Bildungsmäuschen

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Unsicherheit und Orientierungslosigkeit

Es wurde dann doch kein Neustart. Der Rechner blieb weiterhin aus und nervt jetzt mit Updates und der Anwesenheit unerledigter Dingen, von denen ich mich umzingelt fühle. Wenigstens meldet das System keine Probleme erkannt zu haben und ausreichend sicher zu sein. Einen gewünschten Neustart verschiebe ich erst einmal, um meinen Elan zum Schreiben nicht zu beeinträchtigen. Die Tastatur klappert ungewohnt und ich erinnere mich aufpassen zu müssen, weil ein ä hier nicht über das a erreichbar ist. Das Smartphone wurde mein täglicher Begleiter, so wie auch Pokémon Go. Beides faszinierende Erfindungen, doch beides Bremsen beim Schreiben eines Blogs wie des meinen. (Die Tageszeit, die ich vorher für den Blog verwendet habe, habe ich die letzten drei Monate mit PoGo spielen verbracht.)

Der Sommer ist endgültig vorbei und das mit voller Härte. Meinen dicksten Winterpulli habe ich für das Sitzen am Rechner hervorgekramt, um gegen das dauerhafte deprimierende Empfinden von Nässe, Kälte und Dunkelheit anzugehen. In der lokalen Arena bin ich seit zwei Tagen durchgehend Arenaleiterin und nach 21 Stunden, wenn Münzen für besetzte Arenen eingefordert werden können, waren es heute Nacht erneut 4 Arenen, in denen sich noch Pokémon von mir aufhielten. Kein Grund in die Nacht oder den frühen Morgen hinauszugehen und dort die während der Ruhephase der Nacht kumulierten Gedanken mit mir selbst auszudiskutieren.

Das erste Mal seit langem habe ich auch mit jemandem sprechen könne, der im Stande ist meinen Gedankengängen und Problematiken zu folgen. Neben Wetter und PoGo-Situation jetzt ein wichtiger Motivator zum Schreiben. Es ist nur ein einziger Mensch notwendig, für den die eigenen Gedanken von Bedeutung sind, um einen Anlass zum Aufschreiben zu liefern. In meiner Kleinstadt bin ich in der letzten Zeit sehr in die Einsamkeit in Bezug auf weitergehende Bildungsthemen geraten, die FernUni ist in den letzten Monaten sehr, sehr fern, da ich von mir aus nicht aktiv wurde, und von meinen Netzkontakte kommt in der letzten Zeit wenig, das mich zu Äußerungen anregt. Ich bin draußen.

Es war ein langer Sommer, der mich verändert hat. Ich bin in meinen Gedankengängen sehr weit gegangen und sehe mich mit bisher unlösbaren Problematiken konfrontiert. Zuletzt bin ich auf Gemeinsamkeiten des Konstruktivismus mit hinduistisch-buddistischen Vorstellungen von der Welt als Illusion gestoßen. Wir sind nicht in der Lage die Wirklichkeit so wahrzunehmen wie sie ist. Wir sehen sie durch einen Schleier von Vorstellungen und Interpretationen. In Bezug auf Emotionen ist das nicht anders. Auch unsere Emotionen beziehen sich auf Mutmaßungen vom Zustand der Welt. Es kann daher als müßig eingeschätzt werden über richtig und falsch zu streiten und dabei auch noch heftige Erregungszustände zuzulassen.

So, jetzt nervt mich der Rechner damit, dass er meint neu starten zu müssen und lässt sich davon nicht abbringen. Daher erst einmal Pause.

Gruselige, häufige Neustarts kennt mein Smartphone nicht. Es drängt sich auch weniger in den Vordergrund, eröffnet dabei weniger Optionen und vereinnahmt mich weniger. Am Rechner verbringe ich mehr Zeit an einem Stück, das Smartphone wird außer bei PoGo eher nur kurzzeitig, dafür häufiger genutzt. Ist jetzt aber noch ein ganz anderes Thema. 

Zurück dazu sehr weit in gedanklichen Überlegungen zu gehen und der Frage nach der Orientierung, wenn Wirklichkeit nicht so erfasst werden kann wie sie ist, sondern davon ausgegangen werden muss, dass wir uns immer in Konstruktionen (oder Illusionen) befinden. Wobei dann noch das Paradoxon auftritt, dass etwas behauptet wird, das auf der Basis der eigenen Aussage ebenfalls eine Konstruktion darstellt. Sehr weird!

Halte ich aber zumindest fest, dass niemand recht und niemand unrecht hat, so bleibt trotzdem der Bedarf für eine Orientierung. Man kann einfach machen, von Tag zu Tag, irgendwie auf Funktionalität ausgerichtet, entkommt dabei der Frage nach der Orientierung aber nur scheinbar, denn im Hintergrund wirken Annahmen und Vorstellungen und die emotionale Besetzung von Kulturgütern, Praktiken, Machtverhältnissen.

Bevor ich mich zu PoGo und Star Trek zurückgezogen habe, war ich ausgepowert und erschöpft. Vom jahrelangen Studium, von einer endlosen Tretmühle an Arbeit ohne positive Perspektive, von überfordernder Komplexität. Zwei wichtige Sätze sind mir aus der Zeit noch in Erinnerung. „Ist das Bildung oder kann das weg?“ und „Ein gut dressiertes Äffchen ist noch lange nicht gebildet!“ Dazu kam ein wachsendes Interesse am Einfluss des Wirtschaftssystems auf die Vorstellungen von Bildung.

Sinnvolle Sicherungssysteme haben mich gestoppt, mich umgelenkt auf Einfaches, Überschaubares, Ablenkendes. Im Hintergrund wuselte die Bearbeitung aufgetretener Fragen jedoch weiter. Abgebremst wurde nur der Zufluss neuer Informationen. Und das war gut so.

Ich bin alt genug selbst erfahren zu haben, wie sich manche Vorstellungen von Bildung ändern während andere gleichzeitig erhalten bleiben. Dazu kommt eine Gesellschaft, die sich aus einer großen Spanne von Altersgruppen und kulturellen Milieus zusammensetzt. Es ist wichtig Vorstellungen zu hinterfragen. Von dem wie Emotionen eingeschätzt werden oder was unter Bildung verstanden wird. Es kann nicht automatisch von einer gemeinsamen Basis ausgegangen werden. Und wenn richtig und falsch irrelevant sind, woher kommt dann eine sinnvolle Orientierung?

Die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus bietet für mich immer wieder eine geeignete Grundlage für Erkenntnisprozesse. Eine andere Zielsetzung, eine andere Vorstellung vom Menschen führt dazu, dass das Erziehungs- und Bildungssystem diese anderen Menschen produziert. Richtig? Falsch? Für wen richtig, für wen falsch? Die Orientierung konstruiert und formt den Menschen. Formt was er unter Bildung versteht, wie er dazu steht. Formt was er unter Emotionen versteht und wie er damit umgeht. Weinen – nicht weinen. Betonung von Sport und Gehorsam – Betonung musischer Fächer und der Entfaltung von Kreativität. Respekt vor Technik und Naturwissenschaften – Entemotionalisierung von Technik und Naturwissenschaften. Kritikfähigkeit – Anpassung. Bewertungen, Zuordnungen, Annahmen, Mutmaßungen, Gepflogenheiten, Machtinteressen…

Was selbstverständlich erscheint ist es nicht. Vorstellungen von Emotionen nicht, Vorstellungen von Bildung nicht.

Als ich kurz in der Küche war, finde ich meinen Rechner kommentarlos ausgeschaltet und beim Hochfahren meldet er unvollständiges Herunterfahren. Ich beobachte welche Emotionen sich mit dem Zustand meines Rechners verbinden und versuche mich davon nicht beeindrucken zu lassen. Glücklicherweise gibt es automatische Speicherungssysteme…

Auf einer Basis von Unsicherheit und unvollständigen Informationen in Komplexität und fortwährenden Wandlungsprozessen zuverlässige Aussagen machen… kaum möglich. Ich hatte von diesem Problem gehört und gelesen. Es selbst zu erleben irritiert und befriedigt. Es macht weicher und toleranter. 

Im Hintergrund rauscht der Rechner bei seiner nicht endend wollenden Suche nach Updates, fördert dabei Ängste und lenkt zur Vorstellung von Bergen von anstehenden Problemen. Ablenkend und nicht entspannend!

Gleichzeitig fördern Unsicherheit und Orientierungslosigkeit die Frage nach dem Sinn aller Bemühungen. In diesem Augenblick habe ich den Verdacht damit Teilen des aktuellen Zeitgeistes nahe zu stehen. Von Tag zu Tag etwas am Funktionieren halten das zwar hinterfragt werden kann, doch es gibt kein Dort-soll-es-hingehen als Orientierung und Perspektive.

Mein üblicher Umfang eines Blogeintrags ist damit erreicht. Das Problem ist angerissen, aber nicht geklärt. Die Auseinandersetzung selbst bietet Input zum Weiterdenken. Ob und wann es ein Weiterschreiben geben wird, wird sich zeigen. 

Der Rechner sucht immer noch nach Updates…

Ich bin zufriedener und unglücklich…

Nach der PV … noch weiter

In meinem letzten Blogeintrag war ich sicher, dass Themen im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus jetzt erst einmal keine Rolle für mich spielen werden und ich mich voll und ganz auf die Emotionen konzentrieren kann, doch so funktioniert das einfach nicht. Ich und die deutsche Gesellschaft sind nicht davon trennbar. Da sind die Erinnerungen, die Orte, die Menschen, das „Geistesgut“ – es ist allgegenwärtig. Es sind sogar die Wälder, Wiesen, Felder, Berge und Bäume. Es gibt kein Entkommen. Die einzige Möglichkeit besteht darin die Augen weit zu öffnen und den Schrecken anzunehmen. Auch wenn es zum Heulen ist.

Ich habe mir von der Gedenkstätte der Wewelsburg zwei Bücher mitgebracht. Das eine ist eine aus Frankreich stammende Ethik für Kinder [1], das andere thematisiert die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus [2], etwas das für die Aktivitäten von Himmler wichtig ist, aber zu den Themen gehört, die bei der PV unter den Tisch gefallen sind. Ich habe begonnen es nachts im Bett zu lesen.

Ich arbeite momentan so, dass ich für nicht notwendige Dinge sage: „Gut eine Stunde ist dafür drin oder ein Zeitpunkt, wenn ich sowieso nicht mehr sinnvoll arbeiten kann.“ Seitdem hat die Vielfalt an Dingen die ich tue wieder zugenommen.

Das Buch erschreckt mich. Einerseits wegen der menschenverachtenden Teile der dahinter stehenden Ideologie, andererseits weil ich die dort beschriebenen Praktiken so gut kenne. Allerdings aus ganz anderen Zusammenhängen und nicht eingebettet in einen Weg, der zur nationalsozialistischen Herrschaft geführt hat. Doch genau nach dem Prinzip hat es funktioniert. Nach der Niederlage sind bestimmte Dinge unsichtbar gemacht worden, aber nach damaligen Maßstäben unverfängliche wurden unverändert beibehalten.

Mir ist wieder zum Heulen. Bei einer Ausstellungseröffnung zu einer langweilig präsentierten Ausstellung von Bildern von TOM sitzen meine alten Lehrer. Sie gehören zum kleinstädtischen kulturellen Establishment und versuchen sich eine Kultur anzueignen, die sie in der Vergangenheit gering geschätzt haben. Ihr Anblick lässt so vieles wieder aufsteigen. Neben mir steht ein Mensch, dessen Kultur Jahrzehnte später von seinen Lehrern ebenfalls gering geschätzt wurde. Jetzt hat er daraus einen Beruf gemacht, der in der Rangordnung der Betätigungen eine hohe Position einnimmt, und hat einmal überlegt zu einem dieser Ehemaligentreffen zu gehen und über sie zu lachen. Hat er nicht gemacht. Und meine alten Lehrer sitzen da auf ihren etablierten Plätzen und werden auf diesen sterben.

So funktioniert es.

Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus haben sich weit vor diesem entwickelt. Die Nazis konnten sich aus Fülle bedienen und ihr spezifisches Weltbild damit auspolstern oder sogar davon ableiten. Nach ihrer Entmachtung sind diese okkulten Ideen und Praktiken aber nicht verschwunden. Das Buch macht mir bewusst, wie viel ich von diesen Dingen kenne, da sie auf verschlungenen Wegen unhinterfragt in meinem Wissensbestand gelandet sind. Ohne Kontext ist aber der menschenverachtende Zusammenhang nicht leicht erkennbar.

Auf dem Schulhof haben sich drei Mädchen zusammengetan und provozieren einen Jungen so lange, bis er auf sie einschlägt. Ich habe versucht sowohl die Mädchen als auch den Jungen zurückzuhalten. Ohne Gewaltanwendung ist mir das nicht gelungen, und das Ergebnis ist, dass die Mädchen fordern, dass der Junge bestraft wird, denn sie haben ihn ja nicht gehauen, sondern er sie.

Ich rede und daher habe ich mit allen geredet. Neben einem Mangel an Vermögen den Standpunkt des anderen nachzuvollziehen, finde ich die Nutzung einer Unklarheit im System. Physische Gewalt ist nicht gestattet, aber psychische ist es. Das Mädchen, das am heftigsten argumentiert, lässt dabei sichtbar werden, dass sie genau weiß, dass sie etwas Mieses mit dem Jungen gemacht hat. Und genau das wollte sie, da sie der Ansicht war er hätte es verdient. Sie wollte es aber tun ohne selbst bestraft zu werden.

Ich funktioniere nicht wie erwartet und am Ende werde ich von den Mädchen beschuldigt. Später versuchen sie den Jungen von einer Kollegin bestrafen zu lassen.

Nichts verstanden. Das dahinter stehende Prinzip nicht verstanden. Umgeschwenkt auf legitimes, ungefährliches und unverfängliches. Wie Rushton, der dann eben statt Hautfarbe den Intelligenzquotienten benutzt, um Argumente zu liefern mit wem man sein eigenes Erbgut aufwerten sollte und mit wem nicht.

Fortschritt und Verbesserung auf den Fahnen und bereit dafür den Preis der Menschenverachtung und Menschenzerstörung zu zahlen. Sich das Recht nehmen zu bestimmen was Fortschritt und Verbesserung sein. Die Werte setzen. Und dafür Mittel der Beeindruckung verwenden. Dafür die Emotionen ansprechen und weitere innere Vorgänge. Es läuft erneut darauf hinaus, dass der am meisten Recht hat, der über Macht und Ressourcen verfügt.

Deshalb ist es so wichtig danach zu fragen was dahinter steht. Deshalb ist es wichtig Fragen stellen zu können. Und Fragen stellen zu dürfen. Zu lernen eingebettet in Zusammenhänge zu denken. Nichts ist losgelöst. In einer Kette von Zusammenhängen ist in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft eine Eiterbeule aufgeplatzt, die schon vorher bestand und danach nicht verheilt ist. Viele haben anschließend gefragt woraus es hervorgekommen ist, während es die Generationen im  Alltag nebenher weiter und weiter getragen haben, ohne zu verstehen, dass sie das weiter tragen aus dem sich der Nationalsozialismus entwickelt hat.

Auf der Mieterversammlung stellt sich heraus, dass es vor allem eine Person ist, die mit der Sauberkeit im Haus und der Umsetzung  der Hausordnung nicht zufrieden ist. Sie stellt die Forderung sich am Normalen zu orientieren. Als normal bezeichnet sie dabei ihre Vorstellungen, die aber in dieser Runde von niemandem geteilt werden. Irgendwann und irgendwo wurden diese Vorstellungen gebildet, als Normalität eingestuft und damit als etwas, das man von allen anderen auch einfordern kann.

Gesellschaften wandeln sich. Vielleicht kommen Menschen mit sehr unterschiedlichen Normalitätsvorstellungen zusammen. Alter, Herkunft oder Biografie spielen eine große Rolle bei den Vorstellungen von dem was denn wohl als normal eingestuft werden kann. Das allein reicht allerdings noch nicht aus. Dazu kommt noch die Bewertung. Ganz leicht schimmerte es bei der Mieterversammlung durch. Was ist hochwertiger? Und müssen das alle in gleichem Maß erbringen, um als Menschen den gleichen Wert zu besitzen? Muss man nicht Handikaps und besondere Lebenslagen in die Überlegungen einbeziehen? In der Mieterversammlung wurde aus vielen Stimmen ein Kompromiss gefunden. Keine setzte Machtmittel ein, um ihren Standpunkt den anderen aufzuzwingen.

Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus haben zuvor bestanden und sich anschließend  fortgesetzt. Vorstellungen wurden weitergegeben, bei denen es notwendig ist sie auf die Weitergabe von Strukturen zu hinterfragen. Auch noch nach vielen, vielen Jahren.

Zu häufig wird Bildung vor allem in Hinblick auf Kinder und Jugendliche wahrgenommen. Dabei ist sie eine gesellschaftliche Aufgabe für alle Generationen. Ich kenne jemanden, der stellt die für mich selbstverständlichsten Dinge in Frage, also fragt er auch danach was denn eigentlich DIESE Gesellschaft ist von der ich rede. In meiner Erklärungsnot nehme ich die erste Definition, die mir die Googleanzeige meines Smartphones liefert und die sich hinterher als reichlich unvollständig herausstellt. Ein Problem, das mir zuvor noch nicht so extrem aufgefallen ist. Ich hatte bisher kein Smartphone zur Verfügung.

Gesellschaft: „die Menschen, die in einem Land zu einer bestimmten Zeit unter bestimmten Verhältnissen zusammenleben.“

Diese unvollständige Definition zusammen mit dem Eindruck der Mieterversammlung stärkt später meine Überlegung, dass wir eigentlich alle fortwährend Input benötigen, der es uns ermöglicht die Situationen besser zu verstehen, mit denen wir im Alltag konfrontiert sind.

Ein Arbeitskollege meines Sohnes zeigte sich sehr verwundert darüber, wie dessen Mutter dazu kommt einen MOOC zur Einführung in die Programmierung mit Python abzuschließen. Meinen Dank an die Stereotypen! Auf der anderen Seite gibt es wieder Stimmen, die eine Forderung für lebenslanges Lernen als Zumutung begreifen oder nur die ökonomische Verwertung im Augen haben und bei fortschreitendem Alter auf eine mangelnde Bildungsrendite verweisen. Ein spannender Themenbereich! Was die Zeit des Nationalsozialismus in einer Kette von Vorgängen angeht, so ist diese jetzt ein Beleg für mich, dass Bildung und Weiterbildung in jedem Alter Sinn machen.

Im aktuellen Bezug bedeutet es zu wissen woher das Gedankengut kommt, das Einwanderer aus als leistungsschwächer verorteten Ländern oder den Islam an sich als Bedrohung versteht. Durch welche Details wurden diese Vorstellungen emotional getaggt weitergegeben? Was für eine Bedrohung wird da eigentlich empfunden? Die Minderwertigkeit des Nichtarischen hat sich sprachlich gewandelt, doch die Struktur der Vorstellungen ist die Gleiche geblieben. Sie wurde zur Selbstverständlichkeit, weil sie sich in den Kleinigkeiten des Alltags eingenistet hat. „Wir sind das Volk.“ Wir haben Recht weil wir so wahrnehmen und fühlen. Das ist die Normalität.

Normalität wurde geschaffen. Stück für Stück, Detail für Detail. Meine und deine. Damit fühlen wir uns wohl oder unwohl. Bildung sollte helfen zu verstehen, dass es sich um Konstrukte handelt. Um Abstand nehmen zu können. Um Bewertungen zu hinterfragen. Um sich selbst zu hinterfragen.

Ich weiß, dass ich meine alten Lehrer nicht als die Personen wahrnehme, die sie momentan tatsächlich sind, sondern dass ich sie zu Typen verzerre. Ich entschuldige mich dafür bei euch.

Referenzen:

[1] Labbé, B. & Puech, M. (2005). Was verbindet die Welt? Ethik für Kinder. Bindlach: Loewe.

[2] Goodrick-Clarke, N. (2014), 5. Aufl. Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. Wiesbaden: Marixverlag.

Die Bedeutung von Emotionen für die Bildungswissenschaft

Meine Freundin sagt, es scheint ihr als suche ich der Weisheit letzten Schluss und ein guter alter Freund meint, eines morgens wachst du auf und dann weißt du genau was du schreiben willst und schreibst das dann in einem Rutsch runter. Und ein Verwandter mit Erfahrung meint, du hast doch schon längst alles zusammen was du für so eine doch recht kleine Arbeit wie eine Bachelorarbeit brauchst. Du musst nur endlich anfangen. Und aus dem Netz kommt die Aufmunterung, an die Insel der Forschung zu denken.

Es ist gut so etwas zu erleben, weil es die Sorge um einen anderen Menschen ausdrückt, weil Menschen so etwas benötigen und weil es ein wichtiger Bestandteil von Beziehungen ist. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, so fühle ich mich geborgen. Keiner der Hinweise trifft meine Probleme dabei so richtig, allerdings liefern mir alle etwas dem gegenüber ich meine eigene Position besser bestimmen kann.

Der Weisheit letzten Schluss gibt es in Bezug auf Emotionen nicht und auf die spontan entstehende Ordnung hoffe ich nicht mehr. Bei den anderen Ratschlägen wird es schon schwieriger. Nein, das was ich für meine Arbeit benötige habe ich noch nicht ganz zusammen. Momentan stecke ich in den Fragen nach den Schlussfolgerungen, die sich in Bezug auf die Bildungswissenschaft aus meinen Recherchen ergeben. Lokalisiere ich mich auf der Insel der Forschung, so befinde ich mich zur Zeit im Wo-bin-ich-Nebel. Gerade eben ist alles am zerfallen und sich auflösen. Konfrontiert mit permanenter Ungewissheit und der Überforderung meiner Denkfähigkeiten bekomme ich allerdings keine Panik mehr. Beides gehört zum Prozess dazu.

Von Texten ausgehend, die sich mit den emotionalen Aspekten des Nationalsozialismus beschäftigen und für mich sowohl Vergangenheitsbewältigung als auch Suche nach den bis heute andauernden Auswirkungen auf emotional gestützte Weltkonstruktionen und Bewertungssysteme darstellen, habe ich in den letzten Tagen mit Byung-Chul Han einen großen Sprung in die Gegenwart gemacht. „Die neoliberale Psychopolitik bemächtigt sich der Emotionen, um Handlungen auf dieser präreflexiven Ebene zu beeinflussen. Über Emotionen greift sie tief in die Person ein. So stellt sie ein sehr effizientes Medium der psychopolitischen Steuerung der Person dar.“ (Han, 2015, S.67)

In der Entwicklung der Ausprägung von Macht sieht er eine Bewegung von der Souveränitätsmacht als Macht des Schwertes über die Disziplinarmacht als Normierungsmacht mit einem Regelwerk von Normen, Geboten und Verboten und der Beseitigung von Abweichungen und Anomalien (Han, 2015, S.34) zu einer Machtform, einer Psychomacht, bei der die Psyche des Menschen vereinnahmt wird und er im Sinne des perfekten Funktionieren im System zu permanenter Selbstoptimierung aufgefordert wird, bei der Blockierungen, Schwächen und Fehler wegtherapiert werden sollen, um Effizienz und Leistung zu steigern (Han, 2015, S.43).

Noch kaum mit Verarbeitung und Einbau der neuen Perspektive in meine Gesamtvorstellung fertig, liegt ein vor einer Weile in der UniBib bestelltes Buch zur Abholung bereit. Vorbestellte Bücher kommen nicht unbedingt dann wenn sie passen, und für dieses Buch habe ich momentan eigentlich gar keinen Platz in meinem Kopf. Klein und unscheinbar liegt es im Abholregal und ist dabei unglaublich gewichtig. Philosophie der Gefühle, ein Reader von 2009 und schon ziemlich abgegriffen. Texte von Philosophen, und wer noch glaubt Philosophie oder Emotionen seien Nebenbei-Spielkram, sollte einen Blick in dieses Buch werfen. Das ist komplexes Denken pur.

Ich sehe mich außerstande dieses Buch jetzt auch noch zu bearbeiten. Die wenigen Seiten, die ich lese, sind so voll von Gedankengängen zu Gefühlen und Emotionen, mir bereits bekannten aber auch sehr vielen neuen Überlegungen, noch dazu in einer mir zum Teil nicht vertrauten Sprache, dass ich vor allem den Schluss daraus ziehe, dass ernst zu nehmendes, komplexes Wissen und umfangreiches Denken zu Emotionen existieren. Es mag keine Einigkeit geben, zu viele offene Fragestelllungen und Unklarheiten und keine mal einfach so anwendbare Systematik, die Art der Beschäftigung mit dem Thema Gefühle, die ich hier finde, belegt mir, dass Emotionen ein der genaueren Untersuchung würdiges Thema sind. Genau das scheine ich mir immer wieder bestätigen zu müssen.

Und damit komme ich zum Wo-bin-ich-Nebel. Emotionen sind ein wichtiges Thema für unterschiedliche Wissenschaften, davon habe ich mich inzwischen überzeugt, aber wie sieht es nun konkret für die Bildungswissenschaft aus? Als interdisziplinäre Wissenschaft muss sie selbst nicht daran forschen was Emotionen sind. Sie hat aber mit Menschen zu tun und zu Menschen gehören Emotionen. Aber welches Emotionswissen und welche Theorien braucht sie, in welchem Umfang, in welcher Systematik, woher nimmt sie es und wofür kann sie es benutzen?

Ich bin der Ansicht, dass sich die Bildungswissenschaft, so wie ich sie erlebt habe, einerseits zu wenig mit Emotionen befasst, andererseits zu wenig über ihren Umgang mit Emotionen reflektiert. Der durch neuere neurowissenschaftliche Erkenntnisse ausgelöste Hype der Beschäftigung mit Emotionen scheint vorübergegangen. So vereinfacht wie es in den Jahren nach 2000 eine Zeit lang im Bildungsbereich verbreitet wurde – fördert positive Emotionen und alles wird gut – ist es eben nicht. Eine Konzentration auf das Lernen und die damit verbundenen Emotionen, wie von der pädagogischen Psychologie praktiziert, ist ebenfalls unvollständig. An anderer Stelle habe ich mich bereits damit auseinandergesetzt, dass ich dabei die Auswirkungen von Differenzerfahrungen als nicht ausreichend berücksichtigt betrachte.

Ebenfalls als zu wenig beachtet finde ich die Auswirkungen von Normalitätsvorstellungen auf Emotionen. Auch die von Byung-Chul Han, aber bereits von Arlie Hochschild  in der Studie Das gekaufte Herz thematisierte ökonomisch orientierte Verwendung von Emotionen halte ich inzwischen für bedeutende Aspekte, die im Bereich der Bildungswissenschaft in Überlegungen einbezogen werden sollten.

Insgesamt, neben der Anerkennung von Emotionen als Einflussfaktoren, fehlt mir ein überall anwendbares Konzept für Emotionen zur Überprüfung der Auswirkungen emotionaler Aspekte auf Bildung. Es geht dabei nicht allein um die Förderung von Lernerfolgen, sondern um die Auswirkungen von Differenzerfahrungen, die Gründe unterschiedlicher Bildungsvorstellungen und Bildungskonzepte, die Erfüllung der Ansprüche auf einen gleichberechtigten Bildungszugang, die ungleiche Bewertung von Bildungsabschlüssen oder auch um Normalitätsvorstellungen und deren Auswirkungen. Und dann noch, was lehren wir überhaupt über Emotionen? Die Aufzählung kann noch weiter fortgesetzt werden.

Der erste Schritt ist es jedenfalls Emotionen als Einflussfaktoren als bedeutungsvoll einzustufen. Der zweite wäre eine geeignete Systematik zur Untersuchung zu entwickeln. Der dritte diese anzuwenden und zu sehen welche Schlüsse sich daraus ergeben und ob diese tatsächlich zu einem interessierenden Erkenntnisgewinn führen.

Etwas hat sich jetzt mein Wo-bin-ich-Nebel gelichtet.

 

Referenzen:

Döhring, S.A. (2009) (Hrsg.). Philosophie der Gefühle. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Han, B.-C. (2015). Psychopolitik. Neoliberalismus und die neuen Machttechniken. Frankfurt am Main: S.Fischer.

Neckel, S. (2013). Arlie Russell Hochschild: Das gekaufte Herz. Zur Kommerzialisierung der Gefühle. In: Senge, K. & Schützeichel, R. (Hrsg.). Hauptwerke der Emotionssoziologie. Wiesbaden: Springer Fachmedien.

„Tafeln“ als Beispiel für soziale Arbeit im Grundschulunterricht

Dieser Blogbeitrag ist ein Anwendungsversuch meiner Beschäftigung mit dem Thema Emotionen im Kontext von Bildung und Differenz.

Vor kurzem stieß ich auf die Darstellung eines Projekttages „Sozialer Tag“ einer Grundschule und eines der durchgeführten Projekte war der Besuch bei einer Tafel. Schon beim ersten Durchlesen wurde mir mulmig. Es sollten an diesem Tag nach Aussage der Schulleiterin das Gespür für sozial Schwächere gefördert und der Blick für soziale Unterschiede geschärft werden. Eines der Projekte bestand darin, dass Lehrerin, Eltern und Kinder einer zweiten Klasse Nahrungsmittel einkauften und diese bei der örtlichen Tafel vorbeibrachten. Die Kinder wurden dabei über die Aufgabe und Funktion der Einrichtung informiert und erfuhren, dass dort etwa 50 ehrenamtliche Helfer tätig sind.

Es ist mir nicht bekannt wie diese Aktion genau durchgeführt und begleitet wurde und was die Kinder genau vermittelt bekamen, bei dem Thema Tafeln handelt es sich allerdings um ein sehr sensibles Thema, wenn eine kritische Begleitung fehlt. Ob diese für Zweitklässler möglich ist und welcher Eindruck bei Zweitklässlern während eines solchen Projektes entsteht oder auch entstehen soll, kann durchaus kritisch hinterfragt werden.

„Die Lebensmittelausgaben werden als ein Ort rekonstruiert, an dem zum einen Hilfe geleistet wird, zum anderen jedoch die Beschämung und Missachtung der betroffenen Subjekte zu den konstitutiven Bedingungen gehören.“ (Schoneville, 2013, S.17)

„Gefühle der Scham und Missachtung [stellen] emotionale Ausdrucksformen von Armut und Ausgrenzung dar, welche die positiven Selbstbeziehungen der jeweiligen Subjekte angreifen.“ (Schoneville, 2013, S.17)

Schoneville (2013, S.20) beschreibt ein Verhältnis der Integration sozialer Ausgrenzung, die von den Betroffenen nicht als positiv und wertvoll erfahren wird. Internalisierte gesellschaftliche Normen und Werte führen zu Gefühlen der Scham, die als symbolische Formen sozialer Ungleichheit betrachtet werden können, denn sie sind nicht die alleinigen, losgelösten Emotionen eines Individuums, sondern entstehen in einem sozialen Kontext.

Während auf der einen Seite die ehrenamtlich Helfenden ihr Selbstwertgefühl gleich mehrfach stärken können (beispielsweise Freiwilligkeit der Hilfe, Hilfeleistung für Fremde, die Befähigung Hilfeleistung zu geben), haben die Empfangenden keine Möglichkeit ihr Selbstwertgefühl zu erhöhen. Die von Schoneville angeführten Anerkennungserfahrungen – Selbstvertrauen, Selbstachtung und soziale Wertschätzung – sind in dieser Position kaum zu erleben.

Nach den Recherchen von Schoneville (2013, S.22) spielen Erfahrungen von Beschämung und Missachtung in erziehungswissenschaftliche Betrachtung kaum eine Rolle, wenn nur von einem souveränen und selbstverantwortlichen Subjekt ausgegangen wird und Emotionen nicht als Erscheinungen eingeordnet werden, die innerhalb gesellschaftlicher Strukturen ausgelöst werden. Machen pädagogische Bemühungen die beschämenden Strukturen nicht sichtbar und verbleiben in der Konzentration auf das soziale Bemühen der ehrenamtlich Helfenden, so wird damit zwar deren Position gestärkt aber nicht die der Hilfesuchenden.

Bei den Tafeln handelt es sich nicht um eine Leistung, auf die Bedürftige einen Rechtsanspruch haben, da die Gesellschaft anerkennt, dass für jeden Mensch die Notwendigkeit besteht seine Existenz in ausreichendem Maß abzusichern. Tafeln bedeuten reine Mildtätigkeit und damit die dauerhafte Abhängigkeit vom guten Willen und Engagement anderer. Dieses System ist nicht geeignet, um gesellschaftliche Probleme zu lösen und soziale Gerechtigkeit zu fördern.

Die Entwicklung zu Nutzern von Tafeln wird von Schoneville (2013, S.33) dabei als ein durchaus problematischer Bildungsprozess beschrieben, da das „Hilfsangebot der Lebensmittelausgabe […] nicht oder aber nur sehr eingeschränkt dazu in der Lage [ist], Unterstützung zur Autonomie in der Lebensgestaltung ihrer AdressatInnen zu leisten.“

Die Vorführung dieses Engagements von Freiwilligen als Modell sozialen Verhaltens ist im Kontext eines sozialen Tages an einer Grundschule durchaus kritisch zu sehen. Reste zu verwerten oder freiwillig für andere zu arbeiten sind zwar grundsätzlich positiv zu bewerten, eine Situation, in der Hilfe ökonomisch von Nutzen ist, die dabei aber die Autonomie und Handlungsfähigkeit der Betroffenen nicht unterstützt und sie gleichzeitig, wie von Schoeneville  beschrieben, auf eine gesellschaftlich untergeordneten Position verweist, sollten besser nicht genutzt werden. Eine anschauliche Vermittlung von Humanität und sozialer Verantwortung, wie von Seiten der Schule beschrieben, sieht in meinen Augen anders aus. Besser geeignet sind Beispiele, die Unterstützung dabei anbieten, dass sich die Situation von Betroffenen dauerhaft ändert, während diese selbst dabei aktiv werden können. Die Botschaft ist eine andere. Beispiele von Empowerment und gegenseitigem Austausch können allen eher die Möglichkeit geben emotional positiv bewertete Perspektiven für sich selbst, andere und die Gesellschaft an sich zu entwickeln.

Schoneville verwendet ein narratives Interview, um einen Prozess sichtbar zu machen, in dem die Nutzung der Tafel den Endpunkt und die Aufgabe eines langen Kampfes um Selbstständigkeit und Würde darstellt. Die daraus entstandene Situation enthält keine Veränderungsperspektive mehr. Die Ankunft auf der untersten Stufe der gesellschaftlichen Hierarchie ist damit auch für andere sichtbar geworden. Interessant wären in diesem Zusammenhang Untersuchungen zum emotionalen Gewinn der Helfenden oder auch Untersuchungen dazu, welchen Personen es gelingt aus dem Bedarf an Unterstützung wieder herauszufinden. Die Situation im Zusammenhang mit den Tafeln muss generell als komplex vermutet werden.

Trotz unvollständiger Informationen lässt sich allerdings sagen, dass Tafeln als Beispiele sozialen Engagements problematisch sind. Sie sollten daher nicht unbefangen für pädagogische Zwecke in der Grundschule benutzt werden. Es besteht die Gefahr, dass implizite Vorstellungen dominierend werden, wo eigentlich eine gründliche Reflexion gesellschaftlicher Verhältnisse erforderlich ist, um dem politischen Bildungsauftrag unseres Gesellschaftssystems tatsächlich gerecht zu werden.

Referenzen:

Schoneville, H. (2013). Armut und Ausgrenzung als Beschämung und Missachtung. Hilfe im Kontext der Lebensmittelausgaben „Die Tafeln“ und ihre Konsequenzen. In: Soziale Passagen (2013) 5:17–35. Wiesbaden: Springer.

Neckel, S. (1992). Status und Scham: Zur symbolischen Reproduktion sozialer Ungleichheit. Frankfurt: Campus.

Am 22.12.15 zugefügter passender Link zur Problematik der Tafeln: http://www.nachdenkseiten.de/?p=27438

Träumen im Bildungssetting

Ich kann mich selten an Träume erinnern. Heute Morgen ist das jedoch mal wieder gelungen, und wie Träume oft so sind, war es ein sehr merkwürdiges Setting. Als ich den Traum erzählte, wurde mir so langsam klar, was ich da eigentlich zusammengebaut hatte. Und es hat mich reichlich erschreckt.

Ich befand mich in einer Kindertagesstätte, die aber gleichzeitig auch eine Schule war. Dort wurden alle Kinder gesammelt und in Reihen gestellt, damit sie gemeinsam zu einer sozialen Einrichtung gehen konnten, um dort sozialen Dienst zu leisten und dabei zu präsentieren, wie gut ihre Erziehung gelungen ist.

Alle Kinder? Nein, eine ganze Gruppe blieb zurück. Es waren diejenigen, die nicht so wie gewünscht erzogen werden konnten. Und mit ihnen zurück blieben auch ihre Lehrer, Erzieher und Praktikanten. Das Ganze war ein wilder, lebhafter, bunter Haufen voller teilweise obskurer Ideen, die umgesetzt wurden.

Im Traum war ich die nicht-wertende teilnehmende Beobachterin, doch beim Erzählen stellten sich langsam Empfindungen von Unbehaglichkeit ein, da durch das Erzählen Zusammenhänge konstruiert und mit Bewertungen verknüpft wurden.

Eine Aufgabe von Emotionen ist es Informationen dafür zu liefern, ob ein Ereignis den eigenen Erfahrungen und Werten entsprechend als positiv, negativ oder neutral bewertet wird. In dem Fall hier ergab sich eine tendenziell negative Bewertung.

Hätte ich nicht darüber geredet, wäre es mir vielleicht gar nicht weiter aufgefallen, denn ein Traum ist ein Traum und keine Realität. Doch als ich ihn zu beschreiben versuchte, begann ich das einzuordnen, was meine Traummenschen eigentlich getan hatten. Wieder einmal waren Plätze zugewiesen worden.

Alle hatten ihre Tage zwar unter einem Dach verbracht, wurden dann aber getrennt und geschieden. Während die einen sich als geeignet erwiesen, um der Welt präsentiert zu werden, bekamen die anderen eine Spielwiese und wurden dabei vor der Öffentlichkeit verborgen.

Was sagt mein Traum mir nun also unterm Strich über meine Wahrnehmung des Zustands des Erziehungs/Bildungssystems?

Es ist wie es war und es ist wie es ist, mag sich die äußere Form auch geändert haben.

Der Bachelorarbeit entgegen

Aus gründlichem Aufräumen und Putzen, wie für die Zeit nach der letzten Hausarbeit geplant, ist bisher nichts geworden, und auch meine MOOC-Abstinenz werde ich voraussichtlich erst einmal weiterführen. Montag hat ein MOOC begonnen, zu dem ich schon seit Monaten angemeldet bin und dessen Thema mich sehr interessiert. Die erste Woche ist allerdings fast um und ich habe noch nichts von den Materialien bearbeitet, da ich ihnen nie Priorität geben konnte.

Unmittelbar nach Beendigung der Hausarbeit zum Modul 3B bin ich in Themenfindung, Literaturrecherche, erstes Lesen und sehr viel Reflektieren zu meiner Bachelorarbeit hinein gestolpert. Das war so nicht geplant und bisher habe ich auch noch kein sinnvolles Arbeitskonzept entwickelt, um später alles nachvollziehen und verwerten zu können was ich jetzt tue. Ich befinde mich aber bereits mitten drin in der Arbeit und bewege mich stetig vorwärts. Es gilt mal wieder das Prinzip, dass alles anders kommt als gedacht, und auch das mögliche Thema bewegt sich seit einigen Tagen in eine unerwartete Richtung. Zusätzlich dazu weiß ich noch immer nicht wie ich mit dem Blog im Bezug auf die Bachelorarbeit weiter verfahren soll.

Modul 3B hat sich u.a. mit Projektmanagement beschäftigt und erneut merke ich, dass ich in der Regel keine Projekte, sondern Prozesse gestalte. Ich hatte bisher keine Zeit mich genauer mit Prozessmanagement zu beschäftigen, außer mit dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess, da ich erst während der Hausarbeit auf den Unterschied gestoßen bin. Jetzt befinde ich mich bereits in einem anderen Thema, doch nicht nur das Thema Prozessgestaltung, auch das Thema Institutionen, das nach der Beendigung von Modul 3E noch offen war, taucht erneut auf und will bearbeitet werden. Außerdem zeigt sich bereits, dass mein eigentliches Thema Überraschungen bereit hält. Es verbirgt sich anders dahinter als auf den ersten Blick gedacht. Plötzlich befinde ich mich dadurch unerwartet in einer Auseinandersetzung zum Thema Hüther und beginne anzuzweifeln was er tut. Das hat mich zuvor aber nie beschäftigt und überrascht mich beträchtlich, während es gleichzeitig jedoch sehr spannend ist.

Außerdem ist es nervend keinen kostenfreien Zugang zu aktuellen Papers aus dem englischsprachigen Raum zu haben. Lernmotivation durch emotionale Irritation hört sich in meinem Kontext sehr interessant an.

Zumindest habe ich mich jetzt um einen UniBib-Ausweis für die nächste Präsenzuni bemüht und konnte dort bereits einige Bücher finden, die nicht ausgeliehen sind oder vor Ort eingesehen werden können. Und zum ersten Mal wünsche ich mir ein Stipendium von 200€ pro Monat für Literatur und Bücher, wie es der Freund eines Freundes während seines Soziologiestudiums bekam. Genau das würde mir jetzt sehr weiterhelfen. Aber so etwas ist in meinem Bildungspaket leider so gar nicht drin. Obwohl… ich hatte ganz vergessen, dass ich zu Beginn meines Studiums von Freunden zur Unterstützung etwas Geld geschenkt bekommen hatte, das ich noch gar nicht anrühren musste. Vielleicht wäre jetzt der richtige Zeitpunkt darauf zurückzugreifen. Auch hier finde ich wieder einen Punkt, der bei genauerem Hinsehen ganz anders aussieht als auf den ersten Blick. Alles scheint momentan danach zu schreien genauer hinzuschauen und weniger in gewohnten Denk- und Sichtweisen zu verbleiben.

Während des Schreibens habe ich mich nun auch entschieden mit meinem Blog einfach so weiter zu machen wie gehabt. Die bisher verwendete Form des Bloggens hat sich für mich bewährt und funktioniert. Bei Csikszentmihalyi [1] habe ich die Aussage gefunden, dass es der Hauptpunkt beim Schreiben ist Informationen zu schaffen, nicht nur sie weiterzutragen, dass der langsame, organisch wachsende Prozess des Denkens beim Schreiben die Ideen zum ersten Mal entstehen lässt (Seite 176), und dass das Schreiben benutzt werden kann um Erfahrungen zu kontrollieren, ohne den Verstand davon beherrschen zu lassen (Seite 177). So wie das Nachdenken auf meinem Sofa für das Entdecken von Zusammenhängen nützlich ist, ist es das Bloggen um Dinge ans Licht zu ziehen, zu überblicken und dabei wieder loszulassen. Beides hat unterschiedliche Strukturen, Funktionen und Auswirkungen, steht aber in einem Zusammenhang und hilft sich gegenseitig, was ich vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt einmal genauer untersuchen werde. Ich denke daher, der mögliche Gewinn für mich ist viel größer als der Inhalt meiner Ängste, die Gefahr, dass mir jemand etwas wegnehmen könnte.

Damit habe ich erneut eine Positionsbestimmung vorgenommen. In der letzten Zeit bemerke ich an mir insgesamt subtile, ermutigende Veränderungen, die ich noch nicht so ganz zusammenfassend beschreiben kann. Es bewegt sich in die Richtung, dass ich ernster nehme womit ich mich beschäftige und dabei insgesamt entspannter und gelassener bin.

Referenz:

[1] Csikszentmihalyi, M. (2004). Flow. Das Geheimnis des Glücks. Stuttgart: Klett-Cotta.

Das Reich der Zweifel

Visualisiert ist es eine Schlammlawine, in die sich die Oberfläche eines Gebirges während eines Unwetters verwandelt. Es gibt keinen Halt mehr, der Boden unter den Füßen ist in Bewegung, eine Orientierung ist schwierig und die ganze Situation fühlt sich unsicher an. Konkret ist es die Geschwindigkeit und die Fülle der gleichzeitig verlaufenden Veränderungsprozesse. Was gestern noch gültig war, ist es heute nicht mehr, und das was jetzt gültig ist, wird es in der Zukunft nicht mehr sein. In meinem Kopf existiert dabei alles gleichzeitig. Vergangenheit, Gegenwart und vorgestellte Zukunft. Zweifel ist ein Zustand der Unsicherheit. Mir bleibt nichts anderes übrig als loszulassen. Wo ich vorher noch sagen konnte, so ist es, da muss ich jetzt sagen, früher war es so, jetzt ist es anders und wie es in der Zukunft sein wird, das weiß ich nicht. Ich kann kaum Antworten geben, nur haufenweise Fragen stellen.

Lebe den Moment, ist eine der Antworten, die Menschen für solche Situationen gefunden haben. Sei jetzt und hier da. Handele nach dem was du jetzt vorfindest. Plane…nun an dem Punkt wird es etwas komplizierter. Plane auf der Basis von vermutetem Bekanntem das Ungewisse. Plane von heute auf morgen. Setze Tag für Tag aneinander.

Einen zweifelsfreien Beleg dafür, dass dies eine sinnvolle Methode ist, habe ich in der Schlammlawine steckend nicht.