckt und es ist mir das erste Mal aufgefallen, dass sich Prof. de Witt von der FernUni im besonderen mit der Betreuung von Online-Communities of Inquiry beschäftigt hat. Das im Studienbrief erwähnte Paper lade ich mir in einen neuen Ordner Communities herunter und damit habe ich mir erneut zusätzliche Arbeit verschafft, aber auch die Möglichkeit mein Wissen wiederum auszudehnen. Ich hoffe es hilft auch dabei, meine kognitive Karte zum Lernen und Lehren zu entwickeln.